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Landkarte der Philosophie

Mozi (Mo Di)

Philosoph · um 470–391 v. Chr. · Herkunft unsicher, nach frühen Quellen Staat Lu (heute Shandong); Amt im Staat Song (heute Henan)

Kernidee in Kürze

Mozi fragt, woran man erkennt, ob eine Handlung oder eine Regel moralisch richtig ist. Bloßes Festhalten an Tradition genügt ihm dafür nicht.

Kapitel
Asien (Überblick) (redaktionell)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Vertiefung

Zum Einstieg

Woran erkennst Du, ob eine Regel oder eine Handlung wirklich richtig ist, wenn die Tradition allein nichts beweist?

Position
Mozi verlangt einen Maßstab außerhalb der Gewohnheit: den Nutzen für alle Menschen. Daraus folgt für ihn, dass Du für fremde Menschen so sorgen sollst wie für die eigenen.
Einwand
Mengzi hielt dagegen, dass diese Fürsorge die besondere Pflicht gegenüber dem eigenen Vater aufgibt. Neuere Deutungen fragen außerdem, ob Mozis Maßstab der Nutzen oder der Wille des Himmels war, und ob gleiche Fürsorge für alle überhaupt dem Guten dient.
Verbindung
Mozi stellt sich gegen die konfuzianischen Rituale und wird von Mengzi und Xunzi angegriffen; zugleich war seine Lehre ein wichtiger Anstoß für beide. Zhuangzis Sprachkritik antwortet sehr wahrscheinlich auf die mohistische Lehre.

Redaktionell zusammengefasst. Wie Personenseiten entstehen

Wer Mozi war

Chinesischer Denker der Zeit der Streitenden Reiche, der die Schule des Mohismus begründete und verlangte, dass Menschen sich um alle gleichermaßen kümmern, statt nur um die eigene Familie und Gruppe.

Im Netz der Landkarte steht Mozi als der große Gegenspieler des Konfuzius in der Zeit der Streitenden Reiche. Er kritisiert die Rituale der Konfuzianer und wird seinerseits von Mengzi scharf angegriffen. Seine Lehre vom Nutzen für alle wird in der Forschung oft mit dem Utilitarismus verglichen, unterscheidet sich aber in wichtigen Punkten davon.

Kernidee genauer

Sein Maßstab ist der Nutzen für alle: Richtig ist, was dem Wohlstand, der Bevölkerung und der Ordnung der ganzen Welt dient. Daraus leitet er zehn Lehren ab, zum Beispiel die umfassende Fürsorge für alle Menschen, die Ablehnung von Angriffskriegen, die Sparsamkeit bei Festen und Begräbnissen und die Besetzung von Ämtern nach Fähigkeit statt nach Herkunft.

Biografischer Moment

Deutung Redaktionelle Deutung eines Zusammenhangs zwischen Leben und Denken, nicht als Tatsache belegt.

Viele Beispiele aus Handwerk, Handel und Alltagsnot in den Mohisten-Texten, der „Blick von außen“ der frühesten Texte und das fast völlige Fehlen von Ritualthemen lassen vermuten, dass der Mohismus aus einer aufsteigenden Schicht von Handwerkern, Händlern und Soldaten kam. Das ist eine Vermutung der Forschung und kein Beleg für Mozis eigenen Lebensweg.[1]

Fundstelle: Abschnitt 1 Mozi and the Mohists

Bekannt für

Man kennt Mozi für die Lehre von der umfassenden Fürsorge (jian ai), nach der Du das Wohl eines Fremden so ernst nehmen sollst wie das eigene. Er gilt außerdem als Gegner von Angriffskriegen, der seinen Anhängern zugleich beibrachte, bedrohte Städte zu verteidigen. Ein Alltagsbeispiel: Du bewertest eine Entscheidung im Unternehmen nicht danach, wem sie nützt, der Du nahestehst, sondern danach, was sie für alle Betroffenen bedeutet.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Der Maßstab ist der Nutzen für alle

Die Mohisten (so heißen Mozis Anhänger) bemerkten als Erste in der chinesischen Tradition, dass allein das Befolgen der Bräuche noch nicht beweist, dass eine Handlung richtig ist. Das ist die Position der Mohisten, und die heutige Forschung deutet sie als eine Form von Konsequentialismus, also einer Ethik, die Handlungen nach ihren Folgen beurteilt.

Umfassende Fürsorge (jian ai)

Mozi sieht die Ursache der Probleme der Welt darin, dass Menschen sich stärker um sich selbst und ihnen Nahestehende kümmern als um Fremde. Nach heutiger Deutung verlangt diese Lehre nicht, alle gleich zu behandeln, sondern für alle ähnliche moralische Anteilnahme zu haben: Die Texte kennen weiterhin besondere Pflichten gegenüber den Eltern und der Familie.

Gegen Angriffskriege und Verschwendung

Die Mohisten verurteilten Angriffskriege, weil sie aus denselben Gründen falsch seien wie Diebstahl, Raub und Mord: Sie schaden anderen um des eigenen Vorteils willen und nützen am Ende weder dem Himmel noch der Gesellschaft. Zugleich bauten sie eine Truppe für die Verteidigung auf, die angegriffenen Staaten half. Ebenso lehnten sie prunkvolle Begräbnisse, lange Trauerzeiten und aufwendige Musik der Oberschicht ab, weil sie Mittel verbrauchten, die das einfache Volk brauchte.

Der Himmel als Maßstab und Politik nach Leistung

Die Mohisten stellten sich den Himmel (tian) als wissenden Wächter vor, der das Gute belohnt und das Böse bestraft und dessen Wille der Maßstab für richtiges Handeln ist. In der Politik forderten sie, Ämter nach Fähigkeit und sittlicher Leistung zu vergeben, unabhängig von der Herkunft.

Begriffe

jian ai (umfassende Fürsorge
unparteiische Anteilnahme)
lì (Nutzen für alle)
tian (Himmel als Maßstab)
Ablehnung von Angriffskriegen
Sparsamkeit

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

8 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 5 belegt, 2 Deutung, 1 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet

Kritisiert

Mozi kritisiert eine bestimmte These. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • KonfuziusPrüfstand: belegt

    Mozi und seine Anhänger greifen Bräuche an, die den Konfuzianern wichtig waren, nämlich aufwendige Begräbnisse, lange Trauerzeiten und höfische Musik, weil sie das Volk belasten und der Welt nicht nützen. Nach der Überlieferung lernte Mozi zunächst bei konfuzianischen Lehrern.

Wird kritisiert von

Kritik an einer bestimmten These von Mozi. Gemeint ist die Sache. Ob daraus auch ein persönlicher Bruch wurde, steht jeweils in der Erklärung.

  • Han Feizi (Han Fei)Prüfstand: belegt

    Han Feizi greift die Moralredner unter den Anhängern von Konfuzius und Mozi an: Sie führten die Herrscher mit ihren Argumenten in die Irre, und ihre Berufung auf die Vergangenheit sei nicht prüfbar, weil beide Seiten sich über deren Lehren nicht einigen.

  • Mengzi (Menzius, Meng Ke)Prüfstand: belegt

    Mengzi sieht in Mozis umfassender Fürsorge eine Gefahr für die Tradition, weil sie nach seinen Worten bedeutet, keinen besonderen Vater zu haben; außerdem lehnt er den Nutzen als Maßstab ab.

  • Xunzi (Xun Kuang)Prüfstand: belegt

    Xunzi widerspricht den Mohisten in zwei Punkten: Sie hielten Musik wegen der Kosten für Verschwendung, doch Xunzi sieht ihren Nutzen für die Bildung der Gefühle; und er widerlegt ihre Lehre, der Himmel belohne Gute und bestrafe Tyrannen.

Grundlage für

Übernehmen oder entwickeln einen Gedanken von Mozi weiter, meist über Texte.

  • Xunzi (Xun Kuang)Prüfstand: belegt

    Xunzi übernahm Grundgedanken der Mohisten, besonders ihren Begriff fa (Maßstab, Modell), und war von ihren Regeln des Argumentierens beeinflusst. Ihre politische Lehre hat ihn vermutlich stark geprägt; seine Ansichten zu Musik und Begräbnis entwickelte er dagegen im Widerspruch zu ihnen.

  • Zhuangzi (Zhuang Zhou)Prüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Auf das Buch Zhuangzi wirkte Mozis Lehre als Gegenposition: Zhuangzi nutzt seine Überlegungen zur Sprache, um Mozis Nutzenlehre zu untergraben, und lehnt Mozis Berufung auf den Himmel (tian) als Maßstab ab. Nach einer Forschungsmeinung bildet die mohistische Gewohnheit, den richtigen Weg in Lehrsätzen festzuhalten, sehr wahrscheinlich den Hintergrund der Sprachkritik im Kapitel „Über die Gleichheit der Dinge“.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • John Stuart MillPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Die mohistische Ethik des Nutzens für alle erinnert an den Utilitarismus, ist aber anders als dieser nicht auf das Glück des Einzelnen gerichtet, sondern auf Güter wie Wohlstand, Bevölkerung und Ordnung. Ein geschichtlicher Einfluss ist nicht behauptet.

  • Thomas HobbesPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Wie Hobbes beginnt die mohistische Politik mit einem Zustand vor dem Staat, doch dort entsteht die Gewalt aus dem Streit über das moralisch Richtige und nicht aus Eigennutz. Ein geschichtlicher Einfluss ist nicht behauptet.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Biografie belegt

    Über Mozis Leben ist sehr wenig bekannt, nicht einmal sein Herkunftsstaat. Ein später Bericht aus der Han-Zeit nennt ihn einen Beamten im Staat Song, der zur selben Zeit wie Konfuzius oder danach lebte. Am wahrscheinlichsten wirkte er in der Mitte bis zum Ende des fünften Jahrhunderts vor Christus.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Mozi lebte in der Zeit der Streitenden Reiche, als China in viele Staaten zerfiel, die immer wieder gegeneinander Krieg führten. Die Mohisten wollten eine friedliche, geordnete Gesellschaft und verurteilten Angriffskriege. Zugleich hielten sie einen starken Schutz für wichtig und halfen Städten, die angegriffen wurden.[1]

  • Biografie überliefert

    Mozi stammte vermutlich aus dem Handwerk. Mehrere Geschichten zeigen ihn als Handwerksmeister und Ingenieur im Kriegswesen, und ein Bericht erzählt, dass der König von Chu ihn wegen seines niedrigen Standes nicht empfing. Dass er Zimmermann war, ist nur eine Vermutung der Forschung.[1]

  • Abhängigkeit belegt

    Das Buch Mozi stammt nicht in einem Stück von einer Person. Es ist eine Sammlung von Streitschriften, Gesprächen und Lehrstücken, deren Teile vom fünften bis zum dritten Jahrhundert vor Christus entstanden. Was genau auf Mozi selbst zurückgeht, lässt sich deshalb nicht sicher sagen. Die Abschnitte zur Verteidigung von Städten stehen im letzten Viertel des Buches.[1]

  • Wirkung belegt

    Zu ihrer Blütezeit im vierten und dritten Jahrhundert vor Christus war keine Schule einflussreicher als die der Mohisten. Nach der Einigung Chinas unter der Qin-Dynastie (221 bis 207 vor Christus) ging die Bewegung zurück und verschwand bis zur Mitte der Westlichen Han-Zeit. Das Buch Mozi überlebte nur, weil es in eine große Sammlung daoistischer Schriften aufgenommen wurde.[1]

Kritik

Schon die Zeitgenossen warfen den Mohisten vor allem ihre karge Lebensweise, ihre Ablehnung der Musik und ihre schlichten Begräbnisse vor. Der Konfuzianer Xunzi verteidigte Begräbnisrituale und Musik gegen sie, weil diese den Gefühlen der Menschen eine Form geben. Heutige Deutungen halten diesen Einwand für berechtigt, soweit die Mohisten das Gute auf das materielle Auskommen verengen. Gegen die umfassende Fürsorge selbst richtete sich vor allem Mengzi. Ob Mozi eher nach dem Nutzen für alle oder nach dem Willen des Himmels urteilte, ist in der Forschung umstritten. Außerdem wird bemängelt, dass die Mohisten die Unparteilichkeit an der falschen Stelle verlangen und das menschliche Wohl zu eng fassen.

Wirkung heute

Die Fragen, die die Mohisten aufwarfen, gehören bis heute zu den Grundfragen der Ethik: wie viel wir den Interessen anderer schulden, welche Rolle Unparteilichkeit spielt und was ein gutes Leben ausmacht. Nach einer heutigen Deutung verdient eine weiterentwickelte Fassung ihrer Ethik, die Handlungen nach ihren Folgen für das Wohl aller beurteilt, auch heute eine kritische Prüfung.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Wenn Du in Deinem Team entscheiden musst, wer eine interessante Aufgabe bekommt, kannst Du mit Mozi fragen, wer sie am besten ausfüllt und was die Entscheidung für alle Betroffenen bedeutet, nicht nur für die Person, die Dir am nächsten steht. Das ist eine Übertragung und keine Aussage Mozis über Führung im Unternehmen.

Lebensstationen

  1. 479 v. Chr.Tod des Konfuzius; Mozi lebte nach den Quellen zur selben Zeit oder danach
  2. 221 v. Chr.Einigung Chinas unter der Qin-Dynastie; danach geht die mohistische Bewegung zurück

Werke

Mozi (Sammelwerk, dessen Teile aus dem fünften bis dritten Jahrhundert vor Christus stammen)

Anekdote überliefert

Nach dem Buch Mozi (Kapitel „Gongshu“) soll Mozi zehn Tage nach Chu gewandert sein, um einen Angriff auf Song zu verhindern. Er soll am Hof von Chu in Kriegsspielen gegen den Strategen Gongshu Ban alle Angriffspläne beantwortet haben. Ob die Erzählung geschichtlich stimmt, ist nicht gesichert.[3]

Lesetipps

Einstieg
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Mohism“ (Überblick mit allen zehn Lehren) und Internet Encyclopedia of Philosophy, „Mozi“
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy, „Mohism“

Noch nicht sicher belegt

  • Mozis Lebensdaten sind nur ungefähr überliefert. Eine verbreitete Angabe ist ungefähr 470 bis 391 vor Christus; andere Darstellungen nennen ungefähr 460 bis 390 oder 490 bis 381 vor Christus oder setzen sein Wirken allgemein in die Mitte bis zum Ende des fünften Jahrhunderts, manche bis ins frühe vierte Jahrhundert vor Christus. Auch sein Herkunftsstaat ist nicht gesichert: Frühe Quellen nennen Lu, ein Bericht aus der Han-Zeit nennt ein Amt im Staat Song. Dass er Handwerker war, ist nur vermutet. Das Buch Mozi ist ein Sammelwerk mehrerer Verfasser, daher lässt sich nicht sagen, welche Gedanken von Mozi selbst stammen. Ob für die Mohisten der Wille des Himmels oder der Nutzen für alle der eigentliche Maßstab war, ist in der Forschung umstritten.

Herkunft der Daten: Pflichtliste Welle 4: China. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Wie wir prüfen

Quellen zu Mozi

  1. [1]Mohism, Abschnitt 1 Mozi and the Mohists · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Internet Encyclopedia of Philosophy
  3. [3]Mozi · Wikipedia
  4. [4]Mozi · Wikipedia
  5. [5]Mozi Chinese philosopher · Britannica
  6. [6]encyclopedia.com/humanities/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/mozi-c-470-c-391-bce · Webseite
  7. [7]Zhuangzi (Zhuang Zhou) · Stanford Encyclopedia of Philosophy

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