William James
1842–1910 · New York, Harvard, Chocorua, Harvard (Cambridge)
- Strömung
- Utilitarismus und Pragmatismus
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was darf ich hoffen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Arzt, Psychologe und Philosoph, der den Pragmatismus mit Vorträgen und Büchern in Amerika bekannt gemacht hat.
James bringt Peirces Maxime in die breite Öffentlichkeit und prägt damit die Generation von Dewey und Mead. Er steht für die persönliche, am Einzelnen orientierte Seite des Pragmatismus, Dewey für die soziale.
Kernidee
James fragt bei jeder Streitfrage, welchen praktischen Unterschied sie macht. Wahr ist für ihn, was sich im Erfahrungsfluss bewährt und uns sicher in die Zukunft trägt. Bei wichtigen Entscheidungen, die sich nicht durch Beweise klären lassen, hat man nach ihm ein Recht, sich zu einer Überzeugung zu entschließen.
Bekannt für
James gilt als Begründer der wissenschaftlichen Psychologie in den USA und als einer der wichtigsten Vertreter des Pragmatismus. Aus seinem Hauptwerk über Psychologie stammt das Bild vom „Strom des Denkens“.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Pragmatische Wahrheit
Wahrheit ist für James eine Art von Gutem, so wie Gesundheit: Wahre Ideen führen uns in die Zukunft, ohne dass wir unangenehm überrascht werden. Sie leben zum großen Teil auf Kredit, weil nicht alles ständig überprüft wird, aber sie müssen sich im Erfahrungsverlauf bewähren. Ein Vertriebsmodell ist in diesem Sinn wahr, solange es Aufträge bringt, und wird falsch, wenn die Zahlen kippen.
Der Wille zum Glauben
Es gibt Entscheidungen, die „erzwungen“ und „bedeutsam“ zugleich sind: Man muss sich festlegen, bevor alle Beweise vorliegen, und es hängt viel davon ab. James nennt das Beispiel des Wanderers vor einem vereisten Felsband: Wer glaubt, dass er hinüberkommt, trägt mit diesem Glauben selbst zum Gelingen bei. In einer Führungsrolle gilt das ähnlich, wenn du einem neuen Teamleiter Vertrauen schenkst, bevor Ergebnisse vorliegen, und das Vertrauen selbst zum Gelingen beiträgt.
Pragmatismus als Methode
In Pragmatism (1907), entstanden aus Vorträgen von 1906 und 1907, erscheint Pragmatismus bei James als Temperament, als Bedeutungs- und Wahrheitstheorie und als Methode, philosophische Streitigkeiten zu klären. Man fragt, welchen praktischen Unterschied es macht, ob die eine oder die andere Seite recht hat. Wenn zwei Abteilungen über die „richtige“ Prozessbeschreibung streiten, prüfst du, ob die Streitpunkte überhaupt zu anderen Handlungen führen.
Begriffe
- Pragmatismus
- Wahrheit als Bewährung
- Wille zum Glauben
- Strom des Bewusstseins
- radikaler Empirismus
- Pluralismus
- Bewusstseinsstrom
- : das Bild, dass Denken ein fließender Strom und kein Baukasten aus Einzelteilen ist
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Louis Agassiz: Harvard-Zoologe, mit dessen Amazonas-Expedition James 1865 reiste
Schüler
- John Dewey: Die Principles of Psychology haben nach SEP Generationen von Denkern beeinflusst, darunter Dewey
Freunde
- Charles S. Peirce: lebenslange Freundschaft und Austausch
Gegner
- Kritiker seines Wahrheitsbegriffs: Sie hielten die Gleichsetzung von Wahrheit und Nützlichkeit des Glaubens für falsch
Verbindungen im Netz
11 Verbindungen, davon 2 noch nicht einzeln geprüft. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Lehrer von Mary Parker FollettDeutung
Nach der SEP (Pragmatist Feminism) studierte Follett an Radcliffe/Harvard unter anderem bei William James.
Lehrer von W. E. B. Du BoisDeutung
Du Bois belegte 1889/90 Philosophiekurse bei James, und er schreibt später, er sei auf seinen James zurückgefallen (SEP).
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Charles Sanders PeirceDeutung
James führte den Pragmatismus auf Peirces frühe Aufsätze The Fixation of Belief und How to Make Our Ideas Clear zurück.
baut auf David Humeungeprüft
Empiristische Tradition, in der Literatur üblich
Grundlage für George Herbert MeadDeutung
Mead verband Darwin, Hegel, Deweys Psychologie und Einsichten von James; er war zudem Hauslehrer in James' Familie.
Grundlage für Hilary PutnamDeutung
Putnam schrieb viel über James, Peirce und Dewey und wurde durch James und Dewey von der Fakt-Wert-Trennung abgebracht (Wikipedia, SEP).
Grundlage für Jane AddamsDeutung
Freundschaft, Addams zitiert James häufig und teilt mit ihm den Wert der Erfahrung.
Grundlage für John DeweyDeutung
Laut SEP gemeinsam mit Peirce und James Gründer des amerikanischen Pragmatismus
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Charles Sanders PeirceDeutung
Enge Freunde und Mitglieder des Metaphysical Club, die sich gegenseitig beeinflussten und ihre Spielarten des Pragmatismus doch abgrenzten.
persönlich verbunden mit Jane AddamsDeutung
Freundschaft, Addams zitiert James häufig und teilt mit ihm den Wert der Erfahrung.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
im Vergleich mit John Deweyungeprüft
Beide Begründer des Pragmatismus, laut SEP Dewey
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Geld Deutung
Der Vater hatte ein Vermögen geerbt, was James und seinem Bruder von klein auf Förderung und Reisen in Europa ermöglichte. Das kann den Blick auf Wahlfreiheit und individuelle Entscheidungen geprägt haben.[2]
Biografie Deutung
James litt sein Leben lang an Rücken- und Augenleiden, Schlafstörungen und Depressionen, nach SEP besonders in den Jahren um 1866 bis 1871. Der Gedanke, dass der Glaube an eigene Handlungsmacht Wirkung hat, hat vermutlich auch mit dieser Krisenerfahrung zu tun.[1]
Abhängigkeit belegt
Seine Laufbahn an der Harvard University begann 1872 mit einem Lehrangebot von Präsident Eliot zunächst in Physiologie, erst 1880 wurde er Assistenzprofessor für Philosophie. Er kam also über die Naturwissenschaft zur Philosophie.[1]
Kritik
Besonders stark kritisiert wurde sein Wahrheitsbegriff, nach dem etwas wahr ist, wenn es nützlich ist, daran zu glauben. James antwortete 1909 mit The Meaning of Truth. Peirce hielt James selbst für zu nominalistisch und zu misstrauisch gegenüber Logik.
Wirkung heute
Die Frage, welchen praktischen Unterschied ein Streit macht, und die Idee, dass Überzeugungen sich bewähren müssen, tragen in Psychologie, Organisationslehre und Coaching bis heute. Der „Wille zum Glauben“ erinnert daran, dass Entscheidungen oft vor der Beweislage fallen müssen.
Brücke zu Führung und Coaching
James hilft dir, endlose Debatten im Team zu beenden. Frag: Welchen praktischen Unterschied macht es für unser Handeln nächste Woche, wer von uns recht hat? Wenn es keinen gibt, entscheide und geh weiter. Wenn doch, lege fest, woran ihr es merkt.
Lebensstationen
- 1842Geboren am 11. Januar in New York als ältestes Kind von Henry James sr.
- 1872Lehrauftrag in Harvard, ab 1874/75 Psychologie und erstes psychologisches Labor in den USA
- 1890Erscheinen der Principles of Psychology
- 1898Berkeley-Vortrag zu Philosophical Conceptions and Practical Results, erster öffentlicher Auftritt als Pragmatist
- 1907Pragmatism erscheint, aus Vorträgen am Lowell Institute und der Columbia University
- 1910Gestorben am 26. August in Chocorua, New Hampshire
Werke
- Die Prinzipien der Psychologie (1890)
- Pragmatismus (1907)
The Principles of Psychology (1890)
The Will to Believe (1897)
The Varieties of Religious Experience (1902)
Pragmatism (1907)
The Meaning of Truth (1909)
Anekdote überliefert
1865 nahm James an der Amazonas-Expedition seines Lehrers Louis Agassiz teil und sammelte Präparate für das zoologische Museum in Harvard. Dabei erkrankte er an einer leichten Form der Pocken und erholte sich wieder.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- William James, Der Pragmatismus, übers. von Wilhelm Jerusalem, hrsg. von Klaus Oehler, Meiner, Hamburg, 2. Auflage 1994: die Vorträge von 1907 sind gut lesbar und voller Beispiele.
- Vertiefung
- Cheryl Misak, The American Pragmatists (2013), mit eigenem Kapitel zu James
Noch nicht sicher belegt
- Werkjahre 1890 und 1907 laut SEP-Auszug belegt. Die Kante zu hume ist üblich, nicht einzeln belegt. Die Kante zu dewey ist laut SEP-Dewey-Eintrag belegt (gemeinsamer Pragmatismus, SEP nennt James als Mitbegründer).
- Zitat weggelassen (kein deutscher Wortlaut mit Stelle abgerufen). Die Depressionsjahre 1866 bis 1871 aus der SEP-Chronologie. Die Zuordnung Dewey als Schüler ist eine Einflusslinie, keine Lehrer-Schüler-Beziehung. Gegner im Feld „gegner“ nur allgemein als Kritiker genannt, da keine Namen abgerufen wurden. Die IEP-Seite zu James selbst wurde nicht abgerufen, Zweitquelle ist de.wikipedia. Peirce aus der Lehrerliste entfernt: Die SEP (Eintrag Peirce) nennt die Annahme, James sei Schüler von Peirce gewesen, ausdrücklich falsch; die beiden waren enge Freunde und Mitglieder des Metaphysical Club. Dass James den Pragmatismus auf Peirces Aufsätze von 1877/78 zurückführte, steht in der IEP (Eintrag Peirce) und bei de.wikipedia (Eintrag Peirce). Amazonas-Expedition: SEP-Chronologie 1865, de.wikipedia 1864; hier SEP. Beim „Willen zum Glauben“ nennt die SEP nur die Merkmale „erzwungen“ und „bedeutsam“ und das Beispiel des vereisten Felsbands; der Begriff „lebendig“ (live option) stand in keiner abgerufenen Quelle und wurde entfernt. Die Vorträge zu Pragmatism hielt James laut SEP 1906 und 1907 am Lowell Institute und an der Columbia University (Vorläufer 1898 in Berkeley, 1905 am Wellesley College). Meiner-Ausgabe 1994 laut de.wikipedia, Misak laut philpapers (Oxford University Press 2013).
Herkunft der Daten: Gerüst der Landkarte (Version 6), Utilitarismus und Pragmatismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu W. James
- [1]Stanford Encyclopedia of Philosophy, William James · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia de, William James · Wikipedia
- [3]Internet Encyclopedia of Philosophy, Peirce · Internet Encyclopedia of Philosophy
- [4]philpapers.org/rec/MISTAP · Aufsatz