Landkarte der Philosophie · Wie frei bin ich?

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Was du jetzt unterscheiden kannst

  • Ob dir nur nichts von außen im Weg steht oder ob du auch selbst bestimmst, was dich antreibt. Für Hobbes reicht das Erste schon: Frei ist, wer tun kann, was er will.
  • Ob dich ein Wunsch bewegt, von dem du willst, dass er dich bewegt, oder einer, den du lieber los wärst. So fragt Frankfurt mit seinen Wünschen zweiter Stufe. Kant fragt anders, nämlich ob du einer Neigung folgst oder einem Gesetz, das du dir als vernünftiges Wesen selbst gibst.
  • Ob du die Ursachen dessen verstehst, was dir wichtig ist, oder ihnen folgst, ohne sie zu kennen. Das ist Spinozas Frage. Beauvoir fragt, ob du die Werte, die dir als selbstverständlich mitgegeben wurden, als Erwachsener geprüft und zu deinen gemacht hast.
  • Ob eine Regel deine Freiheit nur einschränkt oder sie auch schützt. Locke sieht im Gesetz, das für alle gilt, einen Schutz vor fremder Willkür, Mill erlaubt Zwang nur dort, wo anderen ein Schaden droht.
  • Dass „frei“ drei verschiedene Fragen meinen kann. Politische Freiheit betrifft, was Staat und Gesellschaft dir erlauben oder verbieten dürfen. Selbstbestimmung betrifft, ob du selbst dein Handeln lenkst, und Willensfreiheit, ob dein Wollen frei sein kann, wenn es Ursachen hat, die du nicht in der Hand hast.
  • Auf welche zwei Weisen man von Verantwortung sprechen kann: über die Reaktionen, mit denen wir einander für unser Handeln verantwortlich halten, wie Strawson, oder über deine eigene Antwort auf deine Lage, wie Sartre.

Was offen bleibt

Offen bleibt, wie viel Freiheit es braucht, damit man dich für dein Ja verantwortlich halten darf. Wenn deine Wünsche und Maßstäbe Ursachen haben, die du nicht gewählt hast, halten dich manche Positionen auf diesem Weg trotzdem für frei genug, weil dich niemand gehindert hat oder weil du zu deinen Wünschen Stellung nehmen kannst. Andere Philosophinnen und Philosophen verlangen mehr, etwa dass du auch anders hättest handeln können. Keine dieser Antworten hat die Frage für alle entschieden, und jede sieht etwas, das die anderen leicht übersehen.

Noch einmal die Situation vom Anfang

Du möchtest einen freien Abend. Dann bittet dich jemand um Hilfe. Du sagst Ja, obwohl du Nein sagen wolltest. War das deine freie Entscheidung?

Denk noch einmal an dein Ja an jenem Abend. Mit Hobbes kannst du sagen, dass es frei war, weil dich niemand gehindert hat. Mit Frankfurt kannst du fragen, ob du den Wunsch, niemanden zu enttäuschen, auch haben willst, und mit Kant, ob du aus Neigung zugesagt hast oder aus einem Grund, der für jeden gelten könnte. Spinoza und Beauvoir lassen dich fragen, woher dein Maßstab kommt, anderen immer zu helfen, und ob du ihn je geprüft hast. Und wenn du am nächsten Tag sagst „Ich konnte nicht anders“, kannst du mit Strawson fragen, ob andere das als Entschuldigung gelten lassen sollten, und mit Sartre, ob es eine Ausrede ist, hinter der deine eigene Antwort verschwindet. Was würdest du heute über dein Ja sagen?

Wie es weitergehen kann

  • Was ist gerecht?

    Locke und Mill haben hier gefragt, wann Regeln deine Freiheit schützen. Im Weg „Was ist gerecht?“ kommen beide wieder vor, dort mit der Frage, wie ein Team aufteilt, was es gemeinsam erarbeitet hat.

  • Wer bin ich eigentlich?

    Frankfurt fragt nach Wünschen, die du selbst haben willst, Beauvoir nach Maßstäben, die du nie geprüft hast. Im Weg „Wer bin ich eigentlich?“ geht es um das Ich, das sich etwas zu eigen macht oder etwas aus sich macht.

  • Was macht ein gutes Leben aus?

    Am Ende dieses Wegs stand die Frage, wofür du verantwortlich bist, wenn vieles nicht in deiner Hand liegt. Im Weg „Was macht ein gutes Leben aus?“ antwortet Epiktet darauf mit der Unterscheidung, was bei dir liegt und was nicht.

Zum Vertiefen