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Landkarte der Philosophie

Samuel Ramos

Philosoph · 1897–1959 · Zitácuaro (Michoacán), Mexiko-Stadt (Mexiko), Paris (Frankreich), Rom (Italien)

Kernidee in Kürze

Ramos untersucht in seinem Hauptwerk, warum viele Mexikaner nach seiner Deutung ein Minderwertigkeitsgefühl haben. Er meint, die Mexikaner hätten sich unerreichbare Ziele gesetzt, weil sie weiter entwickelte Länder nachahmten, und daraus erkläre sich ihr Verhalten und manches Problem der Gesellschaft und der Politik.

Kapitel
Lateinamerika (Überblick) (redaktionell)
Richtung
Diese Person ist keiner Denkrichtung des Katalogs zugeordnet.Katalog hat keine passende Richtung: Die lateinamerikanische „Anthropologie des Geistes“ ist nicht die deutsche Philosophische Anthropologie um Scheler und Plessner.
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Wie erklärt man den Charakter einer Kultur, die sich ständig an fremden Vorbildern misst?

Position
Ramos deutet das Verhalten der Mexikaner als Folge eines Minderwertigkeitsgefühls, das aus dem Nachahmen weiter entwickelter Nationen entstand, und fordert eine Philosophie, die auf Vernunft und allgemeine Werte baut.
Einwand
Nach einem Vorwurf fehlen seiner These empirische Belege, und er wollte die Philosophie in Mexiko am Ende dem Studium des Menschseins im Allgemeinen und der Werte widmen, nicht nur dem mexikanischen Charakter.
Verbindung
Er stützt sich auf Ortega y Gasset, kritisierte seinen Lehrer Antonio Caso und arbeitete mit Vasconcelos zusammen; die Gruppe Hiperión um Leopoldo Zea führte nach einer Darstellung seine Fragen fort.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Ramos war

Mexikanischer Philosoph und Hochschullehrer, der in seinem Buch „Perfil del hombre y la cultura en México“ (1934) den Charakter der Mexikaner und ihrer Kultur zu deuten versuchte und die Philosophie in Mexiko professionalisierte.

Ramos gehörte zur Generation, die auf Antonio Caso und José Vasconcelos folgte und deren Intuitionismus ablehnte. Er studierte bei Caso, lernte in Europa die deutsche Wertphilosophie und Ortega y Gasset kennen und lehrte ab den 1920er Jahren in Mexiko-Stadt Philosophie.

Kernidee genauer

Er fordert eine neue Philosophie, die die Schwächen des mexikanischen Charakters und der Kultur erkennt und die Mexikaner auf allgemeine Werte und auf den Gebrauch der Vernunft verpflichtet. Später erweitert er sein Denken zu einem „neuen Humanismus“.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Ramos kehrte nach Studienjahren in Europa mit neuen Ideen aus der deutschen Wertphilosophie und von Ortega y Gasset nach Mexiko zurück und entschied sich, Abstand zu seinem Lehrer Caso zu nehmen. 1927 veröffentlichte er einen Aufsatz, der Casos Philosophie kritisierte.[5][7]

Fundstelle: Abschnitt Trabajo

Bekannt für

Man kennt Ramos für das Buch „Perfil del hombre y la cultura en México“, das als eines der ersten nachrevolutionären Bücher den Nationalcharakter der Mexikaner zu deuten versuchte. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Team merkst, dass alle ein Vorbild von außen nachahmen und dabei das Eigene unterschätzen, fragst Du so, wie Ramos es für eine ganze Kultur tat.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Das Minderwertigkeitsgefühl der Mexikaner

Ramos stellt die These auf, dass die Mexikaner sich Ziele gesetzt haben, die sie nicht erreichen konnten, weil sie weiter entwickelte Länder nachahmten. Daraus sei ein Gefühl der Minderwertigkeit entstanden, das ihr Verhalten als Einzelne und als Gruppe sowie viele Probleme der mexikanischen Gesellschaft und Politik erkläre. Den psychologischen Gedanken des Minderwertigkeitskomplexes übernahm er von Alfred Adler.

Eine Philosophie für Mexiko

Ramos meint, das Land brauche eine neue Philosophie, die die Laster des mexikanischen Charakters und der Kultur diagnostiziert.

Kritik an Caso

Ramos kritisierte nach einer Darstellung Antonio Casos Stil des Philosophierens und dessen Irrationalismus (die Ablehnung der Vernunft als Hauptquelle der Erkenntnis). 1927 erschien in der Zeitschrift Ulises sein Aufsatz „Antonio Caso, la campaña antipositivista“, in dem er die Philosophie seines Lehrers kritisierte. Er suchte einen Weg, der europäische Modelle nutzt, um nach innen auf die „mexikanische Psyche“ zu blicken.

Der neue Humanismus und die Kunst

Ramos interessierte sich außerdem für Ästhetik (Filosofía de la vida artística) und förderte die Professionalisierung der Philosophie in Mexiko, unter anderem mit einer Geschichte der Philosophie in Mexiko (1943).

Begriffe

Minderwertigkeitsgefühl (sentimiento de inferioridad)
Philosophie des Mexikanischen (lo mexicano)
Nachahmung
neuer Humanismus
Werte
Kultur

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

6 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 4 belegt, 2 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Lehrer

Persönliches Lehrverhältnis: hat Ramos unterrichtet.

  • Antonio CasoPrüfstand: belegt

    Samuel Ramos besuchte Casos Philosophievorlesungen an der Nationalen Hochschule für höhere Studien und schloss dort 1919 sein Philosophiestudium ab. Er folgte zunächst Casos Ideen und wandte sich später kritisch gegen ihn.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • José VasconcelosPrüfstand: belegt

    Ramos arbeitete mit José Vasconcelos zusammen und leitete dessen Zeitschrift Antorcha.

Kritisiert

Ramos kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Antonio CasoPrüfstand: belegt

    Ramos kritisierte nach einer Darstellung den Stil des Philosophierens und den Irrationalismus seines Lehrers Antonio Caso. 1927 veröffentlichte er in der Zeitschrift Ulises einen Aufsatz gegen Casos Philosophie, auf den Caso mit der Schrift „Ramos y yo“ antwortete.

Übernimmt Gedanken von

Ramos übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • José Ortega y GassetPrüfstand: belegt

    Ramos stützte seine Deutung des mexikanischen Wesens auf Ortega y Gassets Gedanken, dass das Wesentliche einer Kultur in der Seinsweise des Menschen liegt, die sich aus seiner Umgebung formt.

  • Max SchelerPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Ramos schrieb 1926 einen Aufsatz über eine Schrift von Max Scheler. Nach einer Darstellung übernahm die Generation früherer Schüler Casos, zu der er gehörte, vor allem die Wertphilosophie von Scheler und Hartmann.

Grundlage für

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Ramos weiter, meist über Texte.

  • Leopoldo ZeaPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Nach einer Darstellung war Ramos eine wichtige Anregung für die Gruppe Hiperión um Emilio Uranga und Leopoldo Zea, die seine Fragen nach dem Wesen des Mexikaners weiterführte.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Ramos wuchs in Michoacán auf, studierte zuerst Medizin und wechselte im dritten Jahr zur Philosophie. Er studierte in Rom und an der Sorbonne in Paris, lehrte Logik und Philosophiegeschichte an der Nationalen Vorbereitungsschule und an der Nationaluniversität und wurde 1952 Mitglied des Colegio Nacional.[3]

  • Biografie belegt

    Ramos war ein Schüler von Antonio Caso und Mitarbeiter von José Vasconcelos und Pedro Henríquez Ureña. Er gründete und gab die Zeitschrift Ulises heraus und leitete Vasconcelos' Zeitschrift Antorcha.[3]

  • Zeitgeschehen belegt

    In den 1930er Jahren interessierten sich die Studierenden der neuen Generation, darunter viele Schützlinge von Caso und Vasconcelos, nicht mehr für den Streit zwischen Determinismus und Freiheit. Für sie standen Werte, Objektivität und soziale Verantwortung im Mittelpunkt. Das Nachdenken über das Mexikanische gewann an Bedeutung.[1]

  • Werk belegt

    „Perfil del hombre y la cultura en México“ (1934) war umstritten und provokativ. Es regte ähnliche Studien über das mexikanische Wesen an, zum Beispiel Octavio Paz' „El laberinto de la soledad“ (1950). Eine Darstellung nennt es ein bahnbrechendes Werk der Philosophie und Kultur Mexikos, das trotz des Vorwurfs fehlender empirischer Belege bis heute Diskussionen auslöst.[3]

Kritik

Nach einer Darstellung ist die These vom Minderwertigkeitsgefühl der Mexikaner seine umstrittenste, und sie wurde vielfach kritisiert. Eine andere Darstellung nennt den Vorwurf fehlender empirischer Belege.

Wirkung heute

Ramos' Buch regte nach einer Darstellung ähnliche Studien über das mexikanische Wesen an, etwa von Octavio Paz; nach einer anderen Darstellung führte auch die Gruppe Hiperión, die von 1948 bis 1952 bestand, seine Fragen weiter. Nach den 1960er Jahren ließ das Interesse nach; erst in den letzten Jahren versucht eine kleine Gruppe mexikanischer und mexikanisch-amerikanischer Philosophen, Elemente dieser Bewegung wieder aufzugreifen.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Ramos fragt, wie sich das ständige Nachahmen fremder Vorbilder auf das Selbstbild auswirkt. Wenn Du in Deiner Rolle immer das Vorbild einer anderen Führungskraft kopierst, kann die Frage helfen, was Du selbst bereits gut kannst. Das ist eine Übertragung und keine Aussage von Ramos über Führung.

Lebensstationen

  1. 1897Geburt in Zitácuaro, Michoacán (8. Juni)
  2. 1927Aufsatz in der Zeitschrift Ulises, der Casos antipositivistische Kampagne kritisiert
  3. 1934„Perfil del hombre y la cultura en México“
  4. 1944Doktorat in Philosophie an der Nationaluniversität und Leitung der Fakultät für Philosophie und Literatur (bis 1952)
  5. 1952Aufnahme in das Colegio Nacional
  6. 1959Tod in Mexiko-Stadt (Juni)

Werke

Perfil del hombre y la cultura en México (1934); Hacia un nuevo humanismo (1940); Historia de la filosofía en México (1943); Filosofía de la vida artística (1950)

Lesetipps

Einstieg
Samuel Ramos, Profile of Man and Culture in Mexico (übersetzt von Peter G. Earle, University of Texas Press, 1962)
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Philosophy in Mexico“, Abschnitte 8.2 und 8.4

Noch nicht sicher belegt

  • Der Todestag wird mit dem 20. oder 21. Juni 1959 angegeben.

Herkunft der Daten: referenz-2026-10. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Ramos

  1. [1]Mexikanisches Kulturministerium, Leopoldo Zea, filósofo de la unidad latinoamericana; Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philosophy in Mexico, Abschnitt zur Gruppe Hiperión · abgerufen 2026-10-23
  2. [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Philosophy in Mexico, Abschnitt 8.5; Stanford Encyclopedia of Philosophy, Latin American Philosophy, Abschnitt über spanische Emigranten
  3. [3]Encyclopedia of Latin American History and Culture, Ramos y Magaña, Samuel · Webseite
  4. [4]encyclopedia.com/arts/educational-magazines/ramos-samuel-1897-1959 · Webseite
  5. [5]Secretaría de Cultura (Mexiko), Samuel Ramos · Webseite
  6. [6]Samuel Ramos · Wikipedia
  7. [7](spanisch), Samuel Ramos, Abschnitt Trabajo · Wikipedia
  8. [8]cambridge.org/core/journals/latin-american-research-review/article/samuel-ramos-on-the-philosophy-of-mexican-culture-ortega-and-unamuno-in-mexico/71265ED70464321D03CD0D1A85E9251B · Webseite

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