Michel de Montaigne
1533–1592 · Schloss Montaigne (Guyenne), wirkte in Bordeaux, Schloss Montaigne (Périgord) und Bordeaux
- Strömung
- Renaissance und Macht
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Der Essayist, der antike Philosophie auf sich selbst anwendet und dabei Stoiker, Epikureer und Skeptiker nebeneinander liest.
Er liest Seneca laut einer Darstellung häufiger als jeden anderen Autor und nimmt dessen Themen auf, ohne sich als Stoiker zu verstehen. Über Sextus Empiricus und Lukrez stehen skeptische und epikureische Einflüsse neben der Stoa.
Kernidee
Montaigne prüft sein eigenes Denken in kurzen Texten, die er „Versuche“ (Essais) nennt. Er ist skeptisch gegenüber großen Lehrgebäuden und fragt immer wieder: Was weiß ich? Von den Stoikern übernimmt er vor allem Gedanken zu Selbstprüfung und Tod, bleibt aber unsystematisch.
Bekannt für
Er gilt als Erfinder des Essays als literarischer Gattung. Sein Satz „Ich selbst bin der Stoff meines Buches“ galt zu seiner Zeit als eitel.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Der Essay als Selbstporträt
Montaigne will Menschen und besonders sich selbst mit größter Offenheit beschreiben. Er stützt sich dabei auf Anekdoten, Zitate und Beobachtungen aus der Antike. Wenn du selbst über deine Führungsfehler offen schreibst, kommst du ihm nahe.
Skepsis als Schutz vor Rechthaberei
Nach der Lektüre von Sextus Empiricus ließ Montaigne um 1576 eine Medaille mit „Epecho“ (Ich enthalte mich des Urteils) und „Que sais-je?“ prägen. Er sah die Kraft der Vernunft kritisch, wollte aber Selbsterkenntnis behalten. In einer Besprechung heißt das: Bevor du dich festlegst, frage nach dem, was du wirklich weißt, und dem, was du nur annimmst.
Stoische Themen in persönlicher Form
Selbstprüfung, Vorbereitung auf den Tod und die Grenzen der eigenen Kontrolle ziehen sich durch die Essais. Er verarbeitet das aber persönlich und widerspricht sich bewusst. Wenn du Mitarbeitenden Stoa anbietest, lass Raum für ihre eigene Form davon.
Begriffe
- Essay (Versuch)
- Skepsis
- Selbstporträt
- Urteilsfreiheit
- Umgang mit dem Tod
- Skeptizismus
- : die Haltung, Behauptungen zu prüfen und Urteile zurückzuhalten, wenn die Gründe nicht reichen
- Essay
- : wörtlich 'Versuch': ein offenes Nachdenken, das nicht beweisen, sondern ausprobieren will
- Selbsterforschung
- : er untersucht sich selbst als Beispiel für den Menschen überhaupt
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Schüler
- Marie de Gournay: seine „Wahltochter“, besorgte nach seinem Tod die Ausgabe von 1595
Freunde
- Étienne de La Boétie: enger Freund, Montaigne gab dessen Werke nach dem Tod heraus
Verbindungen im Netz
6 Verbindungen, davon 6 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Lucius Annaeus Senecaungeprüft
Montaigne zitiert Seneca laut einer Darstellung häufiger als jeden anderen Autor.
baut auf Pyrrhon von Elisungeprüft
Montaigne gehört laut Wikipedia zur Wirkung des Pyrrhonismus in der Renaissance.
baut auf Sextus Empiricusungeprüft
Die Lektüre von Sextus führte um 1576 zu seiner skeptischen Phase und Medaille.
baut auf Sokratesungeprüft
sieht in ihm ein Vorbild im Umgang mit Nichtwissen
baut auf Titus Lucretius Carusungeprüft
Die Essais wurden laut Wikipedia besonders von Plutarch und Lukrez inspiriert.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Justus Lipsiusungeprüft
Zeitgenossen, die beide Seneca lesen und in den Religionskriegen schreiben. Ein direkter Austausch ist in meinen Quellen nicht belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen Deutung
Montaigne schrieb mitten in den französischen Religionskriegen und wurde 1588 selbst von Anhängern der Liga kurz festgesetzt. Seine Skepsis gegenüber Gewissheiten passt zu dieser Zeit.[2]
Geld belegt
Das Vermögen der Familie stammte aus dem Handel mit Salzfisch und später Wein. Der Wohlstand erlaubte ihm 1570/71, sich aus dem Parlament von Bordeaux zurückzuziehen und zu schreiben.[5]
Biografie belegt
Er war von 1580 bis 1584 Bürgermeister von Bordeaux und schrieb in diesen Jahren weiter an den Essais. Das widerspricht dem Bild vom Philosophen, der sich allein in einen Turm zurückzog.[4]
Kritik
Zu seiner Zeit wurde er mehr als Staatsmann denn als Autor geschätzt, und seine Selbstbeschreibung galt als eitel. Er war kein systematischer Denker und blieb nicht bei einem Standpunkt. Ob er in einer Krise zur Skepsis fand, wird laut der Stanford-Enzyklopädie schon lange diskutiert (Villey, Pascal).
Wirkung heute
Der Essay als persönliche Denkform und die Haltung, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, wirken bis heute. Seine Skepsis hilft gegen vorschnelle Gewissheiten in Entscheidungen.
Brücke zu Führung und Coaching
Montaigne hilft dir, in Entscheidungsrunden ehrlicher mit Unsicherheit umzugehen. Probiere in der nächsten Besprechung, eine Annahme ausdrücklich als Annahme zu benennen. Frage: Was würde ich in diesem Projekt anders entscheiden, wenn ich ehrlich zugebe, wie wenig ich weiß?
Zitate
„Was weiß ich? (Que sçay-je?)“
„Que sais-je?“
Lebensstationen
- 1533Geboren auf Schloss Montaigne
- 1571Zieht sich auf sein Schloss zurück und beginnt zu schreiben
- 1580Erste Ausgabe der Essais, danach Bürgermeister von Bordeaux (1580 bis 1584)
- 1588Kurz in der Bastille festgehalten, Buch III erscheint
- 1592Gestorben auf seinem Schloss
Werke
- Essais (1580, erweitert bis 1588)
- Tagebuch einer Reise nach Italien
Essais (Bücher I und II 1580, erweitert mit Buch III 1588); die vollständige Ausgabe erschien 1595 nach seinem Tod; Reisetagebuch einer Italienreise 1580 bis 1581.
Anekdote belegt
1588 wurde Montaigne in Paris von Anhängern der Liga festgenommen und für einige Stunden in der Bastille festgehalten. Er kam frei, nachdem er die Wärter überzeugt hatte.[5]
Lesetipps
- Einstieg
- Michel de Montaigne: Essais, übers. von Hans Stilett, Die Andere Bibliothek (die Essays lassen sich einzeln lesen)
- Vertiefung
- Sarah Bakewell: Wie soll ich leben? oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Versuchen, C.H. Beck (2012, englisch 2010)
Noch nicht sicher belegt
- Die Aussage zu Seneca als meistzitiertem Autor stammt von der Seite viastoica.com (Fachseite, keine Fachenzyklopädie). Britannica nennt für 1588 die Festnahme durch die „Protestant League“, der New Yorker spricht von katholischen Extremisten; ich schreibe neutral „Anhänger der Liga“. Zeitraum der Bürgermeisterzeit nach Encyclopedia.com (1580 bis 1584). Die Medaille wird laut SEP um 1576 datiert. Der Satz „Ich selbst bin der Stoff meines Buches“ steht in Wikipedia in englischer Fassung.
- Gerüst: Die Kanten zu Seneca und Sokrates sowie die Essais-Daten (1580, erweitert bis 1588) sind Fachliteratur-Standard, aber nicht aus den extrahierten Ausschnitten belegt. Kapitel-Titel im Feld start_read nicht geprüft. Der Spruch 'Que sais-je?' ist laut SEP sein Medaillen-Motto; die Stelle in den Essais (II, 12) ist nicht geprüft.
Wege durchs Netz
Können wir überhaupt etwas wissen?
Montaigne: Was weiß ich? Er liest Stoiker, Epikureer und Skeptiker nebeneinander.
Herkunft der Daten: Gerüst der Landkarte (Version 6), Stoa und Epikur. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Montaigne
- [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy: montaigne · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Britannica: Michel de Montaigne · Britannica
- [3]Wikipedia (en): Michel de Montaigne · Wikipedia
- [4]Encyclopedia.com: Michel de Montaigne · Webseite
- [5]The New Yorker: Montaigne on Trial · Webseite
- [6]viastoica.com/michel-de-montaigne · Webseite
- [7]Wikipedia (de): Michel de Montaigne · Wikipedia