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Landkarte der Philosophie

bell hooks

Autorin und Kulturkritikerin · 1952–2021 · Hopkinsville (Kentucky), Kalifornien, Yale University, New York, Berea (Kentucky)

Kernidee in Kürze

hooks beginnt mit der Frage, wessen Erfahrung der Feminismus für die Erfahrung aller Frauen hält. Sie wirft der Frauenbewegung ihrer Zeit vor, vor allem die Lage weißer Frauen mit gutem Einkommen zu beschreiben, und fordert eine Theorie, die Geschlecht, Rasse und Klasse zusammen betrachtet.

Kapitel
Gegenwart (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Für wen spricht ein Feminismus, der von „den Frauen“ redet, aber nur wenige Frauen meint?

Position
hooks sagt, dass eine Frauenbewegung, die Rasse und Klasse ausblendet, die Lage vieler Frauen verfehlt.
Einwand
Manche Kritiker bezweifelten die Methode ihres ersten Buches und einzelne Aussagen. Dass sie bewusst auf die übliche wissenschaftliche Form verzichtete, um mehr Menschen zu erreichen, trug ihr ebenfalls Kritik ein.
Verbindung
hooks bezieht sich auf Sojourner Truth, Paulo Freire und Frantz Fanon. Ihre Kritik am weißen Feminismus teilt sie mit Audre Lorde, und Patricia Hill Collins deutet ihr Werk im Rahmen des Schwarzen feministischen Denkens.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer hooks war

Amerikanische Autorin, Kulturkritikerin und Hochschullehrerin, die den Zusammenhang von Rassismus, Geschlecht und Klasse untersuchte und dem Feminismus vorwarf, Schwarze und arme Frauen zu übersehen.

hooks wuchs in einer von Rassentrennung geprägten Kleinstadt im Süden der Vereinigten Staaten auf und begann ihr erstes Buch schon als Studentin. Sie lehrte an mehreren Hochschulen, zuletzt am Berea College in Kentucky, und schrieb mehr als dreißig Bücher. Sie gilt als eine der erfolgreichsten Wissenschaftlerinnen des späten 20. Jahrhunderts, deren Bücher auch außerhalb der Hochschulen viel gelesen werden, und als wichtige Stimme des Schwarzen Feminismus.

Kernidee genauer

Den Rand der Gesellschaft versteht sie nicht nur als Ort der Benachteiligung, sondern auch als Ort des Widerstands und des eigenen Wissens. Später verbindet sie das mit Überlegungen zu Bildung, in der Lernende nicht nur Wissen aufnehmen, sondern mitdenken, und zu Liebe als gemeinsamer Praxis.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

hooks begann als Studentin im Alter von 19 Jahren mit dem ersten Entwurf von „Ain’t I a Woman“. Sie schrieb das Buch aus der Beobachtung, dass die Frauenbewegung die Lage Schwarzer Frauen kaum beachtete. Sie sagte später, das Buch sei der Versuch gewesen, von der Rolle des Objekts zur Rolle des Subjekts zu gelangen, eine Frage, die Paulo Freire gestellt habe.[5]

Bekannt für

Man kennt hooks für „Ain’t I a Woman“, den Titel nach einer Rede der Abolitionistin Sojourner Truth, und für ihre kleingeschriebene Namensform. Ein Alltagsbeispiel: Wenn in einem Workshop alle sprechen dürfen, aber nur wenige gehört werden, kannst Du mit hooks fragen, wer am Rand sitzt und was von dort aus anders zu sehen ist.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Wessen Erfahrung zählt im Feminismus?

In „Ain’t I a Woman“ beschreibt hooks die Geschichte Schwarzer Frauen von der Sklaverei bis in die 1970er Jahre. Sie sagt, Rassismus durchziehe auch die Frauenbewegung, und sie kritisiert, dass weiße Frauen Schwarze Frauen übersähen.

Vom Rand ins Zentrum

In „Feminist Theory: From Margin to Center“ (1984) kritisiert hooks Betty Friedans Buch „Der Weiblichkeitswahn“. Sie sagt, Friedan beschreibe nur das Leben gebildeter, verheirateter weißer Hausfrauen aus der Mittel- und Oberschicht, aber nicht das von Frauen ohne Mann, ohne Kinder, ohne Wohnung, von nicht weißen oder armen Frauen. Mit dem „Rand“ meint hooks Schwarze Frauen, die in der Mehrheitsgesellschaft und in der feministischen Theorie wenig vorkommen. Sie nutzt die Formel vom weiß dominierten, kapitalistischen Patriarchat, um mehrere Formen der Herrschaft in einem Blick zu verbinden.

Der Rand als Ort des Widerstands

hooks versteht den Rand zugleich als Ort der Unterdrückung und als Ort des Widerstands. Das ist für die Standpunkttheorie wichtig. Sie sagt, dass Menschen in einer benachteiligten Lage Dinge sehen können, die Privilegierte übersehen, und beschreibt damit, wie die soziale Lage beeinflusst, was man wissen kann.

Engagierte Pädagogik und Liebe

In „Teaching to Transgress“ (1994) entwirft hooks eine Bildung als Praxis der Freiheit. Sie sagt, der brasilianische Pädagoge Paulo Freire habe ihr eine Sprache gegeben, um die Entstehung einer Identität im Widerstand zu denken. Später schrieb sie über Liebe, die sie nicht als bloßes Gefühl, sondern als Handlung und bewusste Entscheidung versteht, und warb für eine Ethik der Liebe, die auch das gesellschaftliche Zusammenleben prägen soll.

Begriffe

Rand und Zentrum
weißer Feminismus
imperialistisches
weiß dominiertes
kapitalistisches Patriarchat
engagierte Pädagogik
Liebe als Praxis

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Übernimmt Gedanken von

hooks übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Erich FrommPrüfstand: belegt

    Erich Fromm gehört zu den Einflüssen auf bell hooks. In „All About Love“ (2000) übernimmt sie die Definition von Liebe des Psychiaters Scott Peck, die nach ihren Worten an das Werk Fromms anknüpft.

  • Frantz FanonPrüfstand: belegt

    hooks nennt Frantz Fanon neben Paulo Freire und Malcolm X unter den Denkern, in deren Werk sie fand, wonach sie für ihre eigene Befreiung suchte. Zugleich kritisiert sie, dass Fanon wie Freire Befreiung nach dem Bild männlicher Herrschaft denke.

Untersucht

hooks untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht Audre LordePrüfstand: belegt

    hooks schrieb für den Band „I Am Your Sister“ (2009) mit Lordes gesammelten Schriften den Beitrag „Lorde: The Imagination of Justice“. Darin beschreibt sie Lordes Forderung, Schweigen zu brechen, als Theorie, die verstehen lässt, was Menschen einengt, und zugleich zeigt, wie sie sich und ihre Worte befreien können.

Untersucht von

Untersucht, kommentiert oder deutet das Werk von hooks, ohne es als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht von Patricia Hill CollinsPrüfstand: belegt

    In „Black Feminist Thought“ legt Collins einen Deutungsrahmen für die Arbeit Schwarzer feministischer Denkerinnen vor, darunter bell hooks. Für ihre Matrix der Herrschaft greift sie hooks’ Beschreibung einer „politic of domination“ auf, die entlang verschränkter Achsen von Rasse, Klasse und Geschlecht wirkt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    bell hooks wurde 1952 als Gloria Jean Watkins in Hopkinsville in Kentucky geboren, einer kleinen Stadt, in der Schwarze und Weiße getrennt lebten. Ihre Eltern waren Veodis und Rosa Bell Watkins. Ihren Autorinnennamen übernahm sie von ihrer Urgroßmutter Bell Blair Hooks und schrieb ihn klein, damit die Leser mehr auf ihre Gedanken als auf sie selbst achten.[3]

  • Biografie belegt

    hooks studierte Englische Literatur an der Stanford University (Abschluss 1973), an der University of Wisconsin (1976) und an der University of California in Santa Cruz (Doktortitel 1983). Mit 19 Jahren begann sie, ihr erstes Buch „Ain’t I a Woman“ zu schreiben, das 1981 erschien.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Der Titel „Ain’t I a Woman“ erinnert an eine Rede der Abolitionistin Sojourner Truth, die im 19. Jahrhundert dagegen protestierte, dass Schwarze Frauen aus der Frauenbewegung ausgeschlossen wurden. Ein Jahrhundert später protestierten hooks und andere Schwarze Aktivistinnen noch gegen dasselbe.[2]

  • Biografie belegt

    hooks lehrte seit 1976 an mehreren Hochschulen, darunter die University of Southern California, Yale University, Oberlin College und das City College of New York. 2004 wurde sie Professorin in Residenz am Berea College in Kentucky, und 2014 wurde dort das bell hooks Institute gegründet. Sie starb 2021 in Berea.[1]

Kritik

Schon „Ain’t I a Woman“ stieß auf kühle Aufnahme. Manche Kritiker bezweifelten ihre Methode und einzelne Behauptungen, zum Beispiel ihre Ansicht, die Sklaverei sei für Frauen schlimmer gewesen als für Männer. Andere bemängelten, dass sie auf Fußnoten und Literaturverzeichnisse verzichtete; hooks begründete das damit, dass sie möglichst viele Leserinnen und Leser an möglichst vielen Orten erreichen wollte.

Wirkung heute

Ihre Arbeit gilt als grundlegend für die heutige Vorstellung von Intersektionalität. In der feministischen Erkenntnistheorie wird sie als Stimme genannt, die den Rand als Ort des Widerstands beschreibt.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du ein Gespräch leitest, in dem einzelne Perspektiven selten gehört werden, kannst Du mit hooks fragen, wer sich am Rand der Runde befindet und was Du von dort lernen kannst, bevor Du die Regeln des Gesprächs festlegst. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von hooks über Führung.

Lebensstationen

  1. 1952Geburt in Hopkinsville, Kentucky (25. September)
  2. 1973Abschluss in Englischer Literatur an der Stanford University
  3. 1981„Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism“ erscheint
  4. 1984„Feminist Theory: From Margin to Center“ erscheint
  5. 1994„Teaching to Transgress“ erscheint
  6. 2004Professorin in Residenz am Berea College in Kentucky
  7. 2021Tod in Berea, Kentucky (15. Dezember)

Werke

Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism (1981); Feminist Theory: From Margin to Center (1984); Teaching to Transgress (1994)

Lesetipps

Einstieg
bell hooks, Feminist Theory: From Margin to Center (South End Press 1984)
Vertiefung
Britannica, „bell hooks“

Noch nicht sicher belegt

  • Wie stark Erich Fromm ihr Denken prägte, ist nicht belegt; in ihrem Buch über Liebe erwähnt sie ihn im Zusammenhang mit einer Definition von Liebe. Fanon nennt sie selbst als Anregung, kritisiert ihn aber zugleich. Dass ihr Werk grundlegend für die heutige Intersektionalität sei, ist eine Einschätzung, die die Quellen nicht näher begründen.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 9: Feministische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu hooks

  1. [1]bell hooks, Einleitung · Britannica
  2. [2]Britannica, Why did bell hooks spell her name in lowercase? (Video mit Text); Encyclopedia.com, Bell Hooks · Webseite
  3. [3]Britannica, bell hooks, Einleitung; Wikipedia (en), Bell hooks, Abschnitt Early life · abgerufen 2026-10-23
  4. [4]Feminist Theory: From Margin to Center · Wikipedia
  5. [5]bell hooks, Paulo Freire, in: Teaching to Transgress (1994), Auszug bei Taylor & Francis · Webseite
  6. [6]Stanford Encyclopedia of Philosophy
  7. [7]Britannica
  8. [8]Ain't I a Woman? (book) · Wikipedia
  9. [9]blacktribe.org/uploads/1/8/6/5/18653164/i_am_your_sister.pdf · Webseite
  10. [10]lambdaliterary.org/2010/09/i-am-your-sister · Webseite
  11. [11]Internet Encyclopedia of Philosophy
  12. [12]Stanford Encyclopedia of Philosophy

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