Yi Hwang
Philosoph und Beamter · 1501–1570 · Andong (Provinz Gyeongsang), Seoul (damals Hanseong), Dosan bei Andong
Kernidee in Kürze
Yi Hwang, genannt Toegye, folgte der Lehre von Zhu Xi und stellte in ihr das Prinzip (i) über die Lebenskraft (gi). In seinem Briefwechsel mit Gi Dae-seung, der Vier-Sieben-Debatte (sadan chiljeong), fragte er, wie ein von Natur aus guter Mensch schlechte Gefühle haben kann.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wenn der Mensch von Natur aus gut ist, wie entstehen dann schlechte Gefühle, und wie wird man ein Weiser?
- Position
- Die guten Regungen gehen vom Prinzip aus, die gemischten Gefühle von der Lebenskraft, und der Weg zum Weisen führt über ehrfürchtige Achtsamkeit.
- Einwand
- Gi Dae-seung hielt die Trennung für zu scharf, und Yi I wandte ein, dass das Prinzip erst in der Lebenskraft wirkt.
- Verbindung
- Yi Hwang baut auf Zhu Xi und Zhou Dunyi auf. Yi I widersprach ihm. Yi Hwang selbst kritisierte Seo Gyeong-deok.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Toegye war
Koreanischer Neokonfuzianer und Beamter der Joseon-Zeit, bekannt für sein umfassendes Studium von Zhu Xis Lehre; dabei betonte er den Vorrang des Prinzips (i).
Yi Hwang lebte in der frühen Joseon-Zeit, als der Neokonfuzianismus Staatslehre war. Er diente über vierzig Jahre vier Königen und zog sich immer wieder aus dem Hof zurück, um zu lehren und zu schreiben. Sein Ansehen in Korea und Ostasien ist bis heute hoch.
Kernidee genauer
Er antwortete: Die Vier Anfänge (die guten Regungen wie Mitgefühl) gehen vom Prinzip aus, die Sieben Gefühle (zum Beispiel Freude, Zorn, Trauer) von der Lebenskraft. Gegen Einwände von Gi Dae-seung änderte er seine Sicht und sprach von wechselseitigem Hervortreten (hobal). Als Weg zum Weisen betonte er die ehrfürchtige Achtsamkeit (kyeong), also eine ständige, bewusste Aufmerksamkeit auf das eigene Herz. Seine Zehn Diagramme des Lernens zum Weisen (1568) fassen die Lehre für König Seonjo zusammen.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Der Briefwechsel mit Gi Dae-seung ab 1559 veränderte Yi Hwangs Sicht: Er räumte ein, dass Prinzip und Lebenskraft bei allen Gefühlen beteiligt sind, und entwickelte die Lehre vom wechselseitigen Hervortreten.[2]
Fundstelle: Abschnitt 3.2
Bekannt für
Man kennt Yi Hwang für die Zehn Diagramme des Lernens zum Weisen und für die Vier-Sieben-Debatte, die Koreas philosophische Grundfrage nach Prinzip und Lebenskraft prägte. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du vor einer Reaktion auf eine harte Kritik kurz innehältst und Dich fragst, was Du gerade empfindest und warum, übst Du etwas, das Yi Hwang als ehrfürchtige Achtsamkeit (kyeong) beschrieb.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Prinzip vor Lebenskraft
Yi Hwang folgt der Lehre von Zhu Xi, nach der das Prinzip (i) und die Lebenskraft (gi) zusammen die Welt tragen. Er betont das Prinzip als formenden Grund, der die Lebenskraft bestimmt. Diese Betonung wurde zum Kern der Yeongnam-Schule, in der Gelehrte wie Yu Seong-ryong und Kim Seong-il sein Erbe fortführten.
Die Vier-Sieben-Debatte
Die Frage lautet: Wenn die menschliche Natur gut ist, warum entstehen dann auch schlechte Gefühle? Yi Hwang schrieb im Frühjahr 1559 an Gi Dae-seung, die Vier Anfänge gingen vom reinen Prinzip aus und seien nur gut, die Sieben Gefühle schlössen die Lebenskraft ein und seien gemischt aus Gutem und Schlechtem. Gi Dae-seung entgegnete, dies trenne zu scharf, denn Prinzip und Lebenskraft seien nicht voneinander unabhängig.
Das wechselseitige Hervortreten (hobal)
Nach den Einwänden räumte Yi Hwang ein, dass Prinzip und Lebenskraft bei allen Gefühlen beteiligt sind. Das Prinzip als selbst hervortretende Kraft war ungewöhnlich, weil es in der Tradition nicht als sich selbst auslösend galt.
Ehrfürchtige Achtsamkeit (kyeong)
Als Weg zum Weisen nennt Yi Hwang die ehrfürchtige Achtsamkeit. Sie bedeutet eine ständige, bewusste Aufmerksamkeit auf das Herz, damit gute Gedanken zu Taten führen.
Die Zehn Diagramme
Das Werk sammelt Diagramme chinesischer und koreanischer Gelehrter, darunter das Diagramm des höchsten Pols von Zhou Dunyi, und drei eigene von Yi Hwang. Es ordnet Zhu Xis Hauptlehren und fügt kurze Anmerkungen hinzu. Es wurde zu einem der meistgedruckten Texte der Joseon-Zeit.
Begriffe
- i (Prinzip
- chinesisch li)
- gi (Lebenskraft
- chinesisch qi)
- Vier Anfänge (sadan) und Sieben Gefühle (chiljeong)
- kyeong (ehrfürchtige Achtsamkeit)
- Lernen zum Weisen (Seonghak)
- hobal (wechselseitiges Hervortreten)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
5 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 5 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Yi IPrüfstand: belegt
Der junge Yi I besuchte Yi Hwang 1558 und blieb drei Tage; danach schrieben sich beide Briefe bis zu Yi Hwangs Tod 1570.
Kritisiert
Toegye kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Seo Gyeong-deokPrüfstand: belegt
Yi Hwang warf Seo Gyeong-deok vor, Zhu Xis Lehre von i und gi falsch zu deuten.
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von Toegye. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Yi IPrüfstand: belegt
In seinen Briefen an Seong Hon, der Yi Hwangs Linie vertrat, kritisierte Yi I mittelbar Yi Hwangs Zweiteilung, nach der die Vier Anfänge vom Prinzip und die Sieben Gefühle von der Lebenskraft ausgehen, und bestand darauf, dass das Prinzip nur in der Lebenskraft wirkt.
Übernimmt Gedanken von
Toegye übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Zhou DunyiPrüfstand: belegt
Yi Hwang nimmt in seine Zehn Diagramme als erstes Diagramm Zhou Dunyis Diagramm des höchsten Pols (Taiji) auf.
Zhu XiPrüfstand: belegt
Yi Hwang folgt Zhu Xis Lehre, nach der Prinzip (i) und Lebenskraft (gi) die Welt tragen, und betont dabei das Prinzip.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Yi Hwang wurde 1501 bei Andong in der Provinz Gyeongsang geboren. Er kam mit 23 Jahren nach Seoul, ging dort an die Akademie Sungkyunkwan und bestand 1534 die Beamtenprüfung mit Auszeichnung. Er diente vier Königen, zog sich immer wieder zurück und gründete 1560 die Dosan seodang, eine Privatschule, aus der später die Dosan seowon wurde.[5]
Biografie belegt
1568 verfasste Yi Hwang die Zehn Diagramme des Lernens zum Weisen. Er schrieb sie für König Seonjo, nachdem er auf Bitten des Königs wieder ein Amt übernommen hatte. 1570 zog er sich endgültig aus der Politik zurück und starb im selben Jahr.[1]
Zeitgeschehen belegt
Yi Hwang war enttäuscht von den Machtkämpfen am Hof gegen Ende der Regierungszeit von König Jungjong und zog sich aus dem Amt zurück. Er wurde aber immer wieder zurückgerufen.[5]
Biografie belegt
Im Frühjahr 1558 besuchte der 23-jährige Yi I den 58-jährigen Yi Hwang in Yean bei Andong und blieb drei Tage. Danach tauschten beide bis zu Yi Hwangs Tod 1570 Briefe aus.[7]
Kritik
Yi I kritisierte mittelbar, im Briefwechsel mit Seong Hon, dass Yi Hwang die Gefühle nach getrennten Ursprüngen unterscheide und dem Prinzip eine eigene Wirkkraft zuschreibe, die nach Zhu Xis Lehre nur der Lebenskraft zukomme. Ein Fachartikel merkt an, dass Yi I die innere, geistliche Seite von Yi Hwangs Lehre nicht ganz erfasst habe.
Wirkung heute
Yi Hwangs Denken wirkte über Korea hinaus: Der japanische Gelehrte Yamazaki Ansai hielt ihn für den größten Konfuzianer Koreas. Nach einer weiteren Darstellung wirkte seine Lehre auch in Taiwan und Vietnam. Er ist auf dem koreanischen 1000-Won-Schein abgebildet.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Yi Hwangs ehrfürchtige Achtsamkeit kannst Du als Übung für Führungsmomente nehmen, in denen Gefühle hochkochen. Ein Alltagsbeispiel: Bevor Du in einer Teamsitzung auf einen Vorwurf antwortest, hältst Du einen Atemzug lang inne und fragst Dich, welches Gefühl gerade den Ton bestimmt. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Yi Hwang über Führung.
Lebensstationen
- 1501Geburt bei Andong in der Provinz Gyeongsang
- 1534Besteht die Beamtenprüfung mit Auszeichnung
- 1558Besuch des jungen Yi I in Yean; Beginn des Briefwechsels
- 1559Beginn des Briefwechsels mit Gi Dae-seung (Vier-Sieben-Debatte)
- 1560Gründung der Dosan seodang
- 1568Zehn Diagramme des Lernens zum Weisen für König Seonjo
- 1570Tod
Werke
Seonghak sipdo (Zehn Diagramme des Lernens zum Weisen, 1568); Briefwechsel mit Gi Dae-seung zu den Vier Anfängen und Sieben Gefühlen (ab 1559); Toegye jeonseo (Gesammelte Werke)
Lesetipps
- Einstieg
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Korean Confucianism“, Abschnitt 4
- Vertiefung
- Michael C. Kalton (Übersetzer), To Become a Sage: The Ten Diagrams on Sage Learning by Yi T’oegye (Columbia University Press, 1988); Michael C. Kalton, The Four-Seven Debate (State University of New York Press, 1994)
Noch nicht sicher belegt
- Das Ende des Briefwechsels mit Gi Dae-seung (1566) nennt nur eine Quelle. Der Einfluss seiner Lehre in Japan, Taiwan und Vietnam ist nur in einer Quelle genannt. Die Datierung seiner Gesammelten Werke ist nicht eindeutig. Ob Yi Hwang den Hwadam persönlich kannte, bleibt offen; belegt ist nur seine Kritik an dessen Deutung.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 7: Japan klassisch und Korea. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Toegye
- [1]Korean Confucianism, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Korean Philosophy, Abschnitt 3.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [3]rep.routledge.com/articles/biographical/yi-hwang-1501-70/v-1 · Webseite
- [4]encyclopedia.com/environment/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/yi-toegye · Webseite
- [5]Yi Hwang, Abschnitt Biography · Wikipedia
- [6]Korean Confucianism, Understanding Korea Series Nr. 3 (Akademie für Koreastudien), Abschnitt 4 · Webseite
- [7]Hyoungchan Kim, Korean Confucianism (Rowman & Littlefield, 2018), Kapitel 1; Wikipedia, Yi I