María Lugones
Philosophin · 1944–2020 · Buenos Aires (Argentinien), Northfield (Minnesota, Vereinigte Staaten), Binghamton und Syracuse (New York, Vereinigte Staaten)
Kernidee in Kürze
Lugones fragt, wie Menschen sich über Unterschiede hinweg wirklich verstehen können, ohne sie auszulöschen. Mit dem Bild vom „Welten-Reisen“ beschreibt sie, dass man in die Welt anderer Menschen eintritt, um zu erfahren, wie diese sich und andere sehen.
- Kapitel
- Gegenwart (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie können Menschen mit sehr verschiedenen Lebenswelten einander verstehen, ohne dass einer den anderen vereinnahmt?
- Position
- Lugones antwortet, dass man in die Welt der anderen „reisen“ muss und dass echte Liebe Unterschiede sichtbar macht statt sie zu verwischen.
- Einwand
- Ihre These über das koloniale Geschlechtersystem stützt sich auf Darstellungen vorkolonialer Gemeinschaften, die selbst umstritten sind.
- Verbindung
- Lugones schrieb 1983 mit Spelman einen gemeinsamen Aufsatz. Später verband sie Quijanos Theorie der Kolonialität der Macht mit feministischem Denken.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer Lugones war
Argentinische feministische Philosophin und Aktivistin, die Verständigung über Unterschiede zwischen Frauen und die Kolonialität des Geschlechts zu ihren Themen machte.
Lugones wurde in Argentinien geboren und lehrte lange in den Vereinigten Staaten, zuerst am Carleton College und ab 1993 an der Binghamton University. Sie arbeitete außerhalb der Universität als Erwachsenenbildnerin und verstand sich als Frau of Color, also als nicht weiße Frau, im politischen Sinn eines gemeinsamen Bündnisses.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Lugones verband Philosophie mit politischer Bildungsarbeit und gründete 1990 mit anderen in New Mexico ein Kollektiv für Volksbildung, die Escuela Popular Norteña.[1]
Fundstelle: Abschnitt Education and career
Bekannt für
Man kennt Lugones für das „Welten-Reisen“ und für die These, Geschlecht sei ein koloniales Ordnungssystem. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Team mit anderer Herkunft zuerst fragst, wie die Kolleginnen und Kollegen eine Situation erleben, bevor Du urteilst, wendest Du etwas Ähnliches an.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Welten-Reisen und liebende Wahrnehmung
In ihrem Aufsatz von 1987 geht es um Liebe über Grenzen von Kultur und Rasse hinweg. Sie versteht Liebe nicht als Verschmelzung, die Unterschiede auslöscht, sondern als etwas, das mit dem Verwischen von Unterschieden unvereinbar ist. Einheit, die nicht mit Solidarität verwechselt werden soll, hängt nach ihr begrifflich mit Herrschaft zusammen.
Mehrere Selbst und der arrogante Blick
Lugones nimmt eine Vielzahl von Selbst an, die von einer Welt in eine andere wechseln. Dem „arroganten Blick“, der den Geist anderer brechen soll, setzt sie die liebende Wahrnehmung entgegen, die einen dazu bringt, andere Welten zu bereisen.
Kolonialität des Geschlechts
Lugones knüpft an Quijano an, nach dem die globale kapitalistische Macht auf der Einteilung der Menschen nach Rasse beruht. In ihrem Aufsatz von 2007 beschreibt sie Geschlecht als System aus mehreren Machtverhältnissen, das durch die koloniale Moderne entstand. Sie behauptet, dass Geschlecht selbst eine gewaltsame koloniale Einführung ist, mit der Völker, Weltbilder und Gemeinschaften zerstört wurden. Zugleich wirft sie Quijano vor, die Rolle des Geschlechts zu übersehen.
Koalition und unreine Trennung
Lugones suchte politische Bündnisse über Unterschiede hinweg, besonders unter nicht weißen Frauen. Sie stellte die „unreine“ Mestizin, eine Frau gemischter Herkunft, in den Mittelpunkt und forderte eine „unreine Trennung“, die Menschen im Übergang und an Grenzen einschließt.
Begriffe
- Welten-Reisen (world-traveling)
- liebende Wahrnehmung
- Koalition gegen mehrfache Unterdrückung
- Kolonialität des Geschlechts
- dekoloniale Feminismen
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Elizabeth V. SpelmanPrüfstand: belegt
Lugones und Spelman schrieben 1983 gemeinsam den Aufsatz „Have We Got a Theory for You!“. Er bestreitet, dass feministische Theorie für eine einheitliche Frau sprechen kann.
Übernimmt Gedanken von
Lugones übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Audre LordePrüfstand: belegt
Lugones' Arbeit ist unter anderem von Audre Lorde beeinflusst worden.
Kimberlé CrenshawPrüfstand: belegt
Lugones' Arbeit ist unter anderem von Kimberlé Crenshaw beeinflusst worden.
Frantz FanonPrüfstand: ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Fanon wird unter den Denkern genannt, die Lugones beeinflusst haben. Das ist bisher nur durch eine Quelle belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Lugones wurde am 26. Januar 1944 in Buenos Aires geboren. Sie promovierte 1978 an der University of Wisconsin in Philosophie und lehrte ab 1972 Philosophie am Carleton College in Minnesota. 1993 ging sie als Professorin an die Binghamton University im Staat New York.[1]
Biografie belegt
Neben ihrer Arbeit an der Universität war Lugones Erwachsenenbildnerin. Angeregt von der Highlander Folk School, einer Bildungsstätte für soziale Bewegungen, gründete sie 1990 die Escuela Popular Norteña in New Mexico mit.[1]
Biografie belegt
Ihr Lebenswerk umfasste mehr als fünf Jahrzehnte als Philosophin, Volksbildnerin, Professorin und Organisatorin in Gemeinden. Ihr Grundsatz lautete: „Ich denke nicht, was ich nicht praktiziere.“ Sie starb am 14. Juli 2020 in Syracuse im Staat New York.[2]
Biografie belegt
2016 ernannte die Society for Women in Philosophy sie zur Distinguished Woman Philosopher. 2020 erhielt sie den Frantz Fanon Lifetime Achievement Award der Caribbean Philosophical Association.[1]
Kritik
Eine ihrer Grundlagen, die Arbeiten der Schriftstellerin Paula Gunn Allen, ist umstritten: Allen wird vorgeworfen, feste Wesensmerkmale anzunehmen und die Vielfalt indigener Völker zu vereinfachen.
Wirkung heute
Lugones gilt als die erste, die den Begriff der Kolonialität des Geschlechts ausgearbeitet hat. Ihre Arbeiten prägten die dekoloniale feministische Philosophie, besonders in Lateinamerika, und ihre Texte wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du ein Gespräch mit einer Person führst, deren Hintergrund sich stark von Deinem unterscheidet, kannst Du mit Lugones fragen, wie sie die Situation aus ihrer Welt heraus sieht, bevor Du sie bewertest. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Lugones' über Führung.
Lebensstationen
- 1944Geburt in Buenos Aires (26. Januar)
- 1978Promotion in Philosophie an der University of Wisconsin
- 1983Gemeinsamer Aufsatz mit Elizabeth Spelman
- 1987„Playfulness, ‘World’-Travelling, and Loving Perception“ in Hypatia
- 1993Wechsel an die Binghamton University
- 2007„Heterosexualism and the Colonial/Modern Gender System“ in Hypatia
- 2020Tod in Syracuse (14. Juli)
Werke
Playfulness, “World”-Travelling, and Loving Perception (1987); Pilgrimages/Peregrinajes (2003); Heterosexualism and the Colonial/Modern Gender System (2007)
Lesetipps
- Vertiefung
- Hypatia, „In memory of Maria Cristina Lugones“
Noch nicht sicher belegt
- Welche Denkerinnen und Denker sie beeinflusst haben, ist außer bei Aníbal Quijano und Gloria Anzaldúa nur durch eine Quelle belegt.
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 10: europäische und jüdische Moderne. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu Lugones
- [1]María Lugones, Abschnitt Education and career · Wikipedia, abgerufen 2026-10-23
- [2]Hypatia, In memory of Maria Cristina Lugones · Webseite
- [3]cambridge.org/core/journals/hypatia/article/abs/playfulness-worldtravelling-and-loving-perception/C3670D079AD93578FB093CF09FBB87D6 · Webseite
- [4]onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1527-2001.2007.tb01156.x · Webseite
- [5]sciencedirect.com/science/article/pii/0277539583900195 · Webseite
- [6]openalex.org/works/w2035271282 · Webseite
- [7]jstor.org/stable/4640051 · Aufsatz
- [8]cambridge.org/core/journals/hypatia/in-memory-of-maria-cristina-lugones/tribute · Webseite
- [9]binghamton.edu/comparative-literature/news/maria.html · Webseite
- [10]carleton.edu/farewells/maria-lugones · Webseite
- [11]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [12]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [13]Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [14]scielo.br/j/ref/a/xVcFGLjTtHYYjbrKPgS3vFw · Webseite