Landkarte der Philosophie

Alfred North Whitehead

1861–1947 · Cambridge, London, Cambridge (Massachusetts)

Strömung
Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Mathematiker und später Philosoph, der mit Russell die Principia Mathematica schreibt und danach eine eigene Prozessphilosophie entwirft.

Whitehead ist der Mathematiker hinter den Principia Mathematica und Lehrer Russells. Seine spätere Metaphysik wurde von den logischen Positivisten zurückgewiesen und liegt am Rand der analytischen Tradition.

Kernidee

Whitehead denkt die Wirklichkeit nicht als Ansammlung fester Dinge, sondern als Geflecht von Ereignissen, die ineinander übergehen. Er warnt davor, abstrakte Begriffe der Wissenschaft für die konkrete Wirklichkeit zu halten. Auch Bildung soll Wissen lebendig halten und nicht als „träge Ideen“ weitergeben.

Bekannt für

Whitehead ist bekannt als Mitautor der Principia Mathematica und als Begründer der Prozessphilosophie. In Process and Reality (1929) beschreibt er die europäische Philosophie sinngemäß als eine Reihe von Fußnoten zu Platon.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Prozessphilosophie

Die Wirklichkeit besteht nach Whitehead aus verbundenen Ereignissen, nicht aus unveränderlichen Substanzen. Dinge erscheinen erst durch die Wiederholung von Ereignissen. Eine Abteilung ist in diesem Sinn kein festes Ding, sondern ein Geschehen aus Gesprächen, Entscheidungen und Gewohnheiten.

Trugschluss der unangebrachten Konkretheit

Wir halten abstrakte Begriffe der Wissenschaft leicht für die Wirklichkeit selbst. Whitehead nennt das den Trugschluss der unangebrachten Konkretheit. Wenn du eine Kennzahl im Dashboard mit der Leistung eines Menschen gleichsetzt, tappst du in diese Falle.

Bildung ohne träge Ideen

Wissen soll nicht als „träge Idee“ weitergegeben werden, die nur gelernt und nie benutzt wird. Whitehead nennt als Ideale der Erziehung Freiheit und Disziplin sowie Kreativität und Genauigkeit. Eine Schulung im Unternehmen wirkt, wenn Teilnehmer das Gelernte noch in der Woche darauf anwenden.

Begriffe

Principia Mathematica
Prozessphilosophie
wirkliche Ereignisse
Trugschluss der unangebrachten Konkretheit
träge Ideen

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Schüler

  • Bertrand Russell: laut de.wikipedia ab 1890 sein Lehrer in Cambridge, später enger Freund
  • Willard Van Orman Quine: in de.wikipedia unter den Schülern genannt, in der SEP unter den von ihm Beeinflussten
  • Nelson Goodman: in de.wikipedia unter den Schülern genannt
  • Susanne Langer: in de.wikipedia unter den Schülern genannt
  • Charles Hartshorne: in de.wikipedia unter den Schülern genannt

Freunde

  • Bertrand Russell: Mitautor und Freund, trotz politischer Differenzen

Gegner

  • Logische Positivisten: wiesen seine Metaphysik zurück

Verbindungen im Netz

5 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Lehrer und Schüler

Persönliches Lehrverhältnis.

  • Lehrer von Bertrand RussellDeutung

    Whitehead lehrte Russell ab 1890 in Cambridge und schrieb mit ihm die Principia Mathematica.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • baut auf Gottlob FregeDeutung

    Laut SEP verdanken die Principia Mathematica von Russell und Whitehead Freges Grundgesetzen sehr viel; die Wirkung auf Whitehead läuft über dieses gemeinsame Werk.

  • baut auf PlatonDeutung

    Deutung: In Process and Reality nennt Whitehead die europäische Philosophie sinngemäß Fußnoten zu Platon und greift laut SEP Platons Formen auf.

  • Grundlage für Willard Van Orman QuineDeutung

    Die SEP zählt Quine zu den von Whitehead Beeinflussten, de.wikipedia nennt ihn unter seinen Schülern.

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Bertrand RussellDeutung

    Russell und Whitehead schrieben gemeinsam die Principia Mathematica.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Zeitgeschehen belegt

    Sein Sohn Eric Alfred fiel 1918 als Leutnant der Royal Air Force bei einem Patrouillenflug in Frankreich. Welche Rolle das für sein Denken spielte, sagen die Quellen nicht.[2]

  • Geld belegt

    Für die Veröffentlichung der Principia Mathematica mussten Whitehead und Russell jeweils 50 Pfund aus eigener Tasche zahlen.[2]

  • Biografie Deutung

    Whitehead war in London Professor für angewandte Mathematik und ging 1924 als Professor für Philosophie nach Harvard. Seine großen metaphysischen Werke wie Process and Reality entstanden erst dort.[1]

Kritik

Schüler wie Hardy teilten seine Ansicht nicht, dass reine und angewandte Mathematik zusammengehören. Die logischen Positivisten wiesen seine Metaphysik zurück. Seine Gravitationstheorie gilt nach Messungen am Pulsar B1913+16 (2008) als widerlegt.

Wirkung heute

Die Principia Mathematica bleiben ein Meilenstein der formalen Logik. Whiteheads Prozessgedanke inspirierte die Prozessphilosophie und Prozesstheologie und beeinflusste Deutungen der Quantenmechanik.

Brücke zu Führung und Coaching

Whitehead erinnert dich daran, dass Organisationen eher Abläufe als Dinge sind. Wenn ein Team „festgefahren“ wirkt, frag: Welche Ereignisse wiederholen sich hier, und welche würden wir gern anders wiederholen? Prüfe auch, welche Kennzahl du gerade für die Wirklichkeit hältst.

Lebensstationen

  1. 1861Geboren in Ramsgate, Kent
  2. 1880Beginn des Mathematikstudiums am Trinity College, Cambridge; 1884 Fellow
  3. 1910Principia Mathematica mit Russell (Bände bis 1913), Wechsel nach London
  4. 1914Professor für Angewandte Mathematik am Imperial College
  5. 1924Professor für Philosophie in Harvard
  6. 1947Gestorben in Cambridge, Massachusetts

Werke

A Treatise on Universal Algebra (1898); Principia Mathematica mit Russell (1910–1913); The Concept of Nature (1920); Science and the Modern World (1925); Process and Reality (1929); Adventures of Ideas (1933)

Anekdote überliefert

Bei seinen Gifford Lectures liefen die Zuhörer in Scharen davon. In Harvard nahm er auf die Auffassungsgabe seiner Zuhörer wenig Rücksicht.[2]

Lesetipps

Einstieg
Alfred North Whitehead: Abenteuer der Ideen, mit einer Einleitung von Reiner Wiehl, Suhrkamp (Reihe Theorie), Frankfurt am Main 1971: Whiteheads Geschichte der Ideen Europas in seinem späten Denken.

Noch nicht sicher belegt

  • Zwei Quellen (SEP, de.wikipedia), vom Prüfer erneut abgerufen, beide nur bis etwa Zeichen 100000 gelesen. Platon-Satz nur sinngemäß nach de.wikipedia, ohne Seitenangabe, daher zitat null; die Platon-Kante ist Deutung. Sohn Eric und die 50 Pfund Druckkosten nur in de.wikipedia (SEP nennt nur den Verlust des jüngsten Sohnes im Ersten Weltkrieg). Gifford-Anekdote in de.wikipedia ohne Beleg. Schülerliste nach de.wikipedia; ob Quine im engeren Sinn sein Schüler war, wird nicht ausgeführt, daher Kante als Wirkung. Hardy-Distanzierung nur SEP. Lesetipp-Ausgabe 1971 über Bibliothekskatalog (KIT) bestätigt. Sekundärliteratur leer.

Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Whitehead

  1. [1]SEP: Alfred North Whitehead · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia: Alfred North Whitehead · Wikipedia

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