Paul Watzlawick
Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler · 1921–2007 · Villach, später Palo Alto (Kalifornien)
- Kapitel
- System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Radikaler Konstruktivismusbelegt[1]Systemtheoriebelegt[3]
- Kants Fragen
- Was ist der Mensch? · Was kann ich wissen? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Kannst du in einem Team überhaupt nichts mitteilen?
- Position
- Watzlawick sagt, dass auch Schweigen und Rückzug als Verhalten eine Mitteilung sind, und leitet das als Axiom ab. Jede Mitteilung enthält außer dem Inhalt eine Aussage über die Beziehung, die den Inhalt einordnet und damit Metakommunikation ist. Probleme entstehen, wenn beide Seiten ihren Anteil am Ablauf unterschiedlich gliedern.
- Einwand
- In den abgerufenen Quellen ist kein ausdrücklicher Einwand gegen die Axiome genannt. Die Kritik an der Doppelbindungstheorie von Bateson als Erklärung der Schizophrenie betrifft die Grundlage, auf der die Kommunikationslehre aufbaut.
- Verbindung
- Watzlawick baut auf Batesons Doppelbindung und Metakommunikation auf und gehört zur Palo-Alto-Gruppe.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Kommt in diesen Denkwegen vor
Österreichisch-amerikanischer Psychotherapeut und Kommunikationstheoretiker, der Batesons Gedanken zu einer Lehre der menschlichen Kommunikation ausbaute.
Watzlawick steht in diesem Kapitel für die Ausarbeitung der Palo-Alto-Gedanken Gregory Batesons zu einer Kommunikationslehre für Paare, Familien und Organisationen. Er verbindet Kybernetik, Therapie und Konstruktivismus.
Kernidee
Watzlawick beschreibt Kommunikation als Verhalten in Beziehungen und fasst ihre Grundbedingungen in fünf Axiomen zusammen. Das bekannteste lautet, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Jede Mitteilung hat außerdem einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, und der Beziehungsaspekt ordnet den Inhalt ein, ist also Metakommunikation.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Als Dolmetscher der Wehrmacht übersetzte Watzlawick Verhöre englischsprachiger Gefangener. Er empfand Verständnis für die Gefangenen und übersetzte unvollständig. Das wurde gegen Kriegsende entdeckt, und er wurde Anfang Februar 1945 inhaftiert, überstand die Haft aber dank Vorgesetzter und des nahen Kriegsendes.[2]
Fundstelle: Abschnitt Leben
Bekannt für
Watzlawick ist vor allem durch den Satz bekannt, man könne nicht nicht kommunizieren. Weit verbreitet sind auch seine Bücher wie Anleitung zum Unglücklichsein.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Fünf pragmatische Axiome
Die Axiome besagen, dass man nicht nicht kommunizieren kann, dass jede Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt hat, dass Beziehungen durch die Interpunktion der Abläufe bestimmt sind, dass Menschen digital und analog kommunizieren und dass Beziehungen symmetrisch oder komplementär sind. Das zweite Axiom nennt den Beziehungsaspekt eine Metakommunikation, also eine Mitteilung über die Mitteilung. Übertragen auf heute: Wenn du im Meeting schweigst, sendet das nach dem ersten Axiom trotzdem eine Botschaft, die andere deuten.
Interpunktion und Beziehung
Mit Interpunktion meint die Theorie, dass beide Seiten einen Gesprächsablauf unterschiedlich gliedern und ihr Verhalten für bloße Reaktion halten. Dadurch entstehen Streitigkeiten darüber, wer angefangen hat. Übertragen auf heute: Eine Führungskraft, die sich zurückzieht, weil das Team nichts sagt, und ein Team, das schweigt, weil sich die Führungskraft zurückzieht, erleben dasselbe Muster aus zwei Blickwinkeln.
Paradoxe Kommunikation und Veränderung
Zusammen mit Weakland und Fisch beschrieb Watzlawick 1974 in Change, wie Probleme entstehen und gelöst werden. Die englische Wikipedia fasst seine Sicht so zusammen, dass Menschen ihr Leiden gerade durch den Versuch erzeugen, ihre Probleme zu lösen. Ein bekanntes Beispiel steht in seinem Buch Anleitung zum Unglücklichsein: Ein Mann klatscht, um Elefanten zu verscheuchen, und nimmt das Fehlen von Elefanten als Beweis, dass das Klatschen wirkt; so verewigt der Versuch, ein Problem zu vermeiden, das Problem.
Begriffe
- Axiome der Kommunikation
- Metakommunikation
- Inhalts- und Beziehungsaspekt
- Interpunktion
- symmetrisch und komplementär
- Konstruktion der Wirklichkeit
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
3 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 2 belegt, 1 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- In der angegebenen Quelle dokumentiert und anhand dieser Quelle geprüft. Die philosophische These ist dadurch nicht bewiesen.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung, anhand der angegebenen Quellen geprüft. Andere Lesarten sind möglich.
- überliefert
- In den angegebenen Quellen überliefert, historisch aber nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Persönlich verbunden
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
Heinz von FoersterPrüfstand: belegt
Watzlawick lud Heinz von Foerster ab Sommer 1985 zu gemeinsamen Weiterbildungskursen für Therapeuten nach Palo Alto ein; die deutsche Wikipedia zählt Watzlawick zu von Foersters engen Kontakten.
Übernimmt Gedanken von
Watzlawick übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
Gregory BatesonPrüfstand: belegt
Watzlawicks Kommunikationslehre in Pragmatics of Human Communication gründet auf Batesons Denken (Doppelbindung, Metakommunikation) und führt die Arbeit der Palo-Alto-Gruppe weiter.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Humberto MaturanaPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Watzlawick und Maturana werden beide mit dem Konstruktivismus verbunden, Watzlawick über seine Kommunikationstheorie und Bücher zum Konstruktivismus, Maturana über die Biologie des Erkennens.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Watzlawick wurde 1939 eingezogen, war in der Wehrmacht Dolmetscher und begann bei Verhören englischsprachiger Gefangener unvollständig zu übersetzen. Das wurde gegen Kriegsende entdeckt, und er kam Anfang 1945 in Untersuchungshaft in Stuttgart. Die Quelle stellt keinen Zusammenhang zu seiner späteren Theorie her.[2]
Abhängigkeit belegt
Die Axiome gehen nach der englischen Wikipedia auf Arbeiten von Gregory Bateson zurück. Die Kommunikationstheorie entstand am Mental Research Institute, wo Jackson, Weakland und Haley schon die Doppelbindungstheorie erarbeitet hatten.[1]
Kritik
Die Axiome sind nach der deutschen Wikipedia die Voraussetzungen der Theorie, also Grundannahmen und keine empirisch geprüften Gesetze. In den abgerufenen Quellen wird keine ausdrückliche Gegenposition zu Watzlawick genannt; die Kritik an der Doppelbindungstheorie (Schizophrenie) betrifft Bateson und seine Mitarbeiter.
Wirkung heute
Seine Arbeiten haben nach der deutschen Wikipedia die Familientherapie und die allgemeine Psychotherapie beeinflusst. Der Satz, dass man nicht nicht kommunizieren kann, ist bis heute seine bekannteste Formel.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn jemand in deinem Team auf eine Anfrage nicht antwortet, kannst du nach dem ersten Axiom davon ausgehen, dass auch dieses Verhalten etwas mitteilt, und es ansprechen. Du fragst zum Beispiel, was dein Schweigen oder sein Schweigen in dieser Lage bedeutet. Die Axiome stammen aus der Familientherapie; die Übertragung auf Arbeit ist eine Analogie.
Lebensstationen
- 1921Geburt in Villach
- 1949Promotion in Philosophie in Venedig
- 1954Abschluss am Jung-Institut in Zürich
- 1960Wechsel an das Mental Research Institute in Palo Alto
- 1967Pragmatics of Human Communication erscheint
- 1969Deutsche Ausgabe Menschliche Kommunikation
- 2007Tod in Palo Alto
Werke
- Pragmatics of Human Communication: A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes (1967)
Ersterscheinung: New York: W. W. Norton, 1967, mit Janet Beavin und Don D. Jackson. Deutsche Ausgabe: „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien“ (1969).
- Change: Principles of Problem Formation and Problem Resolution (1974)
Ersterscheinung: New York: W. W. Norton, 1974, mit John Weakland und Richard Fisch. Deutsche Ausgabe: „Lösungen. Zur Theorie und Praxis menschlichen Wandels“ (1974).
- Die erfundene Wirklichkeit (1981)
Ersterscheinung: München: Piper, 1981.
Lesetipps
- Einstieg
- Paul Watzlawick, Janet Beavin, Don Jackson, Menschliche Kommunikation (Huber, 1969), deutsche Ausgabe von Pragmatics of Human Communication; die Quelle der fünf Axiome.
- Vertiefung
- Paul Watzlawick – Wikipedia (de), Abschnitt Axiome der Theorie, als erster Überblick
Noch nicht sicher belegt
- Die Darstellung stützt sich auf die englische und die deutsche Wikipedia.
- Die Erstausgabe der „Pragmatics“ ist mit 1967 und W. W. Norton belegt.
- Die deutsche Ausgabe von 1969 (Huber, Bern) steht in der deutschen Wikipedia, ein Katalog wurde nicht genutzt.
- Das erste Axiom steht nur als Paraphrase im Text, denn sein Wortlaut ist ohne Seitenangabe nur durch die deutsche Wikipedia belegt.
- Die Beziehung zu Bateson ist über die Palo-Alto-Gruppe belegt.
- Ein persönliches Lehrer-Schüler-Verhältnis steht in den Quellen nicht, die englische Wikipedia sagt nur, Watzlawick sei Batesons Gruppe gefolgt.
- Zur Kritik an den Axiomen wurde keine Quelle genutzt.
- Der Satz zu Leiden durch Lösungsversuche steht in der englischen Wikipedia als Einleitungssatz.
- Don Jackson war nach den Quellen nicht Watzlawicks Lehrer, sondern holte ihn 1960 als Mitarbeiter nach Palo Alto.
- Dass Watzlawick „Die erfundene Wirklichkeit“ herausgegeben hat, steht in den genutzten Quellen nicht.
- Den Lehrauftrag an der Stanford University datiert die englische Wikipedia ab 1967, die deutsche ab 1976.
Wege durchs Netz
2. Beziehungen und Rückkopplungen
Watzlawick baute Batesons Gedanken zu einer Lehre der menschlichen Kommunikation aus.
Herkunft der Daten: Kapitel System, Organisation und Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.