Landkarte der Philosophie · Wie frei bin ich?
Richtung 1 von 3 an der Kreuzung
Willst du, dass dieser Wunsch dich lenkt?
Was du auf diesem Weg gewinnst
Du gewinnst einen Maßstab, mit dem du innere Zwänge erkennst, ohne klären zu müssen, ob du anders hättest handeln können.
Wie diese Richtung zu den anderen steht
Redaktionell: Perspektivwechsel
Frankfurt selbst spricht von freiem Willen, sein Modell gilt aber als eines der einflussreichsten für persönliche Autonomie, also für die Frage, ob Wünsche und Werte wirklich deine sind; Kant fragt nach moralischer Autonomie, also danach, ob du dir das moralische Gesetz selbst auferlegst. Die Gegenüberstellung ist redaktionell.
Das Kernargument
Frankfurt unterscheidet Wünsche erster Stufe von Wünschen zweiter Stufe, die sich auf andere Wünsche richten. Eine Person kann Stellung dazu nehmen, welcher ihrer Wünsche sie zum Handeln bringen soll. Aus freiem Willen handelst du nach ihm, wenn dich der Wunsch bewegt, von dem du willst, dass er dich bewegt. Sein Beispiel sind zwei Süchtige: Der unwillige nimmt die Droge nicht aus freiem Willen, der willige, der sein Verlangen bejaht, dagegen schon, obwohl auch er nicht anders könnte.
Am Fall
Frankfurt spricht von Süchtigen und nicht von Gefälligkeiten, auf deinen Abend übertragen ist das eine Anwendung. Sagst du, Rücksicht gehört zu dem Menschen, der du sein willst, hast du nach seinem Maßstab aus freiem Willen zugesagt, auch wenn der Abend weg ist. Willst du dagegen nicht jemand sein, der aus Sorge vor Enttäuschung zustimmt, hat dich ein Wunsch gelenkt, den du nicht als deinen anerkennst.
Ein ernsthafter Einwand
Gary Watson wendet ein, dass du dich auch von einem Wunsch zweiter Stufe distanzieren kannst, sodass die Frage eine Stufe höher wiederkehrt. Außerdem zählt bei Frankfurt nicht, wie die Übereinstimmung entstanden ist, obwohl eine durch Manipulation erzeugte Zustimmung kaum frei wirkt.
Quellen dieser Richtung
- Compatibilism (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 4.2.1 Higher-Order Desires and Free Will; 4.2.2 Two Problems for a Hierarchical Theory (Watson 1975)
- Harry Frankfurt (Wikipedia, englisch), Personhood
- Autonomy in Moral and Political Philosophy (Stanford Encyclopedia of Philosophy), 1.1 Basic Distinctions (moral vs. personal autonomy); 1.2 Conceptual Variations (Frankfurt als einflussreichstes Authentizitätsmodell)
Wie es weitergeht
Vertiefen in Station 2: Wie frei bin ich, wenn ich einem Wunsch nicht widerstehen kann?
Fertig mit dieser Richtung?
Abgeschlossen ist die Richtung erst, wenn du es hier selbst markierst. Aufrufen zählt nur als geöffnet.
Redaktionelle Kreuzung: keine historische Abstammungslinie.