Landkarte der Philosophie

Saul Aaron Kripke

1940–2022 · New York, Princeton

Strömung
Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Der amerikanische Logiker und Philosoph, der mit Name und Notwendigkeit die Metaphysik in die analytische Philosophie zurückbrachte und eine neue Semantik der möglichen Welten schuf.

Er wendet sich gegen Frege und Russell, die Namen als verkappte Beschreibungen sahen, und gegen die Skepsis Quines gegenüber Modallogik und Essentialismus. Mit seiner Wittgenstein-Deutung greift er in die Wittgenstein-Debatte des Moduls ein.

Kernidee

Kripke sagt: Ein Eigenname bezeichnet seinen Träger direkt, nicht über eine versteckte Beschreibung, und er bezeichnet ihn in jeder denkbaren Welt, in der es ihn gibt. Dadurch lassen sich Wahrheiten wie Wasser ist H2O als notwendig, aber erst durch Erfahrung erkennbar verstehen. Außerdem liest er Wittgenstein so, dass aus dem Regelfolgen ein neuer Skeptizismus über Bedeutung entsteht.

Bekannt für

Kripke wurde schon als Teenager für einen Vollständigkeitsbeweis der Modallogik bekannt und später durch seine Princeton-Vorlesungen von 1970, die als Naming and Necessity erschienen. Sie gelten als einer der wichtigsten Anstöße der analytischen Philosophie nach 1950.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Starre Bezeichner und die Taufkette

Ein Eigenname wie Aristoteles bezeichnet nach Kripke in jeder möglichen Welt dieselbe Person, während eine Beschreibung wie der Lehrer Alexanders je nach Welt jemand anderen treffen kann. Namen erhalten ihren Bezug durch einen Taufakt und werden über eine Kette von Sprechern weitergegeben. Wenn in deinem Unternehmen ein Projekt Phoenix heißt, bezieht sich der Name auf das Projekt selbst, auch wenn sich dessen Ziele ändern.

Notwendig und a posteriori

Kripke trennt drei Fragen: ob etwas analytisch ist, ob wir es vor oder nach Erfahrung wissen können und ob es metaphysisch notwendig ist. So kann Hesperus ist Phosphorus notwendig wahr sein und doch erst durch Beobachtung entdeckt werden. Im Alltag heißt das: Dass ein Satz erst nach langer Beobachtung feststeht, sagt noch nicht, ob er zufällig oder wesentlich wahr ist.

Regelfolgen und Skepsis

In seinem Wittgenstein-Buch von 1982 deutet Kripke das Regelfolgen als Problem: Was in meiner Vergangenheit legt fest, dass ich eine Regel so und nicht anders anwende? Seine Antwort, laut Wikipedia eine skeptische Lösung, verankert Bedeutung im Verhalten einer Gemeinschaft. Wenn ein Team sagt, wir machen das immer so, hängt die Regel an der gemeinsamen Praxis und nicht an einem geheimen Regelbuch.

Begriffe

starre Bezeichner
mögliche Welten
kausale Theorie der Namen
notwendige Wahrheiten a posteriori
Regelfolgen
Kripkenstein

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Gegner

  • W. V. O. Quine: lehnte Essentialismus und Modallogik ab, Kripke gilt als Gegenpol
  • Gottlob Frege und Bertrand Russell: Kripke widerspricht der Beschreibungstheorie der Namen
  • Gordon Baker, Peter Hacker, Colin McGinn: halten seine Wittgenstein-Skepsis für ein Scheinproblem

Verbindungen im Netz

5 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Ludwig WittgensteinDeutung

    Kripke deutet in Wittgenstein on Rules and Private Language (1982) Wittgensteins Spätwerk, besonders § 201 der Philosophischen Untersuchungen.

Kritik

Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.

  • kritisiert Bertrand RussellDeutung

    Kripke widerspricht der Auffassung, Eigennamen seien abgekürzte Beschreibungen.

  • kritisiert David Kellogg LewisDeutung

    Kripke nutzte mögliche Welten, aber nicht im konkreten Sinn von Lewis, und kritisierte die Gegenstücktheorie in Naming and Necessity (1980, S. 45, Anm. 13).

  • kritisiert Gottlob FregeDeutung

    Kripke widerspricht Freges Sinn-Beschreibungstheorie der Namen (de.wikipedia nennt Frege und Russell).

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • im Vergleich mit Willard Van Orman QuineDeutung

    Quine lehnte Essentialismus und Modallogik ab, Kripke gilt laut Wikipedia als Gegenpol.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie Deutung

    Kripke war ein Wunderkind, das mit etwa 17 oder 18 Jahren Ergebnisse zur Modallogik veröffentlichte und als junger Mann an Harvard, Princeton und Rockefeller University lehrte. Sein früher Erfolg als Logiker kann erklären, warum er philosophische Fragen mit logischer Strenge behandelte.[1]

  • Abhängigkeit Deutung

    Ein großer Teil seines Werks blieb unveröffentlicht und existiert nur als Tonaufnahme oder privat weitergereichtes Manuskript; auch Naming and Necessity geht auf drei mündliche Vorlesungen zurück. Seine Wirkung hing deshalb stark davon ab, wer seine Vorträge hörte oder Abschriften bekam.[1]

Kritik

Quine lehnte Essentialismus und Modallogik ab. Baker, Hacker und McGinn halten Kripkes Wittgenstein-Skepsis für Scheinproblem auf Grund selektiver Lektüre. Quentin Smith warf ihm 1995 vor, zentrale Ideen stammten von Ruth Barcan Marcus; Neale und Burgess widersprachen dem.

Wirkung heute

Die Semantik der möglichen Welten und die Lehre von starren Bezeichnern gehören zum Standardwerkzeug der Sprachphilosophie und Metaphysik. Sein Argument gegen den Identitätsmaterialismus wurde später von David Chalmers aufgegriffen.

Brücke zu Führung und Coaching

Kripke hilft dir, Bezeichnungen von Beschreibungen zu trennen: Wenn jemand sagt der Problemkunde, ist das eine Beschreibung, die für heute passt, der Name der Person bleibt aber auch dann gleich, wenn sich ihre Rolle ändert. Frage im Team: Reden wir über dieselbe Sache oder nur über denselben Ausdruck? Und prüfe bei eingefahrenen Regeln, ob sie aus einer Praxis kommen oder ob sich niemand mehr erinnert, wer sie festgelegt hat.

Lebensstationen

  1. 1940Geboren in Bay Shore, New York
  2. 1959A Completeness Theorem in Modal Logic erscheint, noch als Schüler geschrieben
  3. 1962Bachelor in Mathematik an der Harvard University
  4. 1970Princeton-Vorlesungen, aus denen Naming and Necessity wird
  5. 1977Professur in Princeton (de.wikipedia: McCosh-Professor 1977 bis 1997; en.wikipedia nennt 1978 als Beginn)
  6. 2003Distinguished Professor am CUNY Graduate Center
  7. 2022Gestorben in Plainsboro, New Jersey

Werke

A Completeness Theorem in Modal Logic (1959); Semantical Considerations on Modal Logic (1963); Naming and Necessity (1972, Buch 1980, deutsch: Name und Notwendigkeit, 1981); Outline of a Theory of Truth (1975); Wittgenstein on Rules and Private Language (1982, deutsch: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache, 1987); Reference and Existence (Vorlesungen 1973, Buch 2013, deutsch: Referenz und Existenz, 2014)

Anekdote überliefert

Kripke soll gesagt haben, er wünschte, er hätte das College überspringen können, weil er dort nichts gelernt habe. Die Aussage ist ohne nähere Stellenangabe in der Wikipedia überliefert.[1]

Lesetipps

Einstieg
Saul A. Kripke: Name und Notwendigkeit, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981 (übersetzt von Ursula Wolf), die deutsche Fassung der Princeton-Vorlesungen.
Vertiefung
Wolfgang Stegmüller: Kripkes Deutung der Spätphilosophie Wittgensteins (Kröner, Stuttgart 1986)

Noch nicht sicher belegt

  • Keine SEP-Seite zu Kripke abrufbar (404), Britannica 403, REP-Seite nur Zusammenfassung. Daher nur Wikipedia (en, de) plus REP-Kurzfassung; Mindestquellenzahl nur knapp erreicht. Jahr des ersten Modallogik-Beweises: en-Wikipedia nennt mit 17 geschrieben und 1959 veröffentlicht, de-Wikipedia nennt 1958 mit 18; hier werke 1959 nach en. Abweichungen bei Semantical Considerations (1963). Der Vater: en Wikipedia nennt Synagogenleiter, de Rabbiner. Doktoranden/Schüler nicht belegt, Listen leer. Kante zu Lewis nicht belegt, weggelassen. Zitat nicht belegt. Stegmüller-Titel unbekannt. A Puzzle about Belief: Jahr nicht übernommen. Wirkung des frühen Erfolgs auf sein Denken ist Deutung. Kritik Smith/Marcus nach en-Wikipedia. Prüfer: Zweite echte Personenquelle ergänzt: Nachruf im Bulletin of Symbolic Logic (Artemov, Burgess, Fitting, Hattiangadi, Cambridge Core); er bestätigt Tod 15.9.2022, Vollständigkeitsaufsatz 1959 als Schülerarbeit, Harvard-BS als einzigen Abschluss, Lehre an Harvard, MIT, Rockefeller, Princeton, CUNY ab 2003, Naming and Necessity 1972/1980, Wittgenstein-Buch 1982. Outline of a Theory of Truth: en.wikipedia 1975, laut Abruf des Nachrufs 1976 zitiert; offen. Princeton-Beginn 1977 (de) oder 1978 (en), Ende 1997 (de) oder 1998 (Princeton-Nachruf, nur Suchtreffer). Geburtsort, Todesort und Anekdote weiter nur Wikipedia. Stegmüller-Titel nach de.wikipedia ergänzt. Kontext zur unveröffentlichten Wirkung als Deutung herabgesetzt. SEP und Britannica erneut 404/403, Princeton-Philosophie-Nachruf 403.

Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Kripke

  1. [1]Wikipedia Saul Kripke · Wikipedia
  2. [2]Wikipedia (de): Saul Kripke · Wikipedia
  3. [3]rep.routledge.com/articles/biographical/kripke-saul-aaron-1940-2022/v-1 · Webseite
  4. [4]madoc.bib.uni-mannheim.de/54085 · Webseite
  5. [5]cambridge.org/core/product/A3C7AECE081936E181CE213CB69AC460/core-reader · Webseite

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