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Landkarte der Philosophie

Leonardo Bruni

Humanist, Geschichtsschreiber, Übersetzer und Kanzler · ungefähr 1370–1444 · Arezzo und Florenz (Toskana, Italien), päpstliche Kanzlei

Kernidee in Kürze

Bruni zeigt, wie sich gelehrte Bildung und politisches Handeln verbinden. Als Übersetzer machte er Werke von Platon und Aristoteles, darunter dessen Politik, in neuem Latein zugänglich.

Kapitel
Renaissance und Macht (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie verbindet man gelehrte Bildung mit dem Dienst an der Republik, und was macht eine Stadt frei?

Position
Bruni sieht die Stadt als freie Republik, in der Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und gerechtes Recht zusammenwirken und die Bürger nach ihren Aufgaben mitregieren. Bildung in den studia humanitatis soll zu politischem Handeln führen.
Einwand
Die Baron-These, er sei der erste Bürgerhumanist und die Krise von 1402 sein Anstoß, wird bestritten, weil republikanische Gedanken älter sind und seine Schriften nicht für Demokratie warben.
Verbindung
Bruni war Schüler von Salutati, übersetzte Aristoteles und Platon und schrieb eine Lebensbeschreibung Petrarcas.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Bruni war

Humanist, Geschichtsschreiber und Übersetzer aus dem Griechischen, Schüler Salutatis und zweimal Kanzler von Florenz, zuletzt von 1427 bis 1444.

Bruni stammte aus Arezzo und kam in den 1390er Jahren nach Florenz, wo er im Kreis Salutatis Humanist wurde. Florenz stand um 1402 unter dem Druck des Herzogs von Mailand. Bruni war später Sekretär mehrerer Päpste und Kanzler der Republik.

Kernidee genauer

In seiner Geschichte des florentinischen Volkes prüfte er die Quellen kritisch. Der Historiker Hans Baron sah in ihm den Hauptvertreter des „Bürgerhumanismus“. Das ist ein Begriff der Forschung, und seine Deutung wird bestritten.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Bruni wollte Recht studieren und kam stattdessen in den Kreis des Kanzlers Salutati. Dessen Empfehlung führte ihn 1405 in die päpstliche Kanzlei.[5]

Bekannt für

Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du vor einer Entscheidung die ursprünglichen Unterlagen liest, statt nur der Zusammenfassung zu vertrauen, arbeitest Du ähnlich wie Bruni als Geschichtsschreiber.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die Stadt als freie Republik

In der Lobrede auf Florenz, die meist auf 1403 bis 1404 datiert wird, erklärt Bruni die Größe der Stadt aus ihrer Verfassung. Die Bürger seien frei, weil sie vor dem Gesetz gleich seien. Anders als andere italienische Städte, in denen die Mächtigen und das Volk gegeneinander stehen, beteiligten sich in Florenz alle Bürger, wie es ihnen zukommt, an der Regierung.

Geschichte nach den Quellen

Er folgte dem Vorbild des römischen Geschichtsschreibers Livius und wollte zeigen, dass Florenz eine alte republikanische Tradition hat.

Bildung für das tätige Leben

Bruni vertrat, dass das Studium der Geisteswissenschaften (studia humanitatis) den vollkommenen Menschen bildet und dass das Ziel solcher Vollkommenheit das politische Handeln ist. Dazu betonte er die Geschichte und die praktische Erfahrung.

Übersetzen nach dem Sinn

Unter dem Einfluss des byzantinischen Gelehrten Manuel Chrysoloras übersetzte Bruni Platon und Aristoteles anders als das Mittelalter: Er gab den Sinn der griechischen Prosa wieder. Seine Methoden waren zu seiner Zeit umstritten.

Bürgerhumanismus als Forschungsbegriff

Hans Baron nannte Bruni den ersten Bürgerhumanisten, also jemanden, der Altertumsstudium und politisches Engagement verband, und sah die Krise von 1402 als Ursprung. Andere Historiker halten dagegen, dass republikanische Gedanken schon vor Bruni vertreten wurden und dass Brunis Schriften nicht für Demokratie warben.

Begriffe

Studia humanitatis (Studium der Sprache
Geschichte und Moral)
Bürgerhumanismus (Forschungsbegriff)
Freiheit
Gleichheit vor dem Gesetz
Übersetzung nach dem Sinn

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Lehrer

Persönliches Lehrverhältnis: hat Bruni unterrichtet.

  • Coluccio SalutatiPrüfstand: belegt

    Salutati war Brunis Lehrer im Humanismus und förderte ihn.

Untersucht

Bruni untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht AristotelesPrüfstand: belegt

    Bruni übersetzte Werke des Aristoteles ins Lateinische, darunter die Politik, und machte sie damit neu zugänglich.

  • untersucht Francesco PetrarcaPrüfstand: belegt

    Bruni schrieb eine Lebensbeschreibung Petrarcas auf Italienisch.

  • untersucht PlatonPrüfstand: belegt

    Bruni übersetzte Werke Platons ins Lateinische.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Bruni wurde um 1370 in Arezzo geboren und kam in den frühen 1390er Jahren nach Florenz. Er wollte Recht studieren, geriet aber in den Kreis um den Kanzler Salutati. Salutati empfahl ihn für eine Stelle bei Papst Innozenz VII., die Bruni von 1405 bis 1414 innehatte.[7]

  • Biografie belegt

    Bruni war Sekretär der päpstlichen Kanzlei ab 1405 und von 1427 bis zu seinem Tod 1444 Kanzler von Florenz. Er starb am 9. März 1444 in Florenz.[6]

  • Zeitgeschehen Deutung

    Nach der Baron-These löste die Mailänder Krise von 1402 den Bürgerhumanismus in Florenz aus. Gegen diese Datierung wird eingewandt, dass schon im dreizehnten Jahrhundert Verteidiger der Republik schrieben, etwa Brunetto Latini.[3]

  • Werkgeschichte belegt

    Die Geschichte des florentinischen Volkes erschien 1442 offiziell durch die florentinische Behörde, die Signoria. Die englische Ausgabe von James Hankins in drei Bänden erschien 2001 bis 2007.[6]

Kritik

Baron machte Bruni zum Musterfall des Bürgerhumanismus. Dagegen wird eingewandt, die republikanischen Gedanken seien älter als Bruni, und seine Schriften hätten nicht für Demokratie geworben. Auch seine Übersetzungsmethoden waren zu seiner Zeit umstritten.

Wirkung heute

Bruni gilt als einer der wichtigsten Humanisten des frühen fünfzehnten Jahrhunderts. Seine Übersetzungen des Aristoteles waren in Handschrift und Druck weit verbreitet. Die Geschichte des florentinischen Volkes gilt vielen als erstes modernes Geschichtswerk. Ob Bruni als Bürgerhumanist verstanden werden sollte, ist Gegenstand der Forschung.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Bevor Du im Team eine Entscheidung auf eine Zahl oder Erzählung stützt, kannst Du wie Bruni nach der ursprünglichen Quelle fragen. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Brunis über Führung.

Lebensstationen

  1. 1370Geburt in Arezzo um 1370; manche Angaben nennen 1369
  2. 1403Lobrede auf Florenz (Laudatio), meist auf 1403 bis 1404 datiert, nach anderer Angabe um 1401
  3. 1405Sekretär der päpstlichen Kanzlei, bis 1414
  4. 1410Erste, kurze Amtszeit als Kanzler von Florenz, bis 1411
  5. 1427Kanzler von Florenz
  6. 1442Offizielle Veröffentlichung der Geschichte des florentinischen Volkes durch die Signoria
  7. 1444Tod in Florenz am 9. März

Werke

Laudatio Florentinae urbis (Lobrede auf die Stadt Florenz); Historiarum Florentini populi libri XII (Zwölf Bücher Geschichte des florentinischen Volkes); lateinische Übersetzungen von Aristoteles und Platon; Biografien von Dante, Petrarca und Boccaccio

Lesetipps

Einstieg
Britannica, „Leonardo Bruni“; Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Civic Humanism“, Abschnitt 3.1
Vertiefung
Leonardo Bruni, History of the Florentine People, herausgegeben und übersetzt von James Hankins, 3 Bände (Harvard University Press, 2001 bis 2007)

Noch nicht sicher belegt

  • Das Geburtsjahr ist nicht sicher; die Quellen nennen 1369 oder ungefähr 1370. Die Lobrede auf Florenz wird meist auf 1403 bis 1404 datiert, andere Angaben nennen um 1401; die Datierung ist umstritten. Wann die einzelnen Übersetzungen entstanden, ist hier nicht angegeben. Der Begriff Bürgerhumanismus stammt von dem Historiker Hans Baron und ist ein Begriff der Forschung; Barons Deutung ist umstritten.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 10: europäische und jüdische Moderne. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Bruni

  1. [1]Leonardo Bruni · Britannica
  2. [2]Coluccio Salutati · Britannica
  3. [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Civic Humanism, Abschnitte 1 und 4
  4. [4]Leonardo Bruni · Wikipedia
  5. [5]Encyclopedia.com, Bruni · Webseite
  6. [6]Britannica, Leonardo Bruni; Harvard University Press, History of the Florentine People · Webseite
  7. [7]Encyclopedia.com, Renaissance: An Encyclopedia for Students, Bruni; University of York, Bruni · Webseite
  8. [8]Laudatio florentinae urbis · Wikipedia

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