Francesco Petrarca
1304–1374 · Arezzo, Avignon, Arquà bei Padua
- Strömung
- Renaissance und Macht
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Dichter und Gelehrter, der oft als Vater des Humanismus gilt, weil er antike Autoren wie Cicero und Seneca als Vorbilder für ein gutes Leben las.
Er steht am Anfang des Moduls und gilt oft als Vater des Humanismus, dessen Programm, antike Texte neu zu lesen, die späteren Humanisten fortführen. Seine Polemik gegen die Aristoteliker seiner Zeit ist ein frühes Beispiel für den Konflikt zwischen Humanisten und Schulphilosophie.
Kernidee
Petrarca las die antiken Schriftsteller nicht nur als Wissensquelle, sondern als Lehrer für das eigene Leben. Er hielt weltliche Leistung und Frömmigkeit für vereinbar und wollte die Gaben, die Gott dem Menschen gegeben hat, voll nutzen. Sein Blick richtete sich auf Moral und Selbsterkenntnis statt auf Schulstreit.
Bekannt für
Man kennt Petrarca als Dichter des Canzoniere, der Liebeslieder an Laura, und als den Mann, der 1341 auf dem römischen Kapitol zum Dichter gekrönt wurde. Als Philosoph gilt er als Wegbereiter des Humanismus: Er sammelte antike Handschriften und schrieb Briefe an längst verstorbene Autoren wie Cicero.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Antike als Lebensschule
Petrarca nahm Cicero, Seneca und Vergil als literarische Vorbilder und wollte von ihnen lernen, wie man gut lebt. Er schrieb sogar Briefe an Tote wie Cicero und Vergil, als wären sie Gesprächspartner. Im Berufsalltag ist das die Frage, welche Vorbilder du bewusst als Maßstab wählst und ob du ihre Texte wirklich liest.
Selbstprüfung im Secretum
Im Secretum führt er ein erdachtes Gespräch mit einer von Augustinus inspirierten Figur über seine eigenen Schwächen. Dort vertritt er, dass weltliche Leistung eine echte Beziehung zu Gott nicht ausschließt und dass Gott dem Menschen geistige und schöpferische Kräfte zum vollen Gebrauch gegeben hat. Eine Führungskraft kann das als Anstoß nehmen, sich regelmäßig selbst zu befragen, wo Ehrgeiz und Wert auseinanderlaufen.
Einsamkeit und Denken
In De vita solitaria von 1346 lobt er das zurückgezogene, beschauliche Leben und nennt als Beispiel den Verzicht von Papst Coelestin V. auf das Amt. Er rang selbst mit dem Verhältnis von tätigem und beschaulichem Leben. Im Alltag heißt das, feste Zeiten ohne Erreichbarkeit zu schützen, damit Entscheidungen Raum zum Reifen haben.
Begriffe
- Humanismus
- Studia humanitatis
- Selbsterforschung
- Einsamkeit
- aktives und beschauliches Leben
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Augustinus: kein persönlicher Lehrer, sondern gewähltes Vorbild; ein Confessiones-Wort prägte den Ventoux-Brief, im Secretum spricht eine Augustinus-Figur
Freunde
- Giovanni Boccaccio: enger Briefpartner, besuchte ihn zwischen 1361 und 1369 zweimal
- Guido Sette: lebenslanger Freund seit dem Studium
Gegner
- Averroistische Aristoteliker aus seinem Umfeld in Venedig und Padua: aus dem Streit mit ihnen entstand die Schrift Über die eigene und vieler anderer Unwissenheit (De sui ipsius et multorum ignorantia, 1367), in der er seine Frömmigkeit gegen ihre angeblich unreligiösen Lehren stellt
- Ärzte der spätscholastischen Schulmedizin: er warf ihnen vor, ihnen fehle göttliche Weisheit
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Augustinus von HippoDeutung
Augustinus war sein gewähltes Vorbild; ein Confessiones-Zitat prägte den Ventoux-Brief, im Secretum spricht eine von ihm inspirierte Figur.
baut auf Lucius Annaeus SenecaDeutung
Seneca gehört neben Cicero und Vergil zu seinen literarischen Vorbildern.
baut auf Marcus Tullius CiceroDeutung
Cicero diente als stilistisches und literarisches Vorbild, etwa für das Secretum.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Abhängigkeit Deutung
Er stand am Hof des Kardinals Giovanni Colonna in Avignon und diente acht Jahre als Gesandter in Mailand. Kaiser Karl IV. beauftragte ihn 1361, Urkunden des Privilegium Maius zu begutachten. Solche Bindungen an Kirche und Fürsten können seine Themen und Urteile mitgeformt haben.[2]
Biografie belegt
Er wuchs im päpstlichen Avignon auf, studierte Jura in Montpellier und Bologna und hielt diese Jahre später für verschwendet. Die Abkehr von der Juristerei und die Hinwendung zur lateinischen Literatur prägen sein Programm.[1]
Zeitgeschehen Deutung
Seine Geliebte Laura starb 1348, im Jahr der großen Pest; ein Sohn starb 1361 an der Pest. Ob und wie das sein Denken über Sterblichkeit färbte, geben die Quellen nicht an.[1]
Kritik
Der Renaissanceforscher Paul Oskar Kristeller urteilte, Petrarcas Angriffe auf die Scholastik seien persönlich und subjektiv und gingen selten auf konkrete Argumente ein. Spätere Humanisten wie Leonardo Bruni setzten gegen sein Ideal von Einsamkeit und Studium das tätige Bürgerleben. Moderne Forschung hält zudem sein Bild eines finsteren Mittelalters, die Dark Ages, für irreführend.
Wirkung heute
Der Gedanke, alte Texte als Gesprächspartner für heutige Lebensfragen zu lesen, trägt bis heute. Auch das Ringen zwischen Rückzug und Tatkraft kennt jede Führungskraft.
Brücke zu Führung und Coaching
Petrarca zeigt, dass Führungsarbeit Zeiten der Stille braucht, in denen du dich selbst prüfst. Lass dich vor einer schwierigen Personalentscheidung von einem Vorbild leiten, dessen Haltung du bewunderst, und frage dich, wie diese Person handeln würde. Eine hilfreiche Frage am Wochenende: Wo habe ich diese Woche gehandelt, ohne wirklich nachgedacht zu haben?
Lebensstationen
- 1304Geboren in Arezzo, wächst in Avignon und Carpentras auf
- 1326Rückkehr nach Avignon nach dem Jurastudium in Montpellier und Bologna
- 1336Brief über die Besteigung des Mont Ventoux
- 1341Krönung zum Dichter auf dem Kapitol in Rom
- 1362Lebt in Venedig (bis 1367)
- 1374Gestorben in Arquà bei Padua
Werke
Africa (unvollendet, Krönung 1341)
Rerum vulgarium fragmenta / Canzoniere, I trionfi, Secretum, De vita solitaria (1346)
De remediis utriusque fortunae (1366)
Invective contra medicum (frühe 1350er, Fassung 1355)
Brief an die Nachwelt (um 1371/72)
Anekdote überliefert
Petrarca beschreibt in einem Brief, wie er 1336 mit seinem Bruder den Mont Ventoux bestieg und oben in den Confessiones des Augustinus las. Ob der Aufstieg wirklich so stattfand, ist unter Historikern umstritten.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Francesco Petrarca: Die Besteigung des Mont Ventoux, Reclam (Ausgabe 2014): kurzer Brief, gut als Einstieg in sein Selbstbild.
- Vertiefung
- Karlheinz Stierle: Francesco Petrarca. Ein Intellektueller im Europa des 14. Jahrhunderts (Hanser, 3. Auflage 2005).
Noch nicht sicher belegt
- Britannica per WebFetch nicht abrufbar (403), kein SEP-Eintrag. Quellen: Wikipedia en und de sowie encyclopedia.com (enthält u. a. den Artikel von P. O. Kristeller aus der Macmillan Encyclopedia of Philosophy 1967). De vita solitaria: en.wikipedia 1346, Kristeller 1356, Encyclopedia of World Biography 1345 bis 1347. Prüfer R1: Vorwurf der Aristoteliker, er kenne die Schulphilosophie nicht, war nicht belegt und wurde durch Kristellers Urteil ersetzt; Verbindung zu Valla, Ficino, Pico und Pomponazzi im Kontextsatz ist eine Einordnung, keine Quellenaussage. Reclam-Ausgabe des Ventoux-Briefs nur über getAbstract (Reclam 2014) belegt, Übersetzer und ISBN offen. Colonna-Dienst und acht Jahre Mailand in de.wikipedia und Encyclopedia of World Biography.
Herkunft der Daten: Renaissance und Macht. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Petrarca
- [1]Wikipedia en: Petrarch · Wikipedia
- [2]Wikipedia de: Francesco Petrarca · Wikipedia
- [3]encyclopedia.com/people/literature-and-arts/italian-literature-biographies/petrarch · Webseite