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Landkarte der Philosophie

Miki Kiyoshi

Philosoph und Kritiker · 1897–1945 · Isseimura (Präfektur Hyōgo), Kyoto, Heidelberg, Marburg, Paris, Tokio

Kernidee in Kürze

Miki fragt, wie der Mensch Geschichte macht. Er verbindet dafür Heideggers Blick auf den Menschen, Pascals Gedanken über den Menschen und marxistische Geschichtsdeutung.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie machen Menschen Geschichte, und welche Rolle spielt die Einbildungskraft dabei?

Position
Miki verbindet Anthropologie, Geschichtsphilosophie und zeitweise Marxismus. In seiner Logik der Einbildungskraft sieht er die Einbildungskraft als Quelle von Formen, die Gegensätze versöhnt.
Einwand
Marxistische Kritiker verurteilten seine Marxismus-Deutung schon 1930 als idealistisch. Später musste er sich in der Denkfabrik um Konoe zum Teil dem wachsenden Nationalismus anpassen.
Verbindung
Miki war Student von Nishida und Hatano und studierte bei Heidegger. Mit Tosaka Jun stand er in enger Verbindung.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Miki war

Miki wuchs in einer Bauernfamilie in Hyōgo auf und studierte in Kyoto bei Nishida. Nach Studienjahren in Heidelberg, Marburg und Paris lehrte er in Tokio, wurde 1930 wegen der Unterstützung der kommunistischen Partei verhaftet und arbeitete danach als freier Kritiker. Er arbeitete in den 1930er Jahren in einer Denkfabrik um Fürst Konoe Fumimaro mit und starb 1945 in Haft.

Kernidee genauer

Einem strengen Marxismus hing er nicht an, und er stand Nishida Kitarō nahe, ohne bloß dessen Nachfolger zu sein.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Miki studierte in Deutschland bei Rickert und Heidegger und nahm dabei auch sozialistische Gedanken auf. Zurück in Japan wurde er 1927 an die Hōsei-Universität berufen, nachdem ihm eine Stelle an seiner früheren Universität verwehrt worden war.[2]

Bekannt für

Man kennt Miki als Philosophen, der in Japan den philosophischen Marxismus bekannt machte, und für die Logik der Einbildungskraft. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du für ein Team ein Zukunftsbild entwirfst, das es vorher so nicht gab, benutzt Du die Einbildungskraft, die Miki als Quelle von Formen verstand.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Philosophie des Menschen und der Geschichte

Miki studierte in Deutschland bei Heidegger und beschäftigte sich mit Pascals Bild vom Menschen. Daraus wuchs seine philosophische Anthropologie, also die Lehre vom Menschen. Er sieht Geschichte als etwas, das Menschen durch ihr Handeln fortführen. Tradition versteht er als tätige, fortlaufende Weitergabe, nicht als bloße Entwicklung von selbst.

Marxismus in den späten 1920er Jahren

Ab 1927 schrieb Miki Aufsätze über die materialistische Geschichtsauffassung und galt als erster Wortführer des philosophischen Marxismus in Japan. Besonders nach seiner Verhaftung 1930 bemühte er sich, seine Philosophie vom Marxismus abzugrenzen; seine späteren Werke gelten als nicht mehr marxistisch.

Logik der Einbildungskraft

In seinem unvollendeten Hauptwerk Kōsōryoku no ronri geht Miki davon aus, dass die Einbildungskraft Formen schafft und so Gegensätze versöhnt. Er setzt sich mit Kant, Hume und Dewey auseinander und übernimmt von Nishida den Gedanken, dass ein schöpferisches Nichts Subjektives und Objektives übersteigt und umfasst.

Nähe zu Nishida

Sie veröffentlichten in den 1930er Jahren mehrere Gespräche, und Miki gehörte zu den früheren Studenten, die Nishida für den Marxismus interessierten. Die Forschung sieht in Miki keinen bloßen Anhänger Nishidas.

Begriffe

Logik der Einbildungskraft (kōsōryoku no ronri)
Geschichtsphilosophie
philosophische Anthropologie (Lehre vom Menschen)
historischer Materialismus (Geschichtsauffassung nach Marx)

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

7 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 7 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Lehrer

Persönliches Lehrverhältnis: haben Miki unterrichtet.

  • Martin HeideggerPrüfstand: belegt

    Miki studierte in Deutschland bei Heidegger in Marburg; sein Marxismus war von Heideggers Anthropologie gefärbt.

  • Nishida KitarōPrüfstand: belegt

    Miki studierte in Kyoto bei Nishida, blieb ihm über Jahre eng verbunden und veröffentlichte mit ihm in den 1930er Jahren mehrere Gespräche; Mikis spätere Philosophie bleibt von Nishida beeinflusst.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Kuki ShūzōPrüfstand: belegt

    Kuki gehörte zu den mehr als fünfzehn japanischen Studenten, mit denen Miki während seines Studienaufenthalts in Europa ab 1922 in Verbindung stand.

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Miki. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Tosaka JunPrüfstand: belegt

    Tosaka zählte 1932 in seinem Aufsatz über die Philosophie der Kyoto-Schule neben Nishida und Tanabe auch Miki zu dieser Schule und warf ihr vor, bürgerliche Philosophie zu sein: ein bürgerlicher Idealismus, der die materiellen geschichtlichen Bedingungen und die gesellschaftliche Praxis übersehe. Außerdem kritisierte Tosaka Mikis Liberalismus.

Übernimmt Gedanken von

Miki übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Karl MarxPrüfstand: belegt

    Miki wurde in Japan zum ersten Wortführer des philosophischen Marxismus und schrieb Aufsätze zum historischen Materialismus; einem strengen Marxismus hing er aber nicht an.

Grundlage für

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Miki weiter, meist über Texte.

  • Tosaka JunPrüfstand: belegt

    Tosaka kam von der Raumtheorie her, beeinflusst von Miki, zum Marxismus und Materialismus. In einem Aufsatz von 1936 nannte er sich selbst den vermutlich Ersten, der unter Mikis Einfluss nach links gerückt sei.

Untersucht

Miki untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht Blaise PascalPrüfstand: belegt

    Miki schrieb eine Studie über den Menschen bei Pascal und prägte damit sein Bild vom Menschen.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Miki wurde am 5. Januar 1897 in der Präfektur Hyōgo geboren. Er studierte an der Kaiserlichen Universität Kyoto bei Nishida Kitarō und Hatano Seiichi. Von 1922 bis 1924 bildete er sich in Deutschland bei Heinrich Rickert und Martin Heidegger weiter.[1]

  • Biografie belegt

    1927 wurde Miki Professor an der Hōsei-Universität in Tokio, nachdem ihn seine frühere Universität als Lehrer abgelehnt hatte. 1928 gründete er die Zeitschrift Shinkō kagaku no hata no moto ni (Unter der Fahne der neuen Wissenschaft) und wurde zum ersten Wortführer des philosophischen Marxismus in Japan. 1930 wurde er verhaftet und sechs Monate festgehalten; danach musste er die Lehrtätigkeit aufgeben und lebte als Gesellschaftskritiker.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    1936 trat Miki der Shōwa-Forschungsgesellschaft bei, einer Denkfabrik um Fürst Konoe Fumimaro, die den Aufstieg der Militärs mildern, aber nicht bekämpfen wollte. 1942 wurde er vom Heer für ein Jahr als Berichterstatter auf die Philippinen geschickt. Als die Gesellschaft immer nationalistischer wurde, musste er sich, obwohl im Herzen liberal, zum Teil anpassen. Ein Fachbeitrag hält zudem fest, dass er auch Texte zugunsten des Panasiatismus (der Einigung Asiens) und einer neuen internationalen Ordnung schrieb.[9]

  • Zeitgeschehen belegt

    Im März 1945 wurde Miki erneut verhaftet, weil er einen Kommunisten bei sich aufgenommen hatte. Er starb am 26. September 1945 im Gefängnis Toyotama, rund vierzig Tage nach Kriegsende. Eine Quelle nennt Nierenentzündung als Todesursache und schreibt, es werde vermutet, dass die Behandlung im Gefängnis dazu beitrug.[7]

  • Einordnung belegt

    Ob Miki zur Kyoto-Schule gehört, ist strittig. Tosaka Jun zählte ihn 1932 zur Schule. Ōhashi Ryōsuke schloss ihn wegen seiner marxistischen Ausrichtung aus. Dagegen wird betont, dass Miki keinem strengen Marxismus anhing und eine enge Beziehung zu Nishida pflegte. Allgemein gilt er als Vertreter einer marxistischen Wendung der Kyoto-Schule.[3]

Kritik

Eine führende Kennerin seines Werks, Satō Nobue, lehnt es ab, in ihm nur einen Nachfolger von Nishida, Hegel oder Pascal zu sehen.

Wirkung heute

Miki und Tosaka Jun werden von manchen heute zum linken Flügel der Kyoto-Schule gezählt. Mikis Logik der Einbildungskraft liegt seit 2024 in englischer Übersetzung von John Krummel vor.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du in einer Veränderung Gegensätze zwischen Menschen oder Positionen siehst, kannst Du mit Miki fragen, welche neue Form beide Seiten verbinden könnte, statt eine Seite zu gewinnen. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Miki über Führung.

Lebensstationen

  1. 1897Geburt in der Präfektur Hyōgo (5. Januar)
  2. 1922Studienaufenthalt in Deutschland bei Rickert und Heidegger (bis 1924)
  3. 1927Professor an der Hōsei-Universität in Tokio
  4. 1930Verhaftung als Unterstützer der Kommunisten, sechs Monate Haft
  5. 1936Eintritt in die Shōwa-Forschungsgesellschaft
  6. 1942Ein Jahr Heeresjournalist auf den Philippinen
  7. 1945Erneute Verhaftung im März; Tod im Gefängnis am 26. September

Werke

Pasukaru ni okeru ningen no kenkyū (Studie über den Menschen bei Pascal, 1926); Yuibutsu shikan to gendai no ishiki (Materialistische Geschichtsauffassung und das gegenwärtige Bewusstsein, 1928); Rekishi tetsugaku (Geschichtsphilosophie, 1932); Kōsōryoku no ronri (Logik der Einbildungskraft, ab 1939, unvollendet)

Lesetipps

Einstieg
Britannica, „Miki Kiyoshi“; Routledge Encyclopedia of Philosophy, „Miki Kiyoshi (1897–1945)“ (J. W. Heisig)
Vertiefung
Miki Kiyoshi, The Logic of Imagination, übersetzt von John W. M. Krummel (Bloomsbury, 2024); Susan C. Townsend, Miki Kiyoshi 1897–1945: Japan’s Itinerant Philosopher (Brill, 2009)

Noch nicht sicher belegt

  • Das Erscheinungsjahr der Pascal-Studie wird mit 1925 oder 1926 angegeben. Die Quellen datieren Mikis Beitritt zur Shōwa-Forschungsgesellschaft unterschiedlich (1936, 1937 oder 1938). Ob Miki zur Kyoto-Schule gehört, ist umstritten: Einige zählen ihn dazu, andere schließen ihn wegen seiner marxistischen Orientierung aus. Die Todesursache und die Rolle der Haftbedingungen schildern die Quellen nur kurz und mit Vorbehalt.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 6: Japan, Kyoto-Schule. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Miki

  1. [1]Encyclopedia of Philosophy (Eintrag auf Encyclopedia.com), Miki Kiyoshi; Britannica, Miki Kiyoshi
  2. [2]Encyclopedia of Philosophy (Eintrag auf Encyclopedia.com), Miki Kiyoshi · Webseite
  3. [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy, The Kyoto School, Abschnitte 2.1 und 2.3; Routledge Encyclopedia of Philosophy, Miki Kiyoshi, Zusammenfassung · Webseite
  4. [4]The Kyoto School, Abschnitt 2.3 · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-23
  5. [5]Kiyoshi Miki · Wikipedia, abgerufen 2026-10-23
  6. [6]Miki Kiyoshi · Wikipedia
  7. [7]Britannica, Miki Kiyoshi; Wikipedia englisch, Biography; Nationale Parlamentsbibliothek Japans, Porträt · Webseite
  8. [8]Nationale Parlamentsbibliothek Japans, Porträt Tosaka Jun · Webseite
  9. [9]Encyclopedia of Philosophy (Eintrag auf Encyclopedia.com), Miki Kiyoshi; Britannica, Miki Kiyoshi; International Journal of Asian Studies · Webseite
  10. [10]bun.kyoto-u.ac.jp/japanese-philosophy/guidance-miki · Webseite
  11. [11]Gotō, Tosaka Jun no jōshiki gainen to Miki Kiyoshi (2007) · Webseite

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