Jean Le Rond d'Alembert
Mathematiker und Philosoph · 1717–1783 · Paris (Frankreich)
Kernidee in Kürze
D'Alembert schrieb die Einleitung der „Encyclopédie“, in der er das Wissen seiner Zeit als zusammenhängendes Ganzes darstellt und seine Entwicklung in Europa nachzeichnet. Dabei folgt er der Erkenntnislehre des Sensualismus, nach der alles Wissen aus Sinneswahrnehmung stammt und nicht aus angeborenen Ideen.
- Kapitel
- Empirismus und Aufklärung (redaktionell)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Vertiefung
Zum Einstieg
Wie lässt sich das gesamte Wissen einer Zeit so ordnen, dass man seinen Zusammenhang versteht?
- Position
- D'Alembert zeigt im „Discours préliminaire“, wie die Wissenschaften sich entwickelt haben und zusammenhängen. Er stützt sich auf Sinneswahrnehmung als Quelle des Wissens und auf die Verfahren von Bacon und Newton.
- Einwand
- Gegen seine Wissensordnung steht der Einwand, dass keine Wissenschaft nur aus Gedächtnis, Vernunft oder Einbildungskraft entsteht. Zudem blieb er trotz seiner Absage an Descartes' Metaphysik in manchem dessen Denken verpflichtet, etwa beim Maßstab der klaren Idee.
- Verbindung
- D'Alembert gab die Encyclopédie mit Diderot heraus und folgt Locke und Bacon. Descartes' Metaphysik lehnt er ab.
Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen
Wer d'Alembert war
Französischer Mathematiker und Philosoph, der gemeinsam mit Diderot die „Encyclopédie“ herausgab und ihr den „Discours préliminaire“ voranstellte, eine Darstellung des Wissens seiner Zeit.
D'Alembert war zuerst als Mathematiker und Naturforscher berühmt und wurde dann als Herausgeber der „Encyclopédie“ zu einer Leitfigur der französischen Aufklärung. Öffentlich vertrat er zeitlebens einen skeptischen Deismus, also den Glauben an einen Schöpfer der Welt ohne Offenbarungsreligion, und trat für religiöse Toleranz ein. Private Briefe deuten darauf hin, dass er sich später dem Atheismus zuwandte.
Kernidee genauer
Er lehnt die Metaphysik Descartes' ab und schätzt die Verfahren von Bacon und Newton.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
D'Alembert wurde als Findelkind ausgesetzt und wuchs bei einer Pflegemutter auf. Seine Karriere begann in der Mathematik und führte über die Akademie zur Encyclopédie.[1]
Fundstelle: Abschnitt Early life
Bekannt für
Man kennt d'Alembert als Mitherausgeber der „Encyclopédie“ und für das d'Alembertsche Prinzip der Mechanik. Ein Alltagsbeispiel: Wenn Du in einem Projekt Wissen so ordnest, dass jeder sieht, wie die Teile zusammenhängen, arbeitest Du ähnlich wie d'Alembert in seinem Einleitungstext.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Ein Überblick über das ganze Wissen
Dazu führt er alles Denken auf seinen Ursprung in den Sinnen zurück. Der zweite Teil des Textes erzählt die Geistesgeschichte Europas seit der Renaissance.
Wissen kommt aus den Sinnen
Der Gedanke geht auf John Locke zurück und wurde von Condillac weiterentwickelt. D'Alembert macht ihn zur Grundlage seiner Auffassung von Wissenschaft.
Ordnung der Wissenschaften nach drei Fähigkeiten
Die Einteilung des Wissens übernimmt d'Alembert von Bacon: Den drei Fähigkeiten Gedächtnis, Vernunft und Einbildungskraft entsprechen die drei Gruppen Geschichte, Philosophie und Dichtung. Ein Urteil aus dem 19. Jahrhundert hält dieses Grundprinzip für nicht haltbar, weil keine Wissenschaft nur aus einer dieser Fähigkeiten entsteht.
Abkehr von Descartes
D'Alembert lehnt die Metaphysik Descartes' deutlich ab, während er dessen Methode bewundert. Später verachtete er die Lehren Descartes', die ihm die Jansenisten, eine strenge katholische Strömung, beigebracht hatten, darunter die angeborenen Ideen und die Wirbeltheorie der Planetenbewegung. In mancher Hinsicht blieb er Descartes trotzdem verpflichtet: Maßstab der Wahrheit war für ihn weiter die klare und einfache Idee.
Begriffe
- Encyclopédie
- Discours préliminaire
- Sensualismus
- Ordnung des Wissens
- d'Alembertsches Prinzip
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
6 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 6 belegt). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Denis DiderotPrüfstand: belegt
D'Alembert und Diderot gaben die Encyclopédie gemeinsam heraus, d'Alembert für Mathematik und Naturwissenschaften.
Kritisiert
d'Alembert kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
René DescartesPrüfstand: belegt
D'Alembert lehnt die Metaphysik Descartes' deutlich ab, bewundert aber dessen Methode.
Wird kritisiert von
Kritik an einer bestimmten These von d'Alembert. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.
Jean-Jacques RousseauPrüfstand: belegt
Auf d'Alemberts kritischen Artikel über Genf in der Enzyklopädie antwortete Rousseau 1758 mit dem Brief an d'Alembert über die Schauspiele. Darin wandte er sich gegen den Plan eines Theaters in Genf und nannte das Theater unnütz und womöglich unsittlich.
Übernimmt Gedanken von
d'Alembert übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Francis BaconPrüfstand: belegt
D'Alembert stützt die Einteilung der Wissenschaften im „Discours préliminaire“ auf Bacon und lobt dessen wissenschaftliche Methode.
Isaac NewtonPrüfstand: belegt
D'Alembert stellt im „Discours préliminaire“ vor allem Newtons wissenschaftliche Methode als Vorbild heraus. Sein Prinzip der Mechanik erweitert Newtons drittes Bewegungsgesetz auf frei bewegliche Körper.
John LockePrüfstand: belegt
D'Alembert übernimmt die Erkenntnislehre des Sensualismus, nach der alles Wissen aus Sinneswahrnehmung stammt. Sie geht auf Locke zurück.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
D'Alembert wurde 1717 in Paris als unehelicher Sohn einer bekannten Salongastgeberin und eines Artillerieoffiziers geboren. Seine Mutter legte ihn wenige Tage nach der Geburt auf den Stufen der Kirche Saint-Jean-le-Rond aus, nach der er seinen ersten Namen erhielt. Sein Vater fand ihn und gab ihn zu einer Glasersfrau, bei der er fast fünfzig Jahre lebte.[2]
Biografie belegt
Durch den Einfluss seines Vaters kam er auf eine angesehene Schule der Jansenisten, einer strengen katholischen Strömung. Später trat er in die Akademie der Wissenschaften ein (1741) und veröffentlichte 1743 sein Werk über Dynamik.[1]
Zeitgeschehen belegt
Um 1746 kam d'Alembert zur Encyclopédie und wurde unter der Gesamtleitung Diderots Herausgeber der Artikel zu Mathematik und Naturwissenschaften. Er schrieb den Einleitungstext für den ersten Band von 1751. Wegen wachsender Schwierigkeiten gab er seinen Anteil an der Herausgabe Anfang 1758 auf und schrieb danach nur noch Artikel zu Mathematik und Naturwissenschaften. Andere Darstellungen nennen 1757 oder 1759 als Ende seiner Mitherausgeberschaft.[1]
Biografie belegt
D'Alembert starb 1783 in Paris. Er war Mitglied der Französischen Akademie, in die er 1754 gewählt wurde, und später ihr ständiger Sekretär.[1]
Kritik
Sein Artikel „Genève“ von 1757 empörte die Genfer Pastoren, weil er ihnen unterstellte, sie hätten sich vom Calvinismus einer Lehre zugewandt, die die Göttlichkeit Christi bestreitet. Zudem schlug er vor, in Genf ein Theater zuzulassen; dagegen schrieb Rousseau 1758 seinen „Brief an d'Alembert über die Schauspiele“.
Wirkung heute
Der „Discours préliminaire“ gilt als glänzende Zusammenfassung des empiristischen Denkens der Aufklärung und als bemerkenswerter Versuch, das Wissen seiner Zeit als einheitliches Ganzes darzustellen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn Du Wissen in Deinem Team sammelst, kannst Du mit d'Alembert fragen, wie sich die einzelnen Bereiche zueinander verhalten, und eine Übersicht erstellen, aus der man den Zusammenhang erkennt. Das ist eine Übertragung und keine Aussage d'Alemberts über Führung.
Lebensstationen
- 1717Geburt in Paris (16. oder 17. November)
- 1741Mitglied der Akademie der Wissenschaften
- 1743„Traité de dynamique“ erscheint
- 1751„Discours préliminaire“ im ersten Band der Encyclopédie
- 1754Wahl in die Französische Akademie
- 1758Aufgabe seines Anteils an der Herausgabe der Encyclopédie (Anfang 1758)
- 1783Tod in Paris (29. Oktober)
Werke
Traité de dynamique (1743); Discours préliminaire de l'Encyclopédie (1751); Éléments de musique théorique et pratique suivant les principes de M. Rameau (1752)
Lesetipps
- Einstieg
- Jean Le Rond d'Alembert, Preliminary Discourse to the Encyclopedia of Diderot (englische Ausgabe 1995)
- Vertiefung
- Britannica, „Jean Le Rond d'Alembert“
Noch nicht sicher belegt
- Das Geburtsdatum nennen die Quellen unterschiedlich: 16. oder 17. November 1717. Auch das Ende seiner Mitherausgeberschaft wird verschieden angegeben (1757, Anfang 1758 oder 1759).
Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 10: europäische und jüdische Moderne. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen
Quellen zu d'Alembert
- [1]Jean Le Rond d'Alembert, Abschnitt Early life · Britannica
- [2]Jean Le Rond d'Alembert, Abschnitt Early life · Wikipedia
- [3]encyclopedia.com/people/science-and-technology/mathematics-biographies/jean-le-rond-d-alembert · Webseite
- [4]encyclopedia.com/arts/dictionaries-thesauruses-pictures-and-press-releases/dalembert-jean-le-rond · Webseite
- [5]en.wikisource.org/wiki/Encyclopædia_Britannica,_Ninth_Edition/Jean_le_Rond_D'Alembert · Webseite
- [6]Jean le Rond D'Alembert · Wikipedia
- [7]Jean-Baptiste le Rond d’Alembert · Wikipedia
- [8]Stanford Encyclopedia of Philosophy · abgerufen 2026-10-21