Landkarte der Philosophie · Was ist gerecht?
Station 4 von 5
Gehört dir, was du dir verdient hast?
Ihr habt euch auf eine Regel geeinigt, und der Bonus ist danach ausgezahlt. Nun verlangt die Geschäftsführung, dass alle einen Teil davon in einen gemeinsamen Topf geben, aus dem der Kollege mit den zwei kleinen Kindern und die Kollegin, die krank war, etwas bekommen. Die Kollegin, die am meisten gearbeitet hat, ärgert sich: Das Geld habe sie sich erarbeitet, es gehöre ihr, und niemand dürfe es ihr einfach wegnehmen. Wenn sie freiwillig etwas abgeben dürfte, würde sie das gern tun.
Selbst nachdenken
Gehört ihr das Geld wirklich, nur weil sie es erarbeitet hat? Und macht es für dich einen Unterschied, ob sie etwas abgibt, weil sie es will, oder weil sie es muss?
Freiwillig. Du kannst direkt weiterlesen.
Zuletzt ging es um Regeln, die du wählst, ohne zu wissen, wer du bist, und damit um die Frage, wie eine Gesellschaft ihre Güter fair verteilt. Die Kollegin bestreitet schon, dass es hier etwas zu verteilen gibt: Der Bonus liege nicht als Vorrat bereit, sondern sei durch Arbeit entstanden und gehöre deshalb zunächst ihr. Schwierig wird es bei der Frage, woher ein solches Recht auf etwas kommt, und ob es auch dann gilt, wenn andere in Not sind. Die Antworten dieser Station setzen an einer anderen Stelle an als Rawls und lösen seine Antwort nicht ab.
Wer an dieser Station antwortet und wie die Antworten zusammenhängen. Hervorgehoben sind die Personen dieser Station.
Als Text
- Station 4 von 5: Gehört dir, was du dir verdient hast?
- Personen an dieser Station: John Locke.
Eine Antwort von Robert Nozick · Historische Information
Gerecht ist, was auf gerechtem Weg erworben und freiwillig übertragen wurde
Einfach gesagt
Robert Nozick fragt bei einer Verteilung nicht, ob sie ein bestimmtes Muster hat, etwa gleich oder nach Leistung, sondern wie sie entstanden ist. Gerecht ist sie, wenn jeder seinen Besitz auf gerechtem Weg erworben oder freiwillig von jemandem bekommen hat, dem es rechtmäßig gehörte. Wer sich daran gehalten hat, hat nach Nozick einen Anspruch auf seinen Besitz, auch wenn dadurch große Unterschiede entstehen.[1][4][2][3][8]
Wie das begründet wird
Nozick stützt sich auf Kants Grundsatz, dass Menschen nie nur als Mittel für fremde Zwecke benutzt werden dürfen, und beschreibt jeden Menschen als Eigentümer seiner selbst, der über seinen Körper, seine Fähigkeiten und seine Arbeit bestimmen darf. Muss jemand einen Teil seiner Arbeit für andere leisten, gehört dieser Teil gewissermaßen den anderen, und deshalb vergleicht Nozick Steuern, mit denen der Staat Geld von einigen nimmt und anderen gibt (Umverteilung), mit Zwangsarbeit. Außerdem hält er das Wort „Verteilung“ für irreführend, weil keine Stelle einen vorhandenen Vorrat verteilt: Besitz entsteht erst durch die Arbeit und die Geschäfte unzähliger einzelner Menschen.[1][2][7]
Ein Beispiel
Nozick selbst bringt dieses Beispiel: Stell dir eine Gesellschaft vor, in der alles genau so verteilt ist, wie du es für gerecht hältst, zum Beispiel gleich. Der Basketballspieler Wilt Chamberlain spielt nur, wenn jeder Zuschauer 25 Cent für ihn in eine eigene Kasse am Eingang legt, und im Lauf einer Saison zahlen eine Million Fans das freiwillig. Nun besitzt er 250.000 Dollar, weit mehr als alle anderen. Nozick meint: Vorher war alles gerecht, und niemand wurde gezwungen, also ist auch das Ergebnis gerecht.[1][7][3]
Ein Beispiel aus dem Werk selbst.
Was diese Antwort gut erklärt
Die Theorie nimmt ernst, dass Menschen nicht bloß Teile eines Gesamtplans sind: Was du mit deiner Arbeit und freiwilligen Verträgen aufgebaut hast, soll nicht einfach für die guten Zwecke anderer eingezogen werden dürfen. Sie erklärt auch, warum wir erzwungene Hilfe anders beurteilen als freiwillige, und warum eine gleiche Verteilung nicht gleich bleibt, sobald Menschen frei handeln dürfen.[1][2]
Genauer betrachtet: Anspruchstheorie: historisch, aber ohne Muster
Nozicks Anspruchstheorie hat drei Teile: Gerechtigkeit beim ersten Aneignen von Dingen, die noch niemandem gehören, Gerechtigkeit bei der Übertragung, die freiwillig sein muss, und die Berichtigung von früherem Unrecht. Andere Theorien fragen nur, wie die Verteilung am Ende aussieht, etwa ob sie gleich ist, oder sie verlangen, dass die Verteilung einem Muster folgt, etwa nach Leistung oder Verdienst. Nozicks Theorie ist dagegen historisch, weil es auf den Weg ankommt, aber ohne Muster, weil das Ergebnis beliebig ungleich sein darf. Das Chamberlain-Beispiel soll zeigen, dass freie Entscheidungen jedes Muster stören und dass ein Muster nur durch dauernde Eingriffe in freiwillige Geschäfte zu halten wäre.[1][4][2][3][8]
Häufiges Missverständnis
Nozick behauptet nicht, dass die Kollegin den Bonus verdient, weil sie am meisten gearbeitet hat. Ihr Anspruch hängt allein davon ab, wie sie dazu gekommen ist, und ein vom Glück begünstigter Fauler kann nach seiner Theorie ebenso Anspruch auf seinen Besitz haben. Dein Bonus-Beispiel kommt an eine Grenze, weil es nach Nozick darauf ankäme, was die Firma beim Bonus freiwillig zugesagt hat, etwa ob sie sich den gemeinsamen Topf von Anfang an vorbehalten hat, und das erfährst du in der Geschichte nicht.[1][4]
Wo diese Antwort an ihre Grenze kommt
Ein Einwand, der in der Forschung diskutiert wird
Die Theorie setzt starke Rechte jedes Menschen über sich selbst und seine Arbeit voraus, begründet sie aber kaum. Nozick räumt selbst ein, dass sein Buch keine genaue Theorie darüber enthält, worauf solche Rechte moralisch beruhen. Wer diese Rechte nicht schon annimmt, findet in der Theorie wenig, was ihn überzeugen könnte.[4][2]
Eine mögliche Antwort darauf: Verteidiger der Idee des Selbsteigentums halten dagegen, dass sie viel erklärt, etwa warum Sklaverei falsch ist, ein freiwilliger Arbeitsvertrag aber nicht, und warum dieselbe Handlung mit Einwilligung erlaubt und ohne sie verboten sein kann.
Einwand von G. A. Cohen
Es ist unklar, warum die Ersten, die etwas an sich nehmen, andere davon ausschließen dürfen, sodass Spätere nur noch für Lohn bei ihnen arbeiten können. Nozick verlangt zwar, dass niemand durch die Aneignung schlechter gestellt wird, doch der Philosoph G. A. Cohen hält diese Bedingung für zu schwach. Sie ließe zu, dass jemand einen Strand an sich nimmt und Eintritt verlangt, solange er den früheren Nutzern etwas bietet, das sie gleich wertvoll finden, etwa eine Badeaufsicht, obwohl sie unter einem anderen Besitzer aus ihrer Mitte noch besser gefahren wären.[4][3]
Eine mögliche Antwort darauf: Nozick hat die Bedingung ausdrücklich eingebaut, damit Aneignung nicht grenzenlos ist: Wer die einzige Wasserstelle in einer Wüste an sich nimmt und Wucherpreise verlangt, erwirbt nach seiner Theorie kein gültiges Eigentum.
Ein Einwand, der in der Forschung diskutiert wird
Eine Theorie, die allein auf den Weg schaut, braucht eine Regel, wie früheres Unrecht wieder gutgemacht wird, denn jedes frühere Unrecht macht die späteren Besitzverhältnisse fragwürdig. Nozick hat diese Regel nicht ausgearbeitet, und es ist kaum vorstellbar, dass das gelingt, weil die Einzelheiten der vielen Ungerechtigkeiten der Geschichte unbekannt sind. Dann lässt sich mit der Theorie kaum beurteilen, was in einer wirklichen Gesellschaft gerecht ist.[4]
Eine mögliche Antwort darauf: Nozick sagt selbst, ohne eine solche Berichtigung könne man seine Theorie nicht benutzen, um bestimmte Zahlungen des Staates zu verurteilen, solange nicht klar ist, dass keine Berichtigung sie rechtfertigen könnte. Er deutet sogar an, das Differenzprinzip von Rawls könnte die beste Umsetzung dieser Berichtigung sein.
In der Forschung umstritten: Reicht ein gerechter Weg zum Besitz, um auch ein sehr ungleiches Ergebnis gerecht zu nennen, oder muss man das Ergebnis selbst prüfen?
Noch nicht sicher belegt
- Nozicks Originaltext (Anarchy, State, and Utopia, 1974) wurde nicht selbst gelesen, nur Darstellungen in Stanford Encyclopedia, Internet Encyclopedia und Wikipedia.
- Was Nozicks Maßstab für den Bonus der Kollegin bedeutet, ist eine redaktionelle Übertragung seines Grundsatzes der freiwilligen Übertragung auf das Beispiel, keine Aussage Nozicks.
- Nozick distanzierte sich später nach Angaben der Wikipedia teilweise vom libertären Programm; das wurde nicht an Nozicks eigenen Texten geprüft und steht deshalb nicht im Lesetext.
- Dass Cohens Strandbeispiel gegen Nozicks Vorbehalt gerichtet ist, steht in der Stanford Encyclopedia mit Verweis auf Cohen 1995; dessen Werk wurde nicht selbst gelesen.
Woher wir das wissen · Satz für Satz gegen die Quellen geprüft (2026-10-21)
- Internet Encyclopedia of Philosophy, Robert Nozick, 2. Anarchy, State, and Utopia and Libertarianism, a. Self-Ownership, Individual Rights, and the Minimal State (stützt: Einfach gesagt, Begründung)
- Internet Encyclopedia of Philosophy, Robert Nozick, 2. Anarchy, State, and Utopia and Libertarianism, c. Distributive Justice (stützt: Einfach gesagt, Begründung, Beispiel, Genauer betrachtet, Stärke, Missverständnis)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Distributive Justice, 7. Libertarian Principles (stützt: Einfach gesagt, Genauer betrachtet, Missverständnis, Einwand 1, Einwand 2, Einwand 3)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Libertarianism, 1. Self-Ownership and Economic Justice (stützt: Begründung, Stärke, Einwand 1)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Libertarianism, 2. Property Rights and Original Acquisition (stützt: Einfach gesagt, Genauer betrachtet)
- Wikipedia (en): Robert Nozick, Political philosophy (stützt: Begründung, Beispiel)
- Wikipedia (en): Anarchy, State, and Utopia, Wilt Chamberlain experiment (stützt: Beispiel, Genauer betrachtet)
- Wikipedia (en): Anarchy, State, and Utopia, Theory of justice (stützt: Einfach gesagt, Genauer betrachtet)
- Wikipedia (en): Anarchy, State, and Utopia, Lockean proviso (stützt: Einwand 2)
- Wikipedia (de): Robert Nozick, Werk (stützt: Einfach gesagt, Genauer betrachtet)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Libertarianism, 1. Self-Ownership and Economic Justice (stützt: Einwand 1)
- Wikipedia (en): Anarchy, State, and Utopia, Lockean proviso (stützt: Einwand 2)
Eine Antwort von John Locke · Historische Information
Was du der gemeinsamen Welt durch Arbeit entnimmst, wird dein Eigentum, aber nur in Grenzen
Einfach gesagt
John Locke geht davon aus, dass die Erde ursprünglich allen gemeinsam gehört, dass aber jeder sich selbst und damit seiner Arbeit gehört. Wer etwas aus dem gemeinsamen Vorrat nimmt und durch Arbeit zu etwas Eigenem macht, etwa Früchte sammelt oder Land bebaut, erwirbt es, ohne dass alle anderen zustimmen müssen. Dieses Recht hat Grenzen: Es muss genug und ebenso Gutes für andere übrig bleiben, und nichts darf ungenutzt verderben.[9][5][6]
Wie das begründet wird
Der Gedanke ist, dass deine Arbeit dir gehört und dem Gegenstand etwas hinzufügt, was die Natur allein nicht gegeben hat. Müsste erst die Zustimmung aller Menschen eingeholt werden, wäre man nach Locke verhungert, bevor man etwas hätte nehmen dürfen. Außerdem verweist er auf den Nutzen: Eingezäuntes und bebautes Land bringt ein Vielfaches an Lebensmitteln hervor, und wer es bebaut, vergrößert deshalb den gemeinsamen Vorrat der Menschen.[9][6]
Ein Beispiel
Locke fragt selbst, wann die Eicheln, die jemand unter einer Eiche aufliest, sein Eigentum werden: beim Verdauen, beim Kochen, beim Heimtragen oder schon beim Aufheben? Für ihn steht fest, dass es schon beim Aufsammeln geschieht, denn die Mühe hebt sie vom Gemeinsamen ab. Sammelt jemand aber mehr, als er vor dem Verderben nutzen kann, nimmt er nach Locke anderen etwas weg.[9]
Ein Beispiel aus dem Werk selbst.
Was diese Antwort gut erklärt
Locke erklärt, warum jemand etwas besitzen darf, obwohl die Welt zuerst allen gemeinsam gehörte, und er bindet dieses Recht an Grenzen, die das Gemeinsame im Blick behalten. Sein Gedanke wird sowohl moralisch gestützt, weil Arbeit ein Recht schafft, als auch durch den Nutzen, dass bebautes Land mehr hervorbringt.[9][5][6]
Genauer betrachtet: Genug und ebenso Gutes (Lockescher Vorbehalt)
Locke nennt zwei Grenzen für das Aneignen: Man darf nur so viel nehmen, wie man vor dem Verderben nutzen kann, und es muss genug und ebenso Gutes für andere übrig bleiben. Mit dem Geld, das nicht verdirbt, lässt sich Besitz über das Nutzbare hinaus anhäufen, weil die Menschen sich nach Locke stillschweigend auf diese Ungleichheit geeinigt haben. Wie ernst die zweite Grenze gemeint ist, ist unter Forschenden umstritten: Manche sehen in ihr eine echte Bedingung, andere nur eine Beschreibung der damaligen Lage, in der es noch genug Land gab. Auch insgesamt wird Locke sehr verschieden gelesen, von C. B. Macpherson als Verteidiger unbegrenzter Anhäufung und von James Tully als jemand, der Pflichten gegenüber Bedürftigen kennt.[9][5][6]
Häufiges Missverständnis
Locke behauptet nicht, dass Arbeit jeden beliebigen Besitz rechtfertigt. James Tully weist darauf hin, dass Locke in der ersten seiner beiden Abhandlungen über die Regierung eine Pflicht nennt, Menschen zu helfen, die sonst keine Mittel zum Überleben haben, sodass auch Reiche Pflichten gegenüber anderen haben. Dein Bonus-Beispiel kommt an eine Grenze, weil Locke vor allem daran denkt, wie jemand der Natur etwas entnimmt, und nicht an den Gewinn eines Unternehmens, an dem viele mitgearbeitet haben.[9][5]
Wo diese Antwort an ihre Grenze kommt
Einwand von Robert Nozick
Locke sagt, wer arbeitet, „vermische“ seine Arbeit mit dem Gegenstand. Robert Nozick fragt zurück, warum man dadurch etwas gewinnt und nicht verliert: Wer Tomatensaft ins Meer schüttet, besitzt danach nicht das Meer, sondern hat seinen Saft verloren. Das Bild vom Mischen erklärt also noch nicht, woher das Recht auf den Gegenstand kommt.[5][4][2]
Eine mögliche Antwort darauf: Spätere Ausleger stützen Lockes Gedanken anders. Nach James Tully hat, wer etwas macht, ein Recht auf das Gemachte, so wie Gott an den Menschen, die er geschaffen hat. A. John Simmons versteht Arbeit als zielgerichtetes Tun, mit dem Menschen ihren Lebensunterhalt und ihre Selbstbestimmung sichern.
Einwand von A. John Simmons
Wenn Land knapp wird, bleibt nicht mehr genug und ebenso Gutes für andere übrig. Wer später kommt, kann dann oft nur noch für Lohn auf fremdem Land arbeiten. A. John Simmons meint, Locke habe unterschätzt, wie abhängig Lohnarbeit die Armen von den Reichen macht, und zweifelt, dass der Hinweis auf die Einführung des Geldes die großen Unterschiede rechtfertigt.[9][5]
Eine mögliche Antwort darauf: Locke hält dagegen, dass bebautes Land ein Vielfaches an Lebensmitteln hervorbringt, sodass der Besitzer den gemeinsamen Vorrat der Menschen vergrößere und anderen nichts wegnehme.
Einwand von James Tully und Barbara Arneil
James Tully und Barbara Arneil weisen darauf hin, dass Locke sich für die amerikanischen Kolonien interessierte und mit ihren Angelegenheiten befasst war. Nach ihrer Lesart führte seine Arbeitstheorie zu einem für die Kolonisierung bequemen Ergebnis: Die Arbeit der indigenen Jäger begründete Eigentum an den erlegten Tieren, aber nicht an dem Land, auf dem sie jagten und das Locke als unbebaut und frei verfügbar ansah. Mark Goldie mahnt dagegen, dass Locke beim Schreiben der Zweiten Abhandlung vor allem die politischen Ereignisse in England im Blick hatte.[5][6][9]
In der Forschung umstritten: Ist die Bedingung „genug und ebenso Gutes für andere“ bei Locke eine echte Grenze des Aneignens, oder beschreibt sie nur die Lage in der frühen Welt?
Noch nicht sicher belegt
- Lockes Text wurde nur im Kapitel V der Zweiten Abhandlung selbst gelesen, nicht die Erste Abhandlung; die Pflicht zur Hilfe für Bedürftige (Erste Abhandlung 1.42) wird nach der Stanford Encyclopedia wiedergegeben.
- Die Ausleger Macpherson, Tully, Waldron, Sreenivasan und Simmons werden nur nach der Stanford Encyclopedia dargestellt; ihre Schriften wurden nicht gelesen.
- Ob Locke den Satz über indigene Jäger und das Land so meinte, wie Tully und Arneil es lesen, ist eine Deutung; die Internet Encyclopedia verweist auf eine Stelle (Abschnitt 45), die verschiedene Lesarten zulässt.
Woher wir das wissen · Satz für Satz gegen die Quellen geprüft (2026-10-21)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 27 (stützt: Einfach gesagt, Begründung)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 28 (stützt: Einfach gesagt, Begründung, Beispiel, Missverständnis)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 31 (stützt: Einfach gesagt, Beispiel, Genauer betrachtet)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 37 (stützt: Begründung, Stärke, Einwand 2)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 46 und 50 (stützt: Genauer betrachtet)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy: locke-political, 3. Property (stützt: Einfach gesagt, Genauer betrachtet, Missverständnis, Stärke, Einwand 1, Einwand 2, Einwand 3)
- Internet Encyclopedia of Philosophy, John Locke: Political Philosophy, 6. Analysis of Locke’s Two Treatises, e. Property (stützt: Einfach gesagt, Begründung, Stärke, Genauer betrachtet, Einwand 3)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Distributive Justice, 7. Libertarian Principles (stützt: Einwand 1)
- Stanford Encyclopedia of Philosophy, Libertarianism, 2. Property Rights and Original Acquisition (stützt: Einwand 1)
- John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370, Kapitel V „Of Property“, Sect. 30 und 45 (stützt: Einwand 3)
Was historisch zusammenhängt
Hier geht es um tatsächliche Bezüge: wer wen gelesen, gekannt oder kritisiert hat.
Nozick knüpft bei der Frage, wie jemand etwas Herrenloses erwerben kann, an Lockes Arbeitsgedanken an, ändert ihn aber ab. Das Bild vom Mischen der Arbeit mit einem Gegenstand lehnt er mit dem Tomatensaft-Beispiel ab und sieht den Kern darin, dass Arbeit den Wert der Dinge erhöht. Lockes Bedingung „genug und ebenso Gutes“ ersetzt er durch eine schwächere Fassung, nach der niemand durch die Aneignung schlechter gestellt werden darf. Lockes Lehre vom Naturgesetz, einem moralischen Gesetz, das alle Menschen mit ihrer Vernunft erkennen können, übernimmt er nicht, sondern beruft sich auf Kants Gedanken, dass Menschen nie nur Mittel sein dürfen. belegt
Nozick hat sein Buch auch als Antwort auf Rawls’ „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ (1971) angelegt und wendet sich besonders gegen das Differenzprinzip, nach dem soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten so geordnet sein sollen, dass sie den am schlechtesten Gestellten den größten Vorteil bringen. Beide Bücher gelten als Klassiker der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. belegt
Ob Locke libertär dachte, ist umstritten. Nozick liest ihn so: Ohne Zustimmung des Eigentümers darf die Regierung kein Eigentum für das Gemeinwohl nehmen, und Steuern sind nur so hoch erlaubt, wie der Schutz des Eigentums kostet. James Tully hält dagegen, dass bei Gründung der Regierung das Land schon knapp war und die ursprünglichen Besitzrechte deshalb die Regierung nicht binden. Jeremy Waldron liest Locke dazwischen: Die Eigentumsrechte binden die Regierung, aber die Gesetzgebung darf weitgehend auslegen, was das Naturgesetz hier verlangt. Deutung
Weiterdenken
Beide Antworten fragen, ob jemand sein Eigentum auf dem richtigen Weg bekommen hat. Was das für Menschen heißt, deren Arbeit oder Besitz dabei nicht zählte, beantworten sie kaum: Nach der Lesart von James Tully und Barbara Arneil begründete bei Locke die Arbeit indigener Jäger kein Recht an dem Land, auf dem sie jagten, und Nozick hat nicht ausgearbeitet, wie früheres Unrecht berichtigt werden soll. Das lenkt den Blick darauf, ob Gerechtigkeit nur eine Frage der Verteilung ist oder auch davon abhängt, ob Menschen als Gleichrangige gesehen werden.
Nächste Frage: Reicht gerechte Verteilung, wenn Menschen nicht gesehen werden?Ein Vergleich von Antworten auf dieselbe Frage. Die Reihenfolge folgt dem Gedankengang, nicht der Geschichte, und eine spätere Antwort ist nicht automatisch die bessere. Prüfstand dieser Station: Satz für Satz gegen die Quellen geprüft (2026-10-21).
Quellen dieser Station
- [1]Internet Encyclopedia of Philosophy, Robert Nozick · Internet Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-21
- [2]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Libertarianism · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-21
- [3]Wikipedia (en): Anarchy, State, and Utopia · Wikipedia, abgerufen 2026-10-21
- [4]Stanford Encyclopedia of Philosophy, Distributive Justice · Stanford Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-21
- [5]Stanford Encyclopedia of Philosophy: locke-political · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [6]Internet Encyclopedia of Philosophy, John Locke: Political Philosophy · Internet Encyclopedia of Philosophy, abgerufen 2026-10-21
- [7]Wikipedia (en): Robert Nozick · Wikipedia, abgerufen 2026-10-21
- [8]Wikipedia (de): Robert Nozick · Wikipedia, abgerufen 2026-10-21
- [9]John Locke, Second Treatise of Government (1689/90), Project Gutenberg, E-Book 7370 · Buch, abgerufen 2026-10-21