Landkarte der Philosophie · Wann ist gut genug?
Wann höre ich auf zu optimieren?
Station 3 von 5 im Denkweg „Wann ist gut genug?“. Unten steht die kurze Fassung dieser Station; wer mehr will, klappt die Vertiefungen auf. Wie es weitergeht: Nächste Frage: Für wen muss es perfekt sein?
Diese Station untersucht: Anspruchsniveau: Wann höre ich auf zu optimieren?
Der Fall
Kurz vor Mitternacht hast du Zeit für genau eine Runde. Du könntest drei Varianten der Einstiegsfolie bauen und die beste wählen oder die jetzige nehmen, weil sie ihren Zweck erfüllt.
Anschluss an die vorige Station: Neu ist, dass die Zeit knapp ist und jede weitere Variante etwas kostet. Damit wird aus der Frage nach dem, was bei dir liegt, eine Frage nach dem Ende einer Suche.
Selbst nachdenken
Wonach würdest du jetzt entscheiden, ob du weitersuchst?
Wenn du magst, markiere, was dir am nächsten ist. Das bleibt nur in diesem Browser.
Ich suche, bis ich sicher die beste Variante habe
Wenn du sicher die beste Variante willst, achte bei Simon darauf, warum das im Alltag selten gelingt, und bei Schwartz, was es kosten kann.
Ich nehme die erste, die ihren Zweck erfüllt
Wenn dir die erste passende Variante reicht, prüfe mit Simon, wie du vorher festlegst, was als passend gilt.
Ich höre auf, wenn ich müde bin
Wenn dich die Müdigkeit stoppt, frag dich mit Simon, ob eine Schwelle hilft, die du vorher bewusst setzt.
Freiwillig. Du kannst direkt weiterlesen.
Antworten darauf
Herbert Simon fragt: Wann ist eine Lösung gut genug, um die Suche zu beenden? Er nannte das satisficing, aus englisch satisfy (zufriedenstellen) und suffice (genügen). Du prüfst Möglichkeiten, bis eine eine vorher gesetzte Schwelle erreicht, dein Anspruchsniveau. Nach einer Darstellung hielt Simon das Ziel, das Beste zu finden, im wirklichen Leben fast immer für unerreichbar, weil die Umwelt verwickelt ist und Menschen nur begrenzt Informationen verarbeiten.
In einer späteren Weiterentwicklung von Reinhard Selten lässt sich das Anspruchsniveau je nach den vorhandenen Möglichkeiten nach oben oder unten anpassen.
Der Psychologe Barry Schwartz und seine Kollegen unterschieden 2002 Maximierer, die das bestmögliche Ergebnis wollen, von Genügsamen, denen ein Ergebnis reicht, das ein Kriterium erfüllt. In ihren Befragungen berichteten Maximierer weniger Zufriedenheit, Glück und Optimismus und mehr Bedauern als Genügsame.
Der stärkste Einwand
Simon selbst sah das Genügen anfangs als schwachen Ersatz für vollständige Rationalität und sprach von Menschen, die sich begnügen, weil ihnen der Verstand zum Maximieren fehlt. Dann wäre gut genug eher eine Grenze als ein Vorzug, und bei einer Präsentation, an der ein Projekt hängt, könnte sich eine weitere Runde lohnen.
Genauer in den Vertiefungen: Statt das Beste zu suchen, wählen Menschen oft die erste Möglichkeit, die ein gesetztes Anspruchsniveau erreicht.
Was das nicht heißt
Die Befunde von Schwartz und Kollegen sind Zusammenhänge aus Befragungen und zeigen keine Ursache; die Autoren halten selbst für möglich, dass unglückliche Menschen eher maximieren. Maximieren und Perfektionismus hingen in ihren Daten zusammen, verhielten sich aber verschieden zu Glück und Selbstwert.
Was jetzt sichtbar wird
Sichtbar wird der Unterschied zwischen der Suche nach dem Besten und einer Schwelle, die du vorher setzt und bei der du aufhören darfst.
Weiterdenken
Wer aber legt die Schwelle fest, und für wen soll die Präsentation eigentlich perfekt sein?
Nächste Frage: Für wen muss es perfekt sein?Vertiefungen
Freiwillig. Die Lesespur oben ist für sich verständlich; hier stehen die ausführlichen Begründungen, weitere Einwände, Zusammenhänge und Quellen.
Ausführlicher EinstiegErleben, Nachdenken und Einführung in der langen Fassung
Kurz vor Mitternacht hast du noch Zeit für genau eine Runde. Du könntest drei Varianten der Einstiegsfolie bauen und die beste wählen. Oder du nimmst die jetzige, weil sie das Problem klar benennt und in einer Minute erklärt ist. Jede Variante kostet etwa eine halbe Stunde.
Wonach würdest du jetzt entscheiden, ob du weitersuchst?
Die Frage, wann man mit dem Suchen aufhört, stellt sich bei jeder Entscheidung mit vielen Möglichkeiten. Herbert Simon, ein amerikanischer Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler, hat dafür einen Namen geprägt: satisficing, das Genügen. Der Psychologe Barry Schwartz und seine Kollegen haben später untersucht, wie es Menschen geht, die bei Entscheidungen das bestmögliche Ergebnis wollen. Beides ist keine Philosophie im engen Sinn, sondern Entscheidungsforschung und Psychologie.
Personen und ZusammenhangWer denkt hier mit wem, Begriffe kurz erklärt, historische Bezüge
Hervorgehoben sind die Personen dieser Station. Die Linien zeigen ihre Beziehungen; „Warum?“ führt zur Begründung.
Als Text
- Personen an dieser Station: Herbert A. Simon.
Position im Detail: Statt das Beste zu suchen, wählen Menschen oft die erste Möglichkeit, die ein gesetztes Anspruchsniveau erreichtBegründung, Beispiel, Einwände und Prüfstand
Antwort aus der Sicht: Herbert A. Simon · Historische Information
Statt das Beste zu suchen, wählen Menschen oft die erste Möglichkeit, die ein gesetztes Anspruchsniveau erreicht
Einfach gesagt
Herbert Simon, ein amerikanischer Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler, nannte es satisficing, Möglichkeiten zu prüfen, bis eine gefunden ist, die eine vorher gesetzte Schwelle des Annehmbaren erreicht. Diese Schwelle heißt Anspruchsniveau. Das Wort verbindet englisch satisfy (zufriedenstellen) und suffice (genügen).[1][2]
Wie das begründet wird
Simon ging davon aus, dass Menschen nicht alle Möglichkeiten und Folgen überblicken. Nach einer Darstellung hielt er das Ziel, das Beste zu finden, im wirklichen Leben fast immer für unerreichbar, weil die Umwelt verwickelt ist und Menschen nur begrenzt Informationen verarbeiten können. Wer genügt, braucht dagegen nur eine Rangfolge der Möglichkeiten und eine Schwelle, ab der er zugreift.[4][3]
Ein Beispiel
Als unser Beispiel und nicht als Fall von Simon: Vor einer Präsentation legst du fest, dass die Einstiegsfolie das Problem in einem Satz benennen und in einer Minute erklärt sein muss. Erfüllt die jetzige Fassung das, hörst du auf, statt drei weitere Varianten zu bauen.
Eine heutige Übertragung, nicht das Beispiel der Person selbst.
Was diese Antwort gut erklärt
Die Position rechnet mit begrenzter Zeit und begrenztem Wissen, statt von Menschen auszugehen, die alles überblicken. Sie gibt der Suche ein Ende, das sich vorher festlegen lässt.
Genauer betrachtet: Maximierer und Genügsame
Barry Schwartz und Kollegen griffen Simons Begriff 2002 auf und unterschieden Menschen, die das bestmögliche Ergebnis wollen, von Menschen, denen ein Ergebnis reicht, das ein Kriterium erfüllt. In ihren Befragungen berichteten Maximierer weniger Zufriedenheit, Glück und Optimismus und mehr Bedauern. Die Autoren betonen selbst, dass ihre erste Studie nichts über die Richtung der Ursache sagt.[3]
Häufiges Missverständnis
Genügen heißt nicht, mit irgendetwas zufrieden zu sein. Die Schwelle wird vorher gesetzt, und wer später zufällig auf etwas Besseres stößt, kann nach Schwartz und Kollegen das Gewählte dagegen tauschen.[3]
Wo diese Antwort an ihre Grenze kommt
Einwand aus der Sicht: Herbert A. Simon
Simon selbst sah das Genügen zunächst als schwachen Ersatz für vollständige Rationalität und sprach von Menschen, die sich begnügen, weil ihnen der Verstand zum Maximieren fehlt.[1]
Eine mögliche Antwort darauf: Nach einer Darstellung werden Modelle des Genügens zunehmend genutzt, etwa im maschinellen Lernen und in der Ökonomie,, auch dort, wo es kein brauchbares Verfahren gibt, viele Maßstäbe zu einem einzigen Wert zusammenzufassen.
Einwand aus der Sicht: Barry Schwartz und Kollegen
Die Befunde über Maximierer und Genügsame sind Zusammenhänge aus Befragungen. Es könnte auch sein, dass unglückliche Menschen eher maximieren, weil sie ihre Enttäuschung ihren Entscheidungen zuschreiben.[3]
In der Forschung umstritten: Ist Genügen eine kluge Strategie oder nur ein Notbehelf, weil Menschen das Beste nicht finden können?
Noch nicht sicher belegt
- Simons eigene Aufsätze von 1955 bis 1957 wurden nicht gelesen; die Aussage, er habe das Maximieren für fast immer unerreichbar gehalten, folgt der Darstellung von Schwartz und Kollegen.
- Das Beispiel mit der Einstiegsfolie ist redaktionell.
- Unabhängige Prüfung vom 06.11.2026 (recherche/weg-gut-genug/pruefer-weg.json, Nachprüfung recherche/weg-gut-genug/pruefer-weg-nach.json).
Warum steht das hier? · Satz für Satz gegen die Quellen geprüft (2026-11-06) Herkunft: Text redaktionell formuliertPrüfstufe: nur mittelbar geprüftStreitstand: in der Forschung umstritten
- Herkunft
- Text redaktionell formuliertDer Text ist unsere eigene Zusammenfassung oder Übertragung. Das sagt nichts über die Art der Belege; die steht bei jedem Beleg.
- Prüfstufe
- nur mittelbar geprüftNur über Sekundärliteratur geprüft, nicht an der Originalstelle.
- Streitstand
- in der Forschung umstrittenDie Fachdiskussion ist geteilt.
- Art der Belege
- 1 × Originaltext, 3 × NachschlagewerkAus den Quellen gezählt, getrennt davon, wer den Text formuliert hat.
Belege
Quelle: Bounded Rationality (Stanford Encyclopedia of Philosophy) (Nachschlagewerk)
Fundstelle: 2.2 Satisficing
Stützt: Einfach gesagt und Einwand 1
Hinweis zur Unsicherheit: Ein Nachschlagewerk, kein Originaltext.
Quelle: Satisficing (Wikipedia, englisch) (Nachschlagewerk)
Fundstelle: Einleitung
Stützt: Einfach gesagt
Hinweis zur Unsicherheit: Ein Nachschlagewerk, kein Originaltext.
Quelle: Herbert A. Simon – Wikipedia (en), Abschnitt Artificial intelligence (Nachschlagewerk)
Fundstelle: Decision-making
Stützt: Begründung
Hinweis zur Unsicherheit: Ein Nachschlagewerk, kein Originaltext.
Fundstelle: S. 1178 bis 1179 (Einleitung zu Simon)
Stützt: Begründung und Missverständnis
Fundstelle: Diskussion zu Studie 1; Schlussdiskussion
Stützt: Genauer betrachtet und Einwand 2
Was an der Aussage unsicher ist
- Nur über Sekundärliteratur geprüft, nicht an der Originalstelle.
- In der Forschung umstritten. Die Fachdiskussion ist geteilt.
Quellen und PrüfstandWoher die Aussagen dieser Station stammen
Ein Vergleich von Antworten auf dieselbe Frage. Die Reihenfolge ist eine redaktionelle Erzählstruktur, keine historische Entwicklung und kein wissenschaftlicher Konsens, und eine spätere Antwort ist nicht automatisch die bessere. Philosophische Positionen, psychologische Befunde und die Übertragung auf deine Arbeit sind getrennt gekennzeichnet. Prüfstand dieser Station: Aussagen über Personen in der kurzen Fassung und in den Vertiefungen sind Satz für Satz gegen die genannten Quellen geprüft (2026-11-06). Fall, Fragen und Übertragungen auf deinen Alltag sind redaktionell formuliert und tragen keine Quellenaussage. Prüfstufe: nur mittelbar, also an Fachlexika und nicht am Originaltext geprüft. Wie Denkwege und Prüfstand funktionieren
Quellen der kurzen Fassung
- Bounded Rationality (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 2.2 Satisficing (Schwelle, Anspruchsniveau; „have not the wits to maximize“, Simon 1957a; Seltens Anpassung des Anspruchsniveaus)
- Satisficing (Wikipedia, englisch), Einleitung (satisfy und suffice, Simon 1956)
- Barry Schwartz, Andrew Ward, John Monterosso, Sonja Lyubomirsky, Katherine White, Darrin R. Lehman: Maximizing Versus Satisficing: Happiness Is a Matter of Choice, Journal of Personality and Social Psychology 83 (5), 2002, S. 1178–1197 (Fassung auf der Website des Erstautors), S. 1178 bis 1179 (Simon: Maximieren fast immer unerreichbar; satisficing als gut genug); Diskussion zu Studie 1 (Maximierer und Genügsame, Befunde, keine Aussage zur Richtung, Maximieren und Perfektionismus verschieden); Schlussdiskussion (alternative Richtung: unglückliche Menschen maximieren)
Quellen der Positionen
- [1]Bounded Rationality · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Satisficing · Wikipedia, abgerufen 2026-10-22
- [3]Barry Schwartz, Andrew Ward, John Monterosso, Sonja Lyubomirsky, Katherine White, Darrin R. Lehman: Maximizing Versus Satisficing: Happiness Is a Matter of Choice, Journal of Personality and Social Psychology 83 (5), 2002, S. 1178–1197 (Fassung auf der Website des Erstautors) · Aufsatz, abgerufen 2026-11-06
- [4]Herbert A. Simon – Wikipedia (en), Abschnitt Artificial intelligence
Fertig mit dieser Station?
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Warum steht das hier? · Satz für Satz gegen die Quellen geprüft (2026-11-06) Herkunft: Text redaktionell formuliertPrüfstufe: nur mittelbar geprüftStreitstand: in der Forschung umstritten
- Herkunft
- Text redaktionell formuliertDer Text ist unsere eigene Zusammenfassung oder Übertragung. Das sagt nichts über die Art der Belege; die steht bei jedem Beleg.
- Prüfstufe
- nur mittelbar geprüftNur über Sekundärliteratur geprüft, nicht an der Originalstelle.
- Streitstand
- in der Forschung umstrittenDie Fachdiskussion ist geteilt.
- Art der Belege
- 1 × Originaltext, 2 × NachschlagewerkAus den Quellen gezählt, getrennt davon, wer den Text formuliert hat.
Belege
Quelle: Bounded Rationality (Stanford Encyclopedia of Philosophy) (Nachschlagewerk)
Fundstelle: 2.2 Satisficing
Stützt: kurz und Einführung
Hinweis zur Unsicherheit: Ein Nachschlagewerk, kein Originaltext.
Quelle: Satisficing (Wikipedia, englisch) (Nachschlagewerk)
Fundstelle: Einleitung
Stützt: kurz
Hinweis zur Unsicherheit: Ein Nachschlagewerk, kein Originaltext.
Fundstelle: S. 1178 bis 1179 (Einleitung zu Simon)
Stützt: kurz und Einführung
Fundstelle: Diskussion zu Studie 1; Schlussdiskussion
Stützt: kurz und Klärung 1
Was an der Aussage unsicher ist
- Nur über Sekundärliteratur geprüft, nicht an der Originalstelle.
- In der Forschung umstritten. Die Fachdiskussion ist geteilt.
- In der Forschung umstritten: Ist Genügen eine kluge Strategie, die auch zufriedener macht, oder nur ein Notbehelf, weil Menschen das Beste nicht finden können?
- Noch nicht sicher belegt: Die Stelle, an der Simon das Maximieren für fast immer unerreichbar hält, stammt aus der Darstellung von Schwartz und Kollegen 2002; Simons Aufsätze von 1955 bis 1957 wurden nicht selbst gelesen.
- Noch nicht sicher belegt: Seltens Anpassung des Anspruchsniveaus ist eine spätere Weiterentwicklung und keine Aussage Simons.
- Noch nicht sicher belegt: Die Befunde von Schwartz und Kollegen sind Korrelationen aus Befragungen; die Übertragung auf das nächtliche Feilen an einer Präsentation ist unser Beispiel.
- Noch nicht sicher belegt: kurz.situation, kurz.untersucht, kurz.antwort, kurz.staerkster_einwand und kurz.einschraenkung: Unabhängige Prüfung vom 06.11.2026 (recherche/weg-gut-genug/pruefer-weg.json, Nachprüfung recherche/weg-gut-genug/pruefer-weg-nach.json). Die Aussagen über Personen wurden Satz für Satz gegen die abgerufenen Quellen geprüft; Fall, Fragen und Übertragungen sind redaktionell.
Prüfstand dieser Station: Aussagen über Personen in der kurzen Fassung und in den Vertiefungen sind Satz für Satz gegen die genannten Quellen geprüft (2026-11-06). Fall, Fragen und Übertragungen auf deinen Alltag sind redaktionell formuliert und tragen keine Quellenaussage. Prüfstufe: nur mittelbar, also an Fachlexika und nicht am Originaltext geprüft. Quellen und Belege stehen unter „Quellen und Prüfstand“ in den Vertiefungen.