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Landkarte der Philosophie

Coluccio Salutati

Kanzler der Republik Florenz, Humanist, Notar · 1331–1406 · Stignano bei Buggiano (Toskana, Italien), Bologna, Todi, Lucca, Florenz

Kernidee in Kürze

Salutati verbindet das Studium der antiken Schriftsteller mit dem Dienst an der Stadt. Als Kanzler von Florenz schrieb er die Briefe der Republik und zeigte, dass gute Sprache politische Kraft hat.

Kapitel
Renaissance und Macht (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie verbinden sich gelehrte Bildung und Dienst am Gemeinwesen, und wann darf man einen Tyrannen beseitigen?

Position
Salutati verteidigt das tätige Leben und die Macht der klassischen Rede. Einen Tyrannen ohne Rechtstitel darf man abwehren, einen rechtmäßigen, aber ungerechten Herrscher darf nur die öffentliche Gewalt absetzen, die ihn eingesetzt hat.
Einwand
Die Quellen sind uneins, wie republikanisch er war. Seine eigenen Schüler fanden manche Ansichten altmodisch, und seine Schrift über Welt und religiöses Leben lässt sich als Absage an die Welt lesen.
Verbindung
Salutati stand im Briefwechsel mit Petrarca, sein Schüler war Leonardo Bruni, und gegen Cicero argumentiert er in De tyranno.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Salutati war

Kanzler der Republik Florenz von 1375 bis zu seinem Tod, Briefschreiber und Humanist, der die Bildung nach antikem Vorbild mit dem Dienst am Gemeinwesen verband.

Salutati wirkte in einer Zeit, in der Florenz Krieg mit dem Papsttum und mit dem Herzog von Mailand führte. Der Herzog soll gesagt haben, ein Brief Salutatis schade ihm mehr als tausend florentinische Reiter. Salutati sammelte Handschriften und brachte den griechischen Gelehrten Manuel Chrysoloras nach Florenz.

Kernidee genauer

Er verteidigte das tätige Leben und half mit, die Regeln der Textkritik aufzustellen. Im Traktat De tyranno unterscheidet er den Tyrannen, der ohne Recht herrscht, von dem, der sein rechtmäßiges Amt missbraucht. Die Forschung streitet darüber, wie republikanisch seine Haltung war.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Salutati wurde 1375 Kanzler von Florenz, als die Stadt in einen Krieg mit dem Papsttum geriet. In diesem Amt schrieb er die weithin gelesenen Briefe der Republik und entwickelte zugleich seine humanistischen Schriften.[1][4]

Fundstelle: Abschnitt Chancellor of Florence

Bekannt für

Man kennt Salutati als Kanzler von Florenz, der mit seinen Briefen Politik machte, und als Förderer junger Humanisten wie Leonardo Bruni. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einer schwierigen Lage einen klaren Brief schreibst, der Verbündete gewinnt und Gegner bremst, nutzt Du dieselbe Kraft der Sprache, auf die er sich verließ.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Das tätige Leben

Seine Theorie bewährte sich in seiner eigenen Laufbahn als Kanzler. Die Frage, wie weit er dabei dem Rückzug aus der Welt Raum gab, beantworten die Quellen nicht einheitlich, denn De seculo et religione wird unterschiedlich gelesen.

Der Tyrann

In De tyranno unterscheidet Salutati zwei Arten von Tyrannen: Wer ohne rechtmäßigen Titel herrscht, darf mit Gewalt abgewehrt werden. Wer ein rechtmäßiges Amt unrecht ausübt, darf nur von der öffentlichen Gewalt abgesetzt werden, die ihn eingesetzt hat, also von einem Übergeordneten oder von der Gemeinschaft. Daraus folgt für ihn, dass die Mörder Caesars im Unrecht waren, weil Caesar sein Amt vom römischen Volk hatte. Eine Deutung sieht darin eine Annäherung an den wohlwollenden Alleinherrscher, auch wenn Salutati ihn nicht ausdrücklich vertritt.

Textkritik und Handschriften

Salutati war ein scharfer Philologe und half, Grundsätze der Textkritik zu entwickeln, die zur Methode des Humanismus gehören. Er sammelte Handschriften und machte die lange verschollenen Briefe Ciceros an seine Freunde wieder bekannt und verbreitete sie.

Schicksal, Glück und freier Wille

In De fato et fortuna behandelt Salutati das Verhältnis von Vorsehung und freiem Willen. Er stützt sich stark auf Augustinus und hält fest, dass das Glück Gottes Willen untergeordnet bleibt. Vorsehung und freier Wille wirken nach ihm zusammen und schließen sich nicht aus.

Bürgerhumanismus

Der Historiker Hans Baron nannte die Verbindung von Gelehrsamkeit und Dienst an der Republik „Bürgerhumanismus“. Salutati und besonders Leonardo Bruni gelten ihm als Hauptvertreter. Das ist ein Begriff der Forschung. Die Baron-These wird bestritten, unter anderem, weil schon vor 1402 Verteidiger der Republik schrieben.

Begriffe

Humanismus (Bildung nach antiken Vorbildern)
tätiges Leben
Tyrann
Willensfreiheit
Textkritik
Bürgerhumanismus (Forschungsbegriff)

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Schüler

Persönliches Lehrverhältnis: wurde von Salutati unterrichtet.

  • Leonardo BruniPrüfstand: belegt

    Salutati war Brunis Lehrer im Humanismus und förderte ihn.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Francesco PetrarcaPrüfstand: belegt

    Salutati stand ab 1368 mit Petrarca im Briefwechsel und bewunderte ihn. Ein Einfluss ist damit nicht behauptet.

Kritisiert

Salutati kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Marcus Tullius CiceroPrüfstand: belegt

    In De tyranno wendet sich Salutati in scharfer Polemik gegen Cicero und will zeigen, dass Caesar kein Usurpator war, sondern sein Amt rechtmäßig vom römischen Volk hatte.

Übernimmt Gedanken von

Salutati übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Augustinus von HippoPrüfstand: belegt

    Salutati griff in mehreren Schriften auf Augustinus' Gottesstaat zurück, etwa bei Vorsehung und freiem Willen in De fato et fortuna und beim Verhältnis von tätigem und betrachtendem Leben.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Salutati wurde am 16. Februar 1331 in Stignano in der Toskana geboren. Einige Forscher nennen 1332. Er studierte zuerst Recht in Bologna, gab es auf und ging zu einem Notar in die Lehre. 1367 wurde er Kanzler von Todi, danach von Lucca und der päpstlichen Kurie in Viterbo.[4]

  • Zeitgeschehen belegt

    1375 wurde Salutati Kanzler von Florenz und blieb es 31 Jahre bis zu seinem Tod. Florenz führte damals Krieg mit dem Papsttum. Seine Briefe an andere Staaten waren so wirksam, dass der Herzog von Mailand, einer ihrer Gegner, gesagt haben soll, tausend florentinische Reiter schadeten ihm weniger.[1]

  • Biografie belegt

    Salutati förderte junge Humanisten, darunter Poggio und Leonardo Bruni. Er holte den byzantinischen Gelehrten Manuel Chrysoloras nach Florenz, dessen Ankunft eine Quelle auf 1396 datiert, andere Darstellungen auf 1397. Salutati begann im hohen Alter selbst Griechisch zu lernen.[4]

  • Rezeption Deutung

    Gegen Ende seines Lebens kritisierten seine Anhänger manche seiner Ansichten als altmodisch. So neigte Salutati dazu, die christliche Weisheit über das heidnische Denken zu stellen. Er hielt außerdem die Monarchie für die beste Regierungsform und äußerte in seinen Schriften selten republikanische Gedanken.[6]

Kritik

Die Einordnung Salutatis ist umstritten. De tyranno gilt einer Deutung als Annäherung an einen wohlwollenden Alleinherrscher, einer anderen als eine der ersten ausdrücklichen Verteidigungen republikanischer Regierung. De seculo et religione wird als Absage an jede weltliche Tätigkeit gelesen, die schwer zu seiner Laufbahn passt, aber auch als Verteidigung eines tätigen Lebens, das sich mit dem christlichen Glauben verträgt. Umstritten ist auch der Begriff Bürgerhumanismus, unter dem die Forschung ihn oft einordnet, besonders die Annahme, diese Haltung sei erst in der Krise um 1402 entstanden.

Wirkung heute

Salutati gilt als Brücke zwischen Petrarca und der vollen Blüte des Humanismus. Seine Briefe und politischen Schriften erscheinen heute in zweisprachigen Ausgaben (I Tatti Renaissance Library). Seine Rolle für den Aufstieg von Florenz zum Zentrum des Humanismus ist unbestritten, die Deutung seiner politischen Haltung nicht.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du eine schwierige Mail an eine Partnerorganisation schreibst, kannst Du wie Salutati genau auf Ton, Beispiel und Begründung achten, weil Worte Haltung bewirken. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Salutatis über Führung.

Lebensstationen

  1. 1331Geburt in Stignano (Toskana); einige Forscher nennen 1332
  2. 1367Kanzler der Gemeinde Todi
  3. 1368Beginn des Briefwechsels mit Petrarca
  4. 1375Wird Kanzler von Florenz
  5. 1396Ankunft des Manuel Chrysoloras in Florenz (andere Darstellungen nennen 1397)
  6. 1400De tyranno
  7. 1406Tod in Florenz am 4. Mai

Werke

Epistolario (Briefe); De seculo et religione (Über die Welt und das religiöse Leben); De fato et fortuna (Über Schicksal und Glück); De nobilitate legum et medicine (Über den Rang von Recht und Medizin); De tyranno (Über den Tyrannen); De laboribus Herculis (unvollendet)

Lesetipps

Einstieg
Britannica, „Coluccio Salutati“; Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Civic Humanism“, Abschnitt 3.2
Vertiefung
Coluccio Salutati, Political Writings, herausgegeben von Stefano U. Baldassarri, übersetzt von Rolf Bagemihl (Harvard University Press, I Tatti Renaissance Library 64, 2014); Tina Marshall, Coluccio Salutati: On the World and Religious Life (Harvard University Press, 2014)

Noch nicht sicher belegt

  • Das Geburtsjahr nennen die meisten Quellen mit 1331, einige Forscher mit 1332. Wann Manuel Chrysoloras nach Florenz kam, geben die Quellen mit 1396 oder 1397 an. Wie republikanisch Salutati war, ist umstritten, denn De tyranno und De seculo et religione werden verschieden gedeutet. Der Begriff Bürgerhumanismus stammt von dem Historiker Hans Baron und ist ein Begriff der Forschung. Die Entstehungsjahre von De fato et fortuna werden unterschiedlich angegeben.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 10: europäische und jüdische Moderne. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Salutati

  1. [1]Coluccio Salutati · Britannica
  2. [2]Coluccio Salutati · Britannica
  3. [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Civic Humanism, Abschnitte 1 und 4
  4. [4]Britannica, Coluccio Salutati; Wikipedia, Coluccio Salutati, Anmerkung zum Geburtsjahr
  5. [5]newadvent.org/cathen/13405b.htm · Webseite
  6. [6]Encyclopedia.com, Renaissance: An Encyclopedia for Students, Salutati · Webseite
  7. [7]bmcr.brynmawr.edu/2015/2015.04.08 · Webseite
  8. [8]lysapublishers.com/book/coluccio-salutati-and-augustines-emcity-of-godem/28 · Webseite

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