Alfred Jules Ayer
1910–1989 · London, Oxford
- Strömung
- Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
- Eigener Eintrag
- Stanford Encyclopedia of Philosophy
Der Brite, der mit einem schmalen, scharfen Buch die Ideen des Wiener Kreises in der englischsprachigen Welt bekannt machte.
Er lernte den Tractatus über seinen Tutor Ryle kennen und besuchte 1932/33 Schlicks Wiener Kreis. Carnap folgte er darin, Metaphysik als sinnlos zu verwerfen.
Kernidee
Ayer vertritt in Language, Truth and Logic: Ein Satz ist nur sinnvoll, wenn er entweder aus Definitionen folgt oder durch Erfahrung prüfbar ist. Metaphysische Aussagen gelten ihm deshalb als sinnlos. Moralische Urteile beschreiben seiner Ansicht nach keine Tatsachen, sondern drücken Gefühle aus.
Bekannt für
Ayer wurde 1936 mit 25 Jahren durch Language, Truth and Logic bekannt, das den logischen Positivismus in Großbritannien populär machte. Er galt später als einer der bekanntesten Philosophen Englands und trat auch im Fernsehen auf.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Verifikationsprinzip
Nach Ayer hat ein Satz nur dann Bedeutung, wenn er analytisch ist (wahr aufgrund von Definitionen) oder sich durch Erfahrung prüfen lässt. Die Erstfassung unterschied starke und schwache Verifizierbarkeit, die zweite Auflage von 1946 direkte und indirekte. Alonzo Church zeigte 1949, dass das Kriterium kaum eine Aussage ausschloss. Im Alltag entspricht das der Nachfrage: Wie müsste die Welt aussehen, damit deine Aussage falsch ist?
Emotivismus in der Ethik
Moralische Urteile beschreiben laut Ayer keine Tatsachen, sondern drücken Gefühle aus. Er hielt daran auch dann fest, als er den Positivismus aufgab. Wenn jemand im Team sagt „Das ist unfair“, lohnt sich deshalb die Rückfrage, welches konkrete Ereignis und welches Gefühl dahinter stehen.
Metaphysikkritik
Ayer erklärte metaphysische, theologische und ethische Sätze für nicht prüfbar und damit ohne Wahrheitswert. Darin folgte er Carnap; später sah er Metaphysik milder, als mögliches „Sekundärsystem“, das Tatsachen ordnet und erklären hilft. In Führungsgesprächen ist das vergleichbar mit der Beobachtung, dass große Schlagworte wie „Exzellenz“ ohne prüfbare Merkmale nichts entscheiden.
Begriffe
- Verifikationsprinzip
- Emotivismus
- Sinnesdaten
- Redundanztheorie der Wahrheit
- Metaphysikkritik
Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner
Lehrer
- Gilbert Ryle: Tutor in Oxford, lenkte ihn auf den Tractatus und nach Wien
Freunde
- Bertrand Russell: trat mit ihm in Fernsehdebatten auf; Ayer hielt ihn für den wichtigsten britischen Philosophen des Jahrhunderts und sich selbst für den zweiten
Gegner
- J. L. Austin: kritisierte die Sinnesdatentheorie in Sense and Sensibilia (1962)
- Peter Strawson: wandte 1979 ein, dass sich Beobachtungsdaten nicht beschreiben lassen, ohne die Theorie vorauszusetzen, die sie prüfen sollen
- Alonzo Church: wies 1949 Schwächen des Kriteriums nach
Verbindungen im Netz
5 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Lehrer und Schüler
Persönliches Lehrverhältnis.
Schüler von Gilbert RyleDeutung
Ryle war Ayers Tutor in Oxford und empfahl ihm den Besuch bei Schlick in Wien.
Baut auf
Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.
baut auf George Edward MooreDeutung
Laut SEP führte Moores Ethik bei von ihm beeinflussten Denkern wie Ayer zum Non-Kognitivismus.
baut auf Rudolf CarnapDeutung
Ayer folgte Carnap darin, Metaphysik als sinnlos zu verwerfen.
Kritik
Kritik an einer bestimmten These. Ein persönlicher Streit ist damit nicht gemeint.
gegenseitige Kritik mit John Langshaw AustinDeutung
Austin kritisierte in Sense and Sensibilia (1962) die Sinnesdatentheorie, Ayer antwortete 1967.
Persönlicher Kontakt
Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.
persönlich verbunden mit Bertrand RussellDeutung
Ayer trat mit Russell in Fernsehdebatten auf, schrieb 1972 ein Buch über ihn und sah ihn als wichtigsten britischen Philosophen des Jahrhunderts.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen Deutung
Im Zweiten Weltkrieg diente er in den Welsh Guards und im Nachrichtendienst, vor allem im Special Operations Executive, und half laut SEP von London aus, den französischen Widerstand zu organisieren. Diese Jahre außerhalb der Universität können seinen Blick auf Philosophie als öffentliche Angelegenheit mitgeprägt haben.[4]
Abhängigkeit Deutung
Ryle förderte seinen Weg zum Wiener Kreis und half ihm beim Eintritt in die Armee. Die Verbindung zu Oxford, wo Ayer 1929 begann, prägte, wie er die Wiener Ideen für ein britisches Publikum aufbereitete.[1]
Biografie belegt
Ayer war 1936 erst 25 Jahre alt, als sein Buch erschien. 1976 sagte er in einem Interview, dass seine früheren Positionen größtenteils falsch gewesen seien.[2]
Kritik
Giles Romilly und C. E. M. Joad warfen Ayer 1948 vor, seine Ansichten leisteten dem Faschismus Vorschub; Ayer hielt dagegen, der Fehler liege bei denen, die Werte aus Tatsachen ableiten wollen. Gegen den Emotivismus wird das Frege-Geach-Problem angeführt: Er kann einfache Schlüsse mit moralischen Begriffen nicht erklären. Austin griff die Sinnesdatentheorie an, und Church zeigte die Unschärfe des Verifikationsprinzips.
Wirkung heute
Das Buch bleibt ein klarer Einstiegstext in den logischen Empirismus. Der Emotivismus lebt in der Metaethik weiter, etwa in Debatten über Nonkognitivismus.
Brücke zu Führung und Coaching
Ayer regt zu einer einfachen Frage an: Ist das, was gerade gesagt wurde, eine prüfbare Tatsache oder ein Ausdruck von Haltung und Gefühl? Probiere sie in der nächsten Konfliktbesprechung aus, wenn jemand sagt „Das ist inakzeptabel“. So trennst du, worüber man Daten sammeln kann, und wo es um Werte und Gefühle geht.
Lebensstationen
- 1910Geboren in London
- 1929Beginn des Studiums am Christ Church College in Oxford
- 1936Veröffentlichung von Language, Truth and Logic
- 1946Grote-Professur am University College London
- 1959Wykeham-Professur für Logik in Oxford
- 1989Gestorben in London
Werke
Language, Truth and Logic (1936, deutsch: Sprache, Wahrheit und Logik); The Foundations of Empirical Knowledge (1940); The Problem of Knowledge (1956); The Concept of a Person (1963); The Central Questions of Philosophy (1973); Part of My Life (1977)
Anekdote belegt
Ayer erstickte beinahe an einem Stück Räucherlachs, und sein Herz stand laut Wikipedia vier Minuten still. 1988 beschrieb er das Erlebnis im Artikel „What I saw when I was dead“ und trat danach rasch Gerüchten entgegen, er habe sich der Religion zugewandt.[1]
Lesetipps
- Einstieg
- Sprache, Wahrheit und Logik, übersetzt von Herbert Herring, Reclam 1970 (Originaltitel Language, Truth and Logic, 1936); kurz und kämpferisch geschrieben.
- Vertiefung
- SEP-Artikel: A. J. Ayer (online, Einführung)
Noch nicht sicher belegt
- Wien-Aufenthalt: SEP 1933, Wikipedia de 1932 (Semester). Wykeham-Professur: SEP 1958, Wikipedia de und en 1959 (hier 1959). Grote-Professur 1946 (SEP: mit 36 Jahren). Dauer des Herzstillstands (vier Minuten) nur Wikipedia de. Prüfer P2: Pariser Existentialismus-Studium, „folgte Carnap nicht in der Wissenschaftslogik“, „positive Deutung der Metaphysik bei Carnap“ und „früher Einfluss Russells“ in keiner abgerufenen Quelle, entfernt. Vorwurf von Joad/Romilly laut SEP Faschismus, nicht Relativismus (korrigiert). Reclam 1970, Übers. Herbert Herring, über KIT-Katalog bestätigt. Schlick-Kante nicht aufgenommen (SEP zitiert Kocsis: „false friend to Schlick“). Kein Zitat aufgenommen.
Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Ayer
- [1]SEP: A. J. Ayer · Stanford Encyclopedia of Philosophy
- [2]Wikipedia de: Alfred Jules Ayer · Wikipedia
- [3]katalog.bibliothek.kit.edu/bib/22894 · Webseite
- [4]SEP: A. J. Ayer – https://plato.stanford.edu/entries/ayer/ und Wikipedia en: A. J. Ayer · Wikipedia