Cheryl Misak
geb. 1961 · Toronto
- Strömung
- Utilitarismus und Pragmatismus
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Kanadische Philosophin und Pragmatismus-Historikerin, die mit Peirce die Wahrheit wieder in die Mitte von Ethik, Politik und Beratschlagung stellt und gegen Rortys Verzicht auf Wahrheit argumentiert.
Im Netz steht Misak als Historikerin und Verteidigerin des Peirce'schen Pragmatismus. Sie gehört zu den 'Neuen Pragmatisten' (SEP), die gegen Rortys Neopragmatismus die klassischen Ideale der Objektivität wiederbeleben.
Kernidee
Misak hält mit Peirce fest, dass Überzeugungen auf Wahrheit zielen und sich in Untersuchung und Argument bewähren müssen. Wahrheit gehört damit auch in Moral und Politik, weil wir dort Gründe austauschen und Überzeugungen prüfen. Sie widerspricht Rorty, der Wahrheit für ein Thema hielt, über das sich nichts Gehaltvolles sagen lasse.
Bekannt für
Misak ist bekannt als Professorin der Universität Toronto, Autorin der großen Darstellungen The American Pragmatists und Cambridge Pragmatism sowie einer Biografie des Mathematikers und Philosophen Frank Ramsey. Außerdem war sie Provost der Universität Toronto (2009 bis 2013).
Theorien mit Alltagsbeispiel
Wahrheit im Sinne von Peirce
Ihr Buch Truth and the End of Inquiry trägt den Untertitel A Peircean Account of Truth (Wikipedia): Wahrheit ist das Ziel, auf das jede Untersuchung zuläuft, und eine Überzeugung bewährt sich, wenn sie weiterer Erfahrung und Argumentation standhält. Mit Truth, Politics, Morality: Pragmatism and Deliberation (Routledge 2000) überträgt sie diesen Ansatz auf Moral und Politik, und die SEP führt sie bei denen, die Peirces Untersuchungsbegriff als Grundlage demokratischer Beratschlagung verteidigen. Bei Entscheidungen im Betrieb prüfst du deshalb eine Annahme am besten daran, ob sie auch weiteren Daten und Einwänden standhält.
Beratschlagung als Untersuchung
Nach der SEP gibt es pragmatistische Politikphilosophen, die für Peirces realistischere Auffassung von Untersuchung gegenüber Deweys als Grundlage demokratischer Beratschlagung eintreten (Misak 1999). Moralische und politische Urteile sollen sich damit durch Gründe verbessern lassen und nicht nur durch Mehrheiten. In einer Besprechung heißt das: Argumente und Belege zählen mehr als Rang oder Lautstärke.
Der Cambridge-Pragmatismus
In Cambridge Pragmatism zeigt Misak, wie Frank Ramsey Peirces Gedanken zu Statistik und Untersuchung weiterentwickelte (SEP). Wittgensteins späteres Denken bekam durch Gespräche mit Ramsey einen pragmatistischen Zug. So lässt sich der Pragmatismus als gemeinsame Linie von Peirce und James bis Ramsey und Wittgenstein lesen. Für dich als Führungskraft heißt das: Gute Ideen wandern oft über Gespräche zwischen Fächern, und nicht nur über einzelne Genies.
Begriffe
- Wahrheit als Ziel der Untersuchung
- Peirce'scher Pragmatismus
- Deliberation
- Cambridge-Pragmatismus
- Neue Pragmatisten
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Gegner
- Richard Rorty: Misak widerspricht laut SEP seinem 'unbekümmerten' Verzicht auf die Frage nach Wahrheit
- Dewey: in der politischen Philosophie bevorzugen Autoren wie Misak Peirces Untersuchungsbegriff (SEP)
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Charles Sanders PeirceDeutung
Ihr Buch Truth and the End of Inquiry bietet eine 'Peircean account of truth' (Wikipedia), und sie war 2011 Präsidentin der Charles S. Peirce Society.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert John DeweyDeutung
Die SEP führt Misak (1999) bei denen, die Peirces Untersuchungsbegriff gegenüber Deweys als Grundlage demokratischer Beratschlagung bevorzugen.
kritisiert Richard RortyDeutung
Die SEP nennt Misak unter denen, die Rortys Verzicht auf die Wahrheitsfrage kritisieren.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Misaks Position steht in der Debatte, die seit den 1970ern durch Rortys Neopragmatismus ausgelöst wurde. Die SEP rechnet sie zu den 'Neuen Pragmatisten', die Rortys Verzicht auf Wahrheit ablehnen und klassische Objektivitätsideale zurückholen wollen.[2]
Abhängigkeit Deutung
Misak war Vizeprinzipalin und Dekanin der University of Toronto Mississauga (2003 bis 2005), dort 2006/07 kommissarische Leiterin, Provost der Universität Toronto (2009 bis 2013) und 2020/21 kommissarische Leiterin der Munk School. Dass diese Leitungsämter ihr Interesse an Deliberation und institutionellen Entscheidungen prägten, ist eine Deutung.[1]
Biografie Deutung
Sie wuchs in Lethbridge, Alberta, auf, studierte in Lethbridge, Columbia und Oxford und arbeitet an der Schnittstelle von analytischer Philosophie und Pragmatismus. Ob ihre Oxforder Ausbildung ihre Sicht auf Peirce als Logiker der Untersuchung formte, ist eine Deutung.[1]
Kritik
Habermas hält Peirces Wahrheitsbegriff laut SEP für zu stark idealisiert; dieser Einwand trifft sinngemäß auch eine Peirce'sche Wahrheitstheorie wie die von Misak (Deutung). Rorty hielt Wahrheit nicht für ein Ziel, weil wir als fehlbare Wesen nie beweisen können, dass wir sie erreicht haben (SEP).
Wirkung heute
Ihre Bücher gelten als Standarddarstellungen des Pragmatismus und seiner britischen Wurzeln. Die Frage, wie Wahrheit und Beratschlagung in Demokratie und Medizinethik zusammenhängen, ist durch Debatten über Fakten in der Politik aktuell.
Brücke zu Führung und Coaching
Wenn in deinem Team ein Streit festhängt, frage: Welche Beobachtung oder welches Argument würde uns dazu bringen, unsere Meinung zu ändern? Behandle Positionen als Hypothesen, die sich bewähren müssen, und nicht als Besitzstände. So bleibt die Diskussion beim Ziel, herauszufinden, was stimmt.
Lebensstationen
- 1961Geboren in Lethbridge, Alberta
- 1995Verificationism: Its History and Prospects erscheint
- 2003Vizeprorektorin und Dekanin der University of Toronto Mississauga (2003 bis 2005)
- 2009Provost der University of Toronto (2009 bis 2013)
- 2016Cambridge Pragmatism erscheint
- 2020Biografie Frank Ramsey: A Sheer Excess of Powers
Werke
Verificationism (1995)
Truth, Politics, Morality (2000)
Truth and the End of Inquiry (Ausgabe 2004)
The American Pragmatists (2013)
Cambridge Pragmatism (2016)
Frank Ramsey: A Sheer Excess of Powers (2020)
Oxford Pragmatism (2025)
Lesetipps
- Einstieg
- Cheryl Misak: Truth, Politics, Morality: Pragmatism and Deliberation (Routledge 2000), zeigt, warum Wahrheit in Ethik und Politik zählt; eine deutsche Ausgabe wurde nicht geprüft.
- Vertiefung
- Cheryl Misak: The American Pragmatists (Oxford University Press, 2013), Gesamtdarstellung von Peirce bis Rorty
Noch nicht sicher belegt
- Kein SEP-Eintrag zu Misak; Quellen sind Wikipedia (als Stub markiert) und der SEP-Eintrag Pragmatism. Britannica konnte als zweite Personenquelle nicht geprüft werden, weil das Firecrawl-Kontingent erschöpft war. Die PhilPapers-Verlagsbeschreibung lag nur als Suchtreffer-Ausschnitt vor und ist als Quelle entfernt; Theorie 1 stützt sich jetzt auf die Buchtitel (Wikipedia) und die SEP. Erscheinungsjahr von Truth, Politics, Morality: Wikipedia 2000, die SEP zitiert im Text 'Misak 1999'. Cambridge Pragmatism: Wikipedia Oktober 2016, SEP-Bibliografie 2018. Lehrer, Schüler, Freunde aus den abgerufenen Quellen nicht belegbar, daher leer. Kein Zitat, keine Anekdote. Der Einwand von Habermas gegen Misak ist Deutung.
Herkunft der Daten: Utilitarismus und Pragmatismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Misak
- [1]Wikipedia: Cheryl Misak · Wikipedia
- [2]SEP: Pragmatism, Abschnitt 1.2 · Stanford Encyclopedia of Philosophy