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Landkarte der Philosophie

Norbert Wiener

Mathematiker · 1894–1964 · Massachusetts Institute of Technology, Cambridge (Massachusetts)

Kapitel
Geist und Technik (redaktionell, keine Schulzugehörigkeit)
Richtung
Kybernetikbelegt[4]
Kants Fragen
Was ist der Mensch? · Was soll ich tun? (Deutung)
Lebensdaten
belegt gilt für Name, Lebenszeit und Orte

Zum Einstieg

Was haben ein Thermostat, ein Mensch beim Greifen nach einer Tasse und ein Unternehmen gemeinsam?

Position
Wiener antwortet, dass alle auf Rückmeldung angewiesen sind: Sie messen die Wirkung ihres Handelns und passen es an. Aus dieser Sicht lassen sich Lebewesen und Maschinen mit denselben Begriffen von Steuerung und Kommunikation beschreiben.
Einwand
Hans Freudenthal hält dagegen, dass „Cybernetics“ neben nützlichen Begriffen auch falsche Vorstellungen davon verbreitet habe, was Mathematik leisten kann. Offen bleibt, ob dasselbe Vokabular das menschliche Erleben ausreichend beschreibt.
Verbindung
Bateson und von Foerster nahmen wie Wiener an den Macy-Konferenzen teil; von dort führt die Kybernetik in das Kapitel zu System, Organisation und Lernen.

Redaktionell zusammengefasst, keine Zitate. Die Quellen stehen am Ende der Seite.

Amerikanischer Mathematiker, der mit der Kybernetik eine Lehre von Steuerung und Kommunikation bei Lebewesen und Maschinen begründete.

Wiener liefert den Begriff, mit dem Maschinen, Lebewesen und Organisationen als Regelkreise beschrieben werden. In dieser Sammlung führt von ihm eine Linie zu Bateson und von Foerster, die an denselben Konferenzen teilnahmen, und zu den Debatten über Automation und Verantwortung.

Kernidee

Wiener fasst Kybernetik als die Lehre von Steuerung und Kommunikation bei Tier und Maschine. Gemeinsam ist beiden die Rückkopplung: Ein System meldet seine Wirkung zurück und verändert dadurch sein weiteres Handeln. In „The Human Use of Human Beings“ erklärt er, dass die Gesellschaft nur über die Nachrichten und Kommunikationswege verstanden werden kann, die zu ihr gehören.

Biografischer Moment

Belegter Einfluss Die Quellen belegen, dass dieses Erlebnis das Denken beeinflusst hat.

Wiener arbeitete ab 1941 im amerikanischen Verteidigungsforschungskomitee an der automatischen Steuerung von Flugabwehrgeschützen. Nach der Quelle führte ihn diese Arbeit zur Informationstheorie und zur Formulierung der Kybernetik.[1]

Fundstelle: Abschnitt During and after World War II

Bekannt für

Man kennt Wiener als Begründer der Kybernetik und als Mathematiker am Massachusetts Institute of Technology. Ein Alltagsbeispiel für sein Denken ist der Thermostat, der die Raumtemperatur misst und danach die Heizung steuert.

Theorien mit Alltagsbeispiel

Rückkopplung als gemeinsames Prinzip

Wiener beschreibt Regelungsvorgänge bei Lebewesen und Maschinen mit demselben Begriff, dem Rückkopplungskreis. Das Ergebnis einer Handlung wird gemessen und fließt in die nächste Handlung ein. Übertragen auf heute: Im Team ist ein Feedbackgespräch nach einem Projekt ein solcher Kreis.

Kommunikation als Schlüssel zur Gesellschaft

In „The Human Use of Human Beings“ vertritt Wiener, dass sich die Gesellschaft nur durch Nachrichten und Kommunikationswege verstehen lässt. Nachrichten zwischen Menschen und Maschinen und zwischen Maschinen werden nach seiner Erwartung dabei immer wichtiger. Übertragen auf heute: Wer fragt, welche Informationen in einer Firma ankommen und welche nicht, fragt ähnlich.

Chancen und Risiken der Automation

Wiener setzte sich für Automation ein, um den Lebensstandard zu heben, und beschrieb zugleich das Risiko, dass sie die Gesellschaft entmenschlichen könnte. Er machte dazu Vorschläge, wie man dieses Risiko vermeidet. Übertragen auf heute: Du kannst bei jeder Automatisierung fragen, welche menschliche Aufgabe dadurch wegfällt und was Menschen stattdessen tun sollen.

Begriffe

Kybernetik
Rückkopplung
Steuerung
Information
Automation

Lehrer, Schüler und weitere Verbindungen

6 Verbindungen im Netz (Prüfstand: 3 belegt, 1 Deutung, 2 ungeprüft). Jede hat ihre eigene Begründung und ihren eigenen Prüfstand.

Was der Prüfstand bedeutet
belegt
Mit Quelle belegt.
Deutung
Redaktionelle Deutung auf Grundlage der Quellen.
überliefert
Überliefert, aber historisch nicht gesichert.
ungeprüft
Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

Persönlich verbunden

Begegnung, Freundschaft, Briefwechsel oder Zusammenarbeit.

  • Gregory BatesonPrüfstand: belegt

    Wiener und Bateson gehören beide zu den Teilnehmern der Macy-Konferenzen zur Kybernetik; Wikipedia nennt Bateson zudem unter den von Wieners Arbeit Beeinflussten.

  • Heinz von FoersterPrüfstand: belegt

    Beide stehen in der Teilnehmerliste der Macy-Konferenzen zur Kybernetik; von Foerster gab die Berichte der Konferenzen mit heraus.

  • Kurt LewinPrüfstand: belegt

    Kurt Lewin und Norbert Wiener stehen beide in der Teilnehmerliste der Macy-Konferenzen zur Kybernetik; eine persönliche Zusammenarbeit wird nicht behauptet.

Baut auf

Wiener übernimmt oder entwickelt einen Gedanken weiter, meist über Texte.

  • Baruch de SpinozaPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Wiener wurde nach der deutschen Wikipedia von Spinoza besonders beeinflusst, als er die Kybernetik mit der Philosophiegeschichte verband.

  • Gottfried Wilhelm LeibnizPrüfstand: ungeprüft

    Noch nicht einzeln gegen Quellen geprüft. Lies sie als Hinweis, nicht als Tatsache.

    Wiener bemühte sich, die Ideen der Kybernetik mit der Philosophiegeschichte zu verbinden, wobei ihn Spinoza und Leibniz nach der deutschen Wikipedia besonders beeinflussten.

Im Vergleich

Redaktioneller Vergleich ähnlicher Gedanken, keine historische Beziehung.

  • Ludwig von BertalanffyPrüfstand: Deutung

    Redaktioneller Vergleich: Allgemeine Systemtheorie und Kybernetik gelten als gemeinsame Grundlagen des Systemdenkens, Bertalanffy lehnte aber die Vermischung ab, weil er die Kybernetik für zu mechanistisch hielt.

Kontext

Was das Denken geprägt oder verzerrt haben könnte: Geld, Abhängigkeit, Biografie.

  • Zeitgeschehen belegt

    Seine Arbeit an der automatischen Zielsteuerung von Flugabwehrgeschützen ab 1941 brachte Wiener dazu, Informationstheorie und danach die Kybernetik zu entwickeln.[1]

  • Zeitgeschehen belegt

    Wiener tauschte sich auch mit sowjetischen Forschern aus. Das ließ ihn im Kalten Krieg verdächtig erscheinen.[1]

Kritik

Der Mathematiker Hans Freudenthal nennt „Cybernetics“ ein schlecht geordnetes Buch voller Druckfehler und falscher Formeln. Er räumt ein, dass es Begriffe wie Rückkopplung, Information und Steuerung bekannt gemacht hat, hält aber dagegen, dass es auch falsche Vorstellungen davon verbreitet habe, was Mathematik leisten kann. Wiener selbst betonte die Gefahren der Automation für die Gesellschaft.

Wirkung heute

Der Rückkopplungsgedanke steckt in Regelungstechnik, Informatik und Biologie. Das Buch von 1950 gilt als Vorläufer der Forschung zur Kybernetik und hat nach Wikipedia Informatik, Technik, Biologie und Soziologie beeinflusst.

Brücke zu Führung und Coaching

Übertragen auf heute: Du kannst deinen Führungsalltag als Regelkreis betrachten. Welche Rückmeldung bekommst du über die Wirkung deiner Entscheidung, und wie schnell verändert sie dein nächstes Handeln? Das ist eine Analogie und keine Aussage Wieners über Führung.

Lebensstationen

  1. 1894Geburt am 26. November in Columbia, Missouri
  2. 1913Promotion in mathematischer Logik an der Harvard-Universität
  3. 1943Aufsatz „Behavior, Purpose and Teleology“ mit Rosenblueth und Bigelow
  4. 1948„Cybernetics“ erscheint
  5. 1950„The Human Use of Human Beings“ erscheint
  6. 1964Tod am 18. März in Stockholm

Werke

  • Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine (1948)

    Ersterscheinung: Hermann & Cie, Paris, und MIT Press, Cambridge (Massachusetts), 1948; zweite überarbeitete Auflage 1961.

  • The Human Use of Human Beings (1950)

    Ersterscheinung: The Riverside Press (Houghton Mifflin), 1950; überarbeitet 1954. Deutsche Ausgabe: „Mensch und Menschmaschine. Kybernetik und Gesellschaft“ (1952).

Lesetipps

Einstieg
Norbert Wiener, The Human Use of Human Beings (1950, überarbeitet 1954); allgemeinverständliche Fassung seiner Ideen.
Vertiefung
Wikipedia (en), „Cybernetics“, Abschnitte Definitions und First wave, als erste Orientierung

Noch nicht sicher belegt

  • Der Kontakt zu Bateson und von Foerster ist über die Teilnehmerliste der Macy-Konferenzen belegt, nicht über eine direkte Zusammenarbeit.
  • Die englische Wikipedia nennt Bateson zusätzlich unter den von Wiener Beeinflussten.
  • Das Jahr der deutschen Ausgabe von „Cybernetics“ („Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine“) ist offen, weil nur die deutsche Wikipedia 1948 nennt.
  • Die Verbindungen zu Leibniz und Spinoza stützen sich nur auf die deutsche Wikipedia und sind nicht geprüft.
  • Die englische Wikipedia sagt nur, die Kybernetik habe unter anderem bei Leibniz ihre Wurzeln, nicht dass Leibniz Wiener persönlich beeinflusste.

Wege durchs Netz

  • 1. Berechnen und Steuern

    Wiener beschrieb mit der Kybernetik Steuerung und Kommunikation bei Lebewesen und Maschinen mit denselben Begriffen.

Herkunft der Daten: Kapitel Geist, Maschine und Technik. Prüfstand der Lebensdaten: belegt. Verbindungen, Kontext und Anekdote haben jeweils einen eigenen Prüfstand.

Quellen zu Wiener

  1. [1]Norbert Wiener – Wikipedia (en), Abschnitt During and after World War II
  2. [2]Norbert Wiener · Wikipedia
  3. [3]mathshistory.st-andrews.ac.uk/Biographies/Wiener_Norbert · Webseite
  4. [4]Cybernetics – Wikipedia (en) · abgerufen 2026-10-22
  5. [5]The Human Use of Human Beings · Wikipedia
  6. [6]Macy conferences · Wikipedia

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