Michael Dummett
Philosoph · 1925–2011 · London, Oxford
Kernidee in Kürze
Dummett hielt die Frage nach der Bedeutung von Sätzen für den Kern der Philosophie und las Frege als den, der den Weg dorthin gewiesen hat. Sein bekanntestes eigenes Anliegen ist der Antirealismus: Einen Satz verstehen heißt, erkennen zu können, was als Beleg für oder gegen ihn zählen würde.
- Kapitel
- Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Was heißt es, einen Satz zu verstehen, dessen Wahrheit sich vielleicht nie feststellen lässt?
- Position
- Daraus folgt für ihn, dass nicht jeder Aussagesatz eindeutig wahr oder falsch sein muss.
- Einwand
- Nach der Internet Encyclopedia of Philosophy versuchen Philosophen meist zu zeigen, dass seine antirealistischen Argumente nicht erfolgreich sind. Auch seine Frege-Deutung ist umstritten.
- Verbindung
- Der Streit führt zurück zu Frege, von dem Dummett die Bedeutungstheorie übernimmt, und zu Wittgenstein, von dem er die Idee übernimmt, dass Bedeutung im Gebrauch liegt.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Dummett war
Englischer Philosoph, der Frege deutete und mit der Frage, was Verstehen eines Satzes bedeutet, den Streit zwischen Realismus und Antirealismus in die Sprachphilosophie und Logik übersetzte.
Dummett steht für die Verbindung von Logik und Sprachphilosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er schließt an Frege und den späten Wittgenstein an und behandelt Streitfragen der Metaphysik als Streit darüber, welche logischen Gesetze für eine bestimmte Art von Aussagen gelten. Die Internet Encyclopedia of Philosophy zählt ihn zu den einflussreichsten britischen Philosophen seiner Generation.
Kernidee genauer
In der Mathematik entspricht das dem Intuitionismus, der zum Beispiel den Satz vom ausgeschlossenen Dritten nicht ohne Weiteres gelten lässt.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Dummett sagte nach der Internet Encyclopedia of Philosophy, er habe sich zu Beginn seiner Laufbahn, vor den Arbeiten, auf denen sein Ruf beruht, als Anhänger Wittgensteins betrachtet, und fügte hinzu, wohl zu Unrecht.[1]
Fundstelle: Abschnitt 2a
Bekannt für
Man kennt Dummett für seine Deutung Freges, für den Antirealismus und für seinen Einsatz gegen Rassismus. Ein Alltagsbeispiel: Wenn jemand behauptet „Die Kundin ist zufrieden“, kannst Du fragen, woran man das überhaupt merken würde.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Bedeutung als Gebrauch und die Frage nach dem Verstehen
Ein Wort zu verstehen heißt demnach, es richtig verwenden zu können. Dummett folgte Wittgenstein aber nicht in der Ansicht, dass sich metaphysische Streitfragen damit erledigen. Er wollte sie stattdessen lösen, indem er zeigt, welche Rolle sie im Gebrauch der Sprache spielen. Im Alltag erkennst Du Verstehen daran, dass jemand eine Anweisung richtig ausführen kann.
Realismus und Antirealismus
Dummett fasste den Streit zwischen Realisten und Antirealisten als Streit darüber, welche logischen Gesetze für eine Art von Aussagen gelten, zum Beispiel Aussagen über Zahlen, die Vergangenheit oder die Außenwelt. Der Realist nimmt an, dass jede solche Aussage eindeutig wahr oder falsch ist, auch wenn niemand es herausfinden kann (Bivalenz). Der Antirealist bestreitet das und bindet Wahrheit an mögliche Belege. Dummett sah die Antwort nicht als gesetzt an und fragte, wie weit dieses Argument jeweils trägt.
Frege und die linguistische Wende
Dummett deutete Freges Arbeit so, dass sie die Philosophie dazu brachte, das Denken über die Analyse der Sprache zu untersuchen. Das nennt er die linguistische Wende. Die Internet Encyclopedia of Philosophy bemerkt, dass Frege diese Wende nach Dummetts eigenem Zugeständnis nicht ausdrücklich vollzog und dass Dummetts Deutung nicht allgemein akzeptiert ist. Im Alltag entspricht das der Erfahrung, dass man Gedanken klärt, indem man sie genau ausspricht.
Begriffe
- Bedeutungstheorie
- Antirealismus
- Bivalenz
- Intuitionismus
- linguistische Wende
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Kritisiert
Dummett kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Willard Van Orman QuinePrüfstand: belegt
Dummett verteidigte Freges Bedeutungstheorie gegen Quines holistisches Bild der Sprache, nach dem ein Satz seine Bedeutung nur im Zusammenhang der ganzen Sprache hat; er wandte unter anderem ein, dass man eine Sprache so kaum Schritt für Schritt lernen könnte.
Gegenseitige Kritik
Beide Seiten kritisieren Thesen der anderen.
Saul Aaron KripkePrüfstand: belegt
Dummett verteidigte Freges Bedeutungstheorie gegen Kripkes Einwände und schlug vor, Eigennamen als Beschreibungen zu lesen, die immer den weitesten Geltungsbereich im Satz haben, also so verstanden werden, als stünden sie vor Wörtern wie „notwendigerweise“. Kripkes spätere Einwände gegen diesen Vorschlag zielten vor allem auf Dummett, der darauf mit einigen Änderungen antwortete.
Übernimmt Gedanken von
Dummett übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Ludwig WittgensteinPrüfstand: belegt
Von Wittgenstein übernahm Dummett den Gedanken, dass die Bedeutung eines Wortes in seinem Gebrauch liegt, nicht aber die Ansicht, dass Metaphysik damit erledigt sei.
Untersucht
Dummett untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.
untersucht Gottlob FregePrüfstand: belegt
Dummett wurde zum wichtigsten Kommentator Freges und las in ihm den Ausgangspunkt der analytischen Philosophie.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Dummett wurde 1943 zum Militärdienst eingezogen und diente bis 1947, zuerst bei der Artillerie und dann beim Nachrichtendienst der Armee in Indien und Malaya. Danach studierte er in Oxford und schloss 1950 das Studium in Philosophie, Politik und Wirtschaft ab.[1]
Biografie belegt
Von 1965 bis 1968 widmete Dummett zusammen mit seiner Frau Ann viel Zeit dem Kampf gegen Rassismus. Sie halfen 1965 mit, das Oxford Committee for Racial Integration zu gründen, und er gründete später den Joint Council for the Welfare of Immigrants. Nach der Internet Encyclopedia of Philosophy ließ ihm diese Arbeit ab 1969 wieder genug Zeit für die philosophische Forschung.[1]
Biografie belegt
1999 wurde Dummett zum Ritter geschlagen, nach der Internet Encyclopedia of Philosophy für sein Eintreten gegen Rassismus und für seine philosophische Arbeit. Von 1979 bis zu seiner Pensionierung 1992 war er Wykeham Professor of Logic in Oxford.[1]
Kritik
Sie hält auch fest, dass seine Frege-Deutung nicht allgemein akzeptiert ist und dass er selbst Brouwers Begründung des Intuitionismus nicht überzeugend fand. Dummett hoffte, auf der Grundlage von Freges Arbeit ließen sich Fragen der Bedeutungstheorie allgemein anerkannt lösen; er räumte selbst ein, dass ähnliche Hoffnungen bei Husserl, Kant, Spinoza und Descartes enttäuscht wurden und er sich wahrscheinlich ebenso täusche, und antwortete nur, die Zeit werde es zeigen.
Wirkung heute
Crispin Wright und Neil Tennant haben nach der Internet Encyclopedia of Philosophy versucht, antirealistische Bedeutungstheorien auch auf Aussagen über die Erfahrungswelt auszudehnen. Alexander Miller schrieb 2001, die von Dummett angestoßene Debatte darüber, wie sich Fragen der Metaphysik am besten mit Argumenten der Sprachphilosophie und der Bedeutungstheorie behandeln lassen, sei weiterhin eines der zentralen Themen der analytischen Philosophie.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Dummetts Frage, was als Beleg für eine Aussage zählen würde, lässt sich im Alltag nutzen. Wenn jemand im Team sagt „Die Kundenzufriedenheit ist hoch“, kannst Du zurückfragen, woran Ihr das erkennen würdet, zum Beispiel an Rückmeldungen oder Wiederkäufen. So klärst Du, ob die Aussage eine Bedeutung hat, die sich überprüfen lässt. Das ist eine Analogie und keine Aussage Dummetts über Führung.
Lebensstationen
- 1925Geburt in London (27. Juni)
- 1943Einberufung zum Militärdienst, der bis 1947 dauerte
- 1950Abschluss in Oxford und Wahl zum Fellow am All Souls College
- 1973Frege: Philosophy of Language erscheint
- 1979Wykeham Professor of Logic in Oxford (bis 1992)
- 1999Ritterschlag
- 2011Tod am 27. Dezember
Werke
Frege: Philosophy of Language (1973); Truth and Other Enigmas (1978); The Logical Basis of Metaphysics (1991); Origins of Analytical Philosophy (1988, englisch 1993)
Lesetipps
- Einstieg
- Michael Dummett, Origins of Analytical Philosophy (englisch 1993; deutsch: Ursprünge der analytischen Philosophie, 1988); der Text geht aus Vorlesungen in Bologna hervor und führt in sein Verständnis der analytischen Philosophie ein.
- Vertiefung
- Internet Encyclopedia of Philosophy, „Michael Dummett“
Noch nicht sicher belegt
- Unter der zu erwartenden Adresse fand sich kein Eintrag der Stanford Encyclopedia of Philosophy zu Dummett. Hauptquelle ist deshalb die Internet Encyclopedia of Philosophy, ergänzt durch Wikipedia und einen Aufsatz von Alexander Miller. Millers Aufsatz liegt als PDF auf dem Server des Verlags Wiley-Blackwell (Kapitel 31 des Bandes „A Companion to Analytic Philosophy“); eine ausdrückliche Lizenzangabe enthält die Datei nicht. Die Seite der Britannica ließ sich nicht abrufen. Geburts- und Todesdatum (27. Juni 1925, 27. Dezember 2011) stehen in Wikipedia; einen Sterbeort nennt Wikipedia nicht, nur das Begräbnis in Wolvercote bei Oxford, deshalb steht in der Lebensstation nur das Datum. Dummetts Eintritt in die katholische Kirche 1944, den die Internet Encyclopedia of Philosophy im Abschnitt über Religion nennt, ist nicht aufgenommen. Der Verlag von „The Logical Basis of Metaphysics“ wurde nicht geprüft. Die Verbindung zu Kripke ist nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy eine gegenseitige Auseinandersetzung, denn Kripke greift Dummett an und Dummett antwortet; sie ist deshalb nicht als einseitige Kritik eingetragen. Bei Quine belegt die Stanford Encyclopedia of Philosophy in ihrem Eintrag zum Bedeutungsholismus Dummetts Einwand aus dem Spracherwerb gegen den Holismus; dass dieser Holismus auf Quine zurückgeht, steht dort und bei Miller. Die Aussage über die Debatte als zentrales Thema stammt von Miller (2001). Die Einordnung in die linguistische Wende gibt Dummetts Deutung Freges wieder, die nach der Internet Encyclopedia of Philosophy umstritten ist. Der Satz zu Dummetts Selbsteinschätzung im Abschnitt zur Kritik gibt sinngemäß ein Zitat Dummetts von 1978 (Seite 458) wieder, das die Internet Encyclopedia of Philosophy anführt. Die Alltagsbeispiele stammen von der Redaktion.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 1: Wissenschaftstheorie, Logik und Sprache. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Dummett
- [1]Wikipedia (en), Michael Dummett, Abschnitt Education and army service; IEP, Abschnitt 1
- [2]Michael Dummett · Wikipedia
- [3]blackwellpublishing.com/content/bpl_images/content_store/WWW_Content/9780631214151/031.pdf · Webseite
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [7]philpapers.org/rec/DUMFPO-2 · Aufsatz