Hisamatsu Shin’ichi
Philosoph und Zen-Laienmeister · 1889–1980 · Gifu und Kyōto (Japan)
Kernidee in Kürze
Hisamatsu sieht im Zen ein Erwachen zum „Selbst ohne Gestalt“. Gemeint ist ein Selbst, das sich weder als Ding noch als Vorstellung festhalten lässt.
- Kapitel
- Asien (Überblick) (redaktionell)
- Richtung
- Kyōto-Schule belegt[2]
- Zen belegt[2]
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Was bleibt von einem Menschen, wenn er jedes feste Bild von sich und vom Höchsten loslässt?
- Einwand
- Nach einer Darstellung gibt Hisamatsus Zen, ebenso wie das Suzukis, nicht das traditionelle Zen vor der Meiji-Zeit wieder. Auch seine Zuordnung zur Kyōto-Schule ist umstritten.
- Verbindung
- Hisamatsu war Schüler Nishidas, tauschte sich mit Suzuki aus und lehrte Abe Masao.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Hisamatsu war
Japanischer Philosoph und Zen-Laienmeister, Schüler Nishidas und Lehrer von Abe Masao, der im Umfeld der Kyōto-Schule das „erwachte Selbst ohne Gestalt“ ins Zentrum stellte.
Hisamatsu wuchs in einer Familie des Shin-Buddhismus auf (einer Schule des Reinen Landes, die auf das Vertrauen in den Buddha Amida setzt) und wandte sich in der Jugend der Philosophie zu. In Kyōto studierte er bei Nishida und übte auf dessen Rat Zen. Er blieb sein Leben lang Laie, lehrte an der Universität Kyōto und gründete eine Übungsgruppe für Studierende.
Kernidee genauer
Er spricht von „östlichem Nichts“ und meint damit eine Wirklichkeit, die nach seiner These zuerst in den Überlieferungen Asiens klar erkannt wurde. Zu seinen Lieblingssätzen gehörte „Begegnest Du einem Buddha, töte den Buddha“, ein Satz aus den Aufzeichnungen des Chan-Meisters Linji (japanisch Rinzai). Seine Studierendengruppe wollte nach ihrem Zweck an der Erneuerung der Weltordnung teilhaben.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.
Hisamatsu verlor als Jugendlicher durch den Naturwissenschaftsunterricht den Glauben seiner Familie und wandte sich der Philosophie zu. Auf Rat seines Lehrers Nishida ging er nach dem Studium zum Zen.[5]
Bekannt für
Hisamatsu kennt man für das „Selbst ohne Gestalt“ und für seine Gespräche mit Tillich, Jung und Heidegger. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du Dich in einer Rolle, etwa als Chef, so festhältst, dass Du nicht mehr hörst, was andere sagen, entspricht das ungefähr dem, was er mit „Töte den Buddha“ lösen wollte, nämlich das Festhalten an einem Bild, auch dem höchsten.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Östliches Nichts
Hisamatsu spricht vom absoluten Nichts als „östlichem Nichts“. Er meint damit nicht, dass es nur für Asien gälte. Nach einer Deutung ist das absolute Nichts ein gemeinsamer Kernbegriff der Denker der Kyōto-Schule.
Erwachen zum Selbst ohne Gestalt
Hisamatsu betonte nach einer Darstellung streng das „Erwachen zum Selbst ohne Gestalt“.
Töte den Buddha
Der Satz geht auf Linjis Aufzeichnungen zurück: „Begegnest Du einem Buddha, töte den Buddha.“ Hisamatsu sagte, „den Buddha töten und Gott töten“ sei seine Religion. Gemeint ist, jedes feste Bild des Höchsten loszulassen.
Zen mit Blick auf die Gesellschaft
Hisamatsu kritisierte das japanische Zen dafür, das Erwachen so zu betonen, dass soziale und politische Fragen zu kurz kamen. Sein Ziel war ein erneuertes, wahres Zen.
Zen und Kunst
Hisamatsu war Kalligraf und Meister der Teezeremonie. 1941 gründete er einen Verein, der die Teezeremonie im Geist des Zen neu füllen wollte.
Begriffe
- Östliches Nichts (Oriental Nothingness)
- das Selbst ohne Gestalt
- Erwachen (Satori)
- „den Buddha töten“
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Hisamatsu unterrichtet.
Nishida KitarōPrüfstand: belegt
Hisamatsu studierte ab 1912 an der Universität Kyōto Philosophie bei Nishida, der sein Mentor blieb. Auf Nishidas Rat begann er 1915 die Zen-Übung im Kloster Myōshin-ji.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
D. T. SuzukiPrüfstand: belegt
Suzuki und Hisamatsu tauschten sich in Kyōto häufig über Zen und Philosophie aus, im Tempel Shunkō-in, in dem Hisamatsu lebte.
Martin HeideggerPrüfstand: belegt
Hisamatsu und Heidegger führten Gespräche, die zusammen mit kurzen Aufsätzen und Briefen beider 1963 in dem Band „Listening to Heidegger and Hisamatsu“ erschienen.
Paul TillichPrüfstand: belegt
Hisamatsu führte bei seinem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten 1957 bis 1958 eine Reihe von Gesprächen mit Paul Tillich, die in der Zeitschrift The Eastern Buddhist veröffentlicht wurden.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Hisamatsu wurde 1889 in der Präfektur Gifu geboren und starb 1980 im Alter von neunzig Jahren. Er wuchs in einer gläubigen Familie des Shin-Buddhismus auf, kam aber durch den Naturwissenschaftsunterricht in der Schule ins Zweifeln und wandte sich der Philosophie zu.[3]
Biografie belegt
Hisamatsu studierte ab 1912 an der Universität Kyōto Philosophie bei Nishida. Auf dessen Rat ging er 1915 in das Kloster Myōshin-ji zu Ikegami Shōzan und nahm an der strengen Übungswoche im Dezember teil. Nach der Darstellung seines Schülers Abe Masao erwachte er schon in dieser ersten Übungswoche zu seinem wahren Selbst. Er blieb Laie.[3]
Biografie belegt
Hisamatsu lehrte ab 1932 an der Kaiserlichen Universität Kyōto, ab 1937 als außerordentlicher Professor für Religion und Buddhismus und von 1946 bis 1949 als Professor für Buddhismus. 1944 gründete er mit Studierenden die Übungsgruppe Gakudō Dōjō, die später den Namen FAS Society erhielt. Auf einer Weltreise 1957 bis 1958 hielt er Vorlesungen an der Harvard Divinity School.[5]
Begegnung belegt
Auf einer Weltreise 1957 bis 1958 führte Hisamatsu Gespräche mit dem Theologen Paul Tillich in Cambridge und 1958 mit dem Psychiater Carl Gustav Jung in der Schweiz. Mit Martin Heidegger gab es Gespräche, die 1963 in einem Band veröffentlicht wurden.[3]
Nachwirkung belegt
Nach einer Darstellung zählt Hisamatsu zu den unbestrittenen Gestalten der Kyōto-Schule. Nach einer anderen kann man ihn als lose mit ihr verbunden sehen; im Westen wurde er vor allem als charismatischer Zen-Laienmeister bekannt.[4]
Kritik
Ob Hisamatsu zur Kyōto-Schule gehört, beurteilen die Darstellungen unterschiedlich. Hisamatsu selbst übte Kritik: Er hielt das japanische Zen für zu einseitig auf das Erwachen ausgerichtet, und nach der Erinnerung seines Schülers Abe Masao kritisierte er Christentum und Reines Land als Religionen des Glaubens, die noch nicht ganz bis zur letzten Wirklichkeit durchgedrungen seien.
Wirkung heute
Die FAS Society, die aus Hisamatsus Gruppe entstand, will nach eigenem Zweck die Haltung des grundlegenden Selbsterwachens aller Menschen verbreiten. Hisamatsus Schüler Abe Masao wurde zu einem wichtigen Vertreter der Kyōto-Schule und des interreligiösen Dialogs in Nordamerika.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn eine Führungskraft ihr Selbstbild als Leiterin so festhält, dass sie neue Rückmeldungen abwehrt, kannst Du mit Hisamatsu fragen, welches Bild von sich sie gerade nicht loslassen mag. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Hisamatsu über Führung.
Lebensstationen
- 1889Geburt in der Präfektur Gifu
- 1915Beginn der Zen-Übung im Kloster Myōshin-ji auf Rat Nishidas, Erwachen im Dezember
- 1944Gründung der Gruppe Gakudō Dōjō (später FAS Society)
- 1957Weltreise mit Vorlesungen an der Harvard Divinity School und Gesprächen mit Tillich
- 1980Tod am 27. Februar
Werke
Tōyōteki Mu („Östliches Nichts“, 1939); „The Characteristics of Oriental Nothingness“ (englisch 1960); Gesammelte Werke in acht Bänden (1969–1980); Zen Talks on the Record of Linji (Vorträge über Linji, englisch 2002)
Lesetipps
- Einstieg
- Hisamatsu Shin’ichi, „The Characteristics of Oriental Nothingness“ (englisch 1960)
- Vertiefung
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, „The Kyoto School“; André van der Braak in: The Dao Companion to Japanese Buddhist Philosophy (2019)
Noch nicht sicher belegt
- Ob Hisamatsu zum inneren Kreis der Kyōto-Schule gehört oder nur lose mit ihr verbunden ist, beurteilen die Darstellungen unterschiedlich. Die Angaben zu seinen Universitätsämtern (Lektor ab 1932 oder 1935, Lehre bis 1949) weichen je nach Darstellung ab. Die Jahre, in denen die FAS Society ihren Namen erhielt (1958 oder 1960), sind uneinheitlich angegeben.
Herkunft der Daten: referenz-2026-10. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Hisamatsu
- [1]rep.routledge.com/articles/thematic/the-kyoto-school/v-1 · Webseite
- [2]The Kyoto School, Abschnitt 2.3 · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-23
- [3]Abe Masao, Hisamatsu Shin'ichi 1889–1980, The Eastern Buddhist 14,1 (1981), S. 142–147; Wikipedia (englisch), Shin'ichi Hisamatsu
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy, The Kyoto School; André van der Braak, Hisamatsu Shin’ichi: Oriental Nothingness, in: The Dao Companion to Japanese Buddhist Philosophy (2019), Zusammenfassung · Webseite
- [5]Abe Masao, Hisamatsu Shin'ichi 1889–1980, The Eastern Buddhist 14,1 (1981), S. 142–145 · Webseite
- [6]Daisetsu Teitaro Suzuki · Wikipedia
- [7]otani.repo.nii.ac.jp/record/8735/files/EB24-2-11.pdf · Webseite