Chris Argyris
Organisationsforscher · 1923–2013 · Newark (New Jersey), später Yale und Harvard
- Kapitel
- System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Fragst du nach einem Fehler nur, wie du ihn behebst, oder auch, ob das Ziel selbst stimmt?
- Position
- Argyris unterscheidet Einschleifenlernen, das Fehler im Rahmen bestehender Regeln korrigiert, von Doppelschleifenlernen, das auch Ziele und Annahmen verändert. Viele Organisationen widerstehen der zweiten Schleife aus Widerstand gegen Veränderung, Angst vor Misserfolg und übertriebener Kontrolle. Defensive Routinen schützen vor Verlegenheit und verhindern so das Lernen.
- Einwand
- Die abgerufenen Quellen nennen keinen ausdrücklichen Einwand gegen die Unterscheidung. Cyert und March beschrieben schon 1963, dass Organisationen ihr Verhalten nach Regeln ändern und auf längere Sicht auch die Regeln selbst, was die Wikipedia als Vorläufer des Doppelschleifenlernens bezeichnet.
- Verbindung
- Argyris hat mit Schön gemeinsam Organisational Learning geschrieben, kannte Lewin und lässt sich mit Batesons Lernebenen vergleichen.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kommt in diesen Denkwegen vor
Amerikanischer Organisationsforscher, der mit Donald Schön Einschleifen- und Doppelschleifenlernen unterschied und defensive Routinen in Organisationen beschrieb.
Argyris steht in diesem Kapitel für Lernen und Veränderung in Organisationen. Er arbeitet mit Donald Schön zusammen, ist wie Edgar Schein ein Pionier der Organisationsentwicklung, begegnete Kurt Lewin und lässt sich redaktionell mit Batesons Lernebenen vergleichen.
Kernidee
Argyris unterscheidet zwei Arten des Lernens: Beim Einschleifenlernen wird ein Fehler mit anderen Mitteln korrigiert, ohne das Ziel in Frage zu stellen. Beim Doppelschleifenlernen werden auch die Annahmen, Ziele und Regeln überprüft, die zu dem Handeln geführt haben. Organisationen widerstehen dem oft durch defensive Routinen, mit denen sich Menschen vor Verlegenheit und Bedrohung schützen.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Nach seinem Militärdienst studierte Argyris Psychologie an der Clark University, wo er Kurt Lewin begegnete. Danach promovierte er an der Cornell University mit einer Arbeit über Organisationsverhalten. Die Quelle sagt nicht, wie die Begegnung mit Lewin sein späteres Denken geprägt hat.[1]
Fundstelle: Abschnitt Biography
Bekannt für
Argyris ist bekannt für die Unterscheidung von Einschleifen- und Doppelschleifenlernen und für den Begriff der defensiven Routinen. Er gilt als Pionier der Organisationsentwicklung und des organisationalen Lernens.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Einschleifen- und Doppelschleifenlernen
Argyris und Schön beschreiben Lernen als Entdecken und Korrigieren von Fehlern, also von Abweichungen zwischen beabsichtigtem und tatsächlichem Ergebnis. Beim Einschleifenlernen ändern sich die Handlungen, die handlungsleitenden Variablen bleiben unverändert, beim Doppelschleifenlernen werden auch diese Variablen geprüft. Argyris vergleicht das mit einem Thermostat: Ein Thermostat, der bei unter 69 Grad Fahrenheit heizt, lernt in einer Schleife; ein Thermostat, der fragt, warum er auf 69 Grad eingestellt ist, lernte in zwei Schleifen. Im Team heißt das: Nach einem Fehler nur die Abläufe zu verbessern, ist Einschleifenlernen, die Frage nach dem Ziel dahinter ist die zweite Schleife.
Defensive Routinen
Defensive Routinen sind nach der Darstellung von William R. Noonan, der sich auf Argyris stützt, Muster zwischenmenschlicher Interaktion, mit denen sich Menschen vor Verlegenheit und Bedrohung schützen. Bedrohung entsteht, wenn die Fähigkeiten einer Person von einer Kollegin oder einer Autoritätsperson negativ bewertet werden. Wenn in Meetings ein heikles Thema alle kennen, aber niemand anspricht, wirkt eine defensive Routine.
Handlungstheorien
Argyris unterscheidet die erklärte Handlungstheorie (espoused theory) von der tatsächlich gelebten (theory-in-use). Sein Modell 1 beschreibt defensives Denken, das Konflikte um die handlungsleitenden Variablen unterdrückt, und Modell 2 beschreibt produktives Denken, das offen nachfragt. Bevor du ein Team auf Offenheit verpflichtest, kannst du prüfen, ob das tatsächliche Verhalten dem Anspruch entspricht.
Begriffe
- Einschleifenlernen
- Doppelschleifenlernen
- handlungsleitende Variablen
- defensive Routinen
- Handlungstheorie
- Aktionswissenschaft
- Schlussleiter
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
5 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 2 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Donald SchönPrüfstand: belegt
Argyris und Donald Schön schrieben gemeinsam Theory in Practice (1974) und Organizational Learning (1978) und entwickelten die Unterscheidung von Einschleifen- und Doppelschleifenlernen.
Kurt LewinPrüfstand: belegt
Argyris begegnete Kurt Lewin während seines Psychologiestudiums an der Clark University.
Grundlage für
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken von Argyris weiter, meist über Texte.
Amy EdmondsonPrüfstand: belegt
Edmondsons Studie von 1999 zitiert Argyris und Schöns Organizational Learning (1978) und Argyris' Reasoning, Learning and Action (1982); sie schrieb später auch einen Nachruf auf Argyris.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Gregory BatesonPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Argyris' Doppelschleifenlernen und Batesons Lernebenen fragen beide, ob ein Lernender nur sein Handeln oder auch den Rahmen dieses Handelns ändert; ein Bezug zwischen beiden ist in den abgerufenen Quellen nicht belegt.
Mary Parker FollettPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Mary Parker Follett und Argyris stellen beide zwischenmenschliche Beziehungen und informelle Prozesse in Organisationen ins Zentrum; ein Einfluss Folletts auf Argyris wird in den abgerufenen Quellen nicht belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Argyris wuchs als Sohn griechischer Einwanderer in New Jersey und zeitweise in Athen auf, diente im Zweiten Weltkrieg im Signalkorps der amerikanischen Armee und studierte danach Psychologie an der Clark University, wo er Kurt Lewin begegnete.[1]
Abhängigkeit belegt
Argyris war als Direktor der Beratungsfirma Monitor Deloitte in Cambridge, Massachusetts, tätig. Die Quelle nennt dazu keinen Zeitraum.[1]
Kritik
In den abgerufenen Quellen steht keine ausdrückliche Kritik an Argyris' Lerntheorie. Offen bleibt, wie weit seine Modelle über die untersuchten Fälle hinaus gelten.
Wirkung heute
Argyris gilt nach der englischen Wikipedia als Pionier der Organisationsentwicklung und ist für grundlegende Arbeiten zu lernenden Organisationen bekannt. Peter Senge nennt Argyris einen fähigen Lehrer, dessen geübte Praxis half, verborgene Denkmuster zu erkennen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn dasselbe Problem in deinem Team immer wiederkehrt, kannst du fragen, welche Annahme hinter der bisherigen Lösung steht und ob sie noch gilt. Das ist der Schritt von der ersten zur zweiten Schleife. Defensive Routinen erkennst du an Themen, die alle kennen und niemand anspricht; das ist eine Übertragung auf Führung und kein Rezept von Argyris.
Lebensstationen
- 1923Geburt in Newark, New Jersey (16. Juli)
- 1951Promotion an der Cornell University, Beginn in Yale
- 1957Personality and Organization erscheint
- 1971Wechsel an die Harvard University
- 1978Organizational Learning mit Donald Schön
- 1990Overcoming Organizational Defenses erscheint
- 2013Tod am 16. November
Werke
- Organizational Learning: A Theory of Action Perspective (1978)
Ersterscheinung: Reading, Massachusetts: Addison-Wesley, 1978, mit Donald A. Schön.
- Theory in Practice: Increasing Professional Effectiveness (1974)
Ersterscheinung: San Francisco: Jossey-Bass, 1974, mit Donald A. Schön.
- Overcoming Organizational Defenses: Facilitating Organizational Learning (1990)
Ersterscheinung: Boston: Allyn and Bacon, 1990.
Lesetipps
- Einstieg
- Chris Argyris, Teaching Smart People How to Learn, Harvard Business Review, Band 69, Heft 3 (1991), Seiten 99 bis 109; der Thermostat-Vergleich zum Doppelschleifenlernen.
- Vertiefung
- Chris Argyris und Donald Schön, Die lernende Organisation (Klett-Cotta, 1999 bzw. 2002)
Noch nicht sicher belegt
- Die Darstellung stützt sich auf die englische und die deutsche Wikipedia und auf einen Aufsatz von William Noonan (The Systems Thinker) als Sekundärquelle für defensive Routinen.
- Die Definition der defensiven Routinen folgt Noonans Aufsatz, nicht dem Buch von Argyris (1990).
- Ob Argyris und Schön 1978 Bateson nennen, ist offen.
- Die Verbindung zu Bateson ist eine Lesart der Redaktion.
- Für einen Einfluss von Follett auf Argyris gibt es keinen Beleg, die Verbindung ist ein Vergleich und als Deutung gekennzeichnet.
- Die deutsche Ausgabe „Die lernende Organisation“ (Klett-Cotta, Stuttgart 1999) übersetzt „Organizational Learning II“ (1996), nicht das Buch von 1978.
- Die deutsche Wikipedia nennt außerdem eine zweite Auflage von 2002.
- Als Übersetzer nennt Monoskop Wolfgang Riehl, der Katalog Wolfgang Rhiel.
- Das Thermostat-Beispiel (69 Grad Fahrenheit) stammt aus einem Zitat in der Wikipedia.
- Das Heft der Harvard Business Review von 1991 als Lesetipp stammt aus den Einzelnachweisen der englischen Wikipedia.
- Die englische Wikipedia datiert das Doppelschleifenlernen auf Argyris und Schön 1974 („Theory in Practice“), die Seite Reflective practice auf 1978.
Wege durchs Netz
Argyris unterschied mit Schön Einschleifen- und Doppelschleifenlernen und beschrieb defensive Routinen.
Herkunft der Daten: Kapitel System, Organisation und Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Argyris
- [1]Chris Argyris – Wikipedia (en), Abschnitt Biography
- [2]Chris Argyris · Wikipedia
- [3]Double-loop learning · Wikipedia
- [4]thesystemsthinker.com/wp-content/uploads/pdfs/181001pk.pdf · Webseite
- [5]Donald Schön – Wikipedia (en), Abschnitt Education and career
- [6]monoskop.org/Donald_Schön · Webseite