David Kellogg Lewis
1941–2001 · Princeton
- Strömung
- Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Der amerikanische Metaphysiker, der mögliche Welten als wirklich existierende Welten verteidigte und mit Konvention und Kontrafaktischem die Sprachphilosophie der Nachkriegszeit prägte.
Er promovierte bei Quine und baute das Werkzeug der möglichen Welten weiter aus, das auch Kripke in der Semantik einsetzte, aber anders deutete. Zu seinen Doktoranden in Princeton gehören Brandom und Railton.
Kernidee
Lewis sagt: Alle möglichen Welten existieren wirklich und konkret, nur sind sie von unserer Welt getrennt. Aussagen über Mögliches, etwa was gewesen wäre, wenn, handeln dann von diesen Welten und ihren Gegenstücken. Außerdem erklärt er Sprache als Konvention, also als Lösung eines Koordinationsproblems, das Menschen ohne ausdrückliche Absprache bewältigen.
Bekannt für
Lewis wurde mit Convention (1969) bekannt, seiner Dissertation, die den ersten Franklin-Matchette-Preis der American Philosophical Association erhielt. Berühmt-berüchtigt ist sein modaler Realismus, nach dem es unzählige konkret existierende Welten neben unserer gibt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Modaler Realismus und Gegenstücke
Lewis behandelt alle möglichen Welten als gleich real, und unsere Welt ist nur die, in der wir uns befinden. Eine Person existiert nur in einer Welt, in anderen Welten gibt es nur Gegenstücke, die ihr ähneln. Wenn du im Team fragst, was wäre geschehen, wenn wir anders entschieden hätten, rechnest du in diesem Bild mit Welten, in denen der Beschluss anders ausfiel.
Kontrafaktische Konditionale
Ein Satz wie Wenn das Projekt später gestartet wäre, wäre es gescheitert ist nach Lewis wahr, wenn das Gescheiterte in den ähnlichsten Welten gilt, in denen der Start später lag. Es kommt also auf ein Maß der Ähnlichkeit an, in dem Naturgesetze schwerer wiegen als einzelne Tatsachen. Bei Rückblicken lohnt sich daher die Frage, welche Annahmen wir als gleich lassen, wenn wir ein Was-wäre-wenn durchspielen.
Sprache als Konvention
In Convention erklärt Lewis Konventionen mithilfe der Spieltheorie (einer mathematischen Theorie über Entscheidungen, bei denen der Erfolg des Einzelnen vom Verhalten der anderen abhängt) als Regelmäßigkeiten, die Koordinationsprobleme lösen, ohne dass es eine ausdrückliche Vereinbarung braucht. Sprache beruht auf einer Konvention der Wahrhaftigkeit und des Vertrauens. Im Betrieb zeigt sich das in ungeschriebenen Regeln wie wer am Ende des Meetings die Zusammenfassung schickt, die allen nützen, solange sich alle daran halten.
Begriffe
- modaler Realismus
- : Lewis' Ansicht, dass alle möglichen Welten wirklich und konkret existieren und etwas möglich ist, wenn es in einer von ihnen zutrifft
- Gegenstücktheorie
- : eine Person existiert nur in einer Welt, in anderen Welten wird sie durch ähnliche Gegenstücke vertreten
- Konvention
- : bei Lewis eine Regelmäßigkeit im Verhalten, die ein Koordinationsproblem löst, ohne dass jemand sie ausdrücklich vereinbart hat
- kontrafaktische Konditionale
- : Wenn-dann-Sätze über Unwirkliches („Wäre X geschehen, dann Y“), wahr nach Lewis, wenn Y in den ähnlichsten X-Welten gilt
- Humesche Supervenienz
- : Lewis' These, die Welt sei ein riesiges Mosaik einzelner örtlicher Tatsachen, aus dessen Verteilung alles Weitere folgt
- natürliche Eigenschaften
- : Eigenschaften, die die Natur an ihren echten Grenzen einteilen und echte Ähnlichkeit begründen; manche sind nach Lewis natürlicher als andere
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- W. V. O. Quine: Doktorvater in Harvard
- Iris Murdoch: unterrichtete ihn in Oxford 1959–60
- Thomas Schelling: prägte laut SEP seine Konventionstheorie
Schüler
- Robert Brandom, Alex Byrne, L. A. Paul, Peter Railton, J. David Velleman: Doktoranden laut Wikipedia
Freunde
- David Malet Armstrong: arbeitete laut Wikipedia besonders eng mit ihm zusammen
- J. J. C. Smart: Lewis besuchte in Harvard dessen Seminar
Gegner
- Saul Kripke: wandte ein, ein Wahlkandidat interessiere sich nicht dafür, ob jemand in einer anderen Welt gewinnt, sondern ob er selbst hätte gewinnen können (Naming and Necessity, 1980, S. 45, Anm. 13)
- Robert Stalnaker: fragte, wie wir etwas über kausal von uns getrennte Welten wissen könnten (Inquiry, 1984, S. 49)
- Alan Hájek: Kritik an der Ähnlichkeitsanalyse
Verbindungen im Netz
4 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Lehrer von Robert BrandomDeutung
Wikipedia nennt Brandom unter Lewis' Doktoranden.
Schüler von Willard Van Orman QuineDeutung
Lewis promovierte in Harvard bei Quine, widersprach ihm später in vielem.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
wird kritisiert von Saul Aaron KripkeDeutung
Kripke nutzte mögliche Welten, aber nicht im konkreten Sinn von Lewis, und kritisierte die Gegenstücktheorie in Naming and Necessity (1980, S. 45, Anm. 13).
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit J. J. C. SmartDeutung
Lewis besuchte in Harvard Smarts Seminar, Smart sagte, er habe von ihm gelernt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie Deutung
Ein Studienjahr in Oxford 1959–60 weckte sein philosophisches Interesse; er hörte dort die letzte Vorlesungsreihe des Sprachphilosophen J. L. Austin und wurde von Iris Murdoch betreut. Das kann seine Mischung aus Oxforder Sprachgefühl und Harvarder Logik erklären.[1]
Abhängigkeit Deutung
Lewis lehrte ab 1970 bis zu seinem Tod in Princeton und besuchte Australien über Jahrzehnte fast jährlich, wo er eng mit dem australischen Philosophen David Armstrong und weiteren Kollegen arbeitete. Das kann erklären, warum seine Metaphysik dort besonders stark weiterwirkte.[2]
Kritik
Lewis nannte sich selbst einen Mann des gesunden Menschenverstands, ausgenommen bei den nicht verwirklichten möglichen Welten, und gab damit zu, dass sein modaler Realismus der Intuition widerspricht. Stalnaker fragte, woher wir etwas über kausal getrennte Welten wissen könnten, und Kripke hielt die Gegenstücktheorie für unpassend, weil es uns um uns selbst geht und nicht um ähnliche Personen anderswo. Hájek bestreitet, dass es für Ähnlichkeitsanalysen von Kontrafaktischem immer eine ähnlichste Welt gibt.
Wirkung heute
Seine Semantik der kontrafaktischen Konditionale, die Stalnaker-Lewis-Theorie (nach ihr ist ein Wenn-dann-Satz über Unwirkliches wahr, wenn in den ähnlichsten denkbaren Welten, in denen das Wenn zutrifft, auch das Dann zutrifft), ist bis heute Standard. Auch seine Analyse von Konvention, Kausalität und natürlichen Eigenschaften prägt die Metaphysik und Sprachphilosophie.
Brücke zu Führung und Coaching
Lewis hilft dir, Rückblicke sauberer zu führen: Bevor ein Team sagt, mit einer anderen Entscheidung wäre alles besser gelaufen, lohnt die Frage, was dabei konstant bleibt und was sich verändern würde. Außerdem zeigt sein Konventionsbegriff, wie viele Abläufe im Betrieb ohne Absprache funktionieren, solange alle dasselbe erwarten. Frage dich bei Reibung, welche stillen Konventionen gerade nicht mehr geteilt werden.
Lebensstationen
- 1941Geboren in Oberlin, Ohio
- 1960Studienjahr in Oxford 1959–60, danach Philosophiestudium in Harvard
- 1966Beginn der Lehre an der UCLA
- 1969Convention erscheint
- 1970Wechsel nach Princeton, wo er bis zum Tod bleibt
- 1986On the Plurality of Worlds erscheint
- 2001Gestorben in Princeton
Werke
Convention (1969); Counterfactuals (1973); Philosophical Papers I (1983) und II (1986); On the Plurality of Worlds (1986); Parts of Classes (1991); Papers in Metaphysics and Epistemology (1999)
Anekdote überliefert
Lewis fiel in Harvard zweimal bei der Vorprüfung in Metaphysik durch und riskierte seinen Rausschmiss. J. J. C. Smart sagte später über ihn: I taught David Lewis, or rather, he taught me.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- David Lewis: On the Plurality of Worlds (1986), sein Hauptwerk zum modalen Realismus. Eine deutsche Ausgabe ist nicht bestätigt.
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy: David Lewis (Eintrag zu Leben und Werk)
Noch nicht sicher belegt
- Nur zwei Quellen, beide nur bis ca. 100000 Zeichen gelesen. Abweichungen: Wikipedia nennt Promotion 1967, UCLA ab 1966; Datierung 1960 in leben ist abgeleitet (Oxford-Jahr 1959–60). Keine deutsche Ausgabe bestätigt. Todesursache nicht übernommen. Die Formulierung incredulous stare steht nicht in den abgerufenen Quellen. Kripke-Kritik (Wahlkandidat) laut en.wikipedia mit Stelle Naming and Necessity 1980, S. 45, Anm. 13 (Stelle nicht im Buch selbst geprüft). Stalnaker-Kritik: Wikipedia und SEP unterscheiden sich im Inhalt. Wirkungen von Oxford und Australien auf Lewis' Denken sind Deutung. Murdoch und Austin, Ryle, Grice, Strawson als Lehrer in Oxford laut Wikipedia/SEP (nur Vorlesungen gehört, nicht Lehrer im engen Sinn). Prüfer: Oxford-Vorlesungen von Ryle, Grice und Strawson in keiner abgerufenen Quelle, nur Austin (SEP); korrigiert. Stalnakers Sicht der Welten als Hilfsmittel unbelegt, gestrichen. Behauptung, nur sehr wenige teilten den modalen Realismus, und die Ockham-Erwiderung unbelegt, Kritik neu gefasst. Werkjahre nach SEP-Bibliografie bestätigt. Todesort Princeton nur en.wikipedia.
Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu D. Lewis
- [1]SEP David Lewis · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia David Lewis · Wikipedia
- [3]Wikipedia (de): Spieltheorie · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [4]Wikipedia (de): David Malet Armstrong · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20