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Landkarte der Philosophie

Mengzi (Menzius, Meng Ke)

Philosoph · ungefähr 372–289 v. Chr. · Zou (heute Shandong), Wanderschaft zu Höfen verschiedener Staaten, Amt im Staat Qi

Kernidee in Kürze

Mengzi vertritt, dass jeder Mensch von Natur aus Ansätze zum Guten in sich trägt, zum Beispiel Mitgefühl, Scham über Unrecht, Respekt und das Gefühl für richtig und falsch. Wie ein Spross braucht diese Anlage eine gesunde Umgebung und Pflege, damit sie zur Tugend heranwächst.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Ist der Mensch von Natur aus gut oder muss er erst gut gemacht werden, und wonach soll sich ein Herrscher richten?

Position
Mengzi hält die menschliche Natur für gut, weil jeder Mensch Anlagen zu Mitgefühl, Scham, Respekt und Urteilskraft hat, die sich bei guter Pflege zu Tugenden entwickeln. Ein Herrscher soll danach fragen, was sittlich richtig ist, und nicht danach, was ihm nützt.
Einwand
Xunzi bestreitet, dass die Anlage zum Guten angeboren ist. Dazu kommt die Frage, ob Mengzi nicht erklären muss, warum aus der gemeinsamen guten Natur so viel Schlechtes entsteht und ob die Lehre vom gesunden Umfeld nicht zirkulär ist.
Verbindung
Mengzi versteht sich als Nachfolger des Konfuzius, wendet sich gegen Mozi und wird von Xunzi und im Buch Zhuangzi kritisiert.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Mengzi war

Chinesischer Denker der konfuzianischen Tradition, der lehrte, dass der Mensch von Natur aus Anlagen zum Guten hat, und der als wichtigster Nachfolger des Konfuzius gilt.

Im Netz der Landkarte steht Mengzi als zweiter großer Lehrer des Konfuzianismus nach Konfuzius und als Gegenspieler Mozis. Seine Lehre von der guten menschlichen Natur ist die Gegenposition zu Xunzi, der dem Menschen von Natur aus schlechte Neigungen zuschreibt.

Kernidee genauer

Auch die Politik soll ihr dienen: Ein Herrscher regiert durch sittliche Überzeugung statt durch Gewalt, und er verliert seine Legitimation, wenn er das Volk schädigt. Gegen Mozis Maßstab des Nutzens setzt Mengzi, dass es um das moralisch Richtige geht und nicht um den Vorteil.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Mengzi lebte in einer Zeit, in der das alte Reich der Zhou nur noch dem Namen nach bestand und die Fürsten gegeneinander Krieg führten. Damals suchten verschiedene „Meister“ einen Weg, die Menschen aus dem Chaos zu retten, und Mengzi verstand sich dabei als Anhänger des Konfuzius.[1]

Fundstelle: Abschnitt 1 Life and Confucian Background

Bekannt für

Bekannt ist Mengzi für den Satz, dass die menschliche Natur gut ist, und für das Bild der „Sprossen“ der Tugend, die in jedem Menschen angelegt sind. Außerdem gilt er als Verteidiger der konfuzianischen Tradition gegen Mozi und Yang Zhu. Ein Alltagsbeispiel: Wenn jemand in Deinem Team eine Aufgabe schlecht erledigt, fragst Du nicht nur, was er falsch gemacht hat, sondern auch, welche Umgebung seine Anlagen wachsen lässt.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die menschliche Natur ist gut

Mengzi meint mit „Natur“ das, was ein Wesen entwickelt, wenn es in einer gesunden Umgebung aufwächst. Er sagt, alle Menschen hätten das Gefühl des Mitleids, der Scham über Unrecht, des Respekts und des Urteils über richtig und falsch. Diese Gefühle sind die Anfänge der Tugenden ren (Mitmenschlichkeit), yi (Rechtschaffenheit), li (Anstand, Ritual) und zhi (Weisheit). Das ist seine Position. Die Forschung merkt an, dass die Lehre nicht behauptet, jeder werde gut, sondern dass es eine Anlage dazu gibt, die gepflegt werden muss.

Das Herz denkt nach

Warum werden manche Menschen schlecht, wenn alle dieselbe Anlage haben? Mengzi antwortet, dass Augen und Ohren sich von den Dingen verleiten lassen, während das Herz (xin, zugleich Herz und Denkorgan) die Aufgabe hat nachzudenken. Wer zuerst auf das Größere setzt, den kann das Kleinere nicht mehr wegreißen. Das Nachdenken über die eigenen moralischen Regungen entwickelt die Anlage weiter.

Das Volk zuerst, Herrschaft durch Tugend

Im Buch Mengzi heißt es, das Volk sei das Wichtigste, danach kämen die Altäre des Landes, am wenigsten wichtig sei der Herrscher. Ein Herrscher, der sich trotz wiederholter Mahnungen nicht bessert, darf von sittlichen Ministern abgesetzt werden. Die Zufriedenheit des Volkes gilt Mengzi als Zeichen dafür, ob ein Herrscher zu Recht regiert. Ein Demokrat ist er nach einer Darstellung trotzdem nicht, denn sein Ideal bleibt der weise König, dessen Herrschaft durch die Zustimmung des Himmels und des Volkes rechtmäßig wird; andere sehen in ihm einen Fürsprecher demokratischer Grundsätze, und die Frage wird heute weiter diskutiert.

Gegen den Nutzen als Maßstab

Auf die Frage eines Königs, was seinem Reich nütze, antwortet Mengzi mit dem Satz, warum man „Nutzen“ (lì) sagen müsse, er kenne nur Mitmenschlichkeit und Rechtschaffenheit. Er sah in den Lehren Mozis und Yang Zhus die beiden großen Gefahren für die konfuzianische Tradition. Mozis umfassende Fürsorge bedeute für ihn, keinen Vater zu haben.

Begriffe

xing shan (die menschliche Natur ist gut)
ren (Mitmenschlichkeit)
yi (Rechtschaffenheit)
Herz-Geist (xin)
Herrschaft durch Tugend
Recht auf Absetzung eines schlechten Herrschers

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

7 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 6 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Kritisiert

Mengzi kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Mozi (Mo Di)Prüfstand: belegt

    Mengzi sieht in Mozis umfassender Fürsorge eine Gefahr für die Tradition, weil sie nach seinen Worten bedeutet, keinen besonderen Vater zu haben; außerdem lehnt er den Nutzen als Maßstab ab.

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Mengzi. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Xunzi (Xun Kuang)Prüfstand: belegt

    Xunzi widerspricht ausdrücklich Mengzis Satz, die menschliche Natur sei gut: Natur ist für ihn das Angeborene, das man weder lernen noch erarbeiten muss, und wären die Menschen von Natur aus gut, bräuchte es keine Rituale. Die Forschung weist darauf hin, dass beide mit „Natur“ etwas Unterschiedliches meinen.

Übernimmt Gedanken von

Mengzi übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • KonfuziusPrüfstand: belegt

    Mengzi versteht sich ausdrücklich als Anhänger des Konfuzius und führt dessen Themen weiter, zum Beispiel Herrschaft durch Tugend, Ritual und Selbstbildung, wobei er die inneren Seiten der Begriffe stärker betont.

Grundlage für

Übernehmen oder entwickeln einen Gedanken von Mengzi weiter, meist über Texte.

  • Mou ZongsanPrüfstand: belegt

    Mou Zongsan knüpft an Mengzi an: Er hielt Mengzi und Wang Yangming für Denker, die zutreffend entfalten, was bei Konfuzius schon angelegt ist, und zog Kant heran, um das Besondere von Mengzis Moral zu verstehen. Viele heutige Neukonfuzianer sind von seinen Ansichten beeinflusst.

  • Wang Yangming (Wang Shouren)Prüfstand: belegt

    Wang Yangming erklärt das „reine Wissen“ (liangzhi, angeborenes Wissen vom Guten) ausdrücklich mit Mengzis Gedanken, dass alle Menschen ein Herz für Billigung und Missbilligung haben, das ohne Nachdenken weiß. Seine Lehre von der Einheit von Wissen und Handeln vertrat er als Deutung von Mengzis Ansicht.

Untersucht von

Untersucht, kommentiert oder deutet das Werk von Mengzi, ohne es als eigene Position weiterzuführen.

  • untersucht von Dai ZhenPrüfstand: belegt

    Dais philosophisches Hauptwerk ist eine belegende Auslegung der Begriffe im Mengzi. Er legt Mengzi als Grundlage neben den Sechs Klassikern und Konfuzius aus und findet dort die philosophisch plausibelste Deutung des Weges.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • AristotelesPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Wie Aristoteles betont Mengzi die Pflege von Tugenden und Weisheit als flexible Antwort auf Situationen; anders als bei Aristoteles ist für ihn das Familienleben ein eigener Teil des guten Lebens. Ein geschichtlicher Einfluss ist nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie überliefert

    Mengzi wurde nach der Überlieferung im kleinen Staat Zou im heutigen Shandong geboren, ungefähr ein Jahrhundert nach dem Tod des Konfuzius. Seine Lebensdaten 372 bis 289 vor Christus gelten als traditionell. Gesichert ist nur, dass er am Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus noch lebte, denn das Buch berichtet Begegnungen mit Herrschern zwischen 323 und 314 vor Christus.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Mengzi lebte in der Zeit der Streitenden Reiche. Der Zhou-König war nur noch ein Aushängeschild, die Fürsten führten Krieg gegeneinander, und das Volk litt unter hohen Steuern, Räubern und Invasionen. In dieser Lage entwarfen die „Meister“ Wege (dao), um die Menschen zu retten, und Mengzi verstand sich als Nachfolger des Konfuzius.[1]

  • Biografie überliefert

    Nach der Überlieferung starb Mengzis Vater früh, und seine Mutter sorgte unter großen Mühen für seine Ausbildung. Als Erwachsener reiste er an die Höfe verschiedener Staaten und warb für Herrschaft durch Güte statt durch Gewalt. Im Staat Qi hatte er ein Amt, das vermutlich nur ein Ehrentitel war.[2]

  • Biografie überliefert

    In Qi war Mengzi an den Gesprächen über einen Angriff auf den Nachbarstaat Yan beteiligt. Er soll auf eine inoffizielle Frage geantwortet haben, ein Eingreifen sei zulässig, um die Ordnung wiederherzustellen. Als Qi das Land danach eroberte und die Bevölkerung litt, beklagte er sich, dass er diese Taten nicht gebilligt habe, und trat später von seinem Amt zurück. Wie genau seine Rolle war, ist umstritten.[1]

  • Abhängigkeit belegt

    Wir kennen Mengzis Denken nur aus dem Buch Mengzi. Nach einer Darstellung wurde es wahrscheinlich von Schülern oder deren Schülern zusammengestellt und im zweiten Jahrhundert nach Christus von Zhao Qi gekürzt und kommentiert. Nach einer anderen halten die meisten Forscher das Buch für ein Werk Mengzis und seiner unmittelbaren Schüler. Über die Entstehung sind sich die Quellen also nicht einig.[2]

Kritik

Xunzi hielt Mengzi vor, den Unterschied zwischen der angeborenen Natur und dem, was der Mensch durch bewusste Anstrengung erwirbt, nicht zu beachten. Die Forschung sieht darin zum Teil ein Aneinander-vorbei-Reden, weil beide mit „Natur“ etwas anderes meinen, hält aber auch einen echten Streit in der Sache für möglich: Mengzi sieht angeborene Ansätze zur Tugend, Xunzi scheint das ausdrücklich zu bestreiten. Gegen Mengzis Lehre wird außerdem eingewandt, sie drohe zirkulär zu werden, weil Güte als Ergebnis einer gesunden Umgebung und die gesunde Umgebung als eine, die gut macht, bestimmt werde; dieser Einwand gilt aber nicht als zwingend. Dass Mengzi die Fürsorge gegenüber Verwandten über die gegenüber Fremden stellt, ist der Kern seines Streits mit Mozi.

Wirkung heute

In der heutigen westlichen Philosophie weckt Mengzi Interesse, weil seine Ansichten über Tugenden, Charakterbildung und die menschliche Natur Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Aristoteles und Hume zeigen. Im 20. Jahrhundert wurde er zu einer Bezugsfigur der sogenannten Neukonfuzianer, etwa bei Mou Zongsan.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn jemand in Deinem Team nachlässig arbeitet, kannst Du mit Mengzi fragen, welche Anlage dahinter noch wachsen könnte und welche Umgebung sie bisher behindert hat, bevor Du die Person abschreibst. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Mengzis über Führung im Unternehmen.

Lebensstationen

  1. 372 v. Chr.ungefähr: geboren in Zou, Staat Zou im heutigen Shandong (traditionelle Angabe; die Datierung ist unsicher)
  2. 323 v. Chr.Beginn der im Buch berichteten Begegnungen mit Herrschern (bis 314 vor Christus)
  3. 289 v. Chr.ungefähr: gestorben (traditionelle Angabe)
  4. 1916Richard Wilhelms deutsche Gesamtübersetzung „Mong Dsi“ erscheint

Werke

Mengzi (Sammlung seiner Gespräche und Reden in sieben Büchern, von Schülern zusammengestellt)

Anekdote überliefert

Zu Mengzis Leben gehören laut Überlieferung mehrere berühmte Geschichten über die Entschlossenheit seiner Mutter, ihm eine gute Erziehung zu verschaffen. Wie alle Einzelheiten aus seiner Jugend sind sie nur unsicher überliefert.[1]

Lesetipps

Einstieg
Mengzi, übersetzt von Richard Wilhelm unter dem Titel „Mong Dsi“ (1916); oder die englische Ausgabe von D. C. Lau
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Mencius“; Internet Encyclopedia of Philosophy, „Mencius“

Noch nicht sicher belegt

  • Mengzis Lebensdaten 372 bis 289 vor Christus gelten als traditionell, andere Angaben nennen 371 bis 289 vor Christus; gesichert ist nur, dass er am Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus noch aktiv war. Ob er Schüler des Zisi, des Enkels von Konfuzius, war, bezweifeln die meisten heutigen Forscher. Wie das Buch Mengzi entstand, geben die Quellen unterschiedlich an: als Zusammenstellung durch Schüler oder durch Mengzi selbst und seine unmittelbaren Schüler. Seine genaue Rolle im Krieg von Qi gegen Yan ist umstritten.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 4: China. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Mengzi

  1. [1]Mencius, Abschnitt 1 Life and Confucian Background · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Mencius, Abschnitt 1 The Mencius of History · Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. [3]Mencius · Wikipedia
  4. [4]Menzius · Wikipedia
  5. [5]Mencius Chinese philosopher · Britannica

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