Landkarte der Philosophie

George Edward Moore

1873–1958 · Cambridge

Strömung
Analytische Philosophie und Wissenschaftstheorie
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Eigener Eintrag
Stanford Encyclopedia of Philosophy

Cambridger Philosoph, der gemeinsam mit Russell den Idealismus verwirft und mit klaren Fragen die analytische Methode prägt.

Moore bewegt Russell weg vom Idealismus und liefert die Ethik und die Methode der Cambridge-Schule. Er ist Lehrstuhlvorgänger Wittgensteins, und sein Paradox regt dessen spätere Arbeiten an.

Kernidee

Moore hält „gut“ für eine einfache Eigenschaft, die sich nicht auf Natürliches zurückführen lässt. Gegen philosophische Skepsis verteidigt er den gesunden Menschenverstand: Dass hier eine Hand ist, weiß er sicherer als jede Prämisse eines Skeptikers. Seine Stärke liegt darin, Fragen so genau zu stellen, dass klar wird, was überhaupt gefragt ist.

Bekannt für

Moore ist bekannt für den „Handbeweis“: In einem Vortrag vor der British Academy 1939 hob er die Hände und sagte „Hier ist eine Hand“ und „hier ist noch eine“, um die Existenz äußerer Dinge zu beweisen. Seine Principia Ethica von 1903 prägte die Ethik des 20. Jahrhunderts.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Argument der offenen Frage

Moore meint, dass man bei jeder Definition von „gut“ sinnvoll weiterfragen kann, ob das so Bestimmte wirklich gut ist. Daraus folgt für ihn, dass „gut“ nicht auf natürliche Eigenschaften wie Lust zurückführbar ist. Wenn dir jemand sagt „Das ist gut, weil es Gewinn bringt“, kannst du fragen: Und ist Gewinn selbst gut?

Verteidigung des Common Sense

Alltägliche Überzeugungen wie „Hier ist eine Hand“ hält Moore für gewisser als philosophische Gründe, sie zu bezweifeln. Wie solche Sätze zu analysieren sind, lässt er offen. Wenn dein Team einen Plan wegen abstrakter Risiken verwirft, kannst du fragen, was davon wir wirklich sicherer wissen als das, was wir bereits sehen.

Organische Einheiten

Nach Moore kann ein Ganzes einen anderen Wert haben als die Summe seiner Teile. Als in sich wertvoll nennt er vor allem Freundschaft und den Genuss von Schönheit. Ein Team kann darum mehr wert sein als die Summe seiner einzelnen Leistungen.

Begriffe

Principia Ethica
naturalistischer Fehlschluss
Argument der offenen Frage
Common Sense
Beweis der Außenwelt
Moores Paradox

Lehrer, Schüler, Freunde, Gegner

Lehrer

  • John McTaggart: Einfluss im britischen Idealismus, den Moore später verwarf
  • F. H. Bradley: zeitweise Einfluss

Freunde

  • Bertrand Russell: Freund und Mitstreiter, von Moore weg vom Idealismus bewegt
  • Bloomsbury Group (Strachey, Woolf, Keynes): Freundeskreis

Gegner

  • Britischer Idealismus: verworfen in The Refutation of Idealism

Verbindungen im Netz

7 Verbindungen. Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Baut auf

Übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Grundlage für Alfred Jules AyerDeutung

    Laut SEP führte Moores Ethik bei von ihm beeinflussten Denkern wie Ayer zum Non-Kognitivismus.

  • Grundlage für Gilbert RyleDeutung

    Die SEP nennt Moores Common Sense und Sprachgebrauch als Einfluss auf Ryle.

  • Grundlage für John Langshaw AustinDeutung

    Die SEP nennt Moores Ich weiß, dass ich Hände habe als Einfluss.

  • Grundlage für Ludwig WittgensteinDeutung

    Wittgenstein folgte Moore auf den Cambridger Lehrstuhl, und Moores Paradox regte ihn an.

Persönlicher Kontakt

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • persönlich verbunden mit Bertrand RussellDeutung

    Freund und Mitstreiter, beide gelten als Begründer der analytischen Philosophie.

  • persönlich verbunden mit Lizzie Susan StebbingDeutung

    Stebbing korrespondierte jahrelang mit Moore und dankte für seine Kritik, grenzte sich aber eigenständig von ihm ab.

  • persönlich verbunden mit Ludwig WittgensteinDeutung

    Wittgenstein folgte Moore auf den Cambridger Lehrstuhl, und Moores Paradox regte ihn an.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Abhängigkeit Deutung

    Moore blieb fast sein ganzes Berufsleben in Cambridge: Fellow am Trinity College, Herausgeber von Mind, Professor. Das prägte sein Umfeld und seinen Schülerkreis.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Von 1940 bis 1944 hielt Moore sich als Gast in den USA auf, also während des Zweiten Weltkriegs. Ob dies sein Denken beeinflusste, sagen die Quellen nicht.[1]

Kritik

Das Argument der offenen Frage gilt als fragwürdig, weil sich auch richtige Definitionen sinnvoll anzweifeln lassen. Sein Intuitionismus, nach dem ethische Grundwahrheiten ohne Gründe erkannt werden, lässt ethische Streitfragen unentscheidbar. Keynes und Russell kritisierten seine konservative Regelfolgenethik, und das Prinzip der organischen Einheiten wirkt manchen irrational, weil es das moralische Abwägen blockiert.

Wirkung heute

Moores offene Frage und sein Paradox sind bis heute Standardthemen der Ethik und der Erkenntnistheorie. Seine Verteidigung des Common Sense lebt in vielen modernen Argumenten gegen Skepsis weiter.

Brücke zu Führung und Coaching

Moore lehrt dich, vor jeder Antwort zu klären, was genau gefragt wird. Frag dein Team bei einer Streitfrage: Was meinen wir mit „gut“ oder „erfolgreich“, und woran würden wir es erkennen? Oft löst sich ein Konflikt, sobald die Frage klarer ist.

Lebensstationen

  1. 1873Geboren in London
  2. 1892Studium am Trinity College, Cambridge; Abschluss 1896
  3. 1898Prize Fellow am Trinity College (bis 1904)
  4. 1903Principia Ethica und The Refutation of Idealism
  5. 1921Herausgeber von Mind, 1925 Professor in Cambridge
  6. 1958Gestorben in Cambridge

Werke

The Refutation of Idealism (1903); Principia Ethica (1903); Ethics (1912); A Defence of Common Sense (1925); Proof of an External World (1939); Some Main Problems of Philosophy (1953)

Anekdote belegt

In seinem Vortrag „Proof of an External World“ vor der British Academy 1939 hob Moore die Hände und sagte „Hier ist eine Hand“ und „hier ist noch eine“. Daraus schloss er, dass es mindestens zwei äußere Dinge und damit eine Außenwelt gibt.[1]

Lesetipps

Einstieg
G. E. Moore: Principia Ethica, hrsg. und eingeleitet von Thomas Baldwin, Cambridge University Press, 2. Auflage 1993 (englisch; ISBN 9780521448482): das Hauptwerk mit der offenen Frage.

Noch nicht sicher belegt

  • Zwei Quellen (SEP, de.wikipedia), vom Prüfer erneut abgerufen. Ayer und Ryle waren laut Quellen keine Schüler Moores: Ayer nennt die SEP nur als von Moore beeinflusst (Kante daher als Wirkung), Ryle nur als Nachfolger in der Herausgabe von Mind; diese Kante wurde entfernt. Mind-Herausgeberschaft: SEP 1921 bis 1944, de.wikipedia 1921 bis 1947. Der Handbeweis ist durch den gedruckten Vortrag von 1939 belegt; die Fassung mit rechter und linker Hand steht nur in de.wikipedia. Bloomsbury nur SEP. Keine deutsche Ausgabe der Principia Ethica bestätigt; die englische Ausgabe von 1993 ist über die Verlagsseite (cambridge.org) mit ISBN belegt. Sekundärliteratur leer. Emeritierung 1939.

Herkunft der Daten: Analytische Philosophie. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Moore

  1. [1]SEP: G. E. Moore · Stanford Encyclopedia of Philosophy
  2. [2]Wikipedia (de): George Edward Moore · Wikipedia

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