Landkarte der Philosophie

Max Scheler

1874–1928 · München, Jena, Köln, Frankfurt

Strömung
Phänomenologie und Existenzialismus
Kants Fragen
Was soll ich tun? · Was ist der Mensch? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Deutscher Philosoph der Phänomenologie, der zeigt, dass wir Werte nicht errechnen, sondern fühlend erfassen, und der mit einer eigenen Lehre von Person, Liebe und Mitgefühl den Weg in die philosophische Anthropologie öffnet.

Scheler führt die Phänomenologie in Richtung Ethik und Anthropologie und bleibt dabei Husserl verpflichtet, ohne sich ihm zu unterwerfen. Nietzsche prägte sein frühes Denken, und Heidegger würdigte ihn nach dem Tod, kritisierte aber seine Anthropologie.

Kernidee

Scheler sagt, dass Werte wie das Angenehme, das Nützliche oder das Heilige wirklich da sind und in einer Rangordnung stehen. Wir erfassen sie nicht durch Rechnen oder durch ein bloßes Sollen wie bei Kant, sondern fühlend, im Erleben. Die Person ist für ihn das geistige Zentrum des Menschen und zeigt sich nur im Vollzug ihrer Handlungen.

Bekannt für

Man kennt Scheler für die materiale Wertethik und für Die Stellung des Menschen im Kosmos, ein frühes Hauptwerk der philosophischen Anthropologie. Ebenso bekannt ist sein bewegtes Leben mit mehreren Ehen, dem Verlust der Münchner Lehrbefugnis 1910 und dem Eintritt in die katholische Kirche 1916.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Materiale Wertethik

Scheler stellt der formalen Ethik Kants eine Ethik gegenüber, die auf Werten als eigenständigen, objektiven Gegenständen beruht. Diese Werte sind nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy rangmäßig geordnet, vom Angenehmen und Nützlichen bis zum Heiligen. Wenn eine Führungskraft spürt, dass ein günstiges Angebot ihrem Anspruch an Verlässlichkeit widerspricht, wägt sie solche Wertränge ab.

Wertfühlen und Liebe

Werte erfasst der Mensch nach Scheler durch fühlende Anschauung, nicht durch Berechnung. Liebe und Hass sind für ihn die zwei Grundakte, auf denen alles Wertfühlen beruht, und in der Liebe vertieft sich der Wert eines Gegenstands. Wer einen Mitarbeiter nur als Kostenstelle sieht, nimmt dessen Wert gar nicht wahr, und erst wohlwollende Zuwendung zeigt, was in ihm steckt.

Person und Weltoffenheit

Die Person ist laut Scheler das geistige Zentrum des Menschen und kann nicht Gegenstand von Erkenntnis werden, sondern existiert nur im freien Vollzug ihrer Akte. In seiner philosophischen Anthropologie ist der Mensch zugleich Lebewesen und Träger des Geistes, der ihn über die Natur hinaushebt und weltoffen macht. Bei einer Beförderung bedeutet das, nicht nur die Leistungskennzahlen zu bewerten, sondern die ganze Person wahrzunehmen.

Begriffe

materiale Wertethik
Wertfühlen
Person
Sympathie
Liebe
Weltoffenheit
philosophische Anthropologie

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • Wilhelm Dilthey und Georg Simmel: Studium in Berlin ab 1895 (SEP)
  • Rudolf Eucken: Studium in Jena, dort Dissertation und Habilitation (SEP)

Freunde

  • Theodor Lipps: gründete mit ihm in München 1906 einen Kreis der Münchner Phänomenologen (SEP)

Gegner

  • Kants formale Ethik: Scheler kritisierte sie mit seiner materialen Wertethik
  • Martin Heidegger: kritisierte nach Wikipedia de Schelers Anthropologie als Addition von Lebewesen plus Vernunft

Verbindungen im Netz

5 Verbindungen, davon 5 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Edmund Husserlungeprüft

    Scheler gehörte zu Husserls Göttinger Bekanntenkreis und wurde nach Wikipedia de maßgeblich von ihm beeinflusst.

  • baut auf Friedrich Nietzscheungeprüft

    Nietzsche beeinflusste Scheler laut SEP und Wikipedia de stark, besonders in der frühen Zeit.

Kritik

Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.

  • wird kritisiert von Martin Heideggerungeprüft

    Heidegger würdigte Scheler im Nachruf, kritisierte aber dessen Anthropologie als Additionsmodell (Wikipedia de).

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Edmund Husserlungeprüft

    Scheler gehörte zu Husserls Göttinger Bekanntenkreis und wurde nach Wikipedia de maßgeblich von ihm beeinflusst.

  • persönlich verbunden mit Nikolai Berdjajewungeprüft

    Im Berliner Exil getroffen, laut Wikipedia (de) entstand eine lebenslange Verbindung mit Scheler, Spengler und Tillich.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Ein Prozess über die Würde eines Hochschullehrers, in den ihn seine Ehefrau verwickelte, führte 1910 zum Verlust der Münchner Dozentur. Nach der SEP arbeitete Scheler danach bis 1919 als freier Autor und Redner.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Scheler begrüßte den Ersten Weltkrieg zunächst und deutete ihn in Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg (1915) als Aufruf zur geistigen Wiedergeburt. Die SEP berichtet, dass er für die staatliche Propaganda arbeitete und deutsche Aggression verteidigte, später aber seine Verwirrung einräumte und den Faschismus kritisierte.[2]

  • Abhängigkeit Deutung

    1916 trat Scheler in die katholische Kirche ein und schrieb für die Zeitschrift Hochland. Zwischen 1919 und 1922 distanzierte er sich vom Katholizismus. Ob die kirchliche Nähe seine Philosophie der Person und der Liebe färbte, bleibt Deutung.[2]

Kritik

Heidegger würdigte Scheler in einem Nachruf, kritisierte aber dessen Anthropologie als bloßes Additionsmodell. Husserl gegenüber setzte Scheler die Liebe als Grund des Erkennens, was die SEP als Gegenposition zu Husserls Ansatz beschreibt.

Wirkung heute

Schelers Wertethik und seine Gedanken zu Mitgefühl und Person wirken in Ethik, Pflegewissenschaft und Anthropologie nach. Die Frage, wie weit Werte gefühlt und nicht nur berechnet werden, bleibt in Führung und Organisationsethik aktuell.

Brücke zu Führung und Coaching

Schelers Idee, dass Werte gefühlt werden, hilft dir, Bauchgefühle in Entscheidungen ernst zu nehmen. Frage dich vor der nächsten Personalentscheidung: Welcher Wert fühlt sich in mir gerade verletzt, auch wenn die Zahlen zustimmen? Und welcher Wert aus der Rangordnung meines Teams steht heute über dem anderen?

Lebensstationen

  1. 1874Geboren am 22. August in München
  2. 1901Begegnung mit Husserl, 1902 Lektüre der Logischen Untersuchungen
  3. 1910Verlust der Lehrbefugnis in München
  4. 1916Eintritt in die katholische Kirche
  5. 1919Wechsel an das Kölner Forschungsinstitut
  6. 1928Tod am 19. Mai in Frankfurt am Main

Werke

Zur Phänomenologie und Theorie der Sympathiegefühle und von Liebe und Hass (1913)

Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik (1913–1916)

Der Genius des Krieges und der Deutsche Krieg (1915)

Vom Ewigen im Menschen (1921)

Die Stellung des Menschen im Kosmos (1928)

Anekdote belegt

1910 verlor Scheler seine Münchner Dozentur nach einem Prozess über die Würde eines Hochschullehrers, in den ihn seine Frau verwickelt hatte. Danach lebte er als freier Autor und Redner.[1]

Lesetipps

Einstieg
Die Stellung des Menschen im Kosmos (1928), eine kurze Einführung in die philosophische Anthropologie.
Vertiefung
Der Eintrag zu Max Scheler in der Stanford Encyclopedia of Philosophy dient als Einführung. Ein Buchtitel wurde nicht bestätigt.

Noch nicht sicher belegt

  • Kein Zitat aufgenommen. Herkunftsangabe der SEP-Zusammenfassung (jüdische Familie) nicht übernommen, da nicht geprüft. Von der SEP-Seite fehlen die letzten rund 1.400 Zeichen. Geburtsort München, Aufnahme in die katholische Kirche zu Ostern 1916 im Kloster Beuron, Verlust der Münchner Dozentur 1910 und das Erscheinungsjahr 1928 von Die Stellung des Menschen im Kosmos stehen nur in Wikipedia de. Die SEP sagt nur, dass Scheler von 1910 bis 1919 als Privatgelehrter lebte, und erwähnt keine Konversion. Wikipedia de nennt zu 1910 eine Münchner Affäre, die SEP einen Zusammenhang mit der Trennung und angeblichen Affären mit Studentinnen. Ressentiment kommt in beiden abgerufenen Quellen nicht vor und wurde nicht aufgenommen. Die SEP belegt Dilthey, Simmel und Eucken als Lehrer und mindestens drei Ehen. Als Wertstufen nennt sie das Angenehme, das Nützliche, das Vitale, das Kulturelle und das Heilige. Der Begriff Edles wurde deshalb aus der Kernaussage entfernt. Lesetipp Sekundärliteratur nicht bestätigt.

Herkunft der Daten: Existenzialismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Scheler

  1. [1]Wikipedia de: Max Scheler – https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Scheler und Stanford Encyclopedia of Philosophy: Max Scheler · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy: Max Scheler – https://plato.stanford.edu/entries/scheler/ und Wikipedia de: Max Scheler · Wikipedia

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