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Landkarte der Philosophie

T. M. Scanlon

Philosoph · geboren 1940 · Princeton, Cambridge (Massachusetts)

Kernidee in Kürze

Scanlon fragt, was wir einander schulden. Eine Handlung ist nach ihm falsch, wenn Regeln, die sie erlauben, von jemandem vernünftigerweise zurückgewiesen werden könnten.

Kapitel
Gegenwart (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Was bedeutet es, dass wir einander etwas schulden?

Position
Scanlon meint, dass Moral darin besteht, so zu handeln, dass wir es jedem anderen gegenüber mit Gründen rechtfertigen können, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.
Einwand
Parfit behauptet, Scanlons Lehre falle in ihrer besten Fassung mit anderen Theorien zusammen. Scanlon grenzt sich in einem Aufsatz von Kant ab.
Verbindung
Scanlon knüpft an Rawls, Kant und Rousseau an und setzt sich vom Utilitarismus ab. Gauthier steht für die eigennützige Richtung der Vertragstheorie.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Scanlon war

Amerikanischer Philosoph, der in „What We Owe to Each Other“ eine Vertragstheorie der Moral entwickelt hat: Moralisch richtig ist, was sich Menschen gegenseitig mit Gründen rechtfertigen können, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann.

Scanlon wurde zuerst als Logiker ausgebildet und wandte sich dann der Ethik zu. Seine Lehre steht in der Tradition von Rawls, Kant und Rousseau und versteht Moral als gegenseitige Rechtfertigung. Zu seiner Fassung dieses Kontraktualismus gibt es nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy bereits eine riesige Literatur.

Kernidee genauer

Moral bedeutet für ihn deshalb, so zu handeln, dass man es allen anderen gegenüber rechtfertigen kann. Dahinter steht der Wert einer Beziehung gegenseitiger Anerkennung zwischen Menschen, die Gründe abwägen können.

Biografischer Moment

Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.

Scanlon begann als Logiker und schrieb seine Doktorarbeit über Beweistheorie. Nach Wikipedia wandte er sich erst später der Ethik und politischen Philosophie zu.[2]

Bekannt für

Man kennt Scanlon für „What We Owe to Each Other“ und den Gedanken, dass moralisches Denken heißt, das eigene Handeln so zu betrachten, dass es sich vor anderen rechtfertigen lässt. Ein Alltagsbeispiel: Du triffst eine Entscheidung im Team und fragst, ob sie jeder Betroffene mit guten Gründen akzeptieren könnte.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Was wir einander schulden

Nach der Verlagsbeschreibung der Harvard University Press heißt für Scanlon, über richtig und falsch nachzudenken, das eigene Tun so zu betrachten, dass es sich vor anderen rechtfertigen lässt und sie es nicht vernünftigerweise zurückweisen könnten. Die besondere Autorität moralischer Urteile ergibt sich daraus, dass es wertvoll ist, auf diese Weise mit anderen verbunden zu sein.

Vernünftige Zurückweisung

Entscheidend sind die Gründe einzelner Menschen, nicht die Summe von Vor- und Nachteilen.

Anders als Utilitarismus und Rawls

Nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy rechnet der Kontraktualismus Belastungen verschiedener Personen nicht gegeneinander auf, wie es der Utilitarismus tut. Anders als bei Rawls gibt es keinen Schleier des Nichtwissens, und es geht um moralische Prinzipien, nicht um den Rahmen einer liberalen Gesellschaft. Deshalb kann der gewichtige Einwand einer einzelnen Person in der Regel nicht durch viele kleinere Einwände anderer aufgewogen werden; die Quelle bespricht dazu auch einige Ausnahmen.

Begriffe

Kontraktualismus
Rechtfertigung vor anderen
vernünftige Zurückweisung
gegenseitige Anerkennung
was wir einander schulden

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

5 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Derek ParfitPrüfstand: belegt

    Parfit behandelt in „On What Matters“ Scanlons Kontraktualismus und schlägt vor, zwei von Scanlons Einschränkungen für zulässige Einwände aufzugeben. Scanlon antwortet im zweiten Band desselben Werks mit dem Aufsatz „How I am not a Kantian“.

Übernimmt Gedanken von

Scanlon übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Immanuel KantPrüfstand: belegt

    Scanlons Vertragstheorie hat nach der Stanford Encyclopedia of Philosophy kantische Züge, denn sie sucht eine freie Übereinkunft, die Freiheit und Gleichheit zum Ausdruck bringt. Scanlon grenzt sich zugleich in einem Aufsatz („How I am not a Kantian“) von Kant ab.

  • John RawlsPrüfstand: belegt

    Scanlon entwickelte seine Vertragstheorie in der Linie von Rawls, unterscheidet sich aber von ihm: Er sucht Prinzipien, die niemand vernünftigerweise zurückweisen kann, und verwendet keinen Schleier des Nichtwissens.

  • Jean-Jacques RousseauPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Nach der englischen und der deutschen Wikipedia steht Scanlons Kontraktualismus in der Linie von Rawls, Kant und Rousseau, und die Stanford Encyclopedia of Philosophy sieht die Wurzeln des Kontraktualismus allgemein bei Rousseau. Welchen Gedanken Scanlon selbst von Rousseau übernahm, nennen die Quellen nicht.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • David GauthierPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Gauthier und Scanlon begründen beide moralische Regeln über eine Art Vertrag, aber Gauthier geht von Eigennutz aus und Scanlon von Gründen, die Menschen einander schulden. Ein Einfluss wird in der Quelle nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Scanlon wuchs in Indianapolis auf, studierte in Princeton und promovierte 1968 in Harvard bei Burton Dreben. Dazwischen studierte er ein Jahr in Oxford mit einem Fulbright-Stipendium. Seine Doktorarbeit und seine ersten Aufsätze schrieb er zur mathematischen Logik. Danach wandte er sich der Moral- und Politikphilosophie zu.[4]

  • Biografie belegt

    Scanlon lehrte von 1966 an in Princeton und ab 1984 in Harvard, wo er 2016 emeritiert wurde. Er ist beratender Herausgeber der Zeitschrift „Philosophy and Public Affairs“ und hielt die Tanner Lectures on Human Values.[6]

Kritik

Die Stanford Encyclopedia of Philosophy bespricht eine Reihe von Einwänden gegen den Kontraktualismus. Scanlon steuerte zum selben Werk den Aufsatz „How I am not a Kantian“ bei.

Wirkung heute

Sein Buch wird in der amerikanischen Fernsehserie „The Good Place“ mehrfach erwähnt.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Bevor Du eine Regel im Team einführst, kannst Du mit Scanlon fragen, ob jemand sie mit guten Gründen zurückweisen könnte, und diese Person früh anhören. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Scanlons über Führung.

Lebensstationen

  1. 1940Geburt (28. Juni), aufgewachsen in Indianapolis
  2. 1962Abschluss in Princeton
  3. 1966Beginn der Lehre in Princeton
  4. 1968Promotion in Harvard bei Burton Dreben
  5. 1984Wechsel an die Harvard University
  6. 1998„What We Owe to Each Other“ erscheint
  7. 2008„Moral Dimensions“ erscheint

Werke

What We Owe to Each Other (1998); Moral Dimensions (2008); Being Realistic about Reasons (2014)

Lesetipps

Einstieg
T. M. Scanlon, What We Owe to Each Other (Harvard University Press, 1998); die Einleitung und das erste Kapitel
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Contractualism“

Noch nicht sicher belegt

  • Eine deutsche Ausgabe von „What We Owe to Each Other“ war in den Quellen nicht zu finden. Dass Scanlon in Indianapolis geboren wurde, berichtet nur eine Quelle; eine andere sagt nur, dass er dort aufwuchs. Dass er bei Burton Dreben promovierte, steht bisher nur in der englischen und der deutschen Wikipedia; die Seite der Harvard University über ihn nennt den Betreuer nicht. Ob Rousseau Scanlons Denken in einem bestimmten Punkt geprägt hat, sagt keine der Quellen genauer.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 2: Ethik und Care-Ethik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Scanlon

  1. [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Harvard University, Department of Philosophy · Wikipedia
  3. [3]Tim Scanlon · Wikipedia
  4. [4]Harvard University, Department of Philosophy, Profil von Thomas M. Scanlon; Wikipedia (en), T. M. Scanlon · Webseite
  5. [5]hup.harvard.edu/books/9780674004238 · Webseite
  6. [6]Harvard University, Safra Center for Ethics, Profil von Thomas M. Scanlon; Wikipedia (en) · Webseite
  7. [7]books.google.com/books/about/What_We_Owe_to_Each_Other.html · Buch

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