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Landkarte der Philosophie

Xunzi (Xun Kuang)

Philosoph · ungefähr 310–220 v. Chr. · Zhao (heute Nord- und Zentralchina), Qi (heute Shandong), Chu; Wanderung zwischen mehreren Staaten

Kernidee in Kürze

Xunzi geht davon aus, dass Menschen von Geburt an Wünsche und Neigungen haben, die zu Streit führen, wenn man ihnen ungeprüft folgt. Gut wird ein Mensch erst durch eigene Anstrengung, durch Lehrer und durch Rituale, die die Weisen der Vorzeit eingeführt haben.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Fachlexikon
Eigener Artikel in der Stanford Encyclopedia of Philosophy

Vertiefung

Zum Einstieg

Ist der Mensch von Natur aus gut oder entsteht das Gute erst durch Erziehung, Rituale und eigene Anstrengung?

Position
Gut wird er durch Lehrer, Rituale und bewusste Übung, die sein Herz-Geist ordnet.
Einwand
Seit Zhu Xi galt er vielen als Wegbereiter der harten Qin-Politik. Dazu kommt der Streit, ob er mit „Natur“ nur etwas anderes meint als Mengzi oder wirklich anderer Ansicht ist, und ob der Weg entdeckt oder geschaffen wird.
Verbindung
Xunzi widerspricht Mengzi, setzt sich mit den Mohisten auseinander und übernimmt Begriffe vom Zhuangzi. Seine Schüler Han Feizi und Li Si gingen in die Politik.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Xunzi war

Chinesischer Denker der konfuzianischen Tradition, der lehrte, dass die menschliche Natur von sich aus zu Streit und Unordnung neigt und dass Bildung, Lehrer und Rituale den Menschen erst zu einem guten Menschen machen.

Im Netz der Landkarte steht Xunzi als dritter großer Denker des frühen Konfuzianismus nach Konfuzius und Mengzi und als Gegenposition zu Mengzis Lehre von der guten menschlichen Natur. Er setzt sich mit Mozi und den Daoisten auseinander, und zwei seiner Schüler, Han Feizi und Li Si, wurden Berater des Staates Qin.

Kernidee genauer

Den Himmel versteht er als Natur, die unveränderlich abläuft, und lehnt ab, dass er in menschliche Dinge eingreift. Wohlstand und Unglück hängen davon ab, wie gut ein Staat regiert wird.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die angegebenen Quellen dokumentieren, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat. Belegt heißt dokumentiert, nicht bewiesen.

Xunzi studierte als junger Mann im Staat Qi, wo sich die meisten Philosophen der Zeit versammelten. Seine Schriften zeigen ihn mit allen damals gängigen Lehren vertraut.[2]

Fundstelle: Abschnitt 1 Life and Work

Bekannt für

Bekannt ist Xunzi für den Satz, die menschliche Natur sei schlecht und das Gute entstehe erst durch Anstrengung, und für seine rationale Sicht auf den Himmel als Natur, die weder belohnt noch bestraft. Ein Alltagsbeispiel: Du wirst nicht durch Begabung allein zu einer guten Führungskraft, sondern durch Übung, Lehrer und feste Gewohnheiten.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Die Natur ist schlecht, das Gute entsteht durch Anstrengung

Im Kapitel „Die menschliche Natur ist schlecht“ nennt Xunzi das, was ein Mensch von Geburt an mitbringt, seine Natur (xing). Wer ihr ohne Nachdenken folgt, handelt schädlich. Gut wird ein Mensch nach Xunzi durch das, was er selbst erwirbt, nämlich durch „Kunstfertigkeit“ (wei), also bewusste Übung und Bildung. Das Wort „schlecht“ meint hier etwas wie „unerfreulich“, nicht das Böse in einem religiösen Sinn. Nach heutiger Deutung meinen Xunzi und Mengzi mit „Natur“ nicht dasselbe, und beide halten alle Menschen für fähig, gut zu werden.

Rituale ordnen den Wettbewerb

Xunzi beschreibt, dass Menschen mit unbegrenzten Wünschen und knappen Gütern in Streit geraten, und dass die Weisen der Vorzeit Rituale (li) und Rechtschaffenheit einführten, um Unterschiede zu ordnen und den Streit zu begrenzen. Auch Musik dient nach ihm dazu, Gefühle in gute Bahnen zu lenken. Mit diesem Argument widerspricht er den Mohisten, die Musik für Verschwendung hielten.

Der Himmel als Natur

Der Himmel läuft wie die Natur immer gleich ab, und ob ein Staat gedeiht, hängt davon ab, wie gut er regiert wird. Xunzi rät, sich auf das menschliche Handeln zu konzentrieren und nicht über Zeichen am Himmel zu spekulieren.

Das Herz-Geist findet den Weg

Das Herz-Geist (xin) ist bei Xunzi das Organ, mit dem wir den Weg (dao) erkennen. Dazu braucht es Leere, Einheit und Ruhe, Begriffe, die Xunzi offensichtlich von früheren Denkern übernommen hat, besonders aus dem Zhuangzi. Mit ihnen kann das Herz-Geist Wahrnehmungen sammeln, ordnen und Wirklichkeit von Einbildung unterscheiden.

Begriffe

xing (angeborene Natur)
wei (Kunstfertigkeit
bewusste Anstrengung)
li (Ritual
Anstandsregeln)
dao (Weg)
tian (Himmel
Natur)
xin (Herz-Geist)
zhengming (Richtigstellung der Namen)

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

8 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 5 belegt, 1 Deutung, 1 überliefert, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Schüler

Persönliches Lehrverhältnis: wurde von Xunzi unterrichtet.

  • Han Feizi (Han Fei)Prüfstand: überliefert

    Han Feizi gilt nach der Überlieferung als Schüler Xunzis. Beide halten die Menschen für eigennützig, doch Xunzi setzt auf Erziehung zur Tugend, während Han Feizi auch den Gebildeten nicht zutraut, ihren Eigennutz zu überwinden. Eine neuere Untersuchung sieht keinen klaren Beweis für das Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Kritisiert

Xunzi kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Mengzi (Menzius, Meng Ke)Prüfstand: belegt

    Xunzi widerspricht ausdrücklich Mengzis Satz, die menschliche Natur sei gut: Natur ist für ihn das Angeborene, das man weder lernen noch erarbeiten muss, und wären die Menschen von Natur aus gut, bräuchte es keine Rituale. Die Forschung weist darauf hin, dass beide mit „Natur“ etwas Unterschiedliches meinen.

  • Mozi (Mo Di)Prüfstand: belegt

    Xunzi widerspricht den Mohisten in zwei Punkten: Sie hielten Musik wegen der Kosten für Verschwendung, doch Xunzi sieht ihren Nutzen für die Bildung der Gefühle; und er widerlegt ihre Lehre, der Himmel belohne Gute und bestrafe Tyrannen.

Übernimmt Gedanken von

Xunzi übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • KonfuziusPrüfstand: belegt

    Xunzi gilt mit Konfuzius und Mengzi als einer der drei großen Begründer der konfuzianischen Philosophie und verteidigt sie in einer ausgearbeiteten Form, besonders über das Ritual.

  • Mozi (Mo Di)Prüfstand: belegt

    Xunzi übernahm Grundgedanken der Mohisten, besonders ihren Begriff fa (Maßstab, Modell), und war von ihren Regeln des Argumentierens beeinflusst. Ihre politische Lehre hat ihn vermutlich stark geprägt; seine Ansichten zu Musik und Begräbnis entwickelte er dagegen im Widerspruch zu ihnen.

  • Zhuangzi (Zhuang Zhou)Prüfstand: belegt

    Für die drei Eigenschaften des Herz-Geistes, Leere, Einheit und Ruhe, übernahm Xunzi offensichtlich Begriffe aus dem früheren Denken, besonders aus dem Zhuangzi, und benutzt sie für eigene Zwecke. An anderen Stellen kritisiert das Buch Xunzi Zhuangzi auch.

Grundlage für

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Xunzi weiter, meist über Texte.

  • Dai ZhenPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Dai sieht sich selbst auf der Seite Mengzis, dessen Bild der menschlichen Natur er für überzeugender hält, und verwirft Xunzis Ausgangspunkt, so wie er ihn liest: Wer gut werden wolle, müsse ganz ohne Anlage zum Guten beginnen. Zugleich übernimmt er nach Einschätzung der Forschung viel von Xunzis Bild der Selbstbildung: Die natürlichen Neigungen müssen umgeformt werden, und der Herz-Geist regiert die Wünsche wie ein Herrscher, der erlaubt oder verbietet, beschrieben mit fast denselben Worten wie bei Xunzi. Der Forscher Kwong-loi Shun meint sogar, Dais Verteidigung Mengzis verdanke Xunzi mehr als Mengzi.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Thomas HobbesPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Xunzis Bild der Menschen, die ohne Rituale in Streit um knappe Güter geraten, erinnert an den Naturzustand bei Hobbes; eine Darstellung nennt die Ähnlichkeit ausdrücklich nur oberflächlich. Ein geschichtlicher Einfluss ist nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Xunzis genaue Lebensdaten sind unbekannt. Er wurde ungefähr 310 vor Christus geboren, wenn man die wahrscheinlichere Angabe annimmt, dass er mit fünfzehn Jahren nach Qi ging. Gestorben ist er nach 238 vor Christus, denn damals lebte er noch, als sein Förderer Lord Chunshen ermordet wurde. Andere Darstellungen nennen als Todesjahr ungefähr 235, 230 oder 220 vor Christus.[1]

  • Biografie belegt

    Als junger Mann studierte Xunzi im Staat Qi, wo es die größte Zahl von Philosophen gab. Danach reiste er durch viele Staaten und wurde von einigen kurz beschäftigt. Sein letztes Amt endete 238 vor Christus, als sein Förderer ermordet wurde. Damit verlor er die Chance, seine Ideen von Regierung in die Praxis umzusetzen.[2]

  • Zeitgeschehen belegt

    Xunzi lebte gegen Ende der Zeit der Streitenden Reiche, als mehrere Staaten um die Herrschaft über ganz China kämpften. Die alten politischen Ordnungen wurden dabei zugunsten von mehr Kontrolle über Menschen und Mittel aufgegeben. Für Xunzi lag die Antwort in der Wiederherstellung der Rituale der Vergangenheit.[2]

  • Abhängigkeit belegt

    Das Buch Xunzi geht auf den Hofbibliothekar Liu Xiang zurück, der im ersten Jahrhundert vor Christus 322 Bambusbündel mit Texten fand, sie Xunzi zuschrieb und 290 davon als Doppelungen ausschied. Die heutige Forschung hält die Sammlung überwiegend für echte Aufsätze Xunzis, die aber nicht in seiner eigenen Ordnung stehen. Ein paar Kapitel nennen ihn „Sun Qingzi“, einen Titel, den er selbst nicht gebraucht hätte. Auch die Kapitelgrenzen gelten als unzuverlässig.[1]

  • Wirkung belegt

    Am Ende seines Lebens war Xunzi der führende Lehrer der chinesischen Welt. Später sank sein Ansehen, weil man ihm die Lehre von der schlechten Natur und die Nähe zu seinen Schülern Han Feizi und Li Si vorwarf, die zum Legalismus gezählt werden. Zhu Xi hielt ihn für indirekt mitverantwortlich an den Katastrophen der Qin-Zeit. Heute gehört er zu den beliebtesten Philosophen Ostasiens.[1]

Kritik

Nach der späten Antike sank Xunzis Ansehen. Man hielt ihm vor allem zweierlei vor: die Lehre von der schlechten Natur und dass er als Lehrer von Han Feizi und Li Si den Legalismus (die Schule der strengen Gesetze) gefördert habe. Besonders folgenreich war das Urteil von Zhu Xi, der seine Philosophie mit der von Gesetzesdenkern verglich und ihn für indirekt mitverantwortlich an den Katastrophen der Qin-Zeit hielt; danach lehnte ihn die Hauptströmung der Konfuzianer ab. Heute hat sich das Urteil fast ins Gegenteil gedreht, weil die gängigen Einwände an Gewicht verloren haben. Offen bleibt in der Forschung, ob der Weg (dao) bei Xunzi entdeckt oder von Menschen geschaffen wird. Obwohl Xunzi von den mohistischen Regeln des Argumentierens beeinflusst war, hielt er Streitgespräche um ihrer selbst willen für Zeitverschwendung.

Wirkung heute

Xunzi gehört heute zu den beliebtesten Philosophen Ostasiens, und seine Arbeiten werden wegen ihrer einfallsreichen und zugleich sorgfältigen Argumente gelesen. Diskutiert wird zum Beispiel, ob der Weg bei ihm entdeckt oder von Menschen geschaffen wird und wie Erziehung die angeborene Natur umformen kann.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du ein neues Teammitglied einarbeitest, kannst Du mit Xunzi fragen, welche Lehrer, welche festen Abläufe und welche Übungen es braucht, damit gute Gewohnheiten entstehen, statt zu hoffen, dass es von selbst gut wird. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Xunzis über Führung im Unternehmen.

Lebensstationen

  1. 310 v. Chr.ungefähr: geboren im Staat Zhao (Datierung unsicher)
  2. 238 v. Chr.Lord Chunshen, Xunzis Förderer, wird ermordet; Xunzis letztes Amt endet
  3. 233 v. Chr.Tod seines Schülers Han Feizi
  4. 221 v. Chr.Der Staat Qin einigt China; Xunzi hat dies möglicherweise noch erlebt
  5. 220 v. Chr.ungefähr: gestorben (unsichere Angabe; sicher ist nur, dass er nach 238 vor Christus starb)

Werke

Xunzi (Sammlung von Aufsätzen in 32 Büchern, vom Hofbibliothekar Liu Xiang zusammengestellt)

Lesetipps

Einstieg
Xunzi: Basic Writings, übersetzt von Burton Watson (Columbia University Press, 2003; gekürzt)
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Xunzi“; Internet Encyclopedia of Philosophy, „Xunzi“

Noch nicht sicher belegt

  • Xunzis Lebensdaten sind nur ungefähr bekannt. Als Geburtsjahr gilt meist etwa 310 vor Christus, eine andere Darstellung nennt ungefähr 325 vor Christus. Sicher ist nur, dass er nach 238 vor Christus starb; genannt werden ungefähr 235, 230 oder 220 vor Christus. Das Buch Xunzi ist eine spätere Zusammenstellung, deren Gliederung nicht von ihm stammt. Ob der Weg (dao) bei Xunzi entdeckt oder von Menschen geschaffen wird, ist in der Forschung umstritten. Ob Xunzi und Mengzi mit „Natur“ nur Verschiedenes meinen oder auch in der Sache uneins sind, wird diskutiert.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 4: China. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Xunzi

  1. [1]Xunzi, Abschnitt 1 Xunzi and Xunzi · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Xunzi, Abschnitt 1 Life and Work · Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. [3]Mencius, Abschnitt 1 Life and Confucian Background · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  4. [4]Mohism, Abschnitt 1 Mozi and the Mohists · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. [5]Internet Encyclopedia of Philosophy
  6. [6]Zhuangzi (Zhuang Zhou) · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  7. [7]Xunzi · Britannica

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