Francis Bacon
1561–1626 · London
- Strömung
- Empirismus und Aufklärung
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Englischer Jurist, Staatsmann und Philosoph, der als Wegbereiter des Empirismus gilt und die Naturforschung auf Beobachtung und Experiment verpflichten wollte.
Bacon steht am Anfang des Moduls: Seine Forderung, von Erfahrung auszugehen, wird von Hobbes, Locke, Berkeley und Hume weitergeführt, und die Royal Society (die 1660 in London gegründete britische Gesellschaft für Naturforschung), in der Boyle und Newton arbeiten, versteht sich als Umsetzung seines Programms.
Kernidee
Bacon wollte die Wissenschaft neu aufbauen: Nicht aus alten Autoritäten wie Aristoteles ableiten, sondern aus gesammelten Beobachtungen und Versuchen schrittweise zu allgemeinen Sätzen aufsteigen. Dafür muss der Forscher zuerst seine eigenen Denkfehler erkennen, die Bacon Idole nennt. Wissen soll dem Nutzen und dem Leben der Menschen dienen.
Bekannt für
Man kennt Bacon als Vater der experimentellen Methode und für den Satz, Wissen und Macht fielen zusammen. Sein Bild von Ameise, Spinne und Biene ist bis heute ein beliebtes Bild für gute Forschung.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Induktion statt Vorurteil
Bacon hielt die scholastische Methode für unfruchtbar, weil sie Grundsätze einfach voraussetzte und daraus ableitete. Er forderte, von vielen einzelnen Beobachtungen vorsichtig zu ersten allgemeinen Sätzen aufzusteigen und diese an neuen Fällen zu prüfen. Wer in einem Team aus drei guten Quartalen schon eine Regel für den Erfolg ableitet, macht genau den Fehler, den Bacon meint, und sollte erst die Ausnahmen ansehen.
Die vier Idole
Idole sind Trugbilder, die das Denken verzerren, ohne dass wir es merken. Bacon unterscheidet die Idole des Stammes (Fehler der menschlichen Natur), der Höhle (persönliche Prägung durch Erziehung und Gewohnheit), des Marktes (Täuschung durch Wörter) und des Theaters (blinder Glaube an Lehrmeinungen). Wenn in einer Besprechung jeder dasselbe Schlagwort wie Agilität oder Kultur benutzt, aber etwas anderes meint, begegnet dir das Idol des Marktes.
Negative Instanzen und Ameise, Spinne, Biene
Bacon verlangt, gerade die unerwarteten Fälle zu prüfen, die einer scheinbar gültigen Regel widersprechen. Die Ameise sammelt nur, die Spinne spinnt Netze aus sich selbst, die Biene sammelt und verarbeitet: Nur sie ist das Vorbild für den Forscher. Wenn du eine Kennzahl liebst, such dir bewusst den Kunden, der trotz guter Zahlen gekündigt hat.
Begriffe
- Induktion
- : von vielen einzelnen Beobachtungen vorsichtig zu allgemeinen Sätzen aufsteigen und diese an neuen Fällen prüfen
- Idole
- : Trugbilder des Denkens, vier Arten von Vorurteilen, die den Blick auf die Natur unbemerkt verzerren
- Experiment
- : ein wiederholbarer Versuch an der Natur, mit dem Ursache und Wirkung geprüft werden, statt sich auf Autoritäten zu verlassen
- Novum Organum
- : Bacons Hauptwerk von 1620 über eine neue Methode der Wissenschaften, die Beobachtung an die Stelle alter Autoritäten setzt
- negative Instanzen
- : Gegenbeispiele, die einer scheinbar gültigen Regel widersprechen; schon ein einziges kann eine Behauptung widerlegen
- Wissen und Macht
- : ein oft zitierter Satz aus dem Novum Organum: Wer die Natur kennt, gewinnt Macht über sie und kann das Leben verbessern
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Gegner
- Aristoteles und die Scholastiker: Bacon warf ihnen vor, Grundsätze ohne Prüfung an der Natur vorauszusetzen
- Alchemisten (die Empiriker seiner Zeit): sie sammelten nach Bacon nur, ohne zu ordnen und zu verstehen
Verbindungen im Netz
6 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Bernardino TelesioDeutung
Bacons Naturphilosophie mischt telesische und paracelsische Ideen (SEP Telesio).
Grundlage für David HumeDeutung
Kuno Fischer sieht in Bacons Philosophie den Skeptizismus Humes angelegt (nach der deutschen Wikipedia).
Grundlage für John LockeDeutung
Kuno Fischer sieht in Bacons Philosophie den Sensualismus Lockes angelegt (nach der deutschen Wikipedia).
Grundlage für Robert BoyleDeutung
Boyles Zugang zur Natur war laut Stanford Encyclopedia stark von Bacons Schriften geprägt; er übernahm Bacons Einteilung der Experimente und Naturgeschichten.
Grundlage für Thomas HobbesDeutung
Hobbes arbeitete um 1620 kurze Zeit als Sekretär Bacons, dem die Wikipedia einigen Einfluss auf Hobbes' mechanisch-materialistisches Denken zuschreibt.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Thomas HobbesDeutung
Hobbes arbeitete um 1620 kurze Zeit als Sekretär Bacons, dem die Wikipedia einigen Einfluss auf Hobbes' mechanisch-materialistisches Denken zuschreibt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Geld belegt
Bacons Vater starb 1579 und hatte nicht mehr für den jüngsten Sohn vorgesorgt, deshalb musste Bacon einen Beruf ergreifen. Er heiratete mit 45 Jahren aus finanziellen Gründen die vierzehnjährige Alice Barnham und starb mit Schulden von 22000 Pfund.[2]
Abhängigkeit belegt
Bacon war über Jahrzehnte vom Hof abhängig und trat 1601 als Vertreter der Krone im Prozess gegen seinen früheren Gönner Essex (einen Günstling Elisabeths I., der 1601 mit einem gescheiterten Aufstand in London die Macht an sich reißen wollte und als Hochverräter hingerichtet wurde) auf, was ihm schon zu Lebzeiten als Verrat vorgeworfen wurde. Als Staatsanwalt unter Jakob I. klagte er Walter Raleigh (einen Seefahrer, Entdecker und Dichter) an, der zum Tode verurteilt wurde.[2]
Zeitgeschehen belegt
1621 klagte das Parlament Bacon als Lordkanzler (einem der höchsten Staatsämter Englands, damals mit großen richterlichen Befugnissen) wegen Bestechlichkeit an, er gestand, statt sich zu verteidigen, und wurde kurz im Tower inhaftiert. Die Stanford Encyclopedia sieht ihn als Opfer einer politischen Kampagne gegen den königlichen Günstling Buckingham; die Folgezeit nutzte er für sein philosophisches Werk.[1]
Kritik
Hegel warf Bacon vor, ihm fehle die spekulative Begründung, und der Neukantianer Vorländer vermisste die apriorische und mathematische Grundlage, die erst Kant, Kepler und Galilei lieferten. Horkheimer und Adorno sehen in ihm den Vertreter einer instrumentellen Vernunft, die vor allem auf Naturbeherrschung zielt. Schopenhauer nannte ihn ein Beispiel dafür, dass hohe Geistesgaben mit moralischer Verworfenheit zusammen bestehen können.
Wirkung heute
Die Mahnung, die eigenen Vorurteile zu prüfen, und die Idee, dass Wissen durch gemeinsame, nachprüfbare Arbeit wächst, tragen bis heute. Die Royal Society, 1660 gegründet, gilt der Stanford Encyclopedia als Höhepunkt von Bacons Ansehen.
Brücke zu Führung und Coaching
Bacons Idole sind eine gute Checkliste für Entscheidungen im Team: Welche Gewohnheit aus deiner eigenen Höhle verzerrt gerade deine Sicht? Frag in der nächsten Strategierunde: Welche Beobachtung widerspricht unserer Lieblingsannahme, und wer hat sie gemacht? Wer das regelmäßig tut, ersetzt Autorität durch Beobachtung, genau wie Bacon es forderte.
Zitate
„So geht es abwechselnd bergauf und bergab von den Grundsätzen zum Tun und vom Tun zu den Grundsätzen.“
Lebensstationen
- 1561Geboren am 22. Januar in London als jüngerer Sohn des Lord Keeper Sir Nicholas Bacon
- 1573Beginn des Studiums am Trinity College in Cambridge
- 1618Lordkanzler von England, wenig später Baron Verulam
- 1620Erscheinen des Novum Organum als Teil der Instauratio magna
- 1621Anklage wegen Bestechlichkeit, Geständnis und Rückzug aus den Ämtern
- 1626Tod am 9. April in Highgate bei London
Werke
Essays (1597, erweitert 1612 und 1625)
The Advancement of Learning (1605)
Novum Organum (1620, Teil der Instauratio magna)
Historia ventorum (1622)
De dignitate et augmentis scientiarum (1623)
New Atlantis (1626, postum)
Anekdote überliefert
Bacon starb 1626 an einer Lungenentzündung, nachdem er sich bei dem Versuch erkältet hatte, ob Schnee tote Hühner länger haltbar macht. Es heißt, das sei der einzige von ihm überlieferte eigene Versuch gewesen.[2]
Lesetipps
- Einstieg
- Francis Bacon: Neues Organon, lateinisch-deutsch, hrsg. von Wolfgang Krohn, Meiner, Hamburg 1990: Die Aphorismen über die Idole (Buch I) sind kurz und gut lesbar.
- Vertiefung
- Wolfgang Krohn, Francis Bacon (2. Auflage, C. H. Beck, München 2006)
Noch nicht sicher belegt
- Zitat aus Novum Organum I, 103 nur über die deutsche Wikipedia, Übersetzer nicht genannt; der Wortlaut steht dort mit Stellenangabe (NO I, Aph. 103). Ob die Hühner-Anekdote zeitgenössisch dokumentiert ist, nennt die Wikipedia nicht, daher 'überliefert'. Kanten zu hobbes, locke, hume geben Kuno Fischers Deutung wieder, keine gesicherte Einflussgeschichte. Die Aussage zu Lehrern und Schülern ist leer, weil die Quellen keine nennen. Prüfer: Das Bild von Ameise, Spinne und Biene ist in der SEP belegt (NO I, 95), nicht in der deutschen Wikipedia. Die Nova Atlantis datiert die Wikipedia widersprüchlich (geschrieben 1624, Werkliste 1627), die SEP nennt 1626 postum.
Herkunft der Daten: Empirismus und Aufklärung. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Bacon
- [1]Francis Bacon, Stanford Encyclopedia of Philosophy · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Francis Bacon (Philosoph), Wikipedia · Wikipedia
- [3]Stanford Encyclopedia of Philosophy: boyle · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [4]Wikipedia (de): Royal Society · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [5]Wikipedia (de): Robert Devereux, 2. Earl of Essex · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [6]Wikipedia (de): Walter Raleigh · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20
- [7]Wikipedia (de): Lordkanzler · Wikipedia, abgerufen 2026-10-20