Donald Schön
Philosoph und Professor für Stadtplanung · 1930–1997 · Boston, später Massachusetts Institute of Technology (Cambridge)
- Kapitel
- System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- PragmatismusDeutung[3]
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Denkst du erst nach und handelst dann, oder denkst du beim Handeln mit?
- Position
- Schön antwortet, dass erfahrene Fachleute im Handeln nachdenken und die Situation wie ein Gegenüber behandeln, das auf ihre Züge antwortet. Diese Reflexion im Handeln ist für ihn ein Wissen, das sich nicht auf technische Regelanwendung reduzieren lässt. Begriffe wie Problemrahmung und den Vorrang praktischen Wissens leitet er nach eigener Aussage aus Deweys Schriften ab.
- Einwand
- Harvey Shapiro wendet ein, dass Deweys Schriften umfassendere Vorstellungen von beruflichem Wachstum bieten als Schöns Darstellung.
- Verbindung
- Schön baut auf Deweys Theorie des Forschens auf und lässt sich mit Lewin und Kolb in die Tradition des Erfahrungslernens einordnen; mit Argyris arbeitete er an organisationalem Lernen.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kommt in diesen Denkwegen vor
Amerikanischer Philosoph und Professor für Stadtplanung, der den Begriff des reflektierenden Praktikers prägte und mit Argyris das organisationale Lernen erforschte.
Schön verbindet in diesem Kapitel Deweys Denken über Erfahrung und Forschen mit der Frage nach Lernen in Organisationen. Mit Argyris schrieb er über organisationales Lernen, und nach eigener Aussage leitete er die Reflexion im Handeln aus Deweys Schriften ab.
Kernidee
Schön untersucht, wie Fachleute in schwierigen Lagen tatsächlich denken. Seine Antwort: Sie handeln und denken zugleich nach, das nennt er Reflexion im Handeln, und sie sehen die Lage in einem Gespräch mit der Situation, die zurückspricht. Damit stellt er ein Bild in Frage, nach dem Fachleute nur wissenschaftliches Wissen technisch anwenden.
Biografischer Moment
Belegter Einfluss Die Quellen belegen, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat.
Schön beschrieb, dass er den Prozess des Planens nicht verstand und nicht feststellen konnte, was seine Studierenden aus Praxiserfahrungen lernten. Aus dieser selbst geschilderten Ratlosigkeit entwickelte er nach der Quelle seine Idee der Reflexion im Handeln. Es handelt sich um die Darstellung der Wikipedia zu seiner eigenen Beschreibung.[1]
Fundstelle: Abschnitt Contributions
Bekannt für
Man kennt Schön vor allem für The Reflective Practitioner und die Unterscheidung von Reflexion im Handeln und über das Handeln. Mit Argyris prägte er den Gedanken des organisationalen Lernens.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Reflexion im Handeln
In The Reflective Practitioner führt Schön die Reflexion im Handeln als Lern- und Arbeitsmethode ein, in der Theorien situationsbezogen entwickelt und durch das Handeln selbst erforscht werden. Er unterscheidet Wissen im Handeln, Reflexion im Handeln und Reflexion über das Handeln. Eine erfahrene Moderatorin merkt mitten im Workshop, dass die Stimmung kippt, und ändert ihr Vorgehen, ohne eine Pause einzulegen.
Gespräch mit der Situation
Nach der englischen Wikipedia beschreibt Schön den Entwurfsprozess als Gespräch mit der Situation: Fachleute wie Architekten, Planer oder Psychoanalytiker machen strategische Züge, und die Situation antwortet darauf. Er stellt der herrschenden technischen Rationalität, die Wissen nur technisch anwendet, die Reflexion im Handeln gegenüber. Wenn du eine Änderung im Team ausprobierst und genau beobachtest, wie die Lage antwortet, arbeitest du ähnlich.
Organisationales Lernen mit Argyris
Gemeinsam mit Chris Argyris entwickelte Schön die Unterscheidung von Einschleifen- und Doppelschleifenlernen in Theory in Practice (1974) und Organizational Learning (1978). Für beide besteht Lernen im Entdecken und Korrigieren von Fehlern. Das ergänzt die Reflexion im Handeln um die Frage, wie ganze Organisationen ihre Annahmen prüfen.
Begriffe
- reflektierender Praktiker
- Reflexion im Handeln
- Reflexion über das Handeln
- Wissen im Handeln
- technische Rationalität
- generative Metapher
- lernende Systeme
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Chris ArgyrisPrüfstand: belegt
Argyris und Donald Schön schrieben gemeinsam Theory in Practice (1974) und Organizational Learning (1978) und entwickelten die Unterscheidung von Einschleifen- und Doppelschleifenlernen.
Baut auf
Schön übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
John DeweyPrüfstand: belegt
Schön schrieb seine Doktorarbeit in Harvard über Deweys Theorie des Forschens und leitete nach eigener Aussage Begriffe wie Reflexion im Handeln, Problemrahmung und den Vorrang praktischen Wissens aus Deweys Schriften ab.
Untersucht
Schön untersucht, kommentiert oder deutet das Werk, ohne die Gedanken als eigene Position weiterzuführen.
untersucht John DeweyPrüfstand: belegt
Donald Schön promovierte in Philosophie an der Harvard University mit einer Arbeit über John Deweys Untersuchungstheorie (theory of inquiry).
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Kurt LewinPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Die englische Wikipedia ordnet Schöns Arbeit in die Tradition des Erfahrungslernens ein, zu der auch Dewey, Lewin, Rogers und Kolb zählen; ein direkter Einfluss Lewins auf Schön ist nicht belegt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie belegt
Schön arbeitete von 1957 bis 1963 bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little, wo sein erstes wichtiges Werk The Displacement of Concepts entstand, und wurde 1968 Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology.[2]
Zeitgeschehen belegt
Schön hielt 1970 die Reith Lectures der British Broadcasting Corporation über das Lernen in Organisationen und Gesellschaften, die sich dauernd verändern. Daraus wurde sein Buch Beyond the Stable State.[1]
Kritik
Der Bildungswissenschaftler Harvey Shapiro hält dagegen, dass Deweys Schriften umfassendere und besser verbundene Vorstellungen von beruflichem Wachstum bieten als Schöns. Die Wikipedia nennt außerdem ausdrücklich, dass Schön seine Begriffe aus Dewey ableitete, und diese Ableitung wird von Shapiro in Frage gestellt.
Wirkung heute
Reflexion im Handeln hat nach der englischen Wikipedia besonders die Lehrerbildung, die Gesundheits- und Sozialberufe und die Architektur geprägt und wurde von konstruktivistischen Reformern der Lehrerausbildung aufgegriffen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Nach einem schwierigen Gespräch kannst du dir zwei Fragen stellen, nämlich was du im Gespräch bemerkt hast und was du beim nächsten Mal anders machen würdest. Das entspricht Schöns Unterscheidung von Reflexion im Handeln und über das Handeln. Er untersuchte Fachleute wie Architekten und Planer, daher ist die Übertragung auf Führung eine Analogie.
Lebensstationen
- 1930Geburt in Boston (19. September)
- 1954Doktorarbeit an der Harvard University (Jahr nach Monoskop)
- 1957Beginn der Beratertätigkeit bei Arthur D. Little
- 1968Gastprofessor am Massachusetts Institute of Technology
- 1978Organizational Learning mit Argyris
- 1983The Reflective Practitioner erscheint
- 1997Tod (13. September)
Werke
- The Reflective Practitioner: How Professionals Think in Action (1983)
Ersterscheinung: New York: Basic Books und London: Temple Smith, 1983.
- Rationality in the Practical Decision-Process (1954)
Ersterscheinung: Doktorarbeit, Harvard University, 1954 (Jahr und Titel nach Monoskop; die englische und deutsche Wikipedia nennen nur als Thema die Dewey'sche Theorie des Forschens).
- Organizational Learning: A Theory of Action Perspective (1978)
Ersterscheinung: Reading, Massachusetts: Addison-Wesley, 1978, mit Chris Argyris.
Lesetipps
- Einstieg
- Donald A. Schön, The Reflective Practitioner: How Professionals Think in Action (Basic Books, 1983); das Hauptwerk zur Reflexion im Handeln.
- Vertiefung
- Reflective practice – Wikipedia (en), Abschnitt Argyris and Schön 1978 und Hinweise zu Dewey
Noch nicht sicher belegt
- Stützen sind die englische und die deutsche Wikipedia und Monoskop.
- Beide Wikipedia-Fassungen sagen, Schöns Dissertation an der Harvard University habe sich mit John Deweys Theorie des Forschens befasst.
- Den Titel „Rationality in the Practical Decision-Process“ (Harvard 1954) nennt nur Monoskop.
- Dass genau diese Arbeit die Dewey-Dissertation ist, folgt aus der Zuordnung, wird aber nicht ausdrücklich gesagt.
- Für das Jahr der Dissertation nennt Monoskop 1954, eine Suchzusammenfassung zu einer weiteren Quelle nennt 1955.
- In der englischen Wikipedia ist die Darstellung, Schön habe die Begriffe aus Dewey abgeleitet, eine eigene Aussage Schöns.
- Harvey Shapiro widerspricht ihrer Tiefe.
- Die deutsche Ausgabe „Die lernende Organisation“ (Klett-Cotta 1999) gehört zu „Organizational Learning II“ (1996), nicht zur Erstausgabe von 1978.
- Das Beispiel der Moderatorin im Workshop ist ein Alltagsbeispiel der Redaktion.
- „Beyond the Stable State“ erschien deutsch als „Die lernende Gesellschaft“ (Luchterhand, Neuwied 1973) laut Monoskop.
- Die Zuordnung zum Pragmatismus ist eine Deutung der Redaktion, die Quelle nennt Dewey, nicht den Pragmatismus als Richtung.
Wege durchs Netz
Schön prägte den Begriff des reflektierenden Praktikers, der beim Handeln über sein Handeln nachdenkt.
Herkunft der Daten: Kapitel System, Organisation und Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.