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Landkarte der Philosophie

David Chalmers

Philosoph und Kognitionswissenschaftler · geboren 1966 · New York

Kapitel
Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
Kants Fragen
Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Zum Einstieg

Wenn ein Computer alles Verhalten eines Menschen nachahmt, wäre er dann auch jemand, für den es sich nach etwas anfühlt?

Position
Chalmers antwortet, dass die Erklärung von Funktionen und Verhalten das eigentliche Rätsel offen lässt, nämlich warum Erfahrung existiert. Dafür braucht es nach ihm eine nichtreduktive, trotzdem naturalistische Theorie.
Einwand
Dennett, McGinn, Varela, Crick und Penrose gehören zu den Autoren, die auf den Aufsatz geantwortet haben. Searle kritisierte Chalmers' Sicht in der New York Review of Books.
Verbindung
Chalmers führt Nagels Frage fort und steht gegen Dennetts Erklärung; mit Clark verbindet ihn der erweiterte Geist.

Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.

Kommt in diesen Denkwegen vor

Australischer Philosoph und Kognitionswissenschaftler, der das „harte Problem“ des Bewusstseins formuliert hat und mit Andy Clark die These vom erweiterten Geist vertritt.

Chalmers greift Nagels Gedanken des „Wie es ist“ ausdrücklich auf und stellt ihn reduktiven Erklärungen entgegen, wie sie Dennett und die Churchlands vertreten. Mit Clark verbindet ihn die These vom erweiterten Geist, die Denken mit Werkzeugen verknüpft.

Kernidee

Chalmers trennt die leichten Probleme des Bewusstseins von dem harten. Leichte Probleme, wie Aufmerksamkeit, Berichtbarkeit und Schlaf, lassen sich mit Mitteln der Kognitionswissenschaft und Hirnforschung erklären. Das harte Problem ist die Erfahrung selbst: Warum gehört zur Informationsverarbeitung überhaupt ein Erleben?

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Chalmers las mit 13 Jahren Hofstadters „Gödel, Escher, Bach“, was nach der Wikipedia sein Interesse an der Philosophie weckte. 1994 hielt er auf der ersten Konferenz „Toward a Science of Consciousness“ einen Vortrag, der ihn nach einem zitierten Bericht der Chronicle of Higher Education bekannt machte.[2]

Fundstelle: Abschnitte Early life and education und Career

Bekannt für

Man kennt Chalmers für das harte Problem des Bewusstseins und für das Gedankenexperiment des philosophischen Zombies. Ein Alltagsbeispiel ist die Frage, warum dein Sehen eines roten Apfels sich nach etwas anfühlt, obwohl die Verarbeitung im Gehirn auch ohne Gefühl denkbar wäre.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Leichte Probleme und das harte Problem

Chalmers nennt Probleme leicht, die sich mit den Standardmethoden der Kognitionswissenschaft durch rechnerische oder neuronale Mechanismen erklären lassen, etwa die Aufmerksamkeit, die Berichtbarkeit geistiger Zustände und der Unterschied von Wachen und Schlafen. Das wirklich harte Problem ist die Erfahrung, also der subjektive Aspekt, den Nagel mit „es gibt etwas, wie es ist“ beschrieben hat. Wenn dir jemand genau erklärt, wie dein Gehirn Rot verarbeitet, bleibt die Frage, warum es sich nach etwas anfühlt.

Nichtreduktive Erklärung

Chalmers kritisiert in seinem Aufsatz von 1995 Versuche, Bewusstsein reduktiv zu erklären, und meint, dass sie das Kernproblem verfehlen. Er schlägt eine nichtreduktive Theorie vor, die auf Prinzipien der strukturellen Kohärenz und der organisatorischen Invarianz und auf einer Zwei-Aspekte-Sicht der Information beruht. Das ist sein eigener Vorschlag und eine Position von ihm.

Der erweiterte Geist

Gemeinsam mit Andy Clark schrieb Chalmers 1998 den Aufsatz „The Extended Mind“ über die Grenzen des Geistes. Die Grundidee, dass Hilfsmittel wie ein Notizbuch zum Geist gehören können, wird im Eintrag zu Andy Clark ausgeführt. In der Arbeit kannst du dich fragen, welche Dinge dein Denken tragen, etwa Kalender oder Notizen.

Begriffe

hartes Problem des Bewusstseins
leichte Probleme
Erfahrung
nichtreduktive Erklärung
erweiterter Geist
philosophischer Zombie

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

5 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet
belegt
In der angegebenen Quelle dokumentiert und anhand dieser Quelle geprüft. Die philosophische These ist dadurch nicht bewiesen.
Deutung
Redaktionelle Deutung, anhand der angegebenen Quellen geprüft. Andere Lesarten sind möglich.
überliefert
In den angegebenen Quellen überliefert, historisch aber nicht gesichert.
ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Andy ClarkPrüfstand: belegt

    Clark und Chalmers sind Mitautoren von „The Extended Mind“ (1998); Chalmers war zuvor Postdoktorand in Clarks Programm in St. Louis.

  • Thomas MetzingerPrüfstand: belegt

    Chalmers und Metzinger gehören beide zu den Gründungsmitgliedern der Association for the Scientific Study of Consciousness, einer Fachgesellschaft für die Erforschung des Bewusstseins; ein Einfluss ist damit nicht behauptet.

Kritisiert

Chalmers kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Daniel DennettPrüfstand: belegt

    Chalmers hält in seinem Aufsatz von 1995 Dennetts Modell der mehrfachen Entwürfe für eine Erklärung der Berichtbarkeit, die das harte Problem nicht erreicht; Dennett antwortete im Journal of Consciousness Studies.

Übernimmt Gedanken von

Chalmers übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Thomas NagelPrüfstand: belegt

    Chalmers beschreibt den subjektiven Aspekt der Erfahrung mit Nagels Formel, dass es etwas gibt, wie es ist, ein bewusstes Wesen zu sein.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Thomas MetzingerPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Beide fragen nach dem Erleben, Chalmers mit dem harten Problem, Metzinger mit einer Theorie des Selbstmodells; ein Einfluss wird nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Chalmers wuchs in Adelaide auf. Mit 13 Jahren las er Hofstadters „Gödel, Escher, Bach“, das nach der englischen Wikipedia sein Interesse an der Philosophie weckte. Er studierte Mathematik an der University of Adelaide und promovierte 1993 in Bloomington unter Douglas Hofstadter.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Chalmers hielt 1994 auf der ersten Konferenz „Toward a Science of Consciousness“ einen Vortrag, der ihn nach dem Chronicle of Higher Education als Denker bekannt machte. Danach erschien 1995 der Aufsatz und 1996 das Buch.[2]

Kritik

Auf den Aufsatz von 1995 antworteten mehr als zwanzig Beiträge im Journal of Consciousness Studies, darunter von Dennett, McGinn, Varela, Crick und Penrose. Searle kritisierte Chalmers' Sicht in der New York Review of Books.

Wirkung heute

Die Unterscheidung von leichten Problemen und dem harten Problem ist zum Standardbegriff geworden. Sie wird in der Debatte um die Frage genutzt, ob künstliche Systeme etwas erleben könnten.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Du kannst in deinem Team unterscheiden zwischen Fragen, die sich mit Daten und Prozessen klären lassen, und der Frage, wie sich eine Lage für die Beteiligten anfühlt. Das ist eine Analogie zu Chalmers' Unterscheidung und keine Aussage von ihm über Führung.

Lebensstationen

  1. 1966Geburt am 20. April in Sydney
  2. 1993Promotion an der Indiana University Bloomington bei Douglas Hofstadter
  3. 1995Aufsatz „Facing Up to the Problem of Consciousness“
  4. 1996„The Conscious Mind“ erscheint
  5. 1998„The Extended Mind“ mit Andy Clark
  6. 2013Wahl zum Fellow der American Academy of Arts and Sciences

Werke

  • Facing Up to the Problem of Consciousness (1995)

    Ersterscheinung: Journal of Consciousness Studies, Band 2, Heft 3 (1995), Seiten 200 bis 219. Zuerst als Vortrag 1994, Vortrag auf der ersten Konferenz „Toward a Science of Consciousness“ (Wikipedia nennt den Vortrag, nicht ausdrücklich den Aufsatz); die gedruckte Fassung ist davon getrennt angegeben.

  • The Conscious Mind: In Search of a Fundamental Theory (1996)

    Ersterscheinung: Oxford University Press, 1996.

Lesetipps

Einstieg
David J. Chalmers, Facing Up to the Problem of Consciousness, Journal of Consciousness Studies 2(3), 1995; online auf seiner Seite abrufbar.
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Consciousness“ (Robert Van Gulick)

Noch nicht sicher belegt

  • Der Aufsatz von 1995 ist über Chalmers' eigene Seite belegt (Erstveröffentlichung im Journal of Consciousness Studies 2(3), Seiten 200 bis 219).
  • Zu Chalmers selbst wurde kein Eintrag der Stanford Encyclopedia of Philosophy herangezogen, der Eintrag Consciousness nennt ihn nur am Rande.
  • Das Geburtsdatum 20. April 1966 in Sydney steht in beiden Wikipedia-Fassungen übereinstimmend.
  • Dass „The Extended Mind“ 1998 erschien, ist durch den Aufsatz selbst belegt (Analysis 58, Seiten 10 bis 23).
  • Die Kritik von Searle in der New York Review of Books steht nur in der Wikipedia.
  • Chalmers' Zombie-Argument ist nicht im Detail belegt.
  • Eine deutsche Ausgabe von „The Conscious Mind“ wurde nicht gefunden, die deutsche Wikipedia nennt keine.

Wege durchs Netz

  • 2. Verstehen und Erleben

    Chalmers formulierte das harte Problem des Bewusstseins: Warum gehört zu Vorgängen im Gehirn überhaupt ein Erleben?

Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Chalmers

  1. [1]consc.net/papers/facing.html · Webseite
  2. [2]David Chalmers – Wikipedia (en), Abschnitt Early life and education
  3. [3]David Chalmers · Wikipedia
  4. [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy

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