Landkarte der Philosophie

Basilius Bessarion

ungefähr 1403–1472 · Trapezunt, Mistra, Rom

Strömung
Renaissance und Macht
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Griechischer Gelehrter und Kardinal, der Handschriften nach Italien rettete und Platon gegen Angriffe verteidigte.

Er ist die Verbindung zwischen Byzanz und dem italienischen Humanismus: Sein Lehrer war Plethon, und sein christlich gedeuteter Platon lieferte Ficino und Diacceto wirkungsvolle Auslegungsmuster. Seine Bibliothek wurde Grundstock der Marciana in Venedig.

Kernidee

Bessarion verteidigte Platon gegen den Vorwurf, er sei dem Christentum feindlich und Aristoteles weit unterlegen. Er sah in Aristoteles den Naturphilosophen und in Platon den Theologen, die sich daher auf tieferer Ebene vertragen. Er sammelte griechische Handschriften, um die Texte des untergehenden Byzanz zu bewahren.

Bekannt für

Bessarion ist bekannt als der Kardinal, dessen Handschriftensammlung den Kern der Biblioteca Marciana in Venedig bildet. Außerdem verfasste er die Verteidigungsschrift 'Gegen den Verleumder Platons'.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Platon und Aristoteles im Einklang

Gegen Georg von Trapezunt, der Platon angegriffen hatte, argumentiert er, Aristoteles sei Naturphilosoph und Platon Theologe, deshalb stimmten beide in der Tiefe überein. Anfangs teilte er die Ansicht seines Lehrers Plethon, beide seien unvereinbar. Im Führungsalltag hilft dieser Wechsel der Betrachtungsebene: Zwei scheinbar gegensätzliche Ansätze lösen verschiedene Aufgaben.

Christlich gedeuteter Platon

Seine christliche Platon-Lesart lieferte Ficino wirkungsvolle Auslegungsmuster, die dieser später ausbaute. Bessarion wollte Platon für die Kirche gewinnen, statt ihn auszuschließen. Wer ein Team führt, kann ähnlich fragen, wie man ungewohntes Wissen so übersetzt, dass andere es annehmen können.

Bewahren durch Sammeln

Er sammelte Handschriften, um griechische Texte zu retten, und schenkte seine Bibliothek 1468 dem venezianischen Senat. Sie umfasste laut Wikipedia 482 griechische und 264 lateinische Handschriften. Das entspricht dem Prinzip, Wissen im Unternehmen zu dokumentieren, bevor es mit den Menschen verschwindet.

Begriffe

Griechische Handschriften
Kirchenunion
Platon und Aristoteles im Einklang
Bibliothek

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Gemistos Plethon: in Mistra, vertiefte dort Philosophie und Mathematik
  • Johannes Kortasmenos: Studium in Byzanz

Gegner

  • Georg von Trapezunt: Streit über Platon gegen Aristoteles

Verbindungen im Netz

4 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Lehrer und Schüler

Persönliches Lehrverhältnis.

  • Schüler von Georgios Gemistos PlethonDeutung

    Er vertiefte Philosophie und Mathematik bei Plethon in Mistra und teilte anfangs dessen Ansicht, Platon und Aristoteles seien unvereinbar.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf AristotelesDeutung

    Er übersetzte die Metaphysik (1446–1451) und sah Aristoteles als Naturphilosophen.

  • Grundlage für Marsilio FicinoDeutung

    Seine christliche Platon-Deutung gab Ficino Deutungsschemata, die dieser ausbaute.

  • baut auf PlatonDeutung

    In calumniatorem Platonis verteidigt Platon als Theologen.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Abhängigkeit Deutung

    Er war Kardinal und diplomatischer Vertreter der Kurie, 1439 las er die Unionsurkunde in Florenz. Sein Platonbild musste mit der kirchlichen Lehre vereinbar sein.[1]

  • Zeitgeschehen Deutung

    Das Byzantinische Reich stand unter türkischem Druck, und Griechen suchten Hilfe im Westen. Bessarion sah sich als Retter der griechischen Überlieferung. Die Quellen führen das Motiv nicht ausdrücklich an.[1]

  • Biografie belegt

    Seine griechische Herkunft war ein Grund, warum er bei Papstwahlen unterlag; Kardinal Coëtivy lehnte ihn 1455 deshalb ab.[2]

Kritik

Georg von Trapezunt hatte Platon in seiner Vergleichsschrift angegriffen, und spätere Gelehrte wie Lefèvre d'Étaples und Guillaume Budé neigten eher Georgs Seite zu. Als die Jesuiten später gegen den Platonismus vorgingen, wurde Bessarions Platonbild zu einem naheliegenden Ziel. Eine ausführliche Kritik an seiner Philosophie selbst nennen die abgerufenen Quellen nicht.

Wirkung heute

Die Marciana besteht bis heute. Seine Haltung, Texte der Tradition zugänglich zu machen und zu vermitteln, prägt die Bibliothekskultur.

Brücke zu Führung und Coaching

Bessarion zeigt, wie man zwei Lager verbindet, ohne beide zu verraten. Wenn zwei Teams um Methoden streiten, kannst du fragen, welche Aufgabe jede Methode am besten löst. So wird aus dem Entweder-oder ein Und.

Lebensstationen

  1. 1403Geboren in Trapezunt (wahrscheinlich; 1389 und 1395 auch genannt)
  2. 1423Mönch, Studium bei Plethon in Mistra
  3. 1439Liest die Unionsurkunde in Florenz, wird Kardinal
  4. 1468Schenkt seine Handschriften Venedig
  5. 1469In calumniatorem Platonis gedruckt
  6. 1472Gestorben in Ravenna

Werke

In calumniatorem Platonis (griechisch, lateinisch gedruckt Rom 1469)

Übersetzung der Metaphysik des Aristoteles (1446–1451)

Übersetzung von Xenophons Memorabilien, Bibliotheksschenkung an Venedig (1468)

Anekdote überliefert

Bessarion war laut SEP mindestens zweimal nahe daran, zum Papst gewählt zu werden; sein Bart als Zeichen der griechischen Herkunft soll ihm geschadet haben. Beim Konklave 1455 stand ihm laut Wikipedia Kardinal Alain de Coëtivy wegen der griechischen Herkunft entgegen.[2]

Lesetipps

Einstieg
Bessarion: Über Natur und Kunst / De natura et arte, griechisch-lateinisch-deutsch, hrsg. von Sergei Mariev, Monica Marchetto und Katharina Luchner (Meiner, Philosophische Bibliothek 670, Hamburg 2015): Buch VI aus seiner Platon-Verteidigung mit Einleitung.
Vertiefung
Ludwig Mohler: Kardinal Bessarion als Theologe, Humanist und Staatsmann, Band I: Darstellung (Schöningh, Paderborn 1923): klassische Gesamtdarstellung.

Noch nicht sicher belegt

  • Geburtsjahr: SEP zwischen 1399 und 1408, en.wikipedia 2. Januar 1403 (auch 1389 und 1395 genannt). Diplomatie-Reise: SEP 1472 auf dem Rückweg aus Frankreich, en.wikipedia nennt die Gesandtschaft zu Ludwig XI. 1471. Papstkandidaturen: SEP ohne Jahre, en.wikipedia 1455. In calumniatorem Platonis zuerst griechisch verfasst, lateinisch 1469 in Rom gedruckt. Lehrer Kortasmenos: SEP Cortasmenos, en.wikipedia Chortasmenos (Studium in Konstantinopel). Prüfer R1: Bart-Anekdote nur als Bericht ('reportedly'), Status daher überliefert; Lesetipps per Verlags-PDF bzw. SEP-Bibliografie bestätigt.

Herkunft der Daten: Renaissance und Macht. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Bessarion

  1. [1]SEP: Bessarion · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia en: Bessarion · Wikipedia

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