Landkarte der Philosophie · Wer bin ich eigentlich?
Richtung 1 von 2 an der Kreuzung
Woher hast du überhaupt die Vorstellung, ein Ich zu sein, das gleich bleibt?
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du lernst, eine vertraute Vorstellung daraufhin zu prüfen, aus welchem Erleben sie stammt.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Perspektivwechsel
Hume und die buddhistische Lehre kommen zu einem ähnlichen Ergebnis, aber auf verschiedenen Wegen: Hume fragt, woher eine Vorstellung stammt, die Lehre fragt, was Leiden verursacht. Ein Einfluss ist nicht belegt.
Das Kernargument
Hume geht davon aus, dass jede Vorstellung letztlich auf einen Eindruck zurückgeht, also auf ein unmittelbares Erleben. Für ein dauerhaftes Ich müsste es einen Eindruck geben, der dein ganzes Leben lang unverändert bleibt, doch beim Blick nach innen findet er nur einzelne Wahrnehmungen wie Wärme, Liebe oder Schmerz. Das Ich, soweit es unser Denken und unsere Vorstellung betrifft, ist für ihn deshalb ein Bündel oder eine Abfolge von Wahrnehmungen. Dass wir uns trotzdem als dieselbe Person erleben, erklärt er damit, dass sich unsere Wahrnehmungen ähneln und einander verursachen und das Gedächtnis diese Verbindung trägt.
Am Fall
Humes Überlegung gilt für jeden Augenblick des Erlebens, das Tagebuch ist unsere Übertragung und kein Beispiel von Hume. Zwischen dem Schreiben damals und dem Lesen heute liegt nach ihm kein unverändertes Ich, sondern eine lange Reihe von Erlebnissen, die einander ähneln und auseinander hervorgehen. Dass du dich als dieselbe Person fühlst, liegt dann an dieser Verbindung und an der Erinnerung.
Ein ernsthafter Einwand
Hume selbst schrieb im Anhang zu seinem Traktat, er habe sich bei der persönlichen Identität in ein Labyrinth verirrt, und was ihn störte, ist bis heute umstritten. Andere wenden ein, dass sich deine Wahrnehmungen nur dann zu einem Bündel verknüpfen, wenn sie schon zu dir gehören, denn auch die Wahrnehmungen verschiedener Menschen können einander ähneln und verursachen.
Quellen dieser Richtung
- David Hume (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 2.1 Philosophy of Mind
- David Hume (Internet Encyclopedia of Philosophy), 2. Origin and Association of Ideas; 3.e Personal Identity; 4. Skepticism (Anhang zum Treatise)
Wie es weitergeht
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: Hume und die buddhistische Lehre werden hier verglichen. Ein Einfluss zwischen ihnen ist nicht belegt, und es ist keine historische Abstammungslinie.