Martin Buber
1878–1965 · Wien, Heppenheim, Jerusalem
- Strömung
- Phänomenologie und Existenzialismus
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was soll ich tun? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Religionsphilosoph des Dialogs, der dem einsamen Dasein der Existenzphilosophen die Beziehung von Ich und Du gegenüberstellte.
Buber kritisierte Kierkegaards Gottesliebe, die den Nächsten ausschließe, und setzte sich in Gottesfinsternis mit Heidegger und Sartre auseinander. Levinas warf ihm im Gegenzug vor, die Beziehung zu ästhetisch zu fassen.
Kernidee
Buber unterscheidet zwei Grundworte: Ich-Es macht das Gegenüber zum Gegenstand, Ich-Du ist eine wechselseitige Begegnung. Das Wesentliche geschieht für ihn im Zwischen, nicht im einzelnen Ich. Gegen Denker, die das Subjekt in sich abschließen, setzt er die Beziehung zu Menschen, Natur und Gott.
Bekannt für
Man kennt Buber für Ich und Du von 1923, ein Buch über die Begegnung von Mensch zu Mensch und zu Gott. Außerdem für seine Nacherzählungen chassidischer Geschichten und die Bibelübersetzung mit Franz Rosenzweig.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Ich-Du und Ich-Es
Ich-Es ist die Beziehung zu etwas, das du benutzt oder betrachtest. Ich-Du ist eine Begegnung, in der du dem anderen als Ganzem gegenüberstehst, und sie entfaltet sich zu Menschen, Natur und Gott. In einem Mitarbeitergespräch merkst du den Unterschied, ob du eine Checkliste abarbeitest oder wirklich zuhörst.
Das Zwischen
Im Zentrum seines Denkens steht das Zwischen, also was zwischen zwei Menschen geschieht und weder dem einen noch dem anderen allein gehört. Das dialogische Prinzip prägte die Erwachsenenbildung und Psychotherapie, etwa bei Hans Trüb. In einem Team zeigt sich das, wenn eine gute Besprechung etwas hervorbringt, das keiner allein vorbereitet hat.
Kritik am geschlossenen Subjekt
In der Auseinandersetzung mit Heidegger und Sartre betont Buber die Beziehung zwischen Mensch und absoluter Wirklichkeit und lehnt das in sich geschlossene Subjekt ab. Theunissen sieht in ihm eine Alternative zum Existentialismus. Wer als Führungskraft nur seine eigene Entscheidung im Blick hat, übersieht, dass Verantwortung immer in Beziehung entsteht.
Begriffe
- Ich-Du
- Ich-Es
- das Zwischen
- Dialog
- Chassidismus
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Schüler
- Hans Trüb: Psychotherapeut, der das dialogische Prinzip aufnahm (laut SEP)
Freunde
- Franz Rosenzweig: gemeinsame Bibelübersetzung, Buber vollendete sie nach Rosenzweigs Tod 1929 allein
Gegner
- Gershom Scholem: Kritik an Bubers Deutung des Chassidismus
- Emmanuel Levinas: warf ihm eine ästhetisierende Haltung vor
- Kierkegaard: Bubers Essay von 1936 kritisiert dessen Gottesliebe
Verbindungen im Netz
3 Verbindungen, davon 3 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
wird kritisiert von Emmanuel Levinasungeprüft
Levinas warf ihm eine ästhetisierende Haltung vor und setzte das Antlitz als stärkeren ethischen Anspruch dagegen.
kritisiert Martin Heideggerungeprüft
In Gottesfinsternis setzt sich Buber mit Heidegger und Sartre auseinander und lehnt das geschlossene Subjekt ab.
kritisiert Søren Kierkegaardungeprüft
In seinem Essay von 1936 kritisiert Buber Kierkegaards Gottesliebe, die Nächstenliebe ausschließe.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Buber trat 1933 von seiner Frankfurter Professur zurück, um der Entlassung zuvorzukommen, und wurde 1935 von der Gestapo mit Redeverbot belegt. 1938 floh er nach Jerusalem.[2]
Abhängigkeit belegt
Ab 1938 lehrte er an der Hebräischen Universität in Jerusalem bis 1951. Der Zionismus prägte seine Politik, und er vertrat in Brit Shalom eine Position gegen einen jüdischen Staat mit Mehrheit über die arabische Bevölkerung.[1]
Zeitgeschehen belegt
1953 nahm er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche an, was in Israel stark umstritten war.[2]
Kritik
Rosenzweig, Steven Katz und Walter Kaufmann bemängelten Buber vor allem erkenntnistheoretisch und stilistisch. Scholem kritisierte seine Deutung des Chassidismus als zu diesseitig. Heute kritisieren arabische und muslimische Stimmen wie Amal Jamal seine Haltung zu Palästinensern.
Wirkung heute
Die Unterscheidung von Ich-Du und Ich-Es wirkt in Pädagogik, Psychotherapie und Dialogkultur. Sie hilft, Gespräche in Teams auf Begegnung statt Verwaltung umzustellen.
Brücke zu Führung und Coaching
Bei jedem wichtigen Gespräch kannst du dich fragen, ob du dem anderen als Du oder als Es begegnest. Nimm dir in der nächsten Eins-zu-eins-Runde die ersten fünf Minuten ohne Agenda und höre nur zu. Was hörst du, wenn du nichts lösen musst?
Lebensstationen
- 1923Ich und Du erscheint
- 1933Rücktritt von der Frankfurter Professur
- 1935Redeverbot durch die Gestapo
- 1938Übersiedlung nach Jerusalem, Lehre an der Hebräischen Universität
- 1953Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
- 1965Tod in Jerusalem
Werke
Die Legende des Baalschem (1908)
Daniel (1913)
Ich und Du (1923)
Die Schrift (mit Franz Rosenzweig, 1926–1938)
Die Frage an den Einzelnen (1936)
Die Erzählungen der Chassidim (1949)
Gottesfinsternis (1953)
Anekdote überliefert
Bei der Reichspogromnacht im November 1938 wurde laut SEP Bubers Wohnung in Heppenheim verwüstet, er war da schon in Jerusalem. Buber nannte seinen Umzug dorthin nicht Flucht, sondern Einwanderung.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Martin Buber: Ich und Du (1923), sein Hauptwerk, kurz und poetisch
- Vertiefung
- Michael Theunissen: Der Andere. Studien zur Sozialontologie der Gegenwart (de Gruyter, Nachdruck 1981, laut Philpapers 1977 Auflage), wissenschaftlich, keine Einführung
Noch nicht sicher belegt
- Frankfurter Professur: SEP nennt 1923–1933, dewiki 1924–1933. Titel Gottesfinsternis (dewiki 1953) vs. Eclipse of God (SEP 1952, an einer Stelle 1951). Kein Zitat, weil die abgerufenen Stellen nur englisch vorlagen. Die Wohnungs-Verwüstung 1938 und das Wort Einwanderung stammen aus SEP und dewiki-Zusammenfassungen, Anekdotenstatus überliefert. Sekundärliteratur: Theunissens Buch ist wissenschaftlich, das Erstjahr (1965) nicht in den abgerufenen Quellen belegt, nur 1977 und 1981. Rolle von Hans Trüb als Schüler ist eine Deutung der SEP-Aussage (das dialogische Prinzip prägte ihn). Marcel wird in SEP nur als Beitragender zu einem Sammelband genannt, daher keine Kante.
Wege durchs Netz
Buber: Ich-Es macht das Gegenüber zum Gegenstand, Ich-Du ist eine Begegnung.
Herkunft der Daten: Existenzialismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Buber
- [1]SEP · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia · Wikipedia
- [3]philpapers.org/rec/THEDAS-2 · Aufsatz