José Gaos
Philosoph und Übersetzer · 1900–1969 · Gijón und Madrid (Spanien), Mexiko-Stadt (Mexiko)
Kernidee in Kürze
Gaos denkt darüber nach, dass jede Philosophie in den geschichtlichen Umständen der Denkerin oder des Denkers wurzelt. Er erlebte, wie nacheinander Neukantianismus, Phänomenologie, Existenzphilosophie und Historismus sich jeweils als die wahre Philosophie ausgaben, und fragte deshalb nach dem Wesen der Philosophie selbst, in einer „Philosophie der Philosophie“.
- Kapitel
- Lateinamerika (Überblick) (redaktionell)
- Richtung
- Phänomenologie Deutung[4][5]Durchlief eine phänomenologische Phase, übersetzte Husserl und Heidegger und wandte sich danach Existenzphilosophie und Historismus zu.
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie lässt sich Philosophie verstehen, wenn jede Lehre aus den Umständen ihrer Zeit und Person erwächst?
- Position
- Gaos sieht die Philosophie als geschichtlich bedingt, fragt nach ihrem Wesen in einer „Philosophie der Philosophie“ und verwurzelt sie in der Persönlichkeit der Philosophierenden.
- Einwand
- Nach einer Darstellung folgt daraus, dass Philosophie letztlich für andere unverständlich bleibt.
- Verbindung
- Gaos studierte bei Ortega, übersetzte Heidegger und Husserl und prägte in Mexiko Schüler wie Leopoldo Zea und Luis Villoro.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Gaos war
Spanisch-mexikanischer Philosoph, Schüler Ortega y Gassets und Rektor der Universität Madrid, der 1938 vor dem Franco-Regime nach Mexiko floh und dort als Lehrer und Übersetzer eine Generation mexikanischer Denker prägte.
Gaos studierte in Madrid bei Ortega y Gasset, Manuel García Morente und Xavier Zubiri und wurde 1936 Rektor der Universität Madrid. Er war Anhänger der spanischen Republik, floh vor dem Regime Francisco Francos und kam 1938 nach Mexiko, wo er bis zu seinem Tod lehrte. Er nannte sich dort einen „transterrado“, einen Verpflanzten, und keinen Verbannten.
Kernidee genauer
Nach einer Darstellung kam er dabei zu dem Schluss, dass Philosophie in der Persönlichkeit des Philosophierenden wurzelt. In Mexiko förderte er die Erforschung der Geschichte der Ideen in Lateinamerika und übersetzte viele deutsche Philosophen ins Spanische.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Gaos floh 1938 vor dem Franco-Regime und lehrte danach in Mexiko. Er nannte sich dort einen „transterrado“, einen Verpflanzten.[1]
Bekannt für
Gaos kennt man als den spanischen Philosophen, der im Exil in Mexiko die erste spanische Übersetzung von Heideggers „Sein und Zeit“ vorlegte und viele Studentinnen und Studenten ausbildete, die später zu den wichtigsten Denkern Mexikos zählten. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du merkst, dass Dich in einem neuen Umfeld die eigene Herkunft prägt und Du trotzdem dort Wurzeln schlagen willst, kennst Du das Gefühl, für das Gaos das Wort „transterrado“ erfand.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die Geschichtlichkeit der Philosophie
Als Jugendlicher las Gaos eine Philosophiegeschichte, die ihn zu der Frage führte, wie weit jede Philosophie von den geschichtlichen Umständen des Denkenden abhängt. Daraus wurde das Hauptthema seines späteren Denkens, die radikale Geschichtlichkeit der Philosophie.
Philosophie der Philosophie
Gaos erlebte nacheinander mehrere Richtungen, die sich als die wahre Philosophie präsentierten: den Neukantianismus bei García Morente, die Phänomenologie bei García Morente und Zubiri, die Existenzphilosophie bei Heidegger und den Historismus bei Dilthey. Das führte ihn in eine Krise und zur Frage, was Philosophie eigentlich ist. Diese Frage nannte er „Philosophie der Philosophie“, ein Ausdruck, der auf Dilthey zurückgeht.
Nähe zu Ortega: „Metaphysik unseres Lebens“
Gaos stand Ortega y Gasset und dessen Begriff „unser Leben“ so nah, dass er 1940 schrieb, er könne nicht in allen Punkten sagen, wie weit das, was er denkt, bloße Wiedergabe von Ortegas Philosophie oder Fortführung, Gegenreaktion oder Einfall von ihm sei. Das Programm einer „Metaphysik unseres Lebens“ ist nach einer Darstellung zentral für seine Philosophie.
Begriffe
- Geschichtlichkeit der Philosophie
- Philosophie der Philosophie
- Transterrado
- Geschichte der Ideen in Lateinamerika
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
6 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 5 belegt, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Gaos unterrichtet.
José Ortega y GassetPrüfstand: belegt
Gaos studierte in Madrid bei mehreren Lehrern, darunter als wichtigstem bei Ortega y Gasset, und blieb ihm auch nach der Zeit in Spanien in seinem Denken nah.
Schüler
Persönliches Lehrverhältnis: wurden von Gaos unterrichtet.
Leopoldo ZeaPrüfstand: belegt
Leopoldo Zea gehörte zu den mexikanischen Denkern, die Gaos' Lehre am Colegio de México und an der Nationaluniversität prägte. Gaos beauftragte ihn, sein Archiv der Nationaluniversität zu übergeben.
Luis VilloroPrüfstand: belegt
Luis Villoro war ein direkter Schüler von Gaos und gehörte zu den wichtigen Gründern der Gruppe Hiperión.
Untersucht
Gaos untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.
untersucht Edmund HusserlPrüfstand: belegt
Gaos schrieb seine Doktorarbeit über die Kritik des Psychologismus bei Husserl und übersetzte mit García Morente dessen „Logische Untersuchungen“.
untersucht Martin HeideggerPrüfstand: belegt
Gaos übersetzte „Sein und Zeit“ als Erster ins Spanische und schrieb eine Einführung dazu. Heidegger war für ihn nach eigenen Worten „ein weiteres Gefängnis“, diesmal von ungefähr zwanzig Jahren.
untersucht Antonio CasoPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
José Gaos hielt 1946 an der Nationaluniversität einen Kurs mit dem Titel „Antonio Caso und die zeitgenössische Philosophie“.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Gaos wurde 1900 in Gijón geboren und starb 1969 in Mexiko-Stadt. In Madrid studierte er Philosophie und promovierte 1928.[1]
Zeitgeschehen belegt
Gaos unterstützte die Republik und wurde 1936 Rektor der Universität Madrid. Kurz danach floh er vor dem Regime Francos, lebte kurz auf Kuba und kam 1938 nach Mexiko.
Quelle: Encyclopedia of Latin American History and Culture, Gaos, José
Zeitgeschehen belegt
Gaos nannte sich einen „transterrado“, einen Verpflanzten, und keinen Verbannten, und widmete sich der Erforschung der Geschichte der Ideen in Lateinamerika. Seine Lehre am Colegio de México und an der Nationaluniversität beeinflusste eine Generation bedeutender mexikanischer Denker.
Quelle: Encyclopedia of Latin American History and Culture, Gaos, José
Werk belegt
In seiner Doktorarbeit über Husserl, deren Thema García Morente und Zubiri mit Zustimmung Ortegas vorschlugen, stellt Gaos Ortegas Begriff des Lebens als absolute Tatsache dem Anspruch Husserls auf eine objektive Idealität gegenüber. Die Arbeit erschien 1933 in Zaragoza.[2]
Werk belegt
Gaos übersetzte über 70 Werke, darunter von Heidegger, Scheler, Hegel und Husserl, und schuf die erste spanische Ausgabe von „Sein und Zeit“.[5]
Kritik
Gaos beschreibt in seinen „Beruflichen Bekenntnissen“ (Confesiones profesionales), dass er jeweils für einige Jahre in einer Schule wie in einem Gefängnis gefangen war; über Heidegger sagt er, es sei „nicht zehn, sondern ungefähr zwanzig Jahre“ gewesen.
Wirkung heute
Seine gesammelten Werke werden an der Nationaluniversität in Mexiko herausgegeben, wo sich auch sein Archiv befindet. Ein Band seiner Aufsätze zur Technikphilosophie erschien 2022. Werke von Gaos liegen nach einer Darstellung nicht auf Deutsch vor.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du neu in ein Team oder Land kommst, kann Gaos' Gedanke vom „transterrado“, vom Verpflanzten, eine Frage anstoßen: Was bringst Du aus Deiner Herkunft mit, und wie wirst Du dort zu Hause, wo Du jetzt bist? Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Gaos über Führung.
Lebensstationen
- 1900Geburt in Gijón
- 1923Abschluss des Philosophiestudiums in Madrid
- 1928Promotion in Madrid
- 1936Rektor der Universität Madrid
- 1938Ankunft in Mexiko
- 1941Erwerb der mexikanischen Staatsbürgerschaft
- 1969Tod in Mexiko-Stadt
Werke
La crítica del psicologismo en Husserl („Die Kritik des Psychologismus bei Husserl“); Filosofía de la filosofía („Philosophie der Philosophie“); Introducción a El ser y el tiempo de Martin Heidegger; Confesiones profesionales („Berufliche Bekenntnisse“); Obras completas („Gesammelte Werke“)
Lesetipps
- Einstieg
- José Gaos, Confesiones profesionales (1958), Obras completas, Band 17
- Vertiefung
- Pio Colonnello, The Philosophy of José Gaos (Rodopi, 1997)
Noch nicht sicher belegt
- Wie weit Gaos' eigene Gedanken über Ortega hinausgehen, ist nicht klar: Er schrieb 1940 selbst, er könne nicht in allen Punkten sagen, wie weit sie eine Wiedergabe oder Fortführung Ortegas seien.
Herkunft der Daten: referenz-2026-10. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Gaos
- [1]Encyclopedia of Latin American History and Culture, Gaos, José (Amy A. Oliver) · Webseite
- [2]Enciclopedia Electrónica de la Filosofía Mexicana, José Gaos y González Pola (Antonio Zirión Quijano) · Webseite
- [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philosophy in Mexico, Abschnitt 8.5; Stanford Encyclopedia of Philosophy, Latin American Philosophy, Abschnitt über spanische Emigranten
- [4]José Gaos · Wikipedia
- [5](es): José Gaos · Wikipedia
- [6]José Gaos · Wikipedia
- [7]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Epistemology in Latin America, Abschnitt 3; Wikipedia (spanisch), Luis Villoro