Justus Lipsius
1547–1606 · Overijse (bei Brüssel), lehrte in Jena, Leiden und Löwen
- Strömung
- Renaissance und Macht
- Kants Fragen
- Was soll ich tun? · Was darf ich hoffen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Der Humanist, der die Stoa für die Religionskriege seiner Zeit neu verpackt und so den Neostoizismus begründet.
Als Herausgeber Senecas und Autor einer Schrift im Stil Senecas holt Lipsius die römische Stoa in die Renaissance. Montaigne und er lesen beide Seneca und leben in derselben Zeit der Religionskriege.
Kernidee
Lipsius will mit der Stoa Menschen trösten, die unter den Religionskriegen leiden. Er verbindet sie mit dem Christentum, indem er vier Punkte anpasst, etwa dass das stoische Schicksal zur göttlichen Vorsehung wird. Beständigkeit heißt für ihn, bei Unglück ruhig und standhaft zu bleiben.
Bekannt für
Er gilt als Begründer des Neostoizismus und schrieb mit De Constantia einen Bestseller seiner Zeit. Die Schrift wurde über achtzigmal gedruckt und in viele Sprachen übersetzt.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Beständigkeit in Zeiten öffentlichen Unglücks
De Constantia ist ein Gespräch in zwei Büchern, das als Trost für Menschen im Krieg gedacht ist. Lipsius setzt dem Chaos draußen eine innere Standhaftigkeit entgegen. Wenn dein Unternehmen in einer Krise steckt, zeigt sich Beständigkeit darin, dass du ruhig bleibst, ohne die Lage zu verharmlosen.
Vier Anpassungen der Stoa an das Christentum
Lipsius nennt vier Stellen, an denen Stoa und Christentum auseinandergehen, und verändert sie bewusst. Aus dem stoischen Schicksal wird göttliche Vorsehung. So bleibt die Stoa für Christen nutzbar. Im Alltag ähnelt das dem Übersetzen einer Methode in die Werte eines Unternehmens, damit sie dort nicht fremd wirkt.
Politik mit Klugheit und Moral
Mit den Politicorum libri sex (1589) schreibt er ein Lehrbuch der Staatskunst. Es ist von Tacitus und Seneca beeinflusst. Wer ein Team führt, findet dort die Frage, wie viel Härte und wie viel Aufrichtigkeit zur Führung gehören.
Begriffe
- Neostoizismus
- Beständigkeit (constantia)
- Vorsehung statt Schicksal
- Humanismus
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Jesuiten in Köln: erste Ausbildung
Schüler
- Hugo Grotius: laut Wikipedia sein bekannter Schüler
- Erycius Puteanus: ebenfalls als Schüler genannt
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Lucius Annaeus Senecaungeprüft
Lipsius gab Senecas Prosawerke heraus und schrieb sein Hauptwerk De Constantia als Senecanischen Dialog.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Petrus RamusDeutung
Lipsius lehnte Lehrbücher anstelle klassischer Kommentare ab.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Michel de Montaigneungeprüft
Zeitgenossen, die beide Seneca lesen und in den Religionskriegen schreiben. Ein direkter Austausch ist in meinen Quellen nicht belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Lipsius schrieb De Constantia während der Religionskriege in den Niederlanden. Das Buch sollte laut den Quellen als Trost für die Leidenden dienen.[1]
Abhängigkeit Deutung
Lipsius lehrte nacheinander an der lutherischen Universität Jena, der calvinistischen Universität Leiden und dem katholischen Löwen. Dass er sich nach der jeweiligen Lage anpasste, könnte seine Idee einer christlich verträglichen Stoa mitgeprägt haben.[1]
Geld belegt
1572 nahmen spanische Truppen seinen Besitz in Belgien an sich, als er auf Reisen war. Er suchte danach eine Stelle in Jena.[1]
Kritik
Lipsius distanziert sich in De Constantia selbst von vier Stellen der Stoa, die nicht zum christlichen Glauben passen. In der späteren Physiologia Stoicorum (1604) liest er die Stoa wohlwollender, weshalb in der Forschung über eine Wende seiner Haltung gestritten wird. Kritisch bleibt, dass seine „christianisierte“ Stoa die Lehre stark verändert.
Wirkung heute
Er zeigt, wie eine antike Lehre in Krisenzeiten neu gedeutet und tröstlich gemacht werden kann. Seine Seneca-Ausgabe prägte die Lektüre Senecas über Jahrhunderte.
Brücke zu Führung und Coaching
Lipsius ist ein Vorbild dafür, wie man alte Einsichten in eine neue Lage übersetzt. In Krisenzeiten kann dein Team von einem Gespräch profitieren, das Mut und Realismus verbindet. Frage: Was bleibt bei uns beständig, auch wenn sich draußen alles ändert?
Lebensstationen
- 1547Geboren in Overijse bei Brüssel
- 1572Verliert seinen Besitz an spanische Truppen, sucht Stelle in Jena
- 1579Wechsel an die calvinistische Universität Leiden (um 1578/79)
- 1584De Constantia erscheint
- 1592Übernimmt Lehrstuhl in Löwen
- 1606Gestorben in Löwen
Werke
De Constantia libri duo (1584, entstanden 1583); Politicorum libri sex (1589); Manuductio ad Stoicam philosophiam und Physiologia Stoicorum (1604); Ausgabe der Werke Senecas (Antwerpen 1605).
Anekdote belegt
1572 verlor Lipsius seinen Besitz an spanische Soldaten, während er in Wien war. Genau diese Reise nach Wien wurde später der Hintergrund des Gesprächs in De Constantia.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Justus Lipsius: De Constantia libri duo (1584), im englischen Titel „On Constancy“ greifbar (ich habe keine deutsche Ausgabe bestätigt)
- Vertiefung
- Jan Papy: Justus Lipsius and neo-Stoicism, in: The Routledge Companion to Sixteenth Century Philosophy (2017)
Noch nicht sicher belegt
- Wikipedia datiert De Constantia auf 1583, die IEP auf 1584 (Springer: geschrieben 1583, veröffentlicht 1584). Zeitpunkt des Wechsels nach Leiden schwankt (1578 oder 1579). Die vier Anpassungen habe ich nur zum Teil im Wortlaut gesehen. Montaigne-Verbindung nicht belegt, nur Zeitgenossenschaft. Zitat weggelassen. Zur Ausgabe: keine deutsche Ausgabe bestätigt.
Herkunft der Daten: Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Lipsius
- [1]Internet Encyclopedia of Philosophy: Lipsius · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia (en): Justus Lipsius · Wikipedia
- [3]link.springer.com/rwe/10.1007/978-3-319-14169-5_175 · Aufsatz
- [4]sk.sagepub.com/ency/edvol/download/the-encyclopedia-of-political-science/chpt/lipsius-justus.pdf · Webseite