Isaac Newton
1642–1727 · Woolsthorpe, Cambridge, London
- Strömung
- Empirismus und Aufklärung
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Englischer Mathematiker und Naturforscher, dessen Principia (1687) zeigten, wie weit eine aus Erfahrung und Mathematik gebaute Theorie tragen kann, und der damit die Frage aufwarf, was diese Wissenschaft so erfolgreich macht.
Newton setzt Bacons und Boyles Idee der Erfahrungsforschung in mathematischer Gestalt um. Locke und Berkeley fragten schon zu seinen Lebzeiten, was an dieser Wissenschaft den Erfolg erklärt, und Hume und Smith wollten später eine Wissenschaft vom Menschen nach diesem Muster bauen.
Kernidee
Newton erklärte mit wenigen Gesetzen, warum ein Apfel fällt und der Mond um die Erde kreist. Seine Methode: aus genau beobachteten Erscheinungen allgemeine Sätze folgern und diese so lange für wahr halten, bis neue Beobachtungen sie verbessern. Fragen ohne Beobachtungsgrundlage, etwa nach der letzten Ursache der Schwerkraft, ließ er offen.
Bekannt für
Man kennt Newton für das Gravitationsgesetz, die Infinitesimalrechnung und die Zerlegung des Lichts. Der Apfel, der ihm angeblich auf den Kopf fiel, ist die bekannteste Geschichte der Wissenschaft.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Universelle Gravitation
Newton formulierte Bewegungsgesetze, die auf der Erde und am Himmel gleich gelten, und erklärte damit die Planetenbahnen. Die Stanford Encyclopedia beschreibt diese einheitliche Physik für Himmel und Erde als Fortführung eines Entwurfs, den Descartes vorgezeichnet hatte. Ein Alltagsbeispiel aus der Führung: Wenn für Chefs und Mitarbeitende dieselben Regeln gelten, wirkt eine Regel verlässlich und wird nicht als Willkür erlebt.
Induktion aus Phänomenen statt Hypothesen
Newton misstraute der Methode, weit über die Beobachtungen hinausgehende Annahmen aufzustellen und dann nur nach Bestätigung zu suchen. Nach seiner vierten Regel des Schließens gelten durch Induktion aus Erscheinungen gewonnene Sätze als wahr oder nahezu wahr, bis weitere Erscheinungen sie verbessern oder Ausnahmen zeigen. Wer im Projekt eine Ursache für Verzögerungen behauptet, sollte sie so lange als vorläufig behandeln, bis neue Daten sie bestätigen oder korrigieren.
Offen lassen, was man nicht weiß
Newton ließ die Frage offen, ob die Ursache der Schwerkraft mechanisch ist, weil kein Versuch sie entschied; Leibniz warf ihm deshalb eine Wirkung aus der Ferne ohne Erklärung vor. Newton hielt dagegen, wer Hypothesen aufstelle, wolle sie geglaubt sehen statt geprüft. Im Führungsalltag heißt das: Sag in der Besprechung ehrlich, was ihr wisst und wo euch die Daten fehlen.
Begriffe
- Gravitation
- Principia
- Opticks
- Induktion aus Phänomenen
- Methode der Hypothesen
- Fernwirkung
- Royal Society
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Isaac Barrow: empfahl Newton 1669 als seinen Nachfolger auf dem Lucasischen Lehrstuhl
Freunde
- Locke: Freundschaft seit 1689, Newton ließ ihn einige theologische Schriften lesen
- Richard Bentley: Briefwechsel über Religion
Gegner
- Leibniz: Prioritätsstreit um die Infinitesimalrechnung und Streit über Fernwirkung und Hypothesen
- Robert Hooke: Streit über Optik und über den Ursprung des Gravitationsgedankens
- John Flamsteed: Streit, in dem Newton und Halley laut SEP das Vertrauen des Hofastronomen verletzten
Verbindungen im Netz
9 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Grundlage für Émilie du ChâteletDeutung
Sie übersetzte und kommentierte Newtons Principia ins Französische und verteidigte seine Anziehungslehre gegen Descartes' Wirbel.
baut auf René DescartesDeutung
Descartes bot Newton das Modell einer einheitlichen Physik für Himmel und Erde (SEP); nach der deutschen Wikipedia entwickelten Newton und Leibniz ihre großen Theorien nachweislich an cartesischen Studien.
baut auf Robert BoyleDeutung
Laut Stanford Encyclopedia wirkte Boyle auf Newtons naturphilosophische Schriften und Praxis.
Grundlage für Thomas ReidDeutung
Reid las und lehrte als einer der wenigen britischen Empiristen Newtons Schriften und übernahm dessen mathematisch gestützte Methode.
Grundlage für Voltaire (François-Marie Arouet)Deutung
Voltaire erklärte Newtons Physik in den Éléments de la philosophie de Newton (1738) für das französische Publikum.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
wird kritisiert von George BerkeleyDeutung
In The Analyst (1734) kritisiert Berkeley die Grundlagen von Newtons Fluxionenrechnung (SEP, Wikipedia).
gegenseitige Kritik mit Gottfried Wilhelm LeibnizDeutung
Prioritätsstreit um die Infinitesimalrechnung und Streit über Fernwirkung und Hypothesen (SEP).
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Damaris MashamDeutung
Newton besuchte im Februar 1691 Locke und Masham in Oates (Project Vox).
persönlich verbunden mit John LockeDeutung
Locke las Newtons Principia im Exil und wurde nach der Rückkehr 1688 mit ihm befreundet (SEP).
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Newtons Jugend fiel in Bürgerkrieg, Hinrichtung des Königs und Wiederherstellung der Monarchie; wie stark das ihn und seine Familie traf, ist laut Stanford Encyclopedia unklar. Mit der Restauration kehrte die Kontrolle der Kirche über die Universitäten zurück, was Boyle und andere bewog, die Royal Society unter Karl II. zu gründen.[1]
Abhängigkeit belegt
Newton lehnte die Dreifaltigkeitslehre ab, was auf seiner Stelle als Fellow und Professor in Cambridge nicht ungefährlich war; seine Schriften dazu erschienen erst nach seinem Tod. Sein Nachfolger William Whiston wurde 1710 wegen derselben Haltung entlassen.[2]
Biografie belegt
Newton war in den Streitfällen Flamsteed und Leibniz Präsident der Royal Society; die SEP schreibt, die Streitigkeiten seien durch seine Machtstellung dort 'probably' verschärft worden. Er schrieb zudem 1715 anonym eine Besprechung des Berichts der Gesellschaft über den Prioritätsstreit mit Leibniz.[1]
Kritik
Huygens und Leibniz hielten die Gravitation für eine geheimnisvolle Fernwirkung ohne Erklärung. Außerdem blieb Newton nach der Wikipedia in der Alchemie und hermetischen Tradition verwurzelt, weshalb Keynes ihn den letzten großen Renaissance-Magier nannte. Die SEP warnt zudem davor, jede seiner Aussagen überzubewerten, denn schon Buch 2 der Principia zeige, dass er sich irren konnte.
Wirkung heute
Die Methode, Theorie eng an Beobachtung zu binden und Offenes offen zu lassen, bleibt Vorbild. Newtons Mechanik gilt heute als Grenzfall der Relativitätstheorie, bleibt aber für fast alle Anwendungen im Alltag richtig.
Brücke zu Führung und Coaching
Newton zeigt, wie man mit Unsicherheit arbeitet: Vorläufig gelten lassen, was die Daten tragen, und das Offene klar benennen. Frag dein Team vor der nächsten Entscheidung, welche Annahme ihr als Hypothese behandelt und welche wirklich beobachtet ist. Und achte darauf, dass Machtstellung und Streit nicht die Prüfung ersetzen, so wie es bei Newton im Fall Leibniz geschah.
Lebensstationen
- 1642Geboren in Woolsthorpe, Lincolnshire, einige Monate nach dem Tod des Vaters
- 1661Beginn des Studiums am Trinity College in Cambridge
- 1669Übernimmt den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik
- 1687Erscheinen der Principia
- 1696Wechsel nach London als Wardein der Münze, ab 1699 Master of the Mint
- 1727Tod am 20. März im Alter von 84 Jahren, Beisetzung in Westminster Abbey
Werke
Philosophiae Naturalis Principia Mathematica (1687, 2. Auflage 1713, 3. Auflage 1726)
Opticks (1704)
Arithmetica Universalis (1707)
postum u. a. The Chronology of Ancient Kingdoms Amended (1728) und Observations upon the Prophecies of Daniel (1733)
Anekdote überliefert
Newton soll im Garten von Woolsthorpe Manor einen Apfel fallen gesehen und daraus gefolgert haben, dass dieselbe Kraft den Mond hält. Die Geschichte geht auf William Stukeleys Memoirs of Sir Isaac Newton's Life von 1752 zurück, auch Voltaire erzählt sie; Fachleute halten es für möglich, dass Newton sie selbst später erfunden hat.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Isaac Newton: Sir Isaac Newton's mathematische Principien der Naturlehre, hrsg. von Jakob Philipp Wolfers (Robert Oppenheim, Berlin 1872): die deutsche Ausgabe der Principia mit Erläuterungen, zum Hineinlesen in Auszügen.
- Vertiefung
- James Gleick, Isaac Newton. Die Geburt des modernen Denkens (Artemis & Winkler, 2004)
Noch nicht sicher belegt
- Kein Zitat: Die vierte Regel des Schließens liegt nur englisch (SEP) vor; die Wikipedia gibt für 'hypotheses non fingo' nur eine Wiedergabe sinngemäß. Geburtsjahr 1642 nach altem Kalender (25.12.1642, SEP), Sterbedatum 20.3.1727 nach SEP; die deutsche Wikipedia schreibt 20. März 1726 (julianisch, Jahresbeginn 25. März) bzw. 31. März 1727 (gregorianisch). Die Edition 'Wolfers 1872' ist aus der Wikipedia-Literaturliste mit Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek belegt, ihr Inhalt wurde nicht geprüft. Die Beschreibung der Kante newton-boyle stützt sich auf zwei Quellen mit unterschiedlicher Richtung (Wirkung vs. Aufbau). Lehrer-Eintrag Barrow aus SEP (Empfehlung als Nachfolger) und Wikipedia (näherer Kontakt auf mathematischem Gebiet erst einige Jahre nach 1663), kein ausdrücklicher Beleg für ein Lehrverhältnis. Kontext-Eintrag zur Machtstellung: SEP schreibt nur 'probably'. Prüfer: Der Satz, Newtons Gesetze seien ein Bruch mit Aristoteles gewesen, nach dem Himmel und Erde verschiedenen Regeln folgen, stand in keiner der beiden Quellen und wurde aus der ersten Theorie entfernt.
Herkunft der Daten: Empirismus und Aufklärung. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Newton
- [1]Isaac Newton, Stanford Encyclopedia of Philosophy · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Isaac Newton, Wikipedia · Wikipedia