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Landkarte der Philosophie

Antonio Caso

Philosoph, Hochschullehrer und Rektor · 1883–1946 · Mexiko-Stadt (Mexiko)

Kernidee in Kürze

Caso gehört zur Gründergeneration der lateinamerikanischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, die sich vom Positivismus abwandte, also von der Lehre, nur messbare Tatsachen zählten für das Wissen.

Kapitel
Lateinamerika (Überblick) (redaktionell)
Richtung
  • Lebensphilosophie Deutung[3][1]Vertrat gegen den Positivismus eine von Bergson geprägte Philosophie des Lebens und der Freiheit.
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie lässt sich der Mensch als freies, geistiges Wesen verstehen, wenn der Positivismus alles aus Gesetzen und Tatsachen erklären will?

Position
Caso deutet die Wirklichkeit als lebendigen Prozess, hält den Menschen für frei und unterscheidet Wirtschaftlichkeit, Selbstlosigkeit und Liebe als Werte, von denen die Person die beiden letzten verwirklichen kann.
Einwand
Nach einer Darstellung nahmen die Denker seiner Generation Lösungen aus der europäischen Philosophie oft unkritisch an, und sein Schüler Samuel Ramos kritisierte ihn 1927.
Verbindung
Caso gründete mit Vasconcelos den Ateneo de la Juventud, lehrte Samuel Ramos und stützte sich vor allem auf Bergson, später auf Husserl.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Caso war

Mexikanischer Philosoph, Hochschullehrer und Rektor der Nationaluniversität, der den Positivismus in Mexiko bekämpfte und das Denken von Henri Bergson in Mexiko bekannt machte.

Caso lebte in einer Zeit, in der in Mexiko der Positivismus herrschte. Er gehörte zur Gruppe junger Gebildeter, die 1909 den Kreis Ateneo de la Juventud („Athenäum der Jugend“) gründeten und sich gegen den Positivismus wandten. Er war Professor an der Nationaluniversität, ihr Rektor und später Mitglied des Colegio Nacional, einer Vereinigung herausragender Mexikaner.

Kernidee genauer

Er sieht die Wirklichkeit als lebendigen Fluss, der sich durch starre Begriffe und strenge Gesetze nur verzerrt erfassen lässt, und hält den Menschen für frei. In der Ethik unterscheidet er Dinge, Einzelwesen und Personen sowie Wirtschaftlichkeit, Selbstlosigkeit und Liebe als Werte, wobei die Person zu Selbstlosigkeit und Liebe fähig ist. Als Lehrer hatte er großen Einfluss auf viele spätere Denker und Politiker Mexikos.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Caso trug im Sommer 1909 in einer Reihe von Vorträgen seine Kritik am Positivismus vor. Zu dieser Zeit gründete er mit anderen den Kreis Ateneo de la Juventud.[4]

Fundstelle: Abschnitt Philosophical Work

Bekannt für

Caso kennt man als den Mexikaner, der den Positivismus als Leitlehre seines Landes stürzen half und das Denken auf Leben, Freiheit und die Person lenkte. Ein Alltagsbeispiel: Wenn in einer Besprechung alles nur noch nach Nutzen und Kennzahlen entschieden wird, fragt Caso nach dem, was darüber hinausgeht, nämlich nach Selbstlosigkeit und Nächstenliebe als eigenen Werten.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Gegen den Positivismus

Caso gehört nach einer Darstellung zu den frühen Denkern, die das Menschenbild des Positivismus ablehnten, weil es keinen Platz für Freiheit lasse. Im Sommer 1909 trug er seine Kritik am Positivismus in einer Reihe von Vorträgen vor. Er widersprach auch der These von Gabino Barreda und Justo Sierra, die Zukunft Mexikos müsse vor allem auf einer wissenschaftlichen Lehre aufbauen. Im Aufsatz „Katholizismus, Jakobinismus und Positivismus“ kritisiert er zwei vorherrschende Lehren des späten 19. Jahrhunderts: Den Anhängern des Jakobinismus wirft er vor, die Wirklichkeit zu übergehen, den Anhängern des Positivismus, sich dem angeblichen Schicksal der Wirklichkeit zu unterwerfen.

Die Wirklichkeit als lebendiger Prozess

Caso sieht die Wirklichkeit als fließende Dynamik, in der Formen und Vorgänge ein organisches Ganzes bilden. Die starren Begriffe der überlieferten Logik verzerren sie. Auch die Physik kenne keinen strengen Determinismus, und Lebendiges lasse sich nicht auf Physik und Chemie zurückführen. Ein Lebewesen entdecke seine Freiheit schon im einfachen Willen zu einer Körperbewegung.

Dinge, Einzelwesen, Personen

Dinge sind rein körperlich, Einzelwesen sind Lebewesen, und Personen fügen den Geist hinzu. Zu den Werten gehören Wirtschaftlichkeit, Selbstlosigkeit und Liebe. Die Wirtschaftlichkeit betrifft das bloße Leben, Selbstlosigkeit und Liebe sind der Person möglich. Die Gegner der Kultur sind für ihn Individualismus und Totalitarismus.

Das Problem Mexikos

In seinem Buch von 1924 über das Problem Mexikos und die nationale Ideologie nennt Caso als größte Schwierigkeit des Landes den Mangel an Einheit in Rasse, Kultur und Gesellschaft.

Begriffe

Kritik am Positivismus
Wirklichkeit als lebendiger Prozess
Freiheit
Person
Ökonomie
Selbstlosigkeit und Liebe

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

7 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 6 belegt, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Schüler

Persönliches Lehrverhältnis: wurde von Caso unterrichtet.

  • Samuel RamosPrüfstand: belegt

    Samuel Ramos besuchte Casos Philosophievorlesungen an der Nationalen Hochschule für höhere Studien und schloss dort 1919 sein Philosophiestudium ab. Er folgte zunächst Casos Ideen und wandte sich später kritisch gegen ihn.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • José VasconcelosPrüfstand: belegt

    Caso gründete mit José Vasconcelos und Carlos González Peña die Zeitschrift „Savia Moderna“ und später den Ateneo de la Juventud, einen Kreis gegen den Positivismus.

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Caso. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Samuel RamosPrüfstand: belegt

    Ramos kritisierte nach einer Darstellung den Stil des Philosophierens und den Irrationalismus seines Lehrers Antonio Caso. 1927 veröffentlichte er in der Zeitschrift Ulises einen Aufsatz gegen Casos Philosophie, auf den Caso mit der Schrift „Ramos y yo“ antwortete.

Übernimmt Gedanken von

Caso übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Arthur SchopenhauerPrüfstand: belegt

    Caso nennt Schopenhauer unter den Quellen, auf die er sich stützte; die Gruppe um Caso berief sich im Kampf gegen den Positivismus auf Schopenhauer.

  • Edmund HusserlPrüfstand: belegt

    Caso nennt Husserl als eine seiner Quellen und schrieb 1934 ein Buch über dessen Philosophie; gegen Ende seines Lebens wirkte Husserl besonders auf ihn.

  • Immanuel KantPrüfstand: belegt

    Caso nennt Kant unter seinen Quellen; in seiner Ästhetik versöhnt er nach Kants Vorbild den nichtbegrifflichen Charakter der ästhetischen Erfahrung mit ihrem Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

Untersucht von

Untersucht, kommentiert oder deutet das Werk von Caso, ohne es als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht von José GaosPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    José Gaos hielt 1946 an der Nationaluniversität einen Kurs mit dem Titel „Antonio Caso und die zeitgenössische Philosophie“.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Caso wurde 1883 in Mexiko-Stadt geboren und starb dort 1946. Er studierte Rechtswissenschaft und arbeitete nie als Anwalt, sondern lehrte Literatur, Philosophie und Soziologie an der Nationaluniversität.[6]

  • Zeitgeschehen belegt

    Caso gründete 1906 mit Vasconcelos und anderen die Zeitschrift „Savia Moderna“ und nach deren Auflösung 1909 den Kreis Ateneo de la Juventud, der sich gegen den Positivismus richtete.

    Quelle: Wikipedia (deutsch), Antonio Caso, Abschnitt Biografie; Wikipedia (englisch), Antonio Caso, Einleitung

  • Zeitgeschehen belegt

    Caso leitete die Nationale Vorbereitungsschule, die Fakultät für Philosophie und Literatur und von 1921 bis 1923 die Nationaluniversität. Er war außerdem kurz Botschafter in Südamerika und Gründungsmitglied des Colegio Nacional.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Caso ist auch für seine Debatten über die akademische Freiheit von 1933 bekannt und für seine Wirkung auf viele bedeutende Persönlichkeiten, die zwischen 1910 und den 1920er Jahren die Nationaluniversität durchliefen.

    Quelle: Encyclopedia of Latin American History and Culture, Caso y Andrade, Antonio

  • Einfluss belegt

    Als Quellen nahm Caso vor allem Henri Bergson, aber auch Kant, Schopenhauer und Husserl.[1]

  • Einfluss belegt

    Gegen Ende seines Lebens wirkten die Philosophien von Scheler, Heidegger und besonders Husserl auf Caso. Er schrieb dazu Bücher, darunter „Die Philosophie Husserls“ und „Der Ideationsakt“ (beide 1934).

    Quelle: Wikipedia (englisch), Antonio Caso, Abschnitt Philosophical Work; Wikipedia (spanisch), Antonio Caso, Abschnitt Obras

Kritik

Samuel Ramos, der zunächst Casos Ideen folgte, kritisierte seinen Lehrer 1927 in einem Aufsatz über dessen antipositivistische Kampagne, und Caso antwortete mit einer Schrift. Die Berufung auf den Italiener Croce für Intuition und Ausdruck folgte Caso nach einer Darstellung nicht ohne Schwanken.

Wirkung heute

Nach einer Darstellung ist Caso ein Wegbereiter der Philosophie des Mexikanischen, die später Samuel Ramos, Leopoldo Zea und Octavio Paz fortführten. John H. Haddox hat 1971 eine Studie über ihn auf Englisch veröffentlicht.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du Entscheidungen im Team nur nach Nutzen und Wirtschaftlichkeit triffst, kann Casos Unterscheidung eine Frage anstoßen: Wo handelst Du aus Selbstlosigkeit oder Zuwendung, und was bedeutet das für die Menschen, die Du führst? Das ist eine Übertragung und keine Aussage Casos über Führung.

Lebensstationen

  1. 1883Geburt in Mexiko-Stadt
  2. 1909Gründung des Ateneo de la Juventud; Vorträge gegen den Positivismus
  3. 1914Buch „La filosofía de la intuición“
  4. 1921Beginn der Amtszeit als Rektor der Nationaluniversität (bis 1923)
  5. 1933Debatten über die akademische Freiheit
  6. 1946Tod in Mexiko-Stadt

Werke

La filosofía de la intuición („Die Philosophie der Intuition“); La existencia como economía, como desinterés y como caridad („Das Dasein als Wirtschaftlichkeit, als Selbstlosigkeit und als Nächstenliebe“); Discursos a la nación mexicana („Reden an die mexikanische Nation“); El problema de México y la ideología nacional („Das Problem Mexikos und die nationale Ideologie“); La persona humana y el Estado totalitario („Die menschliche Person und der totalitäre Staat“)

Lesetipps

Einstieg
Antonio Caso, Discursos a la nación mexicana (1922)
Vertiefung
John H. Haddox, Antonio Caso: Philosopher of Mexico (University of Texas Press, 1971)

Herkunft der Daten: referenz-2026-10. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Caso

  1. [1]Encyclopedia of Philosophy, Caso, Antonio (Arthur Berndtson, 1967) · Webseite
  2. [2]Encyclopedia of Latin American History and Culture, Caso y Andrade, Antonio (Roderic Ai Camp) · Webseite
  3. [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philosophy in Mexico, Abschnitt 8.5; Stanford Encyclopedia of Philosophy, Latin American Philosophy, Abschnitt über spanische Emigranten
  4. [4](englisch), Antonio Caso, Abschnitt Philosophical Work · Wikipedia
  5. [5](es): Antonio Caso · Wikipedia
  6. [6](deutsch), Antonio Caso, Abschnitt Biografie · Wikipedia
  7. [7](spanisch), Samuel Ramos, Abschnitt Trabajo · Wikipedia

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