Landkarte der Philosophie

Peter Frederick Strawson

1919–2006 · Oxford

Strömung
Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Der Oxforder Philosoph, der Russells Theorie der Kennzeichnungen (Ausdrücke wie „der König von Frankreich“, mit denen man auf ein bestimmtes Ding verweist) angriff, die Metaphysik als Beschreibung unseres Denkens neu belebte und Kant für die analytische Philosophie zurückholte.

Er kritisiert Russell, widerspricht Austin in der Wahrheitsfrage und folgt Ryle 1968 auf dem Waynflete-Lehrstuhl für Metaphysik in Oxford. Mit Kant verbindet ihn The Bounds of Sense, mit Grice die gemeinsame Antwort (den Aufsatz „In Defense of a Dogma“ von 1956) auf Quines Kritik an der Unterscheidung analytisch und synthetisch.

Kernidee

Strawson meint: Wer redet, bezieht sich auf etwas, aber der Satz behauptet nicht jedes Mal, dass es dieses Etwas gibt; er setzt es voraus. Philosophie soll das Netz der Grundbegriffe beschreiben, mit denen wir ohnehin denken, etwa Körper, Personen, Raum und Zeit, statt neue Denkweisen zu erfinden. Unsere Haltung zu Verantwortung beruht auf natürlichen Reaktionen wie Groll und Dankbarkeit, nicht auf der Klärung des Determinismus.

Bekannt für

Strawson wurde 1950 mit On Referring bekannt, einer Kritik an Russells Kennzeichnungstheorie. Sein Individuals (1959) brachte die Metaphysik in die Oxforder Philosophie zurück.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Präsupposition statt Behauptung

Wenn jemand sagt Der König von Frankreich ist kahl, behauptet er nach Strawson nicht, dass es einen König gibt, sondern setzt es voraus. Gibt es ihn nicht, ist der Satz weder wahr noch falsch, sondern geht ins Leere. Wer im Meeting sagt Das neue Konzept ist gescheitert, ohne dass je ein Konzept beschlossen wurde, nutzt eine Voraussetzung, die niemand geprüft hat.

Deskriptive Metaphysik

Strawson unterscheidet die beschreibende von der verändernden Metaphysik. Die beschreibende legt offen, welche Grundbegriffe wir tatsächlich benutzen, zum Beispiel dass wir Dinge im Raum identifizieren und Personen als Wesen mit Körper und Bewusstsein sehen. In Teams heißt das: Bevor du Rollen oder Prozesse neu erfindest, kläre, welches Bild von Zusammenarbeit alle schon im Kopf haben.

Reaktive Einstellungen

In Freedom and Resentment argumentiert Strawson, dass Verantwortung auf natürlichen Reaktionen wie Groll, Dank und Vergebung beruht, die in menschlichen Beziehungen verwurzelt sind. Ob die Welt determiniert ist, müssen wir dafür nicht klären. Wenn du eine Mitarbeiterin zur Rede stellst, nimmst du sie als Person ernst, und genau das unterscheidet das Gespräch von einer bloßen Fehlerbehebung an einer Maschine.

Begriffe

deskriptive Metaphysik
: Metaphysik, die beschreibt, welche Grundbegriffe wir tatsächlich benutzen, statt eine bessere Denkweise vorzuschlagen
Präsupposition
: eine Voraussetzung, die ein Satz stillschweigend macht, etwa dass es den genannten Gegenstand gibt, ohne es zu behaupten
Person als Grundbegriff
: Strawsons These, dass der Begriff der Person nicht weiter zerlegbar ist, weil Personen zugleich Körper und Bewusstsein haben
reaktive Einstellungen
: natürliche Reaktionen auf das Verhalten anderer wie Groll und Dankbarkeit, auf denen laut Strawson unsere Verantwortung beruht
transzendentale Argumente
: Begründungen, die zeigen, dass bestimmte Begriffe Bedingungen unseres Urteilens sind, und so den Skeptiker widerlegen sollen
Bezugnahme
: das Sprechen über ein bestimmtes Ding, bei dem der Hörer erkennt, wovon die Rede ist, ohne dass seine Existenz behauptet wird

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • H. P. Grice: Tutor in Oxford, später Mitautor
  • J. D. Mabbott: Tutor in Oxford

Schüler

  • Gareth Evans: bekannter Schüler laut Wikipedia
  • Paul Snowdon: bekannter Schüler laut Wikipedia
  • John Searle, A. C. Grayling, Eckart Förster: Doktoranden laut Wikipedia

Freunde

  • Paul Grice: Kollege und Mitautor von In Defence of a Dogma (1956)
  • Gilbert Ryle: Vorgänger auf dem Waynflete-Lehrstuhl

Gegner

  • Bertrand Russell: Strawson kritisierte die Kennzeichnungstheorie in On Referring (1950)
  • J. L. Austin: Debatte über Wahrheit 1950
  • W. V. O. Quine: Strawson und Grice antworteten auf dessen Analytizitätskritik

Verbindungen im Netz

3 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Immanuel KantDeutung

    The Bounds of Sense (1966) ist eine Auseinandersetzung mit Kants Kritik der reinen Vernunft.

Kritik

Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.

  • kritisiert Bertrand RussellDeutung

    Strawson kritisierte in On Referring (1950) Russells Kennzeichnungstheorie.

  • wird kritisiert von John Langshaw AustinDeutung

    Austin widersprach 1950 in Truth Strawsons performativer Deutung von wahr.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Zeitgeschehen Deutung

    Strawson diente ab 1940 in der Royal Artillery und danach bei den REME, 1946 wurde er als Captain entlassen. Seine akademische Laufbahn begann erst danach, was erklären kann, warum er erst nach 1950 zu einem Hauptvertreter Oxfords wurde.[2]

  • Abhängigkeit belegt

    Er verbrachte fast sein ganzes Berufsleben in Oxford und folgte 1968 Ryle auf dem Waynflete-Lehrstuhl. Die SEP deutet die Wahrheitsdebatte mit Austin vorsichtig als möglichen Machtkampf zwischen dem anerkannten Wortführer der Oxforder Philosophie und dem jüngeren Herausforderer.[1]

Kritik

Strawson hielt Russell vor, nach dessen Theorie müsse ein Satz mit leerer Kennzeichnung falsch sein; Russell und seine Verteidiger hielten an dieser Folge fest. Der Philosoph Barry Stroud zeigte, wie wenig transzendentale Argumente (Begründungen aus den Bedingungen unseres Denkens) gegen den Skeptiker ausrichten, und Strawson stimmte ihm in Skepticism and Naturalism weitgehend zu. Der Philosoph G. J. Warnock wandte gegen Strawsons Wahrheitsauffassung ein, dann sage die Feststellung, etwas sei wahr, nur dasselbe wie die ursprüngliche Bemerkung.

Wirkung heute

Der Begriff der Präsupposition ist in Linguistik und Sprachphilosophie Standard. Seine Gedanken zu reaktiven Einstellungen prägen bis heute die Debatte über Willensfreiheit und moralische Verantwortung.

Brücke zu Führung und Coaching

Strawson hilft dir, versteckte Voraussetzungen in Aussagen zu finden: Wenn jemand fragt Warum hat das Team versagt?, steckt darin schon ein Versagen, das niemand festgestellt hat. Frage im Gespräch: Was setzt dieser Satz stillschweigend voraus? Und bei Verantwortung gilt: Du behandelst Menschen als Personen, wenn du dein Gegenüber ernst nimmst, auch wenn du enttäuscht bist.

Lebensstationen

  1. 1919Geboren in London
  2. 1937Beginn des Studiums von PPE am St John's College, Oxford
  3. 1948Fellow am University College, Oxford
  4. 1950On Referring und Debatte mit Austin
  5. 1968Nachfolger Ryles als Waynflete Professor of Metaphysical Philosophy
  6. 1977Ritterschlag
  7. 2006Gestorben (SEP: in Oxford)

Werke

On Referring (1950); Introduction to Logical Theory (1952); Individuals (1959, deutsch: Einzelding und logisches Subjekt, 1972); Freedom and Resentment (1962); The Bounds of Sense (1966, deutsch: Die Grenzen des Sinns, 1981); Skepticism and Naturalism (1985); Analysis and Metaphysics (1992)

Anekdote überliefert

Laut Strawson musste Paul Grice durch hartnäckiges Drängen dazu gebracht werden, seinen berühmten Aufsatz über Bedeutung (1957) zu veröffentlichen. Die Aussage stammt aus Strawsons eigenem Bericht.[2]

Lesetipps

Einstieg
P. F. Strawson: Einzelding und logisches Subjekt (Individuals), Reclam, Stuttgart 1972, das Hauptwerk zur deskriptiven Metaphysik.
Vertiefung
Stanford Encyclopedia of Philosophy: Peter Strawson (Eintrag zu Leben und Werk)

Noch nicht sicher belegt

  • Sterbeort: SEP nennt Oxford, Wikipedia London (Krankenhaus); hier Oxford als Wohnort/ort-Feld. Geburtsort: SEP London, Wikipedia Ealing. Wikipedia-Text nur bis 100000 Zeichen gelesen. Kriegsdienst-Details nur aus Wikipedia, SEP nennt ihn nur allgemein. Schülerliste nur aus Wikipedia. Kritik von Warnock und Stroud nach SEP-Zusammenfassung ohne Primärbelege. Die Angabe, Strawson 1937 Studienbeginn, stammt aus SEP (1937–1940). Die Verknüpfung zu Quine (Kritik an Analytizität) nur in Beziehungstext, keine Kante. Prüfer: Dass Ryle Strawson förderte, steht in keiner abgerufenen Quelle; Kante strawson→ryle entfernt (nur Lehrstuhlnachfolge). Machtkampf-Deutung der SEP ist ausdrücklich vorsichtig formuliert. Der Einwand, Russell habe keine Existenzbehauptung gemeint, war unbelegt und wurde ersetzt. relbib.de (Katalog) nicht abrufbar, aus quellen entfernt; Reclam 1972 (Übersetzer F. Scholz) nach en.wikipedia. Aristoteles als Bezug im Kontext ohne Beleg, gestrichen. Rückgabe der Behauptung Russells Gegenposition ohne eigene Quelle formuliert, gegebenenfalls kürzen.

Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Strawson

  1. [1]SEP Peter Strawson · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia Peter Strawson · Wikipedia

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