Simone de Beauvoir
1908–1986 · Paris
- Strömung
- Phänomenologie und Existenzialismus
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was soll ich tun? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Philosophin, Schriftstellerin und Lebensgefährtin Sartres, die die Existenzphilosophie mit einer Ethik der Zweideutigkeit und dem Blick auf die Situation der Frau erweiterte.
Beauvoir ist die engste Gesprächspartnerin Sartres und zugleich eine eigenständige Denkerin, deren Tagebücher laut SEP oft Gedanken zeigen, die vor oder gegen Sartre entstanden. Merleau-Ponty gehörte zu ihrem Kreis in Les Temps Modernes, und seine Phänomenologie prägte Das andere Geschlecht mit.
Kernidee
Beauvoir sagt: Freiheit gibt es nur in einer konkreten Lage, die dich begrenzt, aber nicht ganz bestimmt. Wer frei sein will, muss deshalb auch die Bedingungen der Freiheit anderer mitverantworten. In Das andere Geschlecht zeigt sie, wie Frauen in der Geschichte zum Anderen gemacht wurden und wie eine Rolle gesellschaftlich entsteht.
Bekannt für
Man kennt Beauvoir für Das andere Geschlecht von 1949, ein Meilenstein der feministischen Literatur. Außerdem für ihre lebenslange, offene Beziehung zu Sartre und den Prix Goncourt 1954.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Ethik der Ambiguität
In ihrer Ethik von 1947 lehnt Beauvoir absolute Systeme ab, die Gott oder die Menschheit als letzte Begründung setzen. Stattdessen verlangt sie Verantwortung für die Bedingungen der Freiheit, auch der anderen. Als Führungskraft wirst du dadurch fragen, ob deine Entscheidung den Spielraum deiner Mitarbeiter erweitert oder verengt.
Situation
Freiheit ist für Beauvoir an die konkrete Lage gebunden. Die Situation begrenzt dich, bestimmt dich aber nicht vollständig. Wer in einer Firma mit starren Hierarchien arbeitet, hat andere Spielräume als jemand in einem flachen Team, und beide bleiben dennoch verantwortlich für das, was sie daraus machen.
Das andere Geschlecht
Beauvoir zeigt, dass die Frau in der Geschichte als das Andere zum Mann definiert wurde. Ihre bekannteste Aussage lautet sinngemäß, man werde nicht als Frau geboren, man werde es (laut dewiki). Im Betrieb erkennst du das, wenn Erwartungen an eine Führungskraft je nach Geschlecht anders ausfallen.
Begriffe
- Ethik der Ambiguität
- Situation
- das Andere
- Freiheit
- Frau werden
- Existenzphilosophie
- : Denkrichtung, nach der der Mensch zuerst da ist und sich erst durch sein Handeln zu dem macht, was er ist
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Freunde
- Jean-Paul Sartre: lebenslange enge Verbindung und offene Beziehung
- Maurice Merleau-Ponty: gehörte zu ihrem Kreis und zur Redaktion der Temps Modernes
Verbindungen im Netz
9 Verbindungen, davon 7 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Georg Wilhelm Friedrich Hegelungeprüft
Ihr Begriff des Anderen ist laut SEP stark von Hegel geprägt
Grundlage für Judith ButlerDeutung
In „Performative Acts and Gender Constitution“ (1988) stützt sie sich auf Beauvoirs Das andere Geschlecht.
baut auf Maurice Merleau-Pontyungeprüft
Merleau-Ponty gehörte zur Redaktion der Temps Modernes, seine Phänomenologie prägte Das andere Geschlecht.
baut auf Søren Kierkegaardungeprüft
Die Beschäftigung mit Kierkegaard führte sie laut SEP zu einer existentialistischen Ethik der Freiheit
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Emmanuel Levinasungeprüft
Beauvoir kritisierte in den 1950er Jahren Levinas' Bild des Subjekts als notwendig männlich (Wikipedia en).
wird kritisiert von Julia KristevaDeutung
In „Women's Time“ lehnt sie Beauvoirs Form des Feminismus ab.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Jean-Paul Sartreungeprüft
Lebenslang eng verbunden, offene Beziehung, Pakt von 1929, gemeinsame Zeitschrift Les Temps Modernes.
persönlich verbunden mit Maurice Merleau-Pontyungeprüft
Merleau-Ponty gehörte zur Redaktion der Temps Modernes, seine Phänomenologie prägte Das andere Geschlecht.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit Karl Marxungeprüft
Sie hätte laut SEP rückblickend eine marxistischere Fassung des Anderen entwickelt
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Ihr Pakt mit Sartre sah laut SEP wesentliche und zufällige Lieben vor. Kate Kirkpatrick beschreibt mindestens eine sexuelle Beziehung zu einer minderjährigen Schülerin, und Bianca Lamblin erhob solche Vorwürfe, was sachlich die Glaubwürdigkeit ihrer Ethik berührt.[2]
Zeitgeschehen Deutung
Die deutsche Besatzung ab 1940 und ihre Entlassung aus dem Schuldienst prägten laut SEP ihr Denken in Richtung Ethik und Freiheit in Umständen. Das Jahr der Entlassung ist in den abgerufenen Quellen widersprüchlich (1941 oder 1943).[1]
Zeitgeschehen belegt
Beauvoir und Sartre lehnten den Algerienkrieg von Beginn an ab, Les Temps Modernes wurde zweimal beschlagnahmt. 1977 unterschrieb sie einen Appell zur Entkriminalisierung der Pädophilie, was posthum scharf kritisiert wird.[2]
Kritik
Zu Lebzeiten wurde sie von Konservativen, Linken und Feministinnen kritisiert, etwa wegen ihrer Darstellung von Körper und Mutterschaft. Die erste englische Übersetzung von Das andere Geschlecht ließ laut SEP etwa fünfzehn Prozent des Originals weg und verzerrte Begriffe. Lange galt sie als Sartres Schülerin, erst die Forschung nach ihrem Tod sicherte ihr den Platz als eigenständige Philosophin.
Wirkung heute
Ihr Gedanke, dass Rollen gesellschaftlich entstehen, ist Grundlage von Gender Studies und Diversity-Debatten. Die Ethik der Ambiguität bleibt wichtig, weil sie ohne einfache Rezepte auskommt.
Brücke zu Führung und Coaching
Wenn du ein Team führst, frag dich bei jeder Rollenerwartung, wer sie gesetzt hat und für wen sie gilt. Beauvoirs Blick auf die Situation hilft dir, Leistung und Rahmenbedingungen zu trennen. Frage dich: Welche Rolle erwarte ich von meinen Leuten, die ich selbst nie hinterfragt habe?
Zitate
„On ne naît pas femme: on le devient. (Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.)“
Lebensstationen
- 1908Geboren in Paris
- 1943Sie kam und blieb erscheint, Entlassung aus dem Schuldienst (laut dewiki; SEP nennt 1941)
- 1947Ethik der Ambiguität
- 1949Das andere Geschlecht
- 1954Prix Goncourt für Die Mandarins von Paris
- 1986Tod in Paris, Grab neben Sartre auf dem Cimetière du Montparnasse
Werke
- Das andere Geschlecht (1949)
- Für eine Moral der Doppelsinnigkeit (1947)
Sie kam und blieb (L'Invitée, 1943)
Pyrrhus und Cineas (1944)
Das Blut der anderen (1945)
Für eine Moral der Doppelsinnigkeit (Ethik der Ambiguität, 1947)
Das andere Geschlecht (1949)
Die Mandarins von Paris (1954, Prix Goncourt)
Memoiren (1958–1972)
Das Alter (1970)
Die Zeremonie des Abschieds (1981)
Anekdote überliefert
Beauvoir lehnte laut SEP 1931 Sartres Heiratsantrag ab. Beide schlossen stattdessen ein auf zwei Jahre angelegtes Verhältnis, in dem ihre Beziehung notwendig sein sollte und weitere zufällige Beziehungen erlaubt waren.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht (1949), das Hauptwerk; deutsche Ausgabe bei Rowohlt (Jahr der Erstausgabe nicht geprüft)
- Vertiefung
- Kate Kirkpatrick: Becoming Beauvoir. A Life (Bloomsbury, 2019), Biografie (englisch)
Noch nicht sicher belegt
- Entlassung aus dem Schuldienst: dewiki und SEP-Zusammenfassung nennen 1943 bzw. 1941. Die Zuordnung zu den Vorwürfen von Lamblin ist in den Quellen nicht verknüpft. Das berühmte Zitat Man wird nicht als Frau geboren wurde nicht aufgenommen, da keine Fundstelle im Werk belegt ist. Das Datum des Paktes (1929 laut SEP) vs. dewiki (Pachtverhältnis, kein Datum). Kirkpatricks Bezug stammt aus dewiki. Das Erscheinungsjahr der deutschen Erstausgabe von Das andere Geschlecht nicht ermittelt. Die Kante zu Merleau-Ponty stützt sich auf dewiki, nicht auf SEP.
- Gerüst: Der Titel des Werks von 1947 („Pour une morale de l'ambiguïté“, deutsch „Für eine Moral der Doppelsinnigkeit“) und das Jahr stammen nicht aus den abgerufenen Seiten, bitte gegenprüfen.
Wege durchs Netz
Beauvoir: Freiheit gibt es nur in einer konkreten Lage, und wer frei sein will, trägt auch die Freiheit der anderen mit.
Herkunft der Daten: Gerüst der Landkarte (Version 6), Existenzialismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Beauvoir
- [1]SEP · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia · Wikipedia
- [3]bloomsbury.com/us/becoming-beauvoir-9781350047174 · Webseite
- [4]theguardian.com/books/2019/aug/24/becoming-beabuvoir-by-kate-kirkpatrick · Webseite