Ludwig von Bertalanffy
Biologe · 1901–1972 · Wien, später Kanada und Buffalo (Vereinigte Staaten)
- Kapitel
- System und Organisation (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
- Richtung
- Systemtheoriebelegt[3]
- Kants Fragen
- Was kann ich wissen? · Was ist der Mensch? (Deutung)
- Lebensdaten
- belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte
Zum Einstieg
Ist dein Team eine Maschine, die man einstellt, oder ein Lebewesen, das mit seiner Umgebung im Austausch steht?
- Position
- Bertalanffy beschreibt Lebewesen als offene Systeme, die mit der Umgebung Stoffe und Energie austauschen und sich so im Fließgleichgewicht halten. Er sucht Gesetzmäßigkeiten, die in verschiedenen Systemen wiederkehren, und stellt das Ganze über die Einzelteile.
- Einwand
- Kritiker nannten die Allgemeine Systemtheorie Pseudowissenschaft und bloße Ermahnung zu ganzheitlichem Denken. Ervin László erwidert, sie sei ein Paradigma und müsse nicht als einzelne falsifizierbare Theorie beurteilt werden.
- Verbindung
- Bertalanffy ist ein Ausgangspunkt für die Abgrenzung von Kybernetik (Wiener), Autopoiese (Maturana) und Luhmanns soziologischer Systemtheorie.
Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.
Österreichischer theoretischer Biologe, der die Allgemeine Systemtheorie begründete und lebende Wesen als offene Systeme beschrieb.
Bertalanffy ist in diesem Kapitel der Ausgangspunkt, um die Systemansätze zu unterscheiden. Die Kybernetik von Norbert Wiener behandelt nach der Darstellung der deutschen Wikipedia geregelte, operationell geschlossene Mechanismen, Maturanas Autopoiese beschreibt Leben als geschlossene Maschine, und Luhmann überträgt Systemdenken auf die Gesellschaft.
Kernidee
Bertalanffy versteht Lebewesen als offene Systeme, die mit ihrer Umgebung Stoffe und Energie austauschen und sich dadurch im Fließgleichgewicht halten. Seine Allgemeine Systemtheorie sucht Gesetzmäßigkeiten, die in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen gleichermaßen auftreten. Er betont das Ganze gegenüber den Einzelteilen und den Organismus gegenüber dem Mechanismus.
Biografischer Moment
Lebensereignis Belegtes Ereignis aus dem Leben. Ob es das Denken geprägt hat, behauptet die Angabe nicht.
Bertalanffy studierte zunächst Philosophie und Kunstgeschichte und entschied sich dann für die Biologie, weil man nach seiner Aussage später immer noch Philosoph werden könne, aber nicht Biologe. Seine Doktorarbeit schrieb er 1926 über Gustav Theodor Fechner. Danach widmete er sich sechs Jahre einem Projekt der theoretischen Biologie.[1]
Fundstelle: Abschnitt Biography
Bekannt für
Man kennt Bertalanffy als Begründer der Allgemeinen Systemtheorie. Bekannt ist auch sein mathematisches Wachstumsmodell für Organismen von 1934.
Theorien mit Alltagsbeispiel
Offene Systeme und Fließgleichgewicht
Bertalanffy meint, dass die klassischen Gesetze der Thermodynamik für geschlossene Systeme gelten, aber nicht unbedingt für offene Systeme wie Lebewesen. Offene Systeme tauschen Materie oder Energie mit der Umgebung aus und halten dabei eine Größe konstant, was er Fließgleichgewicht nennt. Übertragen auf heute: Auch eine Abteilung in einer Firma lässt sich so ansehen; sie bleibt nur arbeitsfähig, solange sie Aufträge, Informationen und Menschen aus ihrer Umgebung aufnimmt und wieder abgibt.
Allgemeine Systemtheorie
Die Allgemeine Systemtheorie sucht auf der Grundlage eines methodischen Holismus, also einer Betrachtung des Ganzen, gemeinsame Gesetzmäßigkeiten in physikalischen, biologischen und sozialen Systemen. Zu den Prinzipien, die in mehreren Arten von Systemen auftreten sollen, zählt die deutsche Wikipedia Komplexität, Gleichgewicht, Rückkopplung und Selbstorganisation. Er warnte selbst, dass eine solche Theorie oberflächliche Analogien vermeiden soll, die in der Wissenschaft nutzlos und praktisch schädlich seien.
Abgrenzung zur Kybernetik
Nach der deutschen Wikipedia sprach sich Bertalanffy dagegen aus, seine Systemlehre mit der Kybernetik zu vermischen, weil er das mechanistische Denken der Kybernetik für die Beschreibung von Leben nicht für angemessen hielt. Die Kybernetik legt ihren Schwerpunkt auf Regelung und Steuerung geregelter Mechanismen. Übertragen auf heute: Der Unterschied zeigt sich, wenn du ein Team wie einen Thermostat steuern willst und merkst, dass es sich eher wie ein Organismus verhält, der auf Umweltreize eigenständig reagiert.
Begriffe
- Allgemeine Systemtheorie
- offenes System
- Fließgleichgewicht
- Holismus
- organismisches Weltbild
- Rückkopplung
Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen
4 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 1 belegt, 3 Deutung). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.
Was der Prüfstand bedeutet
- belegt
- Mit Quelle belegt.
- Deutung
- Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
- überliefert
- Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
- ungeprüft
- Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.
Lehrer
Persönliches Lehrverhältnis: hat Bertalanffy unterrichtet.
Moritz SchlickPrüfstand: belegt
Bertalanffy promovierte 1926 in Wien über Fechner unter Moritz Schlick als Doktorvater.
Im Vergleich
Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.
Humberto MaturanaPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Nach der deutschen Wikipedia beschreibt Maturana grob dasselbe wie Bertalanffy, argumentiert aber kybernetisch mit operationell geschlossenen lebenden Maschinen.
Niklas LuhmannPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Die deutsche Wikipedia grenzt Luhmanns Systemtheorie ausdrücklich von der allgemeinen Systemtheorie Bertalanffys ab.
Norbert WienerPrüfstand: Deutung
Redaktioneller Vergleich: Allgemeine Systemtheorie und Kybernetik gelten als gemeinsame Grundlagen des Systemdenkens, Bertalanffy lehnte aber die Vermischung ab, weil er die Kybernetik für zu mechanistisch hielt.
Kontext
Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.
Zeitgeschehen belegt
Nach der deutschen Wikipedia kehrte Bertalanffy 1938 nach Wien zurück, beantragte im November 1938 die Aufnahme in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei und wurde rückwirkend zum 1. Mai aufgenommen. Dort heißt es auch, er habe im Zweiten Weltkrieg seine organismische Biologiephilosophie mit der damals vorherrschenden Ideologie verbunden, vor allem dem Führerprinzip. Nach 1945 wurden ihm Professorentitel und Lehrbefugnis entzogen.[2]
Geld belegt
Als Privatdozent in Wien litt Bertalanffy unter anhaltender Geldnot, weil die Stelle schlecht bezahlt war. Die Rockefeller Foundation ermöglichte ihm 1937 eine Reise nach Chicago, wo er mit Nicolas Rashevsky arbeitete.[2]
Kritik
Die Allgemeine Systemtheorie wurde als Pseudowissenschaft kritisiert und als bloße Mahnung beschrieben, Dinge ganzheitlich zu betrachten. Ervin László hält dagegen, dass sie ein Denkrahmen (Paradigma) sei und keine einzelne Theorie, die sich falsifizieren ließe.
Wirkung heute
Der Begriff des offenen Systems und die Frage nach der Wechselwirkung mit der Umwelt sind in Biologie, Organisationsforschung und systemischem Denken verbreitet. Die deutsche Wikipedia nennt als Beispiele die Pflegetheorie von Imogene King und eine Arbeit von Shirley Smoyak zur Familientherapie in der psychiatrischen Pflege, die sich auf ihn stützen.
Brücke zu Führung und Coaching
Übertragen auf heute: Wenn du ein Team als offenes System ansiehst, fragst du, was es aus seiner Umgebung aufnimmt, etwa Aufträge, Rückmeldungen und Informationen, und was es dorthin abgibt. Ein Team, das sich abschottet, verliert nach diesem Bild den Austausch, von dem es lebt. Das ist ein Denkbild aus der Biologie, das als Analogie hilft, aber nicht beweist, dass Teams wie Organismen funktionieren.
Lebensstationen
- 1901Geburt in Atzgersdorf bei Wien
- 1926Promotion in Wien mit einer Arbeit über Gustav Theodor Fechner
- 1934Habilitation und Veröffentlichung seines Wachstumsmodells
- 1945Aufsatz Zu einer allgemeinen Systemlehre
- 1949Professur in Montreal, danach unter anderem Ottawa, University of Southern California, Edmonton und ab 1969 Buffalo
- 1968General System Theory erscheint
- 1972Tod in Buffalo
Werke
- General System Theory: Foundations, Development, Applications (1968)
Ersterscheinung: New York: George Braziller, Copyright 1968, Imprint teils 1969.
- Zu einer allgemeinen Systemlehre (1945)
Ersterscheinung: Blätter für deutsche Philosophie, Band 3/4 (1945); Auszug in Biologia Generalis, Band 19 (1949).
- An Outline of General System Theory (1950)
Ersterscheinung: British Journal for the Philosophy of Science, Band 1 (1950), Seiten 114 bis 129.
Lesetipps
- Einstieg
- Ludwig von Bertalanffy, General System Theory: Foundations, Development, Applications (George Braziller, 1968); sein Hauptwerk zur Allgemeinen Systemtheorie.
- Vertiefung
- Wikipedia (de), Artikel Systemtheorie, Abschnitte Geschichte und Kybernetik, zur Abgrenzung der Ansätze
Noch nicht sicher belegt
- Zu Bertalanffy gibt es unter dem Stichwort Systemtheorie keinen Eintrag in der Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Die Darstellung stützt sich auf die englische und die deutsche Wikipedia.
- Das Erscheinungsjahr von „General System Theory“ ist nach dem Copyright und der englischen Wikipedia 1968.
- Die deutsche Wikipedia nennt 1969, und Bibliothekseinträge zeigen 1969 als Druckjahr bei Copyright 1968.
- Im Text gilt 1968.
- Eine deutsche Buchausgabe ist in den genutzten Quellen nicht belegt.
- Die Abgrenzung von Kybernetik, Autopoiese und Systemtheorie stützt sich nur auf die deutsche Wikipedia (Artikel Systemtheorie).
- Eine fachliche Primärquelle wurde dafür nicht genutzt.
- Die Verbindung zu Schlick als Doktorvater steht nur in der deutschen Wikipedia.
- Eine Verbindung zu Luhmann ist nicht belegt.
Wege durchs Netz
2. Beziehungen und Rückkopplungen
Bertalanffy begründete die allgemeine Systemtheorie und beschrieb Lebewesen als offene Systeme; an ihr lassen sich die übrigen Systemansätze abgrenzen.
Herkunft der Daten: Kapitel System, Organisation und Lernen. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.
Quellen zu Bertalanffy
- [1]Ludwig von Bertalanffy – Wikipedia (en), Abschnitt Biography
- [2]Ludwig von Bertalanffy – Wikipedia (de), Abschnitt Wirken
- [3]Systemtheorie – Wikipedia (de) · abgerufen 2026-10-22
- [4]Systems theory – Wikipedia (en) · abgerufen 2026-10-22
- [5]General System Theory: Foundations, Development, Applications · Wikipedia