Speusippos von Athen
um 408–339 v. Chr. · Athen
- Strömung
- Athen: Sokrates, Platon, Aristoteles
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Platons Neffe und erster Leiter der Akademie nach Platon, der wichtige Lehren seines Onkels verwarf.
Er hält die Akademie nach Platons Tod zusammen und zeigt zugleich, dass ein Nachfolger nicht dasselbe lehren muss wie der Gründer. Aristoteles verließ die Akademie der Überlieferung nach, als die Leitung an ihn ging.
Kernidee
Speusipp hielt das Gute nicht für den obersten Ausgangspunkt der Wirklichkeit, sondern für etwas, das erst später entsteht. Die Ideenlehre seines Onkels lehnte er ab. Er meinte außerdem, dass man etwas nur wirklich kennt, wenn man alle Unterschiede kennt, die es von allem anderen trennen.
Bekannt für
Er ist bekannt als der Nachfolger Platons in der Akademie, der sich von dessen Ideenlehre abwandte. Dazu kommt sein Neffenverhältnis zu Platon, durch das er die Schule erbte.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Das Gute steht nicht am Anfang
Bei Platon ist das Gute das höchste Prinzip. Speusipp dagegen hielt es nach Wikipedia nur für nachrangig. Ein Alltagsbild: Ein Unternehmen formuliert seine Werte nicht zuerst, sondern sie wachsen aus dem, was es tut und aufbaut.
Wissen heißt Unterschiede kennen
Nach Speusipp kann niemand etwas zufriedenstellend wissen, ohne alle Unterschiede zu kennen, die es von allem anderen trennen. Wer ein Ding wirklich verstehen will, muss also das ganze Umfeld verstehen. Im Beruf heißt das: Wer eine Strategie wählt, muss auch wissen, was er alles nicht wählt.
Glück als Ungestörtheit
Glück ist für Speusipp ein vollendeter Zustand, den die guten Menschen vor allem als Freiheit von Störungen anstreben. Damit zeigt er einen Zug, der später in der hellenistischen Ethik wichtig wird. Eine Führungskraft kann das so lesen: Gute Arbeitsbedingungen sind oft die, in denen weniger gestört wird.
Begriffe
- Prinzipienlehre
- Ablehnung der Ideenlehre
- Das Gute als nachrangig
- Unerschütterlichkeit
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Platon: sein Onkel, bei dem er in der Akademie lernte
Schüler
- Xenokrates: wurde sein Nachfolger an der Spitze der Akademie
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen, davon 3 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Aristotelesungeprüft
Aristoteles verließ die Akademie der Überlieferung nach, nachdem Speusipp die Leitung übernommen hatte.
persönlich verbunden mit Platonungeprüft
Der Neffe übernahm nach Platons Tod die Leitung der Schule.
persönlich verbunden mit Xenokrates von Chalkedonungeprüft
Xenokrates folgte ihm als Leiter der Akademie.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Berichte über Jähzorn, Habgier und Ausschweifung stammen offenbar aus schlechten Quellen, vor allem aus gefälschten Briefen des Dionysios II.[1]
Zeitgeschehen belegt
Er arbeitete mit Dion zusammen, als Dionysios II. aus Syrakus vertrieben wurde. Damit war die Akademie unmittelbar in sizilische Politik verwickelt.[1]
Abhängigkeit Deutung
Unser Bild von seiner Lehre hängt stark an Aristoteles, der als Zeuge umstritten ist. Dadurch kann die Darstellung verzerrt sein.[2]
Kritik
Aristoteles ist der wichtigste, aber umstrittene Zeuge seiner Lehre. In der Forschung gilt es als offen, wie platonisch Speusipp noch ist. Antike Biografen zeichnen ein unfreundliches Bild, das aber auf unsicheren Quellen beruht.
Wirkung heute
Speusipp erinnert daran, dass eine Schule nach dem Gründer nicht erstarren muss. Sein Satz, dass Wissen Unterschiede braucht, passt noch heute zu jeder Marktanalyse.
Brücke zu Führung und Coaching
Wenn du ein Team von einem charismatischen Gründer oder Vorgänger übernimmst, kannst du dich an Speusipp orientieren: weiterführen, was trägt, und offen verwerfen, was nicht mehr passt. Frage dich, welche Lehre des Vorgängers du nur aus Loyalität weiterträgst. Und frage dein Team, welche Teile der alten Haltung wirklich gebraucht werden.
Lebensstationen
- 408 v. Chr.Geburt in Athen (ungefähr)
- 348 v. Chr.Übernimmt nach Platons Tod die Akademie
- 339 v. Chr.Tod, Nachfolger wird Xenokrates (ungefähr)
Werke
Nach Diogenes Laertios etwa 30 Titel, darunter viele Dialoge. Nahezu nichts davon ist erhalten, die Lehre wird aus Berichten anderer rekonstruiert.
Anekdote überliefert
Nach einem Schlaganfall soll er die Leitung der Akademie an Xenokrates abgegeben haben. Er starb nach einer langen Lähmung.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Platon, Der Staat (Krapinger, Reclam 2017), um die Ideenlehre kennenzulernen, die Speusipp verwarf; eigene Texte von ihm sind kaum erhalten.
- Vertiefung
- Hellmut Flashar (Hg.), Die Philosophie der Antike, Bd. 3: Ältere Akademie, Aristoteles, Peripatos, Schwabe, Basel (1983).
Noch nicht sicher belegt
- Geburtsjahr nur geschätzt (um 410 bis 408). Ob Aristoteles wegen Speusipp ging, ist nur überliefert. Seine Lehre ist fast nur über Berichte bekannt.
Herkunft der Daten: Klassisches Athen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Speusippos
- [1]Wikipedia, Speusippus · Wikipedia
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Speusippus · Stanford Encyclopedia of Philosophy