Landkarte der Philosophie

Jacopo Zabarella

1533–1589 · Padua

Strömung
Renaissance und Macht
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Paduaner Professor für Logik und Naturphilosophie, der die aristotelische Wissenschaftsmethode so genau ausarbeitete, dass sie bis ins 17. Jahrhundert Maßstab blieb.

Zabarella steht für die Paduaner Schule, die die aristotelische Methode verfeinerte, statt sie zu ersetzen. Seine Methodenlehre wirkte stark auf protestantische Aristoteliker in Deutschland und den Niederlanden.

Kernidee

Zabarella versteht Logik nicht als Wissenschaft, sondern als Werkzeug (Instrument) der Wissenschaften und Künste. Er beschreibt zwei Wege des Erkennens: vom Zusammengesetzten zu den Ursachen (resolutiv) und von den Ursachen zur Erklärung (kompositiv). Im „regressus“ kombiniert er beide in drei Schritten, damit aus einer Wirkung die Ursache erkannt und dann die Wirkung aus der Ursache bewiesen wird.

Bekannt für

Zabarella gilt als einer der wichtigsten Aristoteliker der Renaissance und Lehrer der Methodenlehre. Sein Leben verbrachte er fast vollständig in Padua.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Logik als Werkzeug

Für Zabarella ist Logik weder Wissenschaft noch Kunst, sondern ein Werkzeug, das beiden dient. Sie liefert die Form, nicht den Inhalt. Im Betrieb entspricht das einem Projektmanagement-Rahmen: Er sagt nicht, was zu entscheiden ist, sondern wie man sauber dahin kommt.

Der regressus

Aus einer beobachteten Wirkung schließt man auf die Ursache, prüft die Ursache im Kopf (examen mentale) und beweist dann die Wirkung aus der Ursache. So soll der scheinbare Zirkel zu einem Erkenntnisgewinn werden. Wer in einem Team ein Problem sieht, geht ebenso vom Symptom zur Ursache und prüft zuletzt, ob die Ursache das Symptom wirklich erklärt.

Wissenschaft und Kunst

Wissenschaften betreffen das Ewige und Notwendige, Künste das Veränderliche und Herstellbare. Die Medizin zählt er deshalb zu den Künsten. Führung ist nach dieser Unterscheidung eine Kunst: Es gibt Methoden, aber keine Gewissheit.

Begriffe

Methode
regressus
Logik als Werkzeug
Wissenschaft und Kunst
Aristotelismus

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Francesco Robortello: Humanistik
  • Bernardino Tomitano: Logik, dessen Lehrstuhl er 1564 übernahm
  • Marcantonio Genua: Physik und Metaphysik
  • Pietro Catena: Mathematik

Gegner

  • Francesco Piccolomini: Streit um die ordo doctrinae

Verbindungen im Netz

4 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf AristotelesDeutung

    Zentrale Bezugsgröße, dessen Werk er als unvollständig, aber in der Struktur vollkommen ansah.

  • Grundlage für Gottfried Wilhelm LeibnizDeutung

    Laut SEP sieht die Forschung Einfluss auf Leibniz; de.wikipedia sagt, Leibniz habe seine logischen Schriften als Grundlage angenommen.

  • baut auf Ibn Ruschd (Averroes)Deutung

    Übernimmt von Averroes die Einteilung der Logik und lobt ihn als Aristoteles-Kenner.

  • baut auf Thomas von AquinDeutung

    Thomas wird neben Alexander von Aphrodisias und Walter Burley unter den Quellen genannt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Abhängigkeit belegt

    Zabarella lebte und lehrte in Padua. Als gebürtiger Paduaner verhinderten die Statuten, dass er die erste ordentliche Professur für Naturphilosophie erhielt.[1]

  • Zeitgeschehen Deutung

    Hinter dem Streit mit Francesco Piccolomini, ob die Ordnung des Lehrens notwendig oder beliebig ist, standen laut SEP unterschiedliche Vorstellungen von der Rolle der Philosophie im Gemeinwesen. Zabarellas strenge Trennung von Wissenschaft und Praxis ist auch eine Stellungnahme in diesem Streit.[1]

  • Abhängigkeit Deutung

    Die Frage der Unsterblichkeit der Seele überließ er den Theologen. Das kann ein Schutz vor kirchlichem Streit gewesen sein; die Quelle sagt nur, dass er sie den Theologen überlässt.[1]

Kritik

Francesco Piccolomini bestritt seine Lehre von der Ordnung des Lehrens, worauf Zabarella 1584 mit einer eigenen Verteidigungsschrift antwortete. Gegen ältere Deutungen, die ihn wie Randall zum Wegbereiter Galileis machten, hält die SEP die Jesuiten für Galileis wichtigere Quelle.

Wirkung heute

Seine Methodenlehre prägte protestantische Aristoteliker in Deutschland und den Niederlanden, und die Forschung sieht Einflüsse auf Leibniz. Die Frage, wie aus Beobachtung Erklärung wird, ist heute Teil jeder Wissenschaftstheorie.

Brücke zu Führung und Coaching

Zabarella zeigt den Weg vom Symptom zur Ursache und zurück. Frage dein Team bei einem wiederkehrenden Problem: Welche Ursache vermuten wir, und erklärt sie wirklich alles, was wir beobachten? Nimm dir dafür bewusst einen eigenen Schritt, bevor ihr eine Lösung baut.

Lebensstationen

  1. 1533Geburt in Padua am 5. September
  2. 1553Promotion in Padua
  3. 1564Erste Professur für Logik
  4. 1578Opera logica in Venedig
  5. 1585Zweite ordentliche Professur für Naturphilosophie, bis zum Tod
  6. 1589Tod in Padua am 15. Oktober

Werke

Opera logica (1578)

Tabula logicae (1580)

Kommentar zu den Analytica posteriora (1582)

De doctrinae ordine apologia (1584)

De naturalis scientiae constitutione (1586)

De rebus naturalibus (1590, posthum)

Anekdote belegt

1576 floh Zabarella mit seiner Familie vor der Pest aufs Land. Das war eine der wenigen Gelegenheiten, Padua zu verlassen.[1]

Lesetipps

Einstieg
On Methods, lateinisch-englisch, hg. und übers. von John P. McCaskey, 2 Bände, I Tatti Renaissance Library, Harvard University Press 2013: sein Hauptwerk zur Methode samt der Schrift über den regressus.
Vertiefung
Heikki Mikkeli, An Aristotelian Response to Renaissance Humanism: Jacopo Zabarella on the Nature of Arts and Sciences (Finnish Historical Society, Helsinki 1992, englisch)

Noch nicht sicher belegt

  • Kante zu Ramus entfernt: weder SEP noch de.wikipedia nennen Ramus, der Kontrast war redaktionelle Deutung (Prüfer R2). Ebenso die Einordnung als Gegenpol zu Ramus und die Pomponazzi-Linie aus dem Kontextsatz gestrichen. Leibniz-Kante: SEP nennt Einfluss auf Leibniz, de.wikipedia sagt stärker „als Grundlage“. Griechisch: SEP und de.wikipedia sagen beide, er las Griechisch und nutzte die griechischen Texte. Lehrer laut SEP: Robortello, Tomitano, Genua, Catena. Venedig-Kontext des Piccolomini-Streits nicht belegt, ersetzt durch den SEP-Befund zur bürgerlichen Rolle der Philosophie (als Deutung). Galilei laut SEP weniger von Zabarella als von den Jesuiten geprägt, keine Kante. Keine deutsche Ausgabe gefunden; Lesetipps aus der SEP-Bibliographie. Kein Zitat.

Herkunft der Daten: Renaissance und Macht. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Zabarella

  1. [1]SEP, Zabarella · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia (de): Jacopo Zabarella · Wikipedia

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