Gayatri Chakravorty Spivak
geb. 1942 · New York
- Strömung
- Strukturalismus und Poststrukturalismus
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Indisch-amerikanische Literaturwissenschaftlerin, die Derrida ins Englische übersetzte und mit der Frage, ob die Subalternen sprechen können, zu den prägenden Stimmen der postkolonialen Theorie wurde.
Spivak verbindet Derridas Dekonstruktion mit Fragen von Kolonialismus, Geschlecht und Klasse. Im Modul steht sie als Weiterführung der poststrukturalistischen Linie ins Postkoloniale und ist mit Butler im Austausch.
Kernidee
Spivak fragt, wer in einer Gesellschaft überhaupt gehört wird und wessen Stimme von mächtigen Rahmen von vornherein übertönt wird. Mit den Subalternen meint sie Menschen am Rand, die in den herrschenden Systemen nicht zu Wort kommen, auch dann nicht, wenn Intellektuelle für sie sprechen. Sie verbindet Dekonstruktion, Marxismus und Feminismus, um zu zeigen, wie solche Ausschlüsse entstehen.
Bekannt für
Man kennt Spivak für ihre englische Übersetzung von Derridas De la grammatologie mit langem Vorwort, das vielen als Einführung in Derrida dient. Weltbekannt wurde ihr Essay „Can the Subaltern Speak?“ von 1988.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Die Subalterne und ihre Stimme
Spivak fragt am Beispiel der Witwenverbrennung Sati, ob Menschen am untersten Rand überhaupt sprechen können, denn von den betroffenen Frauen selbst sind kaum Zeugnisse überliefert. Über sie sprechen andere, und auch wohlmeinende Fürsprecher können ihr Schweigen verstärken. Wenn im Unternehmen über die Leute am Band entschieden wird, ohne dass jemand vom Band im Raum sitzt, wiederholt sich dieses Muster im Kleinen.
Strategischer Essentialismus
Gemeint ist, dass Gruppen sich zeitweise auf eine gemeinsame Identität berufen, um politisch handeln zu können, obwohl sie wissen, dass diese Identität gemacht ist. Spivak hat den Begriff selbst geprägt und sich später in Interviews vom Wort distanziert, nicht aber vom Gedanken dahinter. Im Betrieb kann man vorübergehend als „die Pflege“ oder „die Technik“ auftreten, um Gehör zu finden, ohne zu behaupten, alle seien gleich.
Sanktionierte Ignoranz
In A Critique of Postcolonial Reason (1999) zeigt Spivak, wie europäische Denker wie Kant und Hegel Nichteuropäer vom vollen Menschsein ausschlossen. Die Haltung, einen Zusammenhang einfach für unwichtig zu erklären, nennt sie „sanktionierte Ignoranz“. In der Führung heißt das, auch das eigene Nichtwissen über die Lage anderer ernst zu nehmen.
Begriffe
- Subalterne
- strategischer Essentialismus
- Dekonstruktion
- Postkolonialismus
- sanktionierte Ignoranz
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Paul de Man: betreute ihre Doktorarbeit in Cornell (1967)
- M. H. Abrams: betreute ihren Master in Cornell (1962)
Freunde
- Jacques Derrida: sie lernte ihn 1971 kennen und übersetzte sein Werk
- Edward Said: lobte sie als Pionierin für die Untersuchung nichtwestlicher Frauen in der Literaturtheorie
Gegner
- Terry Eagleton: kritisierte 1999 in der London Review of Books ihren dichten, verschlungenen Stil
Verbindungen im Netz
4 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf Jacques DerridaDeutung
Sie übersetzte De la grammatologie und schrieb das Vorwort, das als Einführung in die Dekonstruktion gilt.
baut auf Karl MarxDeutung
en.wikipedia beschreibt sie als praktische Marxistin-Feministin-Dekonstruktivistin und nennt ihren Beitrag Speculations on Reading Marx (1987).
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
kritisiert Immanuel KantDeutung
In A Critique of Postcolonial Reason zeigt sie, wie Kant und Hegel Nichteuropäer vom vollen Menschsein ausschlossen.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Judith ButlerDeutung
Butler verteidigte Spivaks Werk in einer Antwort auf Eagletons Kritik; beide schrieben gemeinsam Who Sings the Nation-State? (dt. Sprache, Politik, Zugehörigkeit, Diaphanes 2007).
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Biografie Deutung
Spivak wurde 1942 im britisch regierten Kalkutta in eine bengalische Brahmanen-Familie geboren und lehrt seit den 1960er Jahren in den USA. Diese Doppelstellung zwischen Indien und amerikanischer Universität prägt ihre Frage, wer für wen spricht.[1]
Abhängigkeit belegt
Spivak ist University Professor an der Columbia University, einer der mächtigen Einrichtungen des akademischen Betriebs. Zugleich unterrichtet sie seit 1986 landlose, des Lesens unkundige Dalit in Westbengalen und gründete 1997 eine Stiftung für Bildung auf dem Land.[1]
Kritik
Terry Eagleton bemängelte 1999 in der London Review of Books ihre überladene, sprunghafte Prosa, und Stephen Howe fand sie verwirrend eklektisch. Judith Butler verteidigte ihr Werk in einer Antwort auf Eagleton. Vorwürfe gab es auch wegen eines Vorfalls 2024 an der Jawaharlal Nehru University, bei dem sie die Aussprache eines Dalit-Studenten wiederholt korrigierte und dieser sich gedemütigt fühlte.
Wirkung heute
Die Frage, wer für wen spricht, ist in Debatten über Repräsentation, Entwicklungshilfe und Vielfalt in Organisationen gängig. Ihr Essay über die Subalternen gehört zu den meistgelesenen Texten der postkolonialen Theorie.
Brücke zu Führung und Coaching
Spivak lädt dich ein, bei Entscheidungen zu fragen, wer betroffen ist, aber nicht mit am Tisch sitzt. Frag dich: Wessen Sicht fehlt in unserer Runde, und habe ich diese Menschen je gefragt, statt für sie zu sprechen? Lade für die nächste Entscheidung jemanden aus der betroffenen Gruppe selbst ein und höre erst einmal nur zu.
Lebensstationen
- 1942Geboren in Kalkutta
- 1967Promotion in Cornell bei Paul de Man
- 1976Übersetzung von Derridas De la grammatologie
- 1986Beginn des Unterrichts für landlose Erwachsene und Kinder in Westbengalen
- 1988Can the Subaltern Speak?
- 1991Professur an der Columbia University
Werke
Übersetzung und Vorwort zu Derridas De la grammatologie (engl. Of Grammatology, 1976)
Can the Subaltern Speak? (1988, dt. Turia + Kant 2007)
Outside in the Teaching Machine (1993)
A Critique of Postcolonial Reason (1999, dt. Kritik der postkolonialen Vernunft, Kohlhammer 2013)
Righting Wrongs (dt. Diaphanes 2008)
An Aesthetic Education in the Era of Globalization (2012)
Anekdote überliefert
Spivak kaufte 1967 Derridas De la grammatologie und wusste kaum etwas über den Autor, übersetzte das Buch dann aber ins Englische. Derrida lernte sie laut Wikipedia 1971 kennen.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation, übersetzt von Alexander Joskowicz und Stefan Nowotny, mit einer Einleitung von Hito Steyerl, Turia + Kant, Wien 2007: der berühmte Essay auf Deutsch.
Noch nicht sicher belegt
- SEP 404, IEP und Britannica nicht abgerufen; Personenquellen sind Wikipedia en/de und die Biografie der European Graduate School (Prüfer ergänzt). Die Columbia-Fakultätsseite lieferte 403. Übersetzung 1976 laut de.wikipedia und EGS. Columbia: en.wikipedia und EGS nennen 1991, de.wikipedia 1992. Ort New York nur über de.wikipedia (Columbia University in New York). Die frühere Quelle archive.qujochoe.org ist nur eine Veranstaltungsseite und wurde ersetzt; die deutsche Ausgabe des Subaltern-Essays erschien laut de.wikipedia 2007 bei Turia + Kant, nicht 2008. Der Satz vom Verlernen der Privilegien als Verlust, ein Begriff des Zuhörens ohne Besserwissen und der Unterricht für Kinder standen in keiner abgerufenen Quelle und wurden gestrichen. Das Erscheinungsjahr des englischen Originals von Righting Wrongs ist nicht abgerufen. Epistemische Gewalt nicht in den Quellen. Keine Sekundärliteratur bestätigt. Kein Zitat.
Herkunft der Daten: Strukturalismus und Poststrukturalismus. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Spivak
- [1]Wikipedia en: Gayatri Chakravorty Spivak · Wikipedia
- [2]Wikipedia (de): Gayatri Chakravorty Spivak · Wikipedia
- [3]pact.egs.edu/biography/gayatri-spivak · Webseite