Zhou Dunyi
Philosoph · 1017–1073 · Daozhou (heute Hunan), Lushan (Jiangxi)
Kernidee in Kürze
Zhou zeigt in einer kurzen Schrift, wie aus dem taiji (dem höchsten Pol, dem Ursprung aller Dinge) durch Bewegung und Ruhe yin und yang, danach die fünf Wandlungsphasen und schließlich die Vielfalt der Dinge und der Mensch entstehen. Menschliches Leben und Weltgeschehen folgen für ihn denselben Maßstäben.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie hängen die Ordnung der Welt und ein gutes menschliches Leben zusammen?
- Position
- Zhou meint, Mensch und Kosmos folgen denselben Maßstäben. Wer echt (cheng) bleibt und in Stille handelt, setzt diese Ordnung im Alltag um.
- Einwand
- Ob die Gedanken noch konfuzianisch sind oder schon daoistisch und buddhistisch, wurde schon zu Zhu Xis Zeit gestritten, und der Bezug auf die Brüder Cheng ist nicht gesichert.
- Verbindung
- Zhu Xi hat Zhous Diagramm an den Anfang seiner Sammlung gestellt und ihn zum Ahnherrn seiner Schule erklärt. Die Brüder Cheng gelten in dieser Überlieferung als seine Schüler.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Zhou Dunyi war
Chinesischer Gelehrter und Beamter der Song-Zeit, der als wichtigster Wegbereiter des Neokonfuzianismus gilt: Er verband die konfuzianische Ethik mit einem Bild vom Aufbau der Welt.
Zhou lebte in der Nördlichen Song-Zeit, in der Gelehrte die konfuzianische Überlieferung erneuern wollten und dabei auch Gedanken aus Daoismus und Buddhismus prüften. Die spätere Schulüberlieferung stellt ihn an den Anfang der Lehre von Zhu Xi. Ob er die Brüder Cheng wirklich geprägt hat, ist in der Forschung umstritten.
Kernidee genauer
Das zweite Hauptwerk, das Tongshu, nennt cheng (Echtheit, Aufrichtigkeit) die Grundlage des Weisen. Damit begründet Zhou die konfuzianische Ethik in einem Weltbild, das auch daoistische und buddhistische Gedanken aufnimmt.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Zhou verzichtete nach einer Darstellung auf die staatliche Prüfung, die den Weg in hohe Ämter öffnete, und erreichte deshalb nie eine hohe Stellung. Einen Grund für seine Entscheidung nennt diese Darstellung nicht. Eine andere Darstellung spricht dagegen von hohen Ämtern fast während seines ganzen Lebens.[1]
Fundstelle: Abschnitt 1
Bekannt für
Man kennt Zhou für das Taiji-Diagramm mit seiner Erklärung, die Zhu Xi an den Anfang der Sammlung „Gedanken über das Nächstliegende“ (Jinsi lu) stellte. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem hektischen Team bewusst Ruhe bewahrst, handelst Du ähnlich wie der Weise, den Zhou beschreibt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Vom höchsten Pol zur Vielfalt der Dinge
In der „Erklärung des Diagramms vom höchsten Pol“ beschreibt Zhou, wie aus dem taiji (dem höchsten Pol) im Wechsel von Ruhe und Bewegung yin und yang entstehen, aus ihrem Zusammenspiel die fünf Wandlungsphasen und aus diesen die Dinge der Welt. Gleich der erste Satz unterscheidet das wuji (den Nicht-Pol) vom taiji und verbindet beide doch miteinander, sodass sie als gleichwertig, wenn nicht sogar als dasselbe erscheinen. Der Satz ist schwer zu verstehen und lässt verschiedene Deutungen zu.
Der Mensch gehört zur selben Ordnung
Nach Zhou entsteht auch der Mensch aus diesen kosmischen Vorgängen. Der Weise erkennt sie klarer als andere und ordnet die menschlichen Angelegenheiten durch die konfuzianischen Tugenden Mitte, Richtigkeit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit, während er in Stille bleibt. Das ist Zhous Position, keine Beobachtung von heute.
Echtheit als Grundlage
Zhou versteht darunter, dass ein Mensch seine himmlische Anlage zeigt, wie sie ist, und dass sich aus ihr die Tugenden ergeben. Er sagt auch, in der Echtheit gebe es kein absichtliches Tun, und benutzt dabei das daoistische Wort wuwei (Nichthandeln).
Fragliche Herkunft der Lehre
Zhu Xi sagte selbst, niemand wisse, woher Zhous Lehrtradition komme. Die Brüder Lu hielten Zhou für zu daoistisch, um die konfuzianische Überlieferung empfangen zu haben. Nach heutiger Forschung geht seine Einordnung als Gründer der Schule vor allem auf Zhu Xi zurück.
Begriffe
- taiji (höchster Pol
- Ursprung der Welt)
- wuji (Nicht-Pol)
- yin und yang
- Fünf Wandlungsphasen
- cheng (Echtheit
- Aufrichtigkeit)
- Stille und Bewegung
- Weisheit des Heiligen (sheng)
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 2 überliefert). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Schüler
Persönliches Lehrverhältnis: wurden von Zhou Dunyi unterrichtet.
Cheng HaoPrüfstand: überliefert
Nach der Überlieferung schickte Cheng Haos Vater ihn 1046 für etwa ein Jahr zu Zhou Dunyi. Ob Zhou ihn nachhaltig prägte, ist umstritten, und die Brüder nennen Zhou nicht mit den für Lehrer üblichen Titeln.
Cheng YiPrüfstand: überliefert
Nach der Überlieferung schickte Cheng Yis Vater ihn mit vierzehn Jahren zusammen mit seinem Bruder zu Zhou Dunyi in die Lehre, für etwa ein Jahr. Zhous Einfluss auf Cheng Yi ist umstritten, und die Brüder nennen Zhou nicht mit den üblichen Titeln für einen Lehrer.
Übernimmt Gedanken von
Zhou Dunyi übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
KonfuziusPrüfstand: belegt
Zhou führt Konfuzius und dessen Schüler Yan Hui als Vorbilder des Weisen an und erneuert die konfuzianische Ethik in einem kosmologischen Rahmen.
Grundlage für
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Zhou Dunyi weiter, meist über Texte.
Zhu XiPrüfstand: belegt
Zhu Xi erklärte Zhou zum Ahnherrn seiner Schule und stützte seine Methode der Selbstbildung auf Zhous Lehre von Stille und Bewegung. Die Forschung sieht darin eine Leistung Zhu Xis und keine Weitergabe von Lehrer zu Schüler.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Zhou wurde in Daozhou im heutigen Hunan in eine Familie von Gelehrtenbeamten geboren. Sein Vater starb, als er vierzehn war, danach nahm ihn sein Onkel mütterlicherseits auf. Über dessen Arbeit kam er zu seinem ersten Amt.[1]
Biografie belegt
Zhou arbeitete unter anderem als Verwalter von Akten, als Bezirksvorsteher und als stellvertretender Präfekt. Nach einer Darstellung lehnte er die staatliche Prüfung ab, die den Weg in hohe Ämter öffnete, und erreichte deshalb nie eine hohe Stellung. Eine andere Darstellung spricht dagegen von hohen Ämtern während fast seines ganzen Lebens.[2]
Biografie belegt
Gegen Ende seines Lebens wurde Zhou krank und wurde nach Xingzi in Jiangxi versetzt, wo er sich am Fuß des Lushan niederließ. Dort baute er eine Studierstube an einem Nebenfluss und nannte sie Lianxi, nach einem Bach in seinem Heimatdorf. Spätere Generationen nannten ihn danach „Meister Lianxi“. 1071 trat er zurück und starb etwa anderthalb Jahre später.[1]
Zeitgeschehen belegt
Zhou war zu Lebzeiten wenig bekannt. Spätere Neokonfuzianer sahen in ihm ein Vorbild der Echtheit, 1200 erhielt er nachträglich einen Ehrentitel und 1241 wurde er im offiziellen Konfuzius-Tempel geehrt.[1]
Kritik
Die Forschung bezweifelt, dass Zhou der Lehrer der Brüder Cheng im eigentlichen Sinn war: Cheng Yi schrieb die Wiederentdeckung des Weges seinem Bruder zu, und die Brüder nennen Zhou nicht mit den Titeln, die Lehrern zustehen. Dass Zhou als Begründer der Schule gilt, geht vor allem auf Zhu Xi zurück. Offen bleibt auch, wie das Verhältnis von Stille und Bewegung und die Herkunft des Diagramms aus daoistischen Kreisen zu bewerten sind.
Wirkung heute
Zhou gilt als wichtigster Wegbereiter des Neokonfuzianismus, der fast tausend Jahre lang die staatlich geförderte Denkweise in China blieb. Seine geistlichen Gedanken sprechen auch heute noch manche Denkerinnen und Denker an.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Stell Dir vor, Dein Team streitet laut. Zhou würde fragen, ob Du Dich in der Unruhe an Deiner eigenen Echtheit (cheng) festhältst und ruhig bleibst, ohne etwas zu erzwingen. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Zhous über Führung.
Lebensstationen
- 1017Geburt in Daozhou (heute Hunan)
- 1031Tod des Vaters, Aufnahme durch den Onkel (ungefähr, aus der Altersangabe vierzehn)
- 1071Rücktritt vom Amt, Rückzug an den Lushan
- 1073Tod am Lushan
- 1175Zhu Xi und Lü Zuqian stellen die Erklärung des Diagramms an den Anfang der Sammlung Jinsi lu
Werke
Taijitu shuo (Erklärung des Diagramms vom höchsten Pol); Tongshu (Das Buch der Wandlungen durchdringen); Ai lian shuo (Über die Liebe zur Lotosblume)
Anekdote überliefert
Eine Überlieferung, die Cheng Hao zugeschrieben wird, erzählt, Zhou habe das Gras vor seinem Fenster nicht schneiden lassen und gesagt, das Gefühl des Grases sei dasselbe wie seines. Die Geschichte wirkt wie eine Heiligenlegende, zeigt aber, wie sehr spätere Konfuzianer Zhou verehrten.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Internet Encyclopedia of Philosophy, „Zhou Dunyi“
- Vertiefung
- Joseph A. Adler, Reconstructing the Confucian Dao: Zhu Xi’s Appropriation of Zhou Dunyi (State University of New York Press, 2014)
Noch nicht sicher belegt
- Ob Zhou die Brüder Cheng Hao und Cheng Yi als Lehrer prägte, ist umstritten. Sicher scheint nur, dass er sie als Jugendliche kurz unterrichtete; der Forscher A. C. Graham schätzt seinen direkten Einfluss auf sie als gering ein. Für die Entstehung der beiden Hauptwerke nennen die Nachschlagewerke keine Jahre. Ob Zhou hohe Ämter innehatte, wird unterschiedlich dargestellt. Die Geschichte vom ungeschnittenen Gras wirkt wie eine Legende. Als Geburtsjahr nennen die Nachschlagewerke 1017, vereinzelt 1016.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 4: China. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Zhou Dunyi
- [1]Zhou Dunyi, Abschnitt 1 · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [2]Internet Encyclopedia of Philosophy, Zhou Dunyi, Abschnitt 1; Britannica, Zhou Dunyi
- [3]rep.routledge.com/articles/biographical/zhou-dunyi-1017-73/v-1 · Webseite
- [4]Zhou Dunyi · Wikipedia