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Landkarte der Philosophie · Denkweg

Wann ist gut genug?

Denkimpuls · etwa 3 Minuten Lesezeit

Morgen um neun stellst du der Geschäftsleitung ein Konzept vor. Es ist kurz nach zehn am Abend, die Präsentation steht, und doch fallen dir drei Stellen ein, die besser sein könnten. Du könntest noch eine Runde feilen oder die Datei jetzt schließen. Was gibt für dich den Ausschlag?

Welche Überlegung ist dir zunächst am nächsten?

  • Die Präsentation muss zu diesem Termin passen, nicht zu jedem denkbaren.

    Die erste Station fragt, wo das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel liegt. Aristoteles sucht dort die Mitte relativ zu uns und verlangt nur so viel Genauigkeit, wie die Sache zulässt. Weiter zu Station 1: Wo liegt das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel?

  • Irgendwann muss ich aufhören, sonst wird es nie fertig.

    Die dritte Station fragt, wann eine Suche nach dem Besseren enden darf. Simon nennt es dort satisficing, aufzuhören, sobald eine vorher gesetzte Schwelle erreicht ist. Weiter zu Station 3: Wann höre ich auf zu optimieren?

  • Ehrlich gesagt habe ich Angst, wie es bei der Geschäftsleitung ankommt.

    Die vierte Station fragt, für wen etwas perfekt sein muss. Winnicott stellt dort der vollkommenen die hinreichend gute Fürsorge gegenüber, und Hewitt und Flett unterscheiden Perfektionismus an sich selbst von dem, den man anderen als Erwartung zuschreibt. Weiter zu Station 4: Für wen muss es perfekt sein?

  • Vielleicht ist eine Stelle, die noch offen ist, gar nicht schlecht.

    Die fünfte Station fragt, ob Unfertiges wertvoll sein kann. Okakura beschreibt dort den Teeweg als Verehrung des Unvollkommenen, und Camus fragt, ob ein Tun erfüllt, das nie fertig wird. Weiter zu Station 5: Kann Unfertiges wertvoll sein?

Jeder der vier Einstiege führt zu einer ernsthaften Überlegung, und alle sind gleich viel wert. Du wählst nur, womit du anfängst, und kannst jederzeit wechseln.

Zwei Blickrichtungen auf denselben Abend

Herbert A. Simon

Hat deine Präsentation die Schwelle erreicht, die du vorher gesetzt hast?

Was daran überzeugt: Du musst nicht das Beste finden, das sich denken lässt. Simon beschreibt, wie Menschen Möglichkeiten prüfen, bis eine ein vorher gesetztes Anspruchsniveau erreicht, und dann aufhören. So bekommt deine Suche ein Ende, das du selbst festlegen kannst.

Was irritieren kann: Simon sah das Genügen anfangs selbst eher als Notbehelf für Menschen, die das Beste nicht finden können. Und eine Schwelle hilft wenig, wenn du sie nach jeder Runde wieder höher legst.

Genauer in Station 3

Donald W. Winnicott

Nach wessen Maßstab soll die Präsentation genügen?

Was daran überzeugt: Du schaust nicht nur auf die Folien, sondern auf dein Verhältnis zu den Erwartungen. Winnicott beschreibt eine hinreichend gute Fürsorge, die nicht vollkommen ist und gerade durch kleine, verkraftbare Enttäuschungen Wachstum ermöglicht.

Was irritieren kann: Winnicott spricht über Säuglinge und Mütter und nicht über Arbeit, die Übertragung ist unsere. Ihm wird außerdem vorgeworfen, die Mutter zu idealisieren und ihr die Schuld zu geben, wenn etwas schiefgeht.

Genauer in Station 4

Eine hilfreiche Unterscheidung

Simon fragt, wann die Suche nach dem Besseren enden darf. Winnicott lässt fragen, nach wessen Maßstab etwas genügen muss. Beide Fragen sind berechtigt, und sie können für denselben Abend zu verschiedenen Ergebnissen führen.

Zum Weitergeben

Gut genug ist keine Ausrede, sondern eine Schwelle, die man vorher festlegt. Die nächste Frage ist: Für wen soll es perfekt sein?

Redaktioneller Denkimpuls, kein Zitat von Simon, Winnicott oder einer anderen Person.

Was du auf diesem Weg untersuchst

Du gehst Schritt für Schritt der Frage nach, wann etwas gut genug ist. Zuerst fragst du, wo das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel liegt, dann, was bei dir liegt und was du wirklich brauchst, wann du aufhören darfst zu optimieren, für wen es eigentlich perfekt sein muss, und zuletzt, ob Unfertiges sogar wertvoll sein kann.

Den ganzen Weg gehen

5 Stationen. Du musst nicht alles lesen; jede Station hat eine kurze Fassung und aufklappbare Vertiefungen.

  • Denkimpuls: etwa 3 Minuten (461 Wörter)
  • Kernweg (die kurzen Fassungen der Stationen): etwa 11 Minuten (2129 Wörter)
  • Alles mit allen Vertiefungen: etwa 44 Minuten (8666 Wörter)

Reine Lesezeit. Zeit zum Nachdenken und für deine eigenen Antworten kommt dazu.

Wie diese Zeit entsteht

Gerechnet als Wörter geteilt durch 200 pro Minute, aufgerundet. Das ist reine Lesezeit. Nachdenken, Aufklappen, Nachschlagen von Quellen und eigene Pausen sind nicht eingerechnet, und Lesetempo ist verschieden.

Ein Vergleich von Antworten auf dieselbe Frage. Die Reihenfolge ist eine redaktionelle Erzählstruktur, keine historische Entwicklung und kein wissenschaftlicher Konsens, und eine spätere Antwort ist nicht automatisch die bessere. Philosophische Positionen, psychologische Befunde und die Übertragung auf deine Arbeit sind getrennt gekennzeichnet. Wie Denkwege aufgebaut sind

Los geht es: Wo liegt das richtige Maß zwischen zu wenig und zu viel?

Alle Stationen

  1. Station 1Maß und Mitte
  2. Station 2Was liegt bei mir?
  3. Station 3Wann aufhören?
  4. Station 4Für wen perfekt?
  5. Kreuzung nach Station 4Zwei Richtungen im Vergleich
  6. Station 5Wert des Unfertigen
  7. AbschlussZurückblicken

Die Reihenfolge folgt dem Gedankengang; historische Bezüge stehen ausdrücklich dabei (Methodik).Zur Landkarte · Suche