Landkarte der Philosophie · Woher weiß ich, was wahr ist?
Richtung 2 von 2 an der Kreuzung
Spricht etwas dagegen, deiner Tante zu glauben?
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du verstehst, warum du so viel wissen kannst, obwohl du fast nichts selbst nachprüfst.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Widerspruch
In der Sache steht Reids Antwort der Forderung nach Gründen entgegen, weil sie Vertrauen schon erlaubt, solange nichts dagegen spricht; belegt ist seine Kritik an Hume aber vor allem bei der Lehre von der Ursache und der Skepsis, die Gegenüberstellung beim Zeugnis ist redaktionell.
Das Kernargument
Reid hält Vertrauen in das Wort anderer für eine Anlage, die uns die Natur mitgibt. Wäre es ein Ergebnis von Erfahrung und Überlegung, müsste es mit dem Alter wachsen, tatsächlich ist es in der Kindheit am stärksten und wird erst durch Erfahrung eingeschränkt. Wie du deinen Sinnen trauen darfst, ohne ihre Verlässlichkeit erst zu beweisen, darfst du nach ihm auch dem Wort anderer trauen, solange du keinen Grund zum Zweifeln hast. Zu dieser natürlichen Ausstattung gehört auch ein Gespür dafür, wann man jemandem nicht trauen sollte.
Am Fall
Reid spricht vom Zeugnis allgemein und nicht von Gesundheitsmeldungen, der Chat ist eine Übertragung. Du darfst deiner Tante zunächst glauben, so wie der Verkäuferin, die dir sagt, in welchem Gang das Mehl steht. Der widersprechende Link ist aber ein Anlass, beide Berichte genauer anzusehen, und die Vermutung zugunsten des Vertrauens allein sagt dir dann noch nicht, wem du folgst.
Ein ernsthafter Einwand
Jennifer Lackey wendet ein, dass du dann auch einem scheinbar auf Englisch geschriebenen Notizbuch von Außerirdischen glauben dürftest, das von hungrigen Tigern berichtet, und hält das für unvernünftig. Paul Faulkner meint, weil Menschen lügen können, seien an Zeugnisse höhere Anforderungen zu stellen als an Wahrnehmungen.
Quellen dieser Richtung
- Epistemological Problems of Testimony (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 1.2 Non-Reductionism (Reid als früher Vertreter, Vergleich mit der Wahrnehmung, Lackey)
- Epistemology of Testimony (Internet Encyclopedia of Philosophy), 2. a. Characterizing the Debate; 2. b. i. T’s Ability to Deceive (Faulkner); 2. b. ii. Individual Counterexamples
- Thomas Reid (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 4.1 Objecting to Hume (Kritik an Humes Lehre von der Ursache und Skepsis)
Wie es weitergeht
Vertiefen in Station 3: Darf ich glauben, was ich nicht selbst prüfen kann?
Andere Perspektive
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie.